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Preußelbeere - Preußen

Bild 13.338: Preußelbeere - Preußen (Königreich)
Seite 13.338.
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Preußen# bisher eine Provinz des preuß. Staats, zerfällt seit 1878 in die Provinzen Ostpreußen und / 19
Preußen _2(Preußischer Staat, hierzu Karte "Preußen"), der wichtigste Staat im Deutschen Reich, / 39106
Preußen _3Bevölkerung. Das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 weist für P. eine / 4074
Preußen _4Königreich, der größte Staat des Deutschen Reichs, ist aufgebaut aus einer Reihe von Landerwerbun / 21
Preußen _5Provinz P., ehemals die nordöstlichste Provinz der preuß. Monarchie, wurde 1. April 1878 infolge / 30

Seite 13.338

Preußen

6 Seiten, 43'254 Wörter, 320'070 Zeichen

Geschichte — Preußen

Im Meyers Konversations-Lexikon, 1888 steht:



Preußen,

Preußen

Bild 13.338a: Preußen
* 2 Preußen.

[* 2] bisher eine Provinz des preuß. Staats, zerfällt seit 1878 in die Provinzen Ostpreußen [* 3] und Westpreußen (s. diese Artikel).

Titel
Elemente zu Preußen:

Preußen Preußen

Karte zur Geschichte Preußens Karte zur Geschichte Preußens

Bodengestaltung.

1) der Hunsrück (s. d.) zwischen Rhein, Nahe, Saar und Mosel

Gewässer.

Klima.

Bevölkerung.

Bildungsanstalten.

Landwirtschaft. Waldkultur.

Garten- und Weinbau.

Viehzucht, Fischerei.

Waldkultur.

Industrie.

Bergbau und Hüttenwesen.

Metallverarbeitung, Maschinenbau.

Industrie in Stein, Erde, Glas, Chemikalien.

Papier-, Leder-, Holz-, Textilindustrie etc.

Übersicht der Gewerbebetriebe in Preußen 1882.

2) Personen der Hauptbetriebe im Jahresdurchschnitt.

Handel und Verkehr.

Staatsverfassung und Verwaltung.

1) Haupt des fürstlichen Hauses Hohenzollern

2) Häupter der vormals reichsständischen Häuser in den königlich preußischen Landen

Staatsverwaltung.

1) Verwaltung für Berg-

2) Verwaltung der Staatseisenbahnen; 3) des Bauwesens; 4) Führung der Staatsaufsicht über die Privateisenbahnen

Landesverwaltung.

Selbstverwaltung.

1) die sieben östlichen Provinzen mit dem Landgemeindeverfassungsgesetz vom 14. April 1856; 2) die beiden westlichen

2) die beiden westlichen Provinzen mit einer formell abgeschlossenen Gemeindegesetzgebung

1) Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern

2) Hannover

2) und 4) bis 6) kollegiale Provinzial-, in den Verbänden unter 7)

Rechtspflege.

1) zu Königsberg für Ostpreußen

2) zu Marienwerder für Westpreußen

Kirchenverwaltung.

Andre Verwaltungszweige.

1) Rheinstrom-, 2) Elbstrom-, 3) Oderstrom-

Finanzen.

1) Aus den Einkünften aus eignem Besitz und dinglichen Rechten sind hervorzuheben die Pachtgelder der königlichen

Wappen, Farben, Orden.

Geographisch-statistische Litteratur.

Geschichte des preußischen Staats.

Die Regierung des Großen Kurfürsten 1640-88.

Der erste König 1688-1713.

Die Reorganisation des Staats unter Friedrich Wilhelm I. 1713-40.

Preußens Machtentwickelung unter Friedrich d. Gr.

1) zeigte der erstaunten Welt nicht bloß die Kriegstüchtigkeit der bisher oft verspotteten preußischen Armee

2) zu beginnen, in welchem er anfangs in nicht geringe Bedrängnis geriet

Die Regierung Friedrich Wilhelms II. 1786-97.

Der Sturz der Monarchie Friedrichs d. Gr.

Die Wiederherstellung des Staats durch die Stein-Hardenbergschen Reformen.

Die Zeit nach den Befreiungskriegen.

Die Verfassungsfrage, die auswärtige und die kirchliche Politik unter Friedrich Wilhelm III.

Die Regierung Friedrich Wilhelms IV. bis zum Erlaß der Verfassung.

Die Zeit der Reaktion.

Die neue Ära.

Der Verfassungskonflikt.

Herstellung des innern Friedens, Gründung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs.

Der kirchliche Streit und die neueste Zeit.

Litteratur zur Geschichte Preußens.

[Gesamtdarstellungen.]

[Einzelne Perioden.]

[13.338] Preußen bisher eine Provinz des preuß. Staats

Preußen

[* 2] (Preußischer Staat, hierzu Karte »Preußen«),

Mecklenburg, -Schwerin

Bild 11.385a: Mecklenburg, -Schwerin und -Strelitz
* 4 Mecklenburg.

der wichtigste Staat im Deutschen Reich, besteht seit 1866 im wesentlichen aus einem zusammenhängenden Gebiet, das freilich eine Anzahl von kleinern Staaten (beide Mecklenburg, [* 4] die Freien Städte, Oldenburg, [* 5] Braunschweig, [* 6] Anhalt, [* 7] Lippe, [* 8] Schaumburg-Lippe, Waldeck, [* 9] Oberhessen, Teile der thüringischen Staaten) umschließt, und grenzt gegen N. an die Nordsee, Dänemark [* 10] und die Ostsee, gegen O. an Rußland, Polen und Galizien, gegen S. an die österreichischen Kronländer Schlesien, [* 11] Mähren [* 12] und Böhmen, ferner an das Königreich Sachsen, [* 13] die thüringischen Staaten, Bayern, [* 14] das Großherzogtum Hessen, [* 15] die bayrische Pfalz und Elsaß-Lothringen [* 16] und gegen W. an Luxemburg, [* 17] Belgien und die Niederlande. [* 18]

A - Aachen

Bild 1.2: A - Aachen
* 23 Aachen.

Getrennt vom preußischen Staatsgebiet sind außer mehreren Enklaven innerhalb der von Preußen umschlossenen Staaten die Kreise [* 19] Schleusingen, Schmalkalden [* 20] und Ziegenrück sowie die Exklaven Wandersleben in Thüringen und Hohenzollern [* 21] in Süddeutschland. Die äußersten Punkte des Staats, abgesehen von Hohenzollern, sind folgende: der nördlichste bei Nimmersatt, nördlich von Memel, [* 22] unter 55° 54' nördl. Br., der östlichste bei Schilleningken unweit Schirwindt an der Scheschuppe unter 22° 53' östl. L. v. Gr., der südlichste bei Hanweiler am Einfluß der Blies in die Saar unter 49° 7' nördl. Br. und der westlichste bei Isenbruch im Regierungsbezirk Aachen [* 23] (4 km von der Maas) unter 5° 52' östl. L. v. Gr. In Rücksicht auf den Flächeninhalt nimmt Preußen die sechste Stelle unter den europäischen Staaten ein, indem es Rußland, Schweden [* 24] und Norwegen, Österreich-Ungarn, [* 25] Frankreich und Spanien [* 26] nachsteht.

