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gestellter Antrag, sämtliche Bourbonen mit Einschluß der Orléans [* 2] vom span. Throne auszuschließen, ward in den Cortes abgelehnt Durch eine geschickte Intrigue Prims in einen Streit mit dem excentrischen Infanten Heinrich von Bourbon verwickelt, erschoß Montpensier letztern im Duell (12. März). Prim knüpfte, nachdem Marschall Espartero abgelehnt hatte, insgeheim Unterhandlungen mit dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern [* 3] an. Die Cortes beschlossen 7. Juni, daß zu einer gültigen Königswahl absolute Mehrheit nicht bloß der anwesenden, sondern der gewählten Cortesmitglieder erforderlich sein sollte. Damit war die Kandidatur Montpensiers unmöglich. Anfang Juli erklärte Erbprinz Leopold, der 1869 die ihm angebotene Krone abgeschlagen hatte, sich bereit, die Kandidatur anzunehmen, und der Ministerrat beschloß einstimmig denselben den Cortes vorzuschlagen. Als Frankreich energisch dagegen protestierte, entsagte Erbprinz Leopold 12. Juli seiner Thronbewerbung, und die span. Regierung erklärte sich 13. Juli damit einverstanden. Als trotzdem der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, verkündigte S. seine Neutralität.
Madreporenplatte - Mad
* 4 Madrid.Als Prim abermals dem Herzog Amadeus von Aosta die span. Krone antragen ließ, erklärte dieser sich bereit, die Kandidatur anzunehmen (2. Nov.). Am 16. Nov. fand die Königswahl durch die Cortes statt; 191 Stimmen (18 mehr als die erforderliche absolute Majorität) fielen auf Amadeus, 63 für die Republik, 25 für Montpensier, die übrigen zersplitterten sich. Eine Kundgebung der span. Granden gegen die Königswahl fand ebensowenig Beachtung wie die Proteste der Exkönigin Isabella II. 21. Nov. und des Prätendenten Karl VII. 8. Dez. Vor Amadeus' Ankunft in Madrid [* 4] wurde Prim das Opfer eines Attentats exaltierter Republikaner.
Amadeus traf in Madrid ein, wo er, von der Bevölkerung [* 5] gleichgültig aufgenommen, sogleich vor den Cortes den Eid auf die Verfassung leistete und als König proklamiert wurde. Darauf gingen die konstituierenden Cortes auseinander. Während des ersten Halbjahrs 1871 behauptete sich ein Ministerium unter Serranos Vorsitz; aber während des zweiten Halbjahrs lösten drei verschiedene Kabinette (Zorilla, Malcampo, Sagasta) und 1872 vier Ministerien (Sagasta, Topete, Serrano, Zorilla) einander ab. Zur Bekämpfung der karlistischen Aufstände wurde Serrano zum Oberkommandanten der bask. Provinzen ernannt.
Dieser schlug die Karlisten bei Oroquieta, nötigte Don Carlos zur Flucht nach Frankreich und gewährte in der Konvention von Amorovieta 24. Mai selbst den zu den Karlisten übergegangenen königl. Offizieren volle Amnestie. Zu gleicher Zeit fanden in mehrern Provinzen republikanische Aufstände statt. König Amadeus, der weder in Madrid noch auf seinen Rundreisen in den Provinzen viel Sympathie fand, teilte Zorilla seinen Entschluß der Abdankung mit, erließ 11. Febr. eine Abdankungsbotschaft an den Kongreß und reiste 12. Febr. mit seiner Familie von Madrid ab, um über Lissabon [* 6] nach Italien [* 7] zurückzukehren.
