☰

eLexikon

Bewährtes Wissen in aktueller Form

Main

Täufer - Taufgesinnte

Bild 65.644: Täufer - Taufgesinnte
Seite 65.644.
<
Überblick der Artikel
5 ArtikelTextanfang / Anzahl Wörter
Täufers. Wiedertäufer. / 3
Tauferer Thaloder Ahrn-(Ahren-)Thal, Thal in der österr. Bezirkshauptmannschaft Bruneck in Tirol, 46 km / 229
Tauferss. Tauferer Thal. / 4
Taufgelübdedas bei Annahme der Taufe, wenn auch unausgesprochen, abgelegte Gelöbnis, das Leben dem christl. / 36
Taufgesinnte(holländ. Doopsgezinden), eine gewöhnlich Mennoniten genannte prot. Kirchenpartei. Ihr Stifter / 670

Seite 65.644

Täufer - Taufgesinnte


Fortsetzung: Taufe, (grch. baptismós oder báptisma), das Sakrament der Aufnahme in die christl. Kirche. Der Ausdruck
mehr

als stellvertretend für den des Kindes. Der magischen Auffassung von der Wirkung der Taufe wurde hierdurch noch größerer Vorschub geleistet. Schon im 3. Jahrh. hatte Bischof Stephan von Rom [* 2] im Streite mit Cyprianus von Karthago [* 3] und den kleinasiat. Bischöfen behauptet, die Wirksamkeit der Taufe sei lediglich abhängig von der über dem Täufling ausgesprochenen biblischen Taufformel und unter dieser Voraussetzung auch die bei schismatischen und ketzerischen Parteien verrichtete Taufe (Ketzertaufe) gültig.

Diese Ansicht ist später die herrschende geworden, daher die orthodoxe Kirche jede Art Wiedertaufe untersagte, außer wenn die Taufformel nicht einsetzungsmäßig ausgesprochen ist. Noch heute achtet daher die kath. Kirche auch die protestantische Taufe für gültig. Sogar Laien und Nichtchristen dürfen in Notfällen die in gültiger Weise vollziehen (Nottaufe, s. d.). Als Wirkung des Taufaktes betrachtet die orthodoxe Lehre [* 4] fast aller christl. Konfessionen [* 5] die Vergebung der Sünde (der Erbsünde). Ungetaufte Kinder sind dagegen der Gewalt des Teufels anheimgegeben, die erst durch den Taufakt gebrochen wird, daher nach orthodoxem Ritus ein von den Paten an Kindesstatt ausgesprochenes Gelöbnis, dem Teufel zu entsagen (Abrenunciation), oder wohl auch eine förmliche Austreibung des Teufels aus dem Kinde durch den Geistlichen (s. Exorcismus) der Taufe vorhergeht.

Nach kath. Lehre wird durch die Taufe nicht bloß die Sündenvergebung, sondern auch die völlige Tilgung der Erbsünde selbst durch «Eingießung der Gnade» gewirkt; nach lutherischer neben der Sündenvergebung auch die Rechtfertigung und Wiedergeburt (der Beginn der sittlichen Erneuerung), wogegen die Reformierten in der Taufe nur ein Zeichen und Unterpfand des göttlichen Willens sehen, diese Güter dem Kinde, wenn es zum Glauben gelangt, zu gewähren. Der Rationalismus betrachtet die Taufe nur als feierliche Aufnahme des Kindes in die christl. Gemeinschaft, die neuere prot.

Theologie als symbolische Handlung der Kirche zur sinnbildlichen Darstellung des auch auf den Täufling sich persönlich erstreckenden göttlichen Gnadenangebots, das wirksam werde in dem Maße, als unter dem erziehenden Einflüsse der christl. Gemeinschaft der Täufling zu persönlichem Glauben gelange. Der Widerspruch, in den die orthodoxe Lehre von der Wirkung der Taufe mit der Lehre vom Glauben als ihrer Voraussetzung trat, hat schon in der Reformationszeit bei den sog. Wiedertäufern (s. d.) und später noch bei den Taufgesinnten (s. d.) und Baptisten zur Verwerfung der Kindertaufe geführt.

Geschichtskarten von D

Bild 4.772a: Geschichtskarten von Deutschland V
* 6 Deutschland.