Übersicht des Inhalts: Seite
Bodengestal­tung 338
Gewäs­ser 340
Kanäle 341
Klima 341
Bevölke­rung:
Volks­zahl etc. 342
Auswande­rung 342
Dichtig­keit 342
Geschlecht 343
Familienstand 343
Bewe­gung 343
Wohnplätze 343
Na­tionalität 343
Religionsbekennt­nisse 344
Bil­dungsanstal­ten 344
Gesund­heitspflege 345
Landwirt­schaft, Wald:
Ackerbau 345
Gar­ten- und Weinbau 347
Viehzucht 348
Fischerei 348
Waldkultur 348
Industrie 349
Bergbau 349
Berufs­zäh­lung 352
Handel und Verkehr 353
Schiffahrt 353
Ei­senbah­nen 353
Banken u. Kreditinstitute 353
Münzen, Maße etc. 354
Versiche­rungsanstal­ten 354
Spar­kas­sen 354
Staatswe­sen:
Staats­verfas­sung 354
Staats­verwal­tung 356
Landes­verwal­tung 356
Selbst­verwal­tung 357
Rechtspflege 358
Gefängniswe­sen 358
Kir­chen­verwal­tung 358
Andre Verwal­tungszweige 360
Finanzen 360
Wappen, Far­ben, Orden 362
Geograph. Litteratur 362
Ge­schichte 363

Hannover und Umgebung

Bild 8.130a: Hannover und Umgebung
* 27 Hannover.

Bodengestaltung.

Der größere Teil des preußischen Staats gehört dem Norddeutschen Tiefland an. Von den Küstenprovinzen reicht nur Hannover [* 27] in das deutsche Bergland (Harz) hinein; die andern, Schleswig-Holstein, [* 28] Pommern, [* 29] West- und Ostpreußen sowie die beiden Binnenprovinzen Brandenburg [* 30] und Posen, [* 31] liegen ganz innerhalb des Norddeutschen Tieflandes, während Schlesien und Sachsen zum kleinern, Westfalen [* 32] und die Rheinprovinz [* 33] zum größern Teil und Hessen-Nassau [* 34] ganz dem Bergland angehören.

Auf das Tiefland kommen vom Staatsgebiet etwa 268,000 qkm (4867 QM.), auf das Bergland 80,300 qkm (fast 1459 QM.). Das Bergland geht zwischen Minden [* 35] und Hannover mit dem Bückeberg und Deister am weitesten gegen N. vor. Von hier tritt es gegen O. mit der Linie Quedlinburg-Görlitz-Tarnowitz nach S. zurück, während es auf der Westseite der Weser zwischen dem Tiefland und den Tieflandsbusen an der obern Ems und [* 36] Lippe und bei Köln [* 37] und Bonn [* 38] halbinselartig vorgeht, einmal bis Osnabrück, [* 39] das andre Mal bis zum Steinkohlengebirge an der Ruhr.

Das Bergland, soweit es innerhalb des preußischen Staats liegt, gehört, abgesehen von der Rauhen Alb in Hohenzollern, drei Gebirgssystemen an: dem Niederrheinisch-Westfälischen Schiefergebirge im W.;

dem Hercynischen oder Sudetensystem, das von SO. her in zwei ausgeprägten Reihen vom Altvatergebirge auf der Grenze von Österreichisch-Schlesien und Mähren und vom Böhmerwald her sich weit nach NW. erstreckt und im Steinkohlengebirge bei Ibbenbüren sein äußerstes Ende erreicht, und endlich dem Oberrheinischen Gebirgssystem, das hierher nur eine Buntsandsteinplatte mit zahlreichen Basalten und andern vulkanischen Gesteinen zwischen die beiden andern Systeme bis zur Weser entsendet.

Grenzen der Hörbarkeit

Bild 58.307: Grenzen der Hörbarkeit - Grenzfälschung [unkorrigiert]
* 40 Grenzen.

Das Rheinisch-Westfälische Schiefergebirge bildet in fast allen seinen Teilen ein Plateau ohne bedeutende Höhenzüge, das aber von tiefen Flußthälern vielfach zerrissen ist. Die Grenzen [* 40] desselben treten fast überall deutlich hervor: im N. das Tiefland; im O. die erwähnte Buntsandsteinplatte von der Diemel bis zur Ohm, alsdann das Thal [* 41] der Lahn bis Gießen [* 42] und die Wetterau; im S. zuerst die Oberrheinische Tiefebene bis Bingen [* 43] und in Rheinbayern das Bruch von Landstuhl; im W. zieht sich das System tief nach Belgien hinein.

Innerhalb des Schiefergebirges, das durch den Rheinlauf zwischen Bingen und Bonn in zwei ziemlich gleiche Flügel geteilt wird, liegt an der Mündung der Mosel das Neuwieder Becken, in dem Alluvialbildungen zwischen Koblenzschichten und vulkanischen Massen eingebettet sind; eine andre, aber viel kleinere Tiefebene befindet sich an der Mosel bei Trier [* 44] auf der Grenze des Hunsrücks und der Eifel. Die einzelnen Teile des Schiefergebirges sind:

1) der Hunsrück (s. d.) zwischen Rhein, Nahe, Saar und Mosel, eine 400-500 m hohe Platte, auf welcher sich einige Bergzüge befinden (Hochwald 816 m); 2) die Eifel (s. d.) auf der Nordseite der Mosel, ein Hochland ohne Bergrücken, wenn man von der Rauhen Schneifel (Schneeeifel) absieht, reich an vulkanischen Produkten in dem östlichen Teil, mit der fruchtbaren Ebene des Maifeldes an der Nette, der Hohen Acht (760 m) und dem schönen Ahrthal;

3) das Hohe Venn (s. Venn) südlich von Aachen, mit großen Torfmooren, bei dem Signal Botrange 695 m hoch;



4) der Taunus (s. d.) zwischen Rhein, Main und Lahn und, wie die folgenden auf der Ostseite des Rheins, in ¶


 

Maßstab [* 46] 1:3400000.

Landes- u. Provinzhauptstädte sind doppelt, Regierungsbezirks-Hauptstädte einfach unterstrichen.

Eisenbahnen Hauptlinien Andere Bahnen

Hohenzollern (zur Rheinprovinz gehörig.)

Im Maßstab der Hauptkarte.



Preußen (Gebirge)

Bild 13.339: Preußen (Gebirge)
* 47 Seite 13.339.