S. als Republik. Der Kongreß erklärte sich sofort 11. Febr. für die Republik und wählte am 12. zur Handhabung der Exekutivgewalt ein Ministerium, in dem die vier Republikaner Figueras, Castelar, Pi y Margall, Nicolas Salmeron die Präsidentschaft, das Auswärtige, das Innere, die Justiz übernahmen. Das Programm derselben, das 8. Juni mit dem neuen Verfassungsentwurf von den Cortes angenommen wurde, lautete: «Föderativrepublik für S. mit Selbstverwaltung der einzelnen Staaten, Unterdrückung der Centralisation, Aufhebung des stehenden Heers, absolute Trennung von Kirche und Staat, Proklamierung der Menschenrechte auf dem Boden einer demokratischen Verfassung und unter der Gewalt der Gesetze.» Da die Intransigenten ihre Forderungen eines socialen Umsturzes in den Cortes nicht durchsetzen konnten, erhoben sie in den südl. Städten die rote Fahne.
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* 8 Norden.Die Ministerien und Präsidenten wechselten rasch. Auf Figueras folgte als Präsident der Exekutive 11. Juni Pi y Margall, 19. Juli Nicolas Salmeron, 7. Sept. Castelar, der sich von den Cortes unbedingte Vollmachten für militär. und polit. Maßregeln übertragen ließ. Im Norden [* 8] machte Don Carlos und sein Bruder Don Alfonso an der Spitze der Karlisten bedeutende Fortschritte; im Süden bildeten sich in einzelnen Städten Communen, die der Regierung den Gehorsam aufkündigten; alle Disciplin im Heere löste sich auf. Die Städte Alcoy, Sevilla, [* 9] Cadiz, [* 10] Valencia [* 11] mußten mit Gewalt genommen werden, andere ergaben sich den anrückenden Generalen. Am längsten dauerte der Widerstand in Cartagena; von der Landseite eingeschlossen und bombardiert, ergab es sich erst nach viermonatiger Belagerung dem Regierungsgeneral Lopez Dominguez, nachdem General Contreras (s. d.) mit der Revolutionsjunta die Blockade durchbrochen und sich nach Algier geflüchtet hatte.
Bei dem Zusammentritt der Cortes bezeichnete der Cortespräsident Nic. Salmeron das Verfahren Castelars als unrepublikanisch, worauf letzterer seine Entlassung einreichte. Bevor es aber zu weitern Verhandlungen kam, wurden 3. Jan. die Cortes vom Generalkapitän von Madrid, Pavia, gesprengt und von den Männern, die 1868 Isabella gestürzt hatten, eine neue Regierung eingesetzt, in der Serrano die Präsidentschaft, Sagasta das Auswärtige, Topete die Marine übernahm.
Festung (Allgemeines;
* 12 Festung.Durch Dekret vom 26. Febr. nahm Serrano den Titel «Präsident der Exekutivgewalt der Republik» an; die Ministerpräsidentschaft übernahm zuerst General Zabala, 4. Sept. Sagasta. Republikanische Aufstände gegen die neue Regierung wurden rasch bewältigt und mit Energie gegen die Karlisten vorgegangen. Diese hielten die Festung [* 12] Bilbao [* 13] cerniert, nahmen die dazugehörige Hafenstadt Portugalete und zwangen den General Moriones, der in Biscaya eindrang, durch die Niederlage bei Sommorrostro zum Rückzug.
Spanien (Geschichte 18
* 15 Seite 65.103.Nun eilte Serrano selbst herbei und zwang den Feind 1. Mai, seine Stellungen aufzugeben, die Cernierung Bilbaos aufzuheben und Portugalete zu räumen. Aber General Concha, dem Serrano den Oberbefehl übergab, wurde bei seinem Angriff auf die Höhen von Estella 25. bis 27. Juni zurückgeschlagen und fiel. Inzwischen hatten alle Mächte, außer Rußland, Serranos Regierung anerkannt; sie nahmen die diplomat. Verbindungen mit S. wieder auf. Der Konflikt mit den Vereinigten Staaten, [* 14] der wegen des amerik. Schiffs Virginius, das den Insurgenten von Cuba Mannschaft und Munition zuführte, ausbrach, wurde im Washingtoner Vertrag vom durch S.s Nachgiebigkeit beigelegt. Der Oberbefehlshaber der Nordarmee, General Laserna, schlug 10. und die Karlisten, ¶
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befreite die von ihnen cernierte Festung Irun, konnte aber keine weitern Erfolge erringen. Da eilte Serrano aufs neue herbei, um an der Spitze von vier Armeekorps einen umfassenden Angriff auf die Karlisten zu machen und sie nach der franz. Grenze zurückzudrängen. Bevor der Plan jedoch zur Ausführung kam, proklamierte General Martinez Campos in Murviedro den Sohn der Exkönigin Isabella als König Alfons XII. (s. d.) von S. Die Armee sprach sich für Alfons aus.