Der früher allgemein festgehaltene staatliche Taufzwang ist in Deutschland [* 6] seit dem Reichsgesetz vom 6. Febr. 1875 über die standesamtliche Beurkundung der Geburten in Wegfall gekommen. Die Taufceremonien sind nach den Konfessionen verschieden. Bei den Protestanten wird die Taufe lediglich durch das Aussprechen der Taufformel über dem mit seinem neuen Vornamen genannten Täufling und durch dreimalige Besprengung vollzogen, die Recitation des Glaubensbekenntnisses geht voran, die Einsegnung folgt nach.

In der kath. Kirche wird dem Neugetauften zum Zeichen seiner geistlichen Jugend Milch und Honig gereicht und seine geistige Ausstattung mit den Gaben des Christentums durch mehrere symbolische Handlungen, z. B. die Mitteilung des Salzes der Weisheit und die Bekleidung mit dem Westerhemd (s. d.), dem Kleide der Unschuld und Reinheit, angedeutet. Das Taufwasser wird in der röm. und griech. Kirche besonders geweiht. An leblosen Gegenständen die Taufe zu vollziehen, gilt den Protestanten als verwerflicher Mißbrauch. In der kath. Kirche kommt dies dagegen häufig vor. Am gewöhnlichsten ist der im 8. Jahrh. aufgekommene Gebrauch der Glockentaufe. (S. Glockenweihe.)

Über die Taufe als seemännischer Brauch s. Linientaufe und Schiffstaufe.

Täufer,

s. Wiedertäufer.

Tauferer

Thal

Bild 65.740: Thal
* 7 Thal.

Thal [* 7] oder Ahrn-(Ahren-)Thal, Thal in der österr. Bezirkshauptmannschaft Bruneck in Tirol, [* 8] 46 km lang, mit einer mittlern Erhebung von 1100 m, eins der größten (nördlichen) Nebenthäler des Pusterthales. Von Bruneck (819 m) aus steigt das Tauferer Thal gegen N. zu an und wendet sich bei Luttach (968 m), zuerst Ahrnthal und im obersten Teile das Prettau (1465 m) genannt, nach NO. bis zu den Krimmler Tauern (2635 m), die seinen Abschluß bilden. Das Tauferer Thal scheidet die hohe Kette der Zillerthaler Alpen [* 9] von dem Groß-Venediger und der Gruppe der Rieserferner. Es ist in seinem obern Teile ziemlich eng und von Gletschern umschlossen, im untern Teile (dem eigentlichen Tauferer Thal) jedoch breit, mit allen Reizen der Gebirgslandschaft geschmückt, mit den Eisfeldern der Zillerthaler Alpen im Hintergrunde.

Spottiswoode - Sprache

Bild 15.177: Spottiswoode - Sprache (physiologisch)
* 10 Sprache.

Zweigthäler sind rechts (östlich) das Mühlwalder Thal mit der Mühlenerklamm und dem schönen Wasserfall (1230 m), links das Rainthal. Das Tauferer Thal bildet den Gerichtsbezirk Taufers mit 634,78 qkm, 15 Gemeinden und 8918 deutschen E., die in Sprache [* 10] und Sitten den Zillerthalern gleichen. Hauptort ist Sand (864 m), nach der oberhalb, malerisch gelegenen Burg Taufers (954 m) auch Taufers genannt, mit (1890) 800 E. und spätgot. Kirche (Statuen von Gasser), wegen seiner Lage eins der besuchtesten Standquartiere für Touristen in Tirol. Der Bergbau [* 11] auf Kupferkies in Prettau ist seit 1894 eingestellt und eine Spitzenklöppelanstalt errichtet. -

Vgl.   Daimer, Taufers und Umgebung (Gera [* 12] 1879).

Taufers,

s. Tauferer Thal. ^[= oder Ahrn-(Ahren-)Thal, Thal in der österr. Bezirkshauptmannschaft Bruneck in Tirol, 46 km ...]

Taufgelübde,

das bei Annahme der Taufe, wenn auch unausgesprochen, abgelegte Gelöbnis, das Leben dem christl. Glauben gemäß zu führen.

Von den als Kind Getauften wird es in der evang. Kirche ausdrücklich bei der Konfirmation (s. d.) bestätigt.