Zum Artikel »Preußen«. ¶

mehr

seinem westlichen Teil das Rheingaugebirge genannt (woselbst der Niederwald über Rüdesheim), in seinem östlichen mehr als Gebirgsrücken ausgeprägt (Großer Feldberg 880 m), mit zahlreichen Mineralquellen und den schönsten Weinlagen des Deutschen Reichs an seinem südlichen Fuß;

5) der Westerwald (s. d.), ein Plateau zwischen Rhein, Lahn und Sieg, mit dem Fuchskauten (657 m) und dem merkwürdigen Siebengebirge (s. d.) als Vorposten des Berglandes bei Königswinter am Rhein;

6) das Sauerländische Gebirge an der Lenne und Ruhr, das den größten Teil des westfälischen Regierungsbezirks Arnsberg [* 48] erfüllt, mit vielen Verzweigungen: dem Quellgebiet der Sieg, Lahn und Eder, einer 600 bis 700 m hohen Platte, die nach allen Seiten zwischen den Flüssen sich abdacht und vom Härdler (696 m) an sich in dem Rothaar- oder Rotlagergebirge (Emmelkopf 778 m) bis zum Plateau von Winterberg an der Quelle [* 49] der Lenne (Kahler Astenberg 842 m) und Ruhr fortsetzt.

Haarananas - Haare

Bild 7.972: Haarananas - Haare
* 50 Haar.

Gegen O. vom Plateau von Winterberg dringt das Hainaische Gebirge (s. Haina, im Kellerwald 673 m) als Halbinsel in die Buntsandsteinplatte des Hessenlandes hinein. Noch gehören hierher: das Homertgebirge (Homert 666 m) und der Balver Wald (s. d.) zwischen Lenne und Ruhr, das Ebbegebirge (s. Ebbe, in der Nordhelle 633 m) auf der linken Seite der untern Lenne und der Arnsberger Wald zwischen Ruhr und Möhne. Die Haar [* 50] (380 m) bildet mit dem Ruhrkohlengebirge das nördlichste Glied [* 51] des Schiefergebirges und fällt allmählich gegen das nördliche Tiefland ab. Das Schiefergebirge besteht ganz vorzugsweise aus den verschiedenen Abteilungen der Devonformation, aus dem Unterdevon (Koblenzschichten oder ältere rheinische Grauwacke) auf dem Hunsrück; Taunus, Westerwald und der Eifel, dem Mitteldevon (Lenneschiefer) in geringer Ausdehnung [* 52] auf der Eifel, besonders aber im Sauerländischen Gebirge verbreitet, hier im N. und O. vom Oberdevon (Krammenzel) überlagert.

Die Ardennenschiefer des Hohen Venn bilden das älteste Gestein des Schiefergebirges und werden bereits zu den metamorphischen Gesteinen gerechnet. Am Rande des Schiefergebirges treten hervor: die Steinkohlenformation in ihren verschiedenen Abteilungen, mit der produktiven im S. bei Saarbrücken [* 53] unter Rotliegendem, Porphyr und Melaphyr, im N. bei Aachen und an der Ruhr, hier teilweise schon von den Diluvialschichten des Tieflandes bedeckt, ferner Zechstein im NO. an der Diemel, Buntsandstein im SW. bei Trier (auch auf der Eifel) etc. An vulkanischen Produkten ist die Eifel reich, an Basalten die Eifel und der Westerwald (in dem Tertiärbecken bei Westerburg), an Trachyten das Siebengebirge.

Frankenwald - Frankfur

Bild 6.497: Frankenwald - Frankfurt am Main
* 54 Frankfurt.

Von den Hauptgebirgen des Oberrheinischen Gebirgssystems (Vogesen, Schwarz-, Odenwald) gehört kein Glied hierher; auch die von denselben eingeschlossene Oberrheinische Tiefebene erreicht nur mit dem nördlichsten Teil, von dem das Thal der Wetterau ein Ausläufer ist, bei Frankfurt [* 54] a. M. die Grenzen des Staats. Innerhalb desselben aber liegen auf der nördlichen Buntsandsteinplatte schwache Ausläufer des Vogelsbergs und des Spessart, der größere Teil der Hohen Rhön (Wasserkuppe 950, Milseburg 833 m), am Ursprung der Fulda, [* 55] das Knüllgebirge (636 m), zwischen Fulda und Schwalm, der Meißner (751 m), unweit der Werra, der Kaufunger Wald (Bilstein 640 m), zwischen Werra und Fulda vor ihrer Vereinigung, der Habichtswald (595 m), westlich von Kassel, [* 56] der Reinhardswald (469 m), zwischen Weser und Diemel, der Solling (513 m), auf der östlichen Seite der Weser und teilweise in Braunschweig, und endlich im W. der Weser die Egge [* 57] (445 m) und das Plateau von Paderborn [* 58] (Plänerkalk der Kreideformation). [* 59] Die Buntsandsteinplatte ist stark bewaldet und reich an Basalten, die aber im N. unter der Breite [* 60] der Diemelmündung verschwinden.

Oesterreich ob der Enn

Bild 12.481a: Oesterreich ob der Enns
* 61 Österreich.

Das Hercynische oder Sudetensystem bildet zwei Reihen. Von den einzelnen Teilen der südlichen Reihe liegen Böhmerwald und Fichtelgebirge ganz außerhalb des Staats welchem jedoch der Thüringer Wald mit einem Teil seiner Zentralregion (Finsterberg 947 m) und seines nordwestlichen Rückens (Inselsberg 915 m) angehört. Ferner sind hierher zu rechnen der Ringgau (Zechsteinformation) in Hessen-Nassau und als letztes Glied der Teutoburger Wald. Die nördliche Reihe enthält in Schlesien auf der Grenze gegen Österreich [* 61] die höchsten Gebirge des Staats.

Das kleine, aber mannigfach verzweigte Glatzer Gebirgssystem (s. Glatz), [* 62] welches den Glatzer Kessel (ca. 320 m) einschließt, enthält: auf der preußisch-österreichischen Grenze das Glatzer Schneegebirge (Großer Schneeberg 1422 m) auf der Wasserscheide zwischen Oder, Elbe und Donau, das Reichensteiner Gebirge (bis 879 m), beide im O., sodann das Mensegebirge (Hohe Mense 1085 m) im W., endlich innerhalb des preußischen Staatsgebiets das Habelschwerdter Gebirge (Heidelberg [* 63] 942 m), das Eulengebirge (Hohe Eule 1014 m) und das Neuroder Gebirge.

Bergen (Stadt in Belgi

Bild 52.771: Bergen (Stadt in Belgien) - Berger (Joh. Nepomuk, Staatsmann)
* 64 Bergen.