Presse (technisch)
* 17 Presse.Das Ministerium Sagasta dankte 30. Dez. ab, Serrano legte den Oberbefehl und die Präsidentschaft nieder, ein Regentschaftsministerium unter Canovas del Castillo (s. d.) bildete sich 31. Dez. unter Alfons XII. König Alfons reiste von Paris [* 16] ab und hielt 14. Jan. seinen Einzug in Madrid. Das Ministerium Canovas, vom König bestätigt, hob Geschworenengerichte, Civilehe und Lehrfreiheit auf, beschränkte die Freiheit der Presse [* 17] und gab dem Klerus die noch nicht verkauften Kirchengüter zurück.
Einer Versammlung von 39 Notabeln wurde ein Verfassungsentwurf zur Beratung vorgelegt. Darin war zwar der Grundsatz der Kultusfreiheit ausgesprochen, aber durch eine unbestimmte Fassung des Art. 11 der Willkür und Unduldsamkeit der Geistlichkeit und Beamten Thür und Thor geöffnet. Die päpstl. Kurie protestierte gegen diesen Artikel und berief sich darauf, daß Canovas ihr die Wiederherstellung des Konkordats von 1851 versprochen habe. Letzterer reichte daher 11. Sept. seine Entlassung ein, worauf Kriegsminister Iovellar die Präsidentschaft des Ministeriums übernahm und sofort dem Vatikan [* 18] die Unmöglichkeit der Wiederherstellung der kath. Glaubenseinheit nachwies. Der Vatikan zeigte sich nachgiebig, und nun übernahm 3. Dez. Canovas wieder die Ministerpräsidentschaft und Jovellar wurde Generalgouverneur von Cuba.
Der Krieg gegen die Karlisten dauerte zunächst ohne entscheidende Erfolge fort. General Laserna eröffnete 1875 den Feldzug
mit einem Vormarsch gegen Estella, wurde aber geschlagen und zum Rückzug genötigt. Den Oberbefehl übernahm nun
General Quesada. Durch die Kapitulation der Festung Seo de Urgel 26. Aug. wurde Catalonien von den Karlisten
befreit. Quesada zog 8. Juli in das von den Karlisten bedrohte Vittoria ein, entsetzte 24. Nov. Pamplona und traf 22. Dez. in Tafalla
ein, um mit einer Armee von 100
000 Mann einen entscheidenden Schlag zu führen.
Brücken I
* 19 Brücke.Cabrera hatte sich bereits in einem Schreiben vom 11. März dem König Alfons unterworfen, über 200 karlistische Offiziere traten nach Frankreich über; andere erklärten sich für Alfons. General Quesada nahm Villa Real, 5. Febr. Durango, 19. Febr. Estella; König Alfons eilte selbst herbei und übernahm den Oberbefehl, hielt 28. Febr. seinen Einzug in Pamplona, während am gleichen Tage Don Carlos, der mit noch 2000 Mann im Thale von Roncesvalles stand, über die Brücke [* 19] bei Arneguy ging und den franz. Boden betrat.