Taufgesinnte

(holländ. Doopsgezinden), eine gewöhnlich Mennoniten genannte prot. Kirchenpartei. Ihr Stifter ist Menno (s. d.). Mit den sog. Wiedertäufern (s. d.) der Reformationszeit haben die Taufgesinnte nur die Verwerfung der Kindertaufe gemein, unterscheiden sich dagegen von ihnen wesentlich durch Ablehnung aller Gewalt und spiritualistischen Schwärmerei. Innerlich verwandt sind sie den Waldensern (s. d.). Die Verwechselung mit den Wiedertäufern war der Grund, daß die Taufgesinnte von Katholiken wie von Protestanten auf das heftigste angefeindet und verfolgt wurden.



Taufhaus - Tauler

Bild 65.645: Taufhaus - Tauler
* 13 Seite 65.645.

Menno selber stellte seinen Lehrbegriff in dem «Fundamentbuch von dem rechten christl. Glauben» auf; doch hat auch diese Schrift keine bindende Autorität, wie denn die Taufgesinnte überhaupt keine allgemein verpflichtenden Bekenntnisschriften besitzen. Indem sie in einzelnen Lehrstücken, z. B. von der Erbsünde, der Willensfreiheit, der Rechtfertigung, die Schroffheiten des kirchlichen Lehrsystems abzuschwächen suchen, stehen sie im allgemeinen in der Lehre den Reformierten nahe, und auch ihr Gottesdienst weicht von dem reformierten nur wenig ab. Dagegen taufen sie ihre Kinder erst nach empfangenem Unterricht, frühestens im Alter von 14 J., in den Bethäusern vor versammelter Gemeinde ¶

mehr

durch Besprengung, eine Partei, die Dompelers, durch Untertauchen. Ferner verwerfen sie den Eidschwur und die Ehescheidung, außer im Falle des Ehebruchs, den Krieg und jede Art von Rache; die Bekleidung obrigkeitlicher Ämter wird nicht verboten, aber doch widerraten. Anfangs wurde auch neben dem Abendmahl noch das Sakrament der Fußwaschung beobachtet als Symbol der Reinigung der Seelen durch das Blut Christi. Das Dringen auf sittliche Reinheit führte teils zu einer strengen Kirchenzucht, teils zu kleinlichen Bestimmungen über Kleider-, Bart-, Haartracht und ähnliches. In diesen beiden Punkten wurzeln auch die meisten Spaltungen der Taufgesinnte.

Faksimile von Gutenber

Bild 3.552a: Faksimile von Gutenbergs 42zeiliger lat. Bibel
* 14 Bibel.

Schon 1554 erfolgte die Trennung in Grobe, d. h. Strenge, und in Feine, d. h. Milde. Die Groben, bestehend aus Friesen, Flamlandern und Deutschen, von ihren Gegnern Dreckwagen genannt, forderten, daß jedes Vergehen mit dem Bann bestraft werde ohne vorhergegangene Ermahnung, und daß dieser Bann jede Gemeinschaft aufhebe, selbst diejenige zwischen Ehegatten und Verwandten. Die Feinen oder Waterländer (weil sie im Waterland in Nordholland und bei Franeker ihren Sitz hatten) wollten den Bann nur bei beharrlichem Ungehorsam gegen die Gebote der Bibel [* 14] anwenden, ihm mehrfache Mahnung vorangehen lassen und das häusliche Leben dadurch nicht stören. 1640 veranlaßte Uke Walles die Trennung der Ukewallisten durch Einführung des dreimaligen Untertauchens bei der Taufe (daher auch Dompelers genannt), einer besonders strengen Kirchenzucht und genauer Vorschriften über das Tragen von Schmucksachen, [* 15] Kleidern und Bärten.

Die Einwirkung des Arminianismus führte 1664 zu neuer Parteibildung. Die Anhänger des Arminius hießen nach ihrem Haupte, dem Arzt Galenus Abrahams de Haen, Galenisten, oder nach ihrem Versammlungshaus, einer frühern Brauerei zu Amsterdam, [* 16] welche als Schild [* 17] ein Lamm führte, Lamisten, die Anhänger der Prädestination dagegen nach ihrem Haupte, dem Arzt Samuel Apostool, Apostoolen, oder nach der Sonne [* 18] auf dem Schilde ihres Versammlungshauses zu Amsterdam Sonisten.