In der nordwestlichen Fortsetzung dieses Gebirgssystems erscheinen: das Sandsteingebirge der Heuscheuer (920 m), das Niederschlesische Steinkohlengebirge, durch das Thal des obern Bober vom Riesengebirge geschieden, mit ansehnlichen Porphyr- und Melaphyrrücken (954 m) auf der südlichen Seite des Waldenburger Steinkohlenbeckens, der Porphyrmasse des Hochwaldes (840 m) innerhalb und einem Gebiet devonischer Grauwacke, in welchem der liebliche Fürstensteingrund, nördlich dieses Beckens, sodann das Katzbachgebirge (Hohe Kullge 740 m) und unter den einzelnen Bergen [* 64] der schlesischen Ebene vor allen der Zobten (718 m). Das Riesengebirge, auf der Grenze von Schlesien und Böhmen, aus Granit und Glimmerschiefer bestehend, enthält die höchsten Berge des Staats (Schneekoppe 1603, Hohes Rad 1509 m); seine westliche Fortsetzung bildet das Isergebirge (Tafelfichte 1123 m), von dem in veränderter Richtung das Lausitzer und Erzgebirge außerhalb der Staatsgrenzen zum Fichtelgebirge leiten, während in der ursprünglich nordwestlichen Richtung sich eine nicht hohe Granitplatte bis zur Elbe bei Meißen [* 65] hinzieht, zu welcher in Schlesien bei Görlitz [* 66] die Basaltkuppe Landskrone (429 m) und das Königshainer Gebirge (424 m) gehören.



Preußen (Bodengestaltu

Bild 13.340: Preußen (Bodengestaltung, Gewässer)
* 71 Seite 13.340.

Innerhalb der Gebirge Schlesiens sind unter den Thälern außer dem Glatzer Kessel das Landeshuter und Hirschberger Thal (300-400 m hoch), beide am Bober, nennenswert. Die nördliche Gebirgsreihe ist durch den weit nach S. vordringenden Tieflandsbusen bei Halle, [* 67] Leipzig, [* 68] Zeitz [* 69] und Altenburg [* 70] gestört und erscheint erst wieder in dem Massengebirge des Harzes (Brocken 1142 m). Aufs neue gestört, treten an ihre Stelle zu beiden Seiten der Leine in der Provinz Hannover und deren Nachbarschaft kleinere Gebirge, z. B. die Sieben Berge, der Hils, Osterwald, Deister, Bückeberg etc., bis endlich mit dem Wesergebirge (Süntel, Westfälische Pforte am Durchbruch der Weser, Wiehengebirge) die ursprüngliche Richtung ¶

Hellweg - Helm

Bild 8.363: Hellweg - Helm
* 73 Helme.
mehr

wiederhergestellt ist. Während aber in Schlesien Granit, Gneis und Glimmerschiefer vorherrschend sind und im Harz der Granit auch noch an einigen Stellen zwischen der Silur- und Devonformation hervortritt, gehören die Gebirge an der Leine und Weser schon verhältnismäßig jungen Formationen an, im O. der Weser vielfach dem kohlenreichen Wealden, im W. derselben vorzugsweise dem Jura. Zwischen den beiden Gebirgsreihen dieses Gebirgssystems liegt außer dem Steinkohlengebirge von Ibbenbüren (175 m), im äußersten Nordwesten, noch die Terrasse von Thüringen, vorzugsweise aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper bestehend, auf welcher östlich von Göttingen [* 72] der Göttinger Wald (440 m), auf dem Eichsfeld der Hainich (473 m) im Übergang zu den thüringischen Staaten, der Dün (517 m) und das Ohmgebirge (524 m), im Schwarzburgischen die Hainleite und der Kyffhäuser mit älterm Gestein (Zechstein, Rotliegendem etc.), endlich zwischen Unstrut (Thüringische Pforte bei Sachsenburg) und Saale die Finne. Das fruchtbare Thal zwischen der Terrasse von Thüringen und dem Harz, das von der Helme [* 73] durchströmt wird, ist die Goldene Aue. Nicht zu den genannten drei Systemen gehört das Oberschlesische Steinkohlengebirge auf der Ostseite der Oder, das im Annaberg [* 74] unweit der Oder 400 m ansteigt und als ein Ausläufer des Karpathensystems zu betrachten ist.

Kreiden - Kreis

Bild 10.184: Kreiden - Kreis
* 78 Kreis.

Das Tiefland ist im W. von der Elbe einförmiger als im O. derselben. Am Gestade der Nordsee und längs der Flüsse [* 75] gibt es dort vortreffliche Marschländer; sodann treten gewöhnlich Moore auf, die mit Sandflächen abwechseln und mit denselben als Geest zusammengefaßt werden. Von großem Umfang sind die Moore namentlich zu beiden Seiten der Ems bis Westfalen hinauf, ferner zwischen Weser und Elbe im Regierungsbezirk Stade, [* 76] an der Aller, zu beiden Seiten der Weser unterhalb der westfälischen Grenze etc. Große Sandflächen bieten in Hannover die Lüneburger Heide [* 77] (bis 171 m hoch) zwischen Aller und Ilmenau und der Hümling auf der östlichen Seite der Ems im Kreis [* 78] Meppen dar.

In dem Becken von Münster [* 79] bildet die Senne weite unsichtbare Strecken, die teils sandig und wasserarm, teils versumpft sind. Unter den Hügelgruppen dieses Beckens sind die Schöppinger Berge (158 m) und die Stromberger Hügel (190 m), diese auf der Platte von Beckum, die bedeutendsten; jene bestehen aus Kalk-, diese aus Thonmergel. Durch das Tiefland der Rheinprovinz zieht auf der westlichen Rheinseite ein geringer Landrücken, der im S., im Regierungsbezirk Köln, Ville genannt wird, bis 188 m hoch und reich an Braunkohlen ist, im Regierungsbezirk Düsseldorf [* 80] (Hochwald, Reichswald) Sandstriche enthält.

In der Provinz Sachsen bildet die Platte der Altmark (Hellberge bei Zichtau 134 m) die Fortsetzung der Lüneburger Heide. Südlich von derselben tritt mehr und mehr anstehendes Gestein zu Tage, und in diesem Übergang zum Bergland gibt es eine Anzahl von Höhen, unter denen besonders hervortreten: der Huy (305 m), der Fallstein (212 m), der Hoppelberg (305 m), der Regenstein (298 m) im Sandstein der Kreideformation am Nordfuß des Harzes und das Steinkohlengebirge von Wettin an der Saale nördlich von Halle, bei diesem der Petersberg (241 m). Im O. von der Elbe entwickeln sich im Tiefland zwei Landrücken.

Potpourri - Potsdam

Bild 13.291: Potpourri - Potsdam
* 81 Potsdam.

Der südliche, der Märkisch-Schlesische (s. d.), zieht sich durch das südliche Brandenburg und das nördliche Schlesien und trägt verschiedene Namen: Fläming (Hagelberg 201 m) im Regierungsbezirk Potsdam, [* 81] Lausitzer Grenzwall (Rückenberg 234 m) im Regierungsbezirk Frankfurt, Katzenberge (220 m) in Schlesien zwischen Bober und Oder, Trebnitzer Berge (311 m) zwischen Bartsch und Weida und Oberschlesischer Jura (362 m) im N. von der Malapane; der letztere schließt sich in Polen an die Ausläufer der Karpathen an. Der nördliche, der Norddeutsche Landrücken, durchstreicht die Provinzen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern und Preußen und setzt sich in Rußland weiter fort. Er wird von der Oder und Weichsel durchbrochen, ist im allgemeinen sehr breit und wasserreich und trägt die meisten sowie (außer den Haffen) auch die größten Landseen in Preußen und Norddeutschland.