Inzwischen waren die neu gewählten Cortes vom König 15. Febr. eröffnet worden. Der Gesetzentwurf über die allmähliche Aufhebung der Fueros der bask. Provinzen wurde 19. Juli angenommen. Der Verfassungsentwurf samt dem dehnbaren Kultusartikel wurde 24. Mai mit 285 gegen 40 Stimmen genehmigt. Der finanziellen Zerrüttung suchte der Finanzminister Salaverria dadurch abzuhelfen, daß er die Verzinsung der Staatsschulden bis zum sistierte, von da an nur einen Teil der Zinsen zahlte, den Beamten 25 Proz. Gehaltsabzüge machte und die außerordentliche Kriegssteuer beibehielt.
Als sich König Alfons mit der dritten Tochter des Herzogs von Montpensier, Donna Mercedes (geb. verlobte, verließ Isabella, die seit 1876 in Sevilla gewohnt hatte, im Herbst 1877 S., ließ sich wieder in Paris nieder und söhnte sich dort in demonstrativer Weise mit Don Carlos aus. Doch gelang es, sie abzuhalten, die Abdankung zu Gunsten Alfons' XII. zurückzunehmen. Die Vermählung des Königs fand in Madrid statt; aber schon 26. Juni starb die Königin, wie man vermutet, an Gift. Am 25. Okt. feuerte ein Böttcher Namens Oliva y Moncasi eine Pistole auf den König ab; doch traf die Kugel nicht.
Nach der Niederschlagung des Karlismus war die nächste Aufgabe der Regierung die Bewältigung des Aufstandes in Cuba; im April 1878 war der größte Teil der Insel beruhigt, und der Aufstand konnte als erloschen angesehen werden. General Martinez Campos legte dem Ministerium die ihm für Cuba nötig scheinenden Reformvorschläge, besonders Abschaffung der Sklaverei, die auf Portoriko bereits durch Cortesbeschluß vom abgeschafft war, vor. Da Canovas dieselben den Cortes gegenüber nicht vertreten wollte, nahm er seine Entlassung. Martinez Campos bildete ein neues Kabinett; aber seine Vorschläge für Cuba erregten eine Spaltung im Kabinett, was den Rücktritt desselben veranlaßte. Canovas übernahm aufs neue die Ministerpräsidentschaft. Das Gesetz über die Abschaffung der Sklaverei ward von den Cortes 21. Jan.1880 angenommen und vom König bestätigt.
Oesterreich ob der Enn
* 20 Österreich.Inzwischen hatte sich König Alfons mit der Erzherzogin Maria Christina (s. d.) von Österreich [* 20] vermählt. Die Einwanderung und Niederlassung der 1880 aus Frankreich ausgewiesenen Jesuiten wurde von Canovas, im Widerspruch mit den Gesetzen, geduldet. Die in Madrid eröffnete Marokko-Konferenz, an der die Bevollmächtigten von 11 Staaten teilnahmen, unterzeichnete 3. Juli eine Konvention mit Marokko. [* 21] Die Weigerung des Königs, den Gesetzentwurf über die Konvertierung der amortisierbaren Schuld zu unterzeichnen, führte einen Kabinettswechsel herbei.
Canovas nahm seine Entlassung, und Sagasta, der Führer der gemäßigten Liberalen, übernahm in dem neuen Kabinett die Präsidentschaft. Die Cortes wurden aufgelöst, allen ausgewanderten Spaniern die Rückkehr gestattet und auf dem Gebiete des Unterrichtswesens liberale Einrichtungen getroffen. Die von der Regierung vorgelegten Gesetze über Steuerreform und einen span.-franz. Handelsvertrag wurden 1882 genehmigt, der deutsch-span. Handelsvertrag 1883 angenommen, der republikanische Militäraufstand in Badajoz sofort bewältigt. Im September trat König Alfons, in Begleitung des Ministers des Auswärtigen, Marquis de la Vega de Armijo, eine Reise nach Österreich und Deutschland [* 22] an. Der Kronprinz des Deutschen Reichs machte ihm im Namen des Kaisers schon im November einen Gegenbesuch.
Die Reise des Königs und dabei vorgekommene mißliebige Auftritte in Paris hatten Meinungsverschiedenheiten in dem Ministerium Sagasta veranlaßt, das seine Entlassung nahm. ¶