Ende des 18. Jahrh. gab es nur noch zweierlei in den Niederlanden, die sich 1800, mit Ausnahme der Gemeinden auf der Insel Ameland und in den Dörfern Aalsmeer und Balk, zu einem Ganzen verbanden. Seit 1811 sind alle Gemeinden durch die Errichtung der allgemeinen Taufgesinntensocietät in Amsterdam, mit Beibehaltung ihrer Eigentümlichkeiten, enger verbunden. Die Partei zählte 1892 ungefähr 127 Gemeinden mit 53 572 Seelen, genießt gleiche Rechte mit den übrigen Konfessionen und hat sich durch einen Missionsverein, die Teylersche theol.

Haarkalk - Haarmensche

Bild 58.612: Haarkalk - Haarmenschen
* 19 Haarlem.

Gesellschaft zu Haarlem, [* 19] und namentlich auf praktisch-philanthropischem Gebiete hervorgethan. In Deutschland sollen sich gegenwärtig etwa 15000 Mennoniten finden, von denen der größte Teil auf das Königreich Preußen [* 20] kommt, die übrigen auf die Pfalz, Baden [* 21] und Bayern. [* 22] Ihre Militärbefreiung ist in Deutschland aufgehoben. Nicht zu verwechseln mit den Taufgesinnte sind die in neuester Zeit in verschiedenen Gegenden Deutschlands [* 23] aufgetauchten Baptisten (s. d.), die mit ihnen fast nur die Verwerfung der Kindertaufe gemein haben. Überall, wo die Taufgesinnte heimisch sind, gelten sie als stille und fleißige Unterthanen.

Vgl.   Schyn, Historia christianorum qui in Belgio foederato Mennonitae appellantur (Amsterd. 1723);

ders., Historiae Mennonitarum plenior deductio (ebd. 1729);

Blaupet ten Cate, Geschiedenis der Doopsgezinden (5 Bde., ebd. 1839-47);

Brons, Ursprung u. s. w. der Taufgesinnte (2. Aufl., Norden [* 24] 1891);

ten Doornkaat Koolman, Die Verpflichtung der Mennoniten an Eidesstatt (Berl. 1893);

Doopgezinde Bijdragen (Leiden; [* 25] jährlich).

Ende Taufgesinnte
→ weiter zu Seite 65.645: Taufhaus ⟹ s. Baptisterium.
Quelle: Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910; Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896; 15. Band, Seite 642 [Suche = 65.644] im Internet seit 2005; Text geprüft am 2.11.2013; publiziert von Peter Hug; Abruf am 24.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//65_0644

◄◄ .     ►►

Menü
map
  • ⁝ Home
  • 🗁 öffne ...
  • > 🗍 Seite 65.644
  • ? Seite
  • Aalmutter
  • ? Artikel
  • (kurz)
  • ∫ Portal
  • ☛ A – Z
  • ⮺ Bilder
  • ⚟ Blättern
  • ⛬ Index
  • ⣿ Inhalt
  • 📅 Datum
  • ∑ Übersicht
  • ♛ Werke
  • ✈ Themen
  • ⭳ Download
  • 📉 Statistik
  • Ω Symbol
  • ⌥ Option
  • © Original
  • + Ergänzung
  • ? Hilfe
  • ⁇ FAQ Fragen
  • ⛭ Technik
  • @ Kontakt
  • ⛉ Datenschutz
  • § Impressum

Siehe auch:

  • 15.546 Tauferer Thal
  • 15.546 Taufgesinnte

* 25 Bilder dazu:

  • 9Alpen
  • 16Amsterdam
  • 21Baden
  • 22Bayern
  • 11Bergbau
  • 14Bibel
  • 6Deutschland
  • 23Deutschlands
  • 12Gera
  • 19Haarlem
  • 3Karthago
  • 5Konfessionen
  • 4Lehre
  • 25Leiden
  • 24Norden
  • 20Preußen
  • 2Rom
  • 17Schild
  • 15Schmucksachen
  • 18Sonne
  • 10Sprache
  • 7Thal
  • 8Tirol
  • 1_Seite 65.644
  • 13_Seite 65.645
Sie sind hier: eLexikon > Brockhaus > Band 65 > Seite 65.644
-A     +A