Österö - Osterode [unk

Bild 62.706: Österö - Osterode [unkorrigiert]
* 82 Osterode.

Seine bedeutendsten Höhen sind: in Schleswig-Holstein der Bungsberg (164 m), in Pommern der Steinberg (234 m) in der Südspitze des Kreises Schlawe, in Westpreußen der Thurmberg (335 m) auf der Platte von Karthaus, endlich in Ostpreußen die Kernsdorfer Höhe (313 m), südlich von Osterode, [* 82] und der Seesker Berg (310 m), östlich von den großen Masurischen Seen auf der Ostpreußischen Seenplatte. Zwischen beiden Landrücken herrscht eine große Abwechselung von Tief- und Hügelland, namentlich in Brandenburg; da sind das Havelländische Luch, das Rhinluch, das Oderbruch, der Spreewald, sodann die Platte von Barnim (160 m), die Rauenschen Berge (152 m) an der Spree etc., in Posen das Obrabruch.

Merkwürdig ist die breite und tiefe Thalsenkung längs der südlichen Seite des Norddeutschen Landrückens, in welcher von der Weichsel bis zur Havel (Elbe) durch die Brahe, den Bromberger Kanal, [* 83] die Netze, Warthe, Oder und den Finowkanal eine schiffbare Wasserverbindung zwischen Weichsel und Elbe besteht. In dem Bereich der eigentlichen Küstenebene sind nennenswerte Hügellandschaften: die Stubbenkammer auf Rügen (159 m), der Gollenberg bei Köslin [* 84] (146 m), die Trunzer Berge bei Elbing [* 85] (198 m), der Stablack mit den Höhen von Wildenhof (Schloßberg 216 m) im Kreis Preußisch-Eylau und der Galtgarben (110 m) im Samland bei Königsberg. [* 86] Hervorragende Landspitzen an der Ostsee sind Arkona auf Rügen (54 m), Rixhöft (53 m) und Brüsterort (32 m) zu beiden Seiten der Danziger Bucht.

Löwengolf - Löwenstein

Bild 10.940: Löwengolf - Löwenstein
* 87 Lübeck.

Gewässer.

Das deutsche Küstenland an der Ost- und Nordsee gehört überwiegend dem preußischen Staat an, da an die Ostsee sonst nur Mecklenburg-Schwerin, Lübeck [* 87] und das oldenburgische Fürstentum Lübeck; an die Nordsee nur hamburgisches und bremisches Gebiet und Oldenburg heranreichen (näheres s. Deutschland, [* 88] S. 805). Was die fließenden Gewässer anlangt, so hat Preußen 119 schiff- und flößbare und 40 bis 50 nur flößbare Flüsse und 90 schiffbare Kanäle, von denen einige sehr verzweigt, andre nur sehr kurz sind.

Unter den Flüssen sind 10, welche auf preußischem Gebiet mehr als 200 km weit mit Schiffen befahren werden können. Den preußischen Staat durchfließen 6 Ströme (Memel, Weichsel, Oder, Elbe, Weser, Rhein) und 3 wichtige Küstenflüsse (Pregel, [* 89] Eider, Ems); außerdem durchströmt noch die Donau in ihrem obern, nicht schiffbaren Lauf Hohenzollern. Von den genannten Flüssen gehören nur Pregel, Eider und Ems ausschließlich dem preußischen Staat an; Memel, Weichsel und Oder entspringen im Ausland, durchfließen aber, sobald sie die deutsche Grenze überschritten haben, nur preußisches Gebiet. Auch die Elbe und der Rhein entspringen außerhalb Deutschlands, [* 90] berühren aber auch andre ¶

Fortsetzung Preußen:
→ weiter zu Seite 13.341 || deutsche Staaten und zwar die Elbe Sachsen, Anhalt, Mecklenburg und Hamburg, während der Rhein

Im Meyers Konversations-Lexikon, 1888 steht:



Preußen.

Bevölkerungsstatistisc

Bild 2.851a: Bevölkerungsstatistische Karten
* 91 Bevölkerung.

[* 2] Bevölkerung. [* 91] Das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 weist für eine Bevölkerung von 29,957,302 Seelen auf. Die Zunahme seit 1885 beläuft sich auf 1,643,469 Personen, d. h. auf 5,79 Proz. oder jährlich auf 1,13 Proz. (gegenüber 0,75, bez. 1,17 Proz. in den Perioden 1880-85 und 1875-80). Die Bevölkerung verteilt sich auf die einzelnen Provinzen folgendermaßen:

Provinzen Einw. 1890 auf 1 QKilo­meter Zu- u. Abnahme in Proz.
Ostpreußen 1.958.132 53 -0.07
Westpreußen 1.433.480 56 +1.79
Berlin (Stadtkreis) 1.579.244   +20.07
Branden­burg 2.542.401 64 +8.54
Pommern 1.521.211 50 +1.04
Po­sen 1.752.094 60 +2.13
Schlesien 4.223.807 105 +2.71
Sach­sen 2.579.852 102 +6.24
Schleswig-­Holstein 1.217.393 65 +5.83
Hanno­ver 2.280.491 59 +4.96
Westfa­len 2.428.736 120 +10.17
Hes­sen-Nassau 1.664.000 107 +4.49
Rhein­land 4.710.313 174 +8.42
Hohenzollern 66.148 58 -0.86
Zusam­men: 29.957.302 86 +5.79

Berlin

Bild 2.752a: Berlin
* 92 Berlin.

Unter den Provinzen zeigen die stärkste Zunahme der Stadtkreis Berlin, [* 92] Westfalen, Brandenburg und Rheinland, die geringste Pommern und Westpreußen; in Ostpreußen und Hohenzollern hat sich sogar eine geringe Abnahme der Bevölkerung ergeben. Unter den Regierungsbezirken weisen Potsdam, Arnsberg und Düsseldorf die größte, Königsberg und Liegnitz [* 93] die geringste Zunahme auf. In den Bezirken Sigmaringen, Stralsund, [* 94] Köslin und Gumbinnen [* 95] hat die Bevölkerung um ein Geringes abgenommen.

Unter den 546 Kreisen (mit Einschluß von Berlin) hat die Bevölkerung in 378 zu-, in 168 abgenommen. Letztere gehören überwiegend den sechs östlichen Provinzen an. Die stärkste Zunahme zeigten die Kreise in der Umgebung von Berlin (Teltow +36,17 Proz., Niederbarnim +29,92 Proz.) und einzelne in Westfalen und Oberschlesien. Mehr als zwei Drittel der Gesamtvermehrung der Bevölkerung Preußens [* 96] entfallen auf die Städte mit mehr als 10,000 Einw. Während man 1885 deren nur 196 mit 7,010,308 Einw. zählte, gab es 1890: 205 mit 8,289,913 Einw. Darunter war eine Großstadt (Berlin), 15 Städte mit 100,000-500,000 Einw. (1885: 11),12 mit 50,000-100,000 Einw. (1885: 14),64 mit 20,000-50,000 Einw. (1885: 56),113 mit 10,000-20,000 Einw. (1885: 114). In die Reihe der Städte mit mehr als 100,000 Einw. sind Stettin, [* 97] Krefeld, [* 98] Aachen und Halle a. S., in die mit mehr als 50,000 Charlottenburg, [* 99] dessen Bevölkerung seit der letzten Volkszählung um 81,43 Proz. zugenommen hat, und Duisburg [* 100] eingetreten.



Preußen (Statistisches

Bild 18.755: Preußen (Statistisches)
* 104 Seite 18.755.

Sechs Städte, welche 1885 mehr als 10,000 Einw. hatten, sind aus der Reihe der Städte verschwunden, da sie mit benachbarten Städten verschmolzen sind, so Buckau und Neustadt-Magdeburg mit Magdeburg, [* 101] Ottensen mit Altona, [* 102] Dorp mit Solingen [* 103] und Deutz und Ehrenfeld mit Köln. (Vgl. im übrigen die Liste der Städte mit mehr als 20,000 Einw. beim Artikel »Deutschland«, S. 190-191, die allerdings inzwischen einige Berichtigungen erfahren hat.) Die Zahl der Eheschließungen ist von 229,999 (16,1 pro Mille) im J. 1887 auf 240,996 (16,5 pro Mille) im J. 1889 ¶

mehr

gestiegen, bleibt jedoch hinter dem bisher höchsten Stande vom Jahre 1872 um 14,890 zurück. Die Zahl der Ehescheidungen, die bis 1888 alljährlich gestiegen ist, hat 1889, wo sie 3994 betrug, gegen das Vorjahr um 257 abgenommen. Geburten fanden 1889: 1,136,588 statt, davon Lebendgeburten 1,094,504 (561,115 männlichen, 533,389 weiblichen Geschlechts). Unehelich wurden 85,962 Kinder geboren (7,85 Proz.); darin zeigt sich gegenüber der Periode 1885-87, wo die unehelichen Geburten 8,11 Proz. ausmachten, ein nicht unbedeutender Fortschritt. Sterbefälle kamen 1889: 724,803 vor (inkl. Totgeborne), gegen das Vorjahr 16,594 mehr, doch weniger als sonst in einem Jahre seit 1880. Die natürliche Vermehrung betrug 411,785 Personen, d. h. 14,2 auf 1000 zu Anfang des Jahres Lebende. Sie ist fast ebenso groß als im Vorjahr (14,8 pro Mille) und erheblich höher als im Zeitraum 1880-86, wo sie nur 11,5-12,4 pro Mille betrug.

Bremen

Bild 3.386a: Bremen
* 105 Bremen.

Die Zahl der überseeischen Auswanderer aus Preußen betrug in den Jahren 1889 und 1890: 57,957, bez. 51,407 Personen, davon wählten 32,042, bez. 32,131 den Weg über Bremen, [* 105] 16,628, bez. 17,449 über Hamburg, [* 106] 2154, bez. 1827 über andre deutsche Häfen, 5447, bez. 6740 über Antwerpen, [* 107] 1147, bez. 833 über Rotterdam. [* 108] Der Strom der Auswanderer lenkte sich vornehmlich nach den Vereinigten Staaten [* 109] von Nordamerika [* 110] (54,211, bez. 47,469 Personen); daneben 1923, bez. 2574 nach Brasilien, [* 111] 765, bez. 319 nach Argentinien. Am stärksten war die Auswanderung aus den Provinzen Posen (10,310 u. 10,122), Westpreußen (10,038 u. 9613), Pommern (8016 u. 7965) und Hannover (6730 u. 5657), am schwächsten 1889 aus der Provinz Schlesien (1905) und 1890 aus der Rheinprovinz (1218).

Konfession. Während bis 1867 die evangelische Bevölkerung in Preußen, auch abgesehen von der außergewöhnlichen Vermehrung durch die Erwerbung überwiegend evangelischer Landesteile (1866), stärker als die römisch-katholische zunahm, ist seitdem ein stärkeres Anwachsen der katholischen Bevölkerung beobachtet worden. Diese Veränderung läßt sich zunächst durch die Einwanderung von Katholiken aus Süddeutschland und die Auswanderung von Evangelischen aus den westlichen Provinzen Preußens nach Süddeutschland erklären.

Bei der Volkszählung von 1885 bildete nämlich die evangelische Bevölkerung in Preußen 64,42 Proz., die katholische 33,97 Proz. der Gesamtbevölkerung; unter den Einwanderern waren aber nur 48,23 Proz. Evangelische neben 44,74 Proz. Katholiken, während bei den Auswanderern auf 66,46 Proz. Evangelische 30,39 Proz. Katholiken entfielen. Eine zweite Quelle der stärkern Vermehrung der Katholiken im preußischen Staate bildet der größere Überschuß der Geburten über die Sterbefälle und die größere eheliche Fruchtbarkeit (1877-87 im Durchschnitt gegenüber den Evangelischen im Verhältnis von 53:44) innerhalb der katholischen Bevölkerung.

Dieser Rückgang wird für das evangelische Bekenntnis nur unerheblich dadurch ausgeglichen, daß von den Nachkommen aus konfessionellen Mischehen mehr als die Hälfte den Evangelischen zufällt, und daß der Übertritt zum evangelischen Bekenntnis bedeutend stärker ist als zum römisch-katholischen. So sind in den Jahren 1882-87: 11,240 Römisch-Katholische zum evangelischen Bekenntnis, aber nur 1334 Evangelische zum römisch-katholischen Bekenntnis übergetreten.

Orden

Bild 12.426a: Orden
* 112 Orden.

Die infolge der Maigesetze im J. 1875 von 958 auf 596 gesunkene Zahl der Niederlassungen von römisch-katholischen Orden [* 112] im preußischen Staate hat sich im verflossenen Jahrzehnt wieder zur frühern Höhe erhoben, nachdem durch die Gesetze vom 14. Juli 1880 und 29. April 1887 nicht bloß den Orden, die es mit der Krankenpflege zu thun haben, sondern auch denen, die sich mit dem Unterricht und der Erziehung der weiblichen Jugend beschäftigen, gestattet wurde, neue Niederlassungen zu gründen. Deshalb stieg die Zahl der Ordensniederlassungen zu Ende 1889 wieder auf 974, die zusammen ca. 10,500 Mönche und Nonnen enthielten.

Landwirtschaft. Auf Grund der Materialien der Gebäudesteuerrevision vom Jahre 1879 ist im königlichen Statistischen Büreau eine Statistik des Grundeigentums und der Gebäude im preußischen Staate bearbeitet worden, wobei als Besitzungen einzelne Gebäude oder Gebäudekomplexe mit den wirtschaftlich dazu gehörenden nutzbaren Flächen angesehen werden. Die Erhebung bezieht sich auf den ganzen Staat mit Ausnahme Hohenzollerns, für welches das Gebäudesteuergesetz von 1861 nicht gilt.

Danach gab es in Preußen (in Stadt und Land) 2,917,852 Besitzungen, die meisten in der Rheinprovinz (19,39 Proz.), Schlesien (13,81 Proz.), Sachsen (9,89 Proz.) und Hannover (9,27 Proz.), die wenigsten in Berlin (0,63 Proz.), Westpreußen (3,94 Proz.), Pommern (4,30 Proz.) und Schleswig-Holstein (4,72 Proz.). Unter allen Besitzungen waren 149,606 (5,13 Proz.) öffentliche, davon gehörten dem Staate, dem königlichen Hause, Standesherren etc. 10,5 Proz., den Gemeinden, Kirchen- und Schulsocietäten 79,4 Proz., den Provinzen, Kreisen etc. 1,8 Proz., den Eisenbahnen 6,3 und milden Stiftungen 2 Proz. Die überwiegende Mehrzahl der Besitzungen (94,87 Proz.) gehörte Privatpersonen und wirtschaftlichen Genossenschaften, wie Kreditvereinen, Aktiengesellschaften etc. Verhältnismäßig die meisten öffentlichen Besitzungen entfallen auf Pommern, Brandenburg und Sachsen.

Auge des Menschen

Bild 2.74a: Auge des Menschen
* 113 Auge.

Wenn man unter den Privatbesitzungen die ländlichen ausschließlich ins Auge [* 113] faßt, so ergibt sich, daß davon 1,559,712 mit einem Umfang von 23,9 Mill. Hektar vorhanden sind. Davon gehörten dem Großgrundbesitz (Grundsteuerreinertrag von mehr als 1500 Mk.) 2,1 Proz. mit 9 Mill. Hektar, dem mittlern Besitz (Reinertrag 300-1500 Mk.) 11,7 Proz. mit 7,1 Mill. Hektar, dem Kleinbesitz (Reinertrag 100-300 Mk.) 17,1 Proz. mit 4,5 Mill. Hektar und dem Parzellenbesitz, dessen Inhaber auf andern Erwerb durch Tagelohn etc. angewiesen sind, 69,1 Proz. mit 3,2 Mill. Hektar.



Preußen (Statistisches

Bild 18.756: Preußen (Statistisches, Finanzen)
* 117 Seite 18.756.

Die Ernte [* 114] des Jahres 1889 blieb hinter den beiden allerdings günstigen Erntejahren 1886 und 1887 in den wichtigsten Feldfrüchten erheblich zurück. Hauptgrund war besonders für die östlichen Provinzen die anhaltende Trockenheit in den Monaten Mai und Juni. Die Ernte ergab folgende Mengen (in Parenthese verglichen mit dem Ertrag des Jahres 1888): Weizen 1,323,266 Ton. (-88,574 T.), Roggen 3,676,425 T. (-205,837 T.), Gerste [* 115] 922,086 T. (-174,460 T.), Hafer [* 116] 2,499,494 T. (-241,042 T.), Buchweizen 110,488 T. (+10,834 T.), Erbsen 218,273 T. (-21,073 T.), Bohnen 123,397 T. (+7205 T.), Kartoffeln 16,936,440 T. (+2,931,595 T.), Klee (Futter) 2,306,053 T. (+193,321 T.), Wiesenheu 6,874,462 T. (+756,518 T.). Nach der wie alljährlich im Oktober angestellten vorläufigen Ermittelung läßt sich die Ernte des Jahres 1890 als eine gute Mittelernte bezeichnen. Man schätzt den Ertrag von Winterweizen auf 1,37 Mill. T. (1889: 1,22 Mill. T.), Winterroggen auf 3,72 Mill. T. (3,64 Mill. T.), Sommergerste auf 1,06 Mill. T. ¶

mehr

(0,9 Mill. T.), Hafer 2,93 Mill. T., Erbsen 0,26 Mill. T., Kartoffeln 12,39 Mill. T., Kleeheu 2,86 Mill. T., Wiesenheu 7,33 Mill. T. Nur bei Kartoffeln, dem Winterraps und Kleeheu dürfte die Ernte erheblich hinter einer Mittelernte zurückbleiben. An Hopfen [* 118] wurden 1889: 15,833 Doppelzentner, an Tabak [* 119] 10,621 T. Blätter geerntet. 1890 ist die mit Tabak bepflanzte Fläche (mit dem Vorjahr verglichen) von 4778 auf 5129 Hektar gestiegen. Die Weinernte ergab 1889: 281,313 hl (1888: 266,843 hl). Im Regierungsbezirk Wiesbaden [* 120] war der Ertrag 1889 mit 65,840 hl um 8822 hl geringer als im Vorjahr, die Qualität aber erheblich besser. Der Bergbau [* 121] lieferte 1889 folgendes Ergebnis:

Förde­rung Absatz­fähige Produk­tion
Ton­nen Ton­nen Wert (Mark)
Stein­koh­len 61.436.991 57.889.269 314.377.290
Braun­koh­len 14.205.047 12.612.432 31.376.156
Stein­salz 251.849 222.821 1.071.342
Kali­salze 872.782 283.070 4.012.230
Ei­se­nerze 4.375.283 4.371.851 31.379.718
Zin­kerze 707.537 707.537 17.656.433
Bleierze 161.972 159.846 16.521.830
Kupfererze 573.230 573.230 18.197.140

Bleigewinnung

Bild 3.12a: Bleigewinnung
* 122 Blei.

An Salzen aus wässeriger Lösung wurden 1889 gewonnen: 268,362 Ton. Kochsalz, 94,728 T. Chlorkalium, 48,023 T. Glaubersalz, 26,499 T. schwefelsaures Kali etc. Die Verhüttung der Erze ergab 1889 folgende Mengen: 3,218,719 T. Roheisen im Werte von 163¾ Mill. Mk., 135,972 T. Zink in Blöcken im Werte von 49⅓ Mill. Mk., 90,809 T. Blei [* 122] im Werte von 23 Mill. Mk. (außerdem 2373 T. Kaufglätte), 21,668 T. Kupfer [* 123] im Werte von 24⅔ Mill. Mk., 256,324 kg Silber im Werte von 32¼ Mill. Mk., 179½ kg Gold [* 124] im Werte von ½ Mill. Mk., 282 T. Nickel im Werte von 1⅕ Mill. Mk., 321,093 T. Schwefelsäure [* 125] im Werte von 10⅙ Mill. Mk. Die Gesamtproduktion der Bergwerke hatte 1889 einen Wert von 466,9 Mill. Mk. (1888: 410,8 Mill.), der Hüttenwerke einen solchen von 475 Mill. Mk. (1888: 427 Mill.). Die im Besitz des Staates befindlichen Bergwerke, Hütten [* 126] und Salinen hatten im Etatsjahr 1888/89 ein Arbeitspersonal von 51,235 Köpfen. Bei einem Gesamtwert der Verkaufserzeugnisse von 103 Mill. Mk. (gegen 97,4 Mill. im Vorjahr) betrug der Überschuß 17⅙ Mill. Mk. (3,4 Mill. Mk. mehr als im Vorjahr). Der Mehrertrag wurde besonders durch die Steigerung des Steinkohlenbergbaus verursacht, während der Salzbergbau und die Produktion der Hüttenwerke einen Rückgang zeigten.

Dampfkessel I

Bild 4.449a: Dampfkessel I
* 127 Dampfkessel.

Industrie. Die Anwendung der Dampfkraft in der Industrie, Schiffahrt und Landwirtschaft hat in den letzten Jahren eine weitere Steigerung erfahren. Die Zahl der feststehenden Dampfkessel [* 127] betrug 1890: 48,538 (1879: 32,411), die der feststehenden Dampfmaschinen [* 128] 46,554 (1879: 29,895), der beweglichen Dampfkessel und Lokomobilen [* 129] 12,822 (1879: 5536), der Schiffsdampfkessel 2046, der Schiffsdampfmaschinen 2007. Von den feststehenden Dampfkesseln und Dampfmaschinen wurden 1890: 24,92 Proz. im Bergbau und Hüttenwesen, 27,11 Proz. in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie, 9,57 Proz. in der Textilindustrie benutzt. Die beweglichen Dampfkessel und Lokomobilen sind überwiegend in der Land- und Forstwirtschaft (7086) im Gebrauch und zwar besonders in den Provinzen Sachsen und Schlesien. Dagegen sind die feststehenden Dampfkessel und Dampfmaschinen am zahlreichsten in der Rheinprovinz, Westfalen und Schlesien.

Im Etatsjahr 1889/90 waren von 7035 Brauereien 6577 im Betrieb, welche 22,28 Mill. hl Bier produzierten; sie zahlten 18⅓ Mill. Mk. Brausteuer. Am bedeutendsten ist die Bierproduktion in den Provinzen Brandenburg, mit Berlin, und Rheinland, am geringsten in Posen und Westpreußen. Im Betriebsjahr 1888/89 waren von 7939 Brennereien 6744, darunter 4434 gewerbliche, im Betrieb; die Produktion belief sich auf 2,222,731 hl reinen Alkohol, woran 1,572,666 hl die niedrigere Verbrauchsabgabe zu tragen hatten.

Zuckergewinnung I

Bild 16.976a: Zuckergewinnung I
* 130 Zucker.

Die Branntweinsteuer lieferte in Preußen 110½ Mill. Mk., darunter 20⅙ Mill. Mk. Maischbottich- und Materialsteuer und 90,3 Mill. Mk. Verbrauchsabgabe. Im Betriebsjahr 1889/90 waren 315 Rübenzuckerfabriken im Betrieb, welche 7,8 Mill. Ton. Rüben verarbeiteten und 960,699 T. Rohzucker nebst 191,686 T. Melasse produzierten. Von der Produktion entfallen 41 Proz. auf die Provinz Sachsen, 16 Proz. auf Schlesien und 13 Proz. auf Hannover. Der Ertrag der Abgaben auf Zucker [* 130] betrug 61¼ Mill. Mk., darunter 17 Mill. Mk. Rübensteuer (nach Abzug von 45½ Mill. Mk. Steuervergütungen für ausgeführten Zucker), 7,8 Mill. Mk. zurückgezahlte Steuervergütung und 36 Mill. Mk. an Verbrauchsabgabe. Das preußische Eisenbahnnetz hatte 1. April 1890 eine Ausdehnung von 27,105 km, wovon 24,519 unter Staatsverwaltung und 2586 km unter Privatverwaltung standen. Unter den Staatsbahnen [* 131] waren 8790 km zwei- und mehrgeleisige, 9239 km eingeleisige Vollbahnen, 6358 km Nebenbahnen, 132 km verpachtete Strecken. Im Bau waren 1638 km, davon 1602 km Staatsbahnen.

Der Staatshaushaltsetat für 1890/91 beziffert die Einnahmen u. Ausgaben auf 1,593,093,513 Mk., und zwar betrugen die ordentlichen Ausgaben 1,544,780,144 Mk., die einmaligen und außerordentlichen 48,313,369 Mk. In seinen Hauptposten bietet der Etat folgendes Bild:

Ordent­liche Einnah­men und Ausga­ben.
Einnah­men Ausga­ben
Mark Mark
Landwirt­schaft, Domä­nen, Forst 82.682.334 39.519.180
Direkte Steuern 165.746.800 13.898.100
Indirekte Steuern und Lotterie 77.938.820 31.572.050
Berg-, Hüt­ten- u. Sali­nenwe­sen 121.282.170 102.944.683
Ei­senbahnverwal­tung 852.959.086 522.079.184
Dota­tio­nen 220.675 260.353.638
Allgemeine Finanz­verwal­tung 223.717.847 249.343.598
Staats­verwal­tung 68.545.781 325.069.711
Zusam­men: 1.593.093.513 1.544.780.144
Ein­malige und außerordent­liche Ausga­ben.
Für Ei­senbahnzwecke - 17.807.000
Bau­verwal­tung - 9.962.000
Ministerium d. geistl. Angele­genh. - 6.149.852
Ministerium für Landwirt­schaft - 4.676.545
Sons­tige Ministerien - 9.717.972
Ge­samt­summe: 1.593.093.513 1.593.093.513

Bei der allgemeinen Finanzverwaltung sind die Beiträge zu den Ausgaben des Reiches auf 155,754,017 Mk. veranschlagt; die Staatsschuld erfordert 250,968,048 Mk., darunter für Tilgung 47 Mill. Mk. Der Voranschlag für 1891/92, welcher gegenwärtig (April 1891) dem Landtag zur Beratung vorliegt, balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 1,720,834,749 Mk., dabei sind die ordentlichen Ausgaben mit 1,670,452,170 Mk., die außerordentlichen mit 50,382,552 Mk. angesetzt. Die Staatsschuld beträgt 1. April 1891: 5843 Mill. Mk.

Die Zahl der Sparkassen ist im Laufe des Jahres 1889 von 1363 auf 1378 gestiegen; letztere besaßen 3416 Annahmestellen, welche sich auf 2830 Orte verteilten. Die Einlagen vermehrten sich von 2888 Mill. auf 3102 Mill. Mk.; doch entfielen von diesem Zuwachs 78 Mill. Mk. auf zugeschriebene ¶

Fortsetzung Preußen:
→ weiter zu Seite 18.757 || Zinsen. Die Zahl der Sparkassenbücher vermehrte sich auf 5,3 Mill., im Durchschnitt entfielen

Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910 steht:



Preußen,

[* 2] Königreich, der größte Staat des Deutschen Reichs, ist aufgebaut aus einer Reihe von Landerwerbungen, deren Kern die Markgrafschaft Brandenburg bildete.


Ende Preußen (3)
→ weiter zu Seite 63.387: Lage, Grenzen ⟹ und Größe. P. grenzt im N. an die Ostsee, Mecklenburg, Dänemark und die Nordsee, im O. an
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 13. Band, Seite 338 im Internet seit 2005; Text geprüft am 5.10.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am 24.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//preussen

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