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Der Kammerpräsident Posada de Herrera übernahm in dem neuen Kabinett, in dem vier Mitglieder der dynastischen Linken sich befanden, die Präsidentschaft. Dieses Kabinett erzielte für sein Programm, Einführung des allgemeinen Stimmrechts und Reform der Verfassung, in den Cortes keine Mehrheit und nahm infolgedessen seine Entlassung; Canovas trat wieder an die Spitze eines konservativen Ministeriums. Zwischen S., Deutschland [* 2] und England wurde im März 1885 bezüglich des Sulu-Archipels ein Vertrag geschlossen, worin die Oberhoheit S.s über diese Inseln anerkannt und den beiden andern Staaten Handelsfreiheit zugestanden wurde.
Berlin
* 4 Berlin.Aber die Nachricht, daß das deutsche Kanonenboot Iltis [* 3] am 24. Aug. die deutsche Reichsflagge auf Dap, der Hauptinsel der Karolinen, geheißt habe, und daß die zu dem nämlichen Zweck von Manila abgeschickten span. Kriegsschiffe zu spät gekommen seien, erregte in S. einen Sturm der Entrüstung. Es entwickelte sich eine diplomat. Korrespondenz zwischen Berlin [* 4] und Madrid, [* 5] in der Fürst Bismarck von S. thatsächliche Beweise dafür, daß die Karolinen früher unter S.s Oberhoheit gestanden seien, verlangte, während die span. Regierung die Souveränitätsansprüche S.s auf die Karolinen aufrecht erhielt. Endlich einigten sich beide Mächte auf Vorschlag Bismarcks, dem Papst Leo XIII. das Schiedsrichteramt zu übertragen, der S. die Souveränität über die Karolinen zuerkannte, dem deutschen Handel aber wichtige Rechte sicherte.
Neueste Zeit. Am starb König Alfons XII.; seine Witwe Maria Christina, welche ihrer Niederkunft entgegensah, übernahm nun die Regentschaft. Das Ministerium Canovas gab seine Entlassung, und Sagasta bildete 26. Nov. ein neues Kabinett. Die Cortes wurden 26. Dez. wieder eröffnet, aber schon aufgelöst. Die Neuwahlen im April ergaben in der Kammer eine ministerielle Mehrheit von 310 Stimmen gegen 120 Oppositionsmitglieder, im Senat eine ministerielle Mehrheit von 136 Stimmen gegen 44. Durch königl. Dekret vom 9. April wurden an den bedeutendsten span. Hafen- und Handelsplätzen Handelskammern errichtet, die bei Abschluß von Handels- und Schiffahrtsverträgen, bei Zollreformplänen u. s. w. zu Rate gezogen werden sollten. Republikanische Aufstände, die in Cartagena und in Barcelona [* 6] stattfanden, wurden sofort unterdrückt.
Am wurde die Königin-Regentin von einem Prinzen entbunden, der sofort als König Alfons XIII. proklamiert wurde. Die neu gewählten Cortes leisteten 11. Juni den Eid der Treue für den jungen König und die Verfassung. Das Abgeordnetenhaus lehnte 21. Juli den Antrag, daß der Insel Cuba Selbstregierung gewährt werden solle, ab und beschloß 27. Juli die vollständige Freigebung der noch in Abhängigkeit von ihren frühern Herren stehenden 26000 Neger auf Cuba. Der mit England abgeschlossene Handelsvertrag wurde von beiden Kammern genehmigt.
Paris
* 7 Paris.Der von den Republikanern, besonders von dem in Paris [* 7] lebenden Zorilla 19. Sept. veranstaltete Militäraufstand in Madrid wurde von dem Generalkapitän Pavia unterdrückt. Die Führer wurden vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt, aber auf Wunsch der Königin zu lebenslänglicher Verbannung und Internierung begnadigt und nach Fernando Po gebracht. Infolgedessen gab das Ministerium Sagasta 8. Okt. seine Entlassung ein, worauf Sagasta ein neues Kabinett bildete, in dem er wieder das Präsidium übernahm. Durch Aufhebung sämtlicher Sergeantmajorstellen in der aktiven Armee sollte die Zuverlässigkeit des Heers erhöht werden.
Bei der Wiedereröffnung der Cortes 18. Nov. kündigte Sagasta mehrere Gesetzentwürfe an, darunter solche über Einführung der Schwurgerichte, der Civilehe, der militär. Reformen, aber keinen über Erweiterung des Wahlrechts. Der Gesetzentwurf über Reorganisation der bisher vernachlässigten Flotte wurde von den Cortes genehmigt.
Die Cortes wurden wieder eröffnet. Die in denselben eingebrachte Militärvorlage hatte als Hauptbestimmungen: allgemeine Wehrpflicht, zwölfjährige Dienstzeit, in den überseeischen Provinzen achtjährige, Einjährig-Freiwilligendienst, Einteilung des Landes in acht große Generalkommandos;
Stärke (natürliches Vo
* 8 Stärke.Vorrücken bis zum Obersten in Friedenszeit nach der Dienstdauer, in Kriegszeit nach Wahl;
Stärke
[* 8] des stehenden
Heers für die Halbinsel 100
000 Mann, für
Cuba 19000, für die Philippinen 5700, für
Portoriko 3700. Die Einführung der
Geschworenengerichte wurde vom
Kongreß mit 206 gegen 50 (konservative)
Stimmen
genehmigt.
Der auf die Erhebung einer Zuschlagtaxe auf das aus dem Ausland eingeführte Getreide [* 9] gestellte Antrag wurde vom Senat 3. Juni abgelehnt. Das Gesetz über die Verpachtung der Tabakregie wurde von beiden Kammern genehmigt. Anfang Juli fanden in Valencia [* 10] und Barcelona wegen Erhöhung der Steuer auf Schlachtvieh größere Ruhestörungen statt. In Cuba fanden bei einer Untersuchung wegen arger Zollmißbräuche blutige Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung [* 11] und dem Militär statt, während gleichzeitig eine Verschwörung auf Portoriko den Abfall von S. bezweckte, aber noch zuvor entdeckt wurde.
Massarani - Masse
* 12 Massaua.Ende September brach auf den Karolinen ein Aufstand der Eingeborenen aus wegen Ausweisung eines protestantischen amerik. Pastors. In Westafrika nahm S. im Juni 1886 durch Verträge mit Häuptlingen ein Gebiet von 14000 qkm in Besitz, das vom Fluß Campo, der Sierra de Cristal und dem Fluß Noya bis zur Küste von Sta. Clara begrenzt wird. Der zwischen Kap Blanco und Kap Bojador gelegene Teil der Westküste Afrikas wurde 1887 von S. in Besitz genommen. In Ostafrika erwarb S. 1887 am Roten Meer unweit Massaua [* 12] einen Hafen, der eine Kohlenstation für die nach den Philippinen fahrenden Dampfer werden sollte. Der auf den Sulu-Inseln ausgebrochene Aufstand wurde von dem dortigen Gouverneur im Juni 1887 unterdrückt. Auf Wunsch des Sultans von Marokko [* 13] lud S. im Dezember die Großmächte zu einer Konferenz ein behufs Änderung der Konvention von 1880. Zugleich (Ende Dez. 1887) wurden die span. Gesandtschaften in Berlin, Rom, [* 14] Wien [* 15] und London [* 16] zu Botschaften erhoben.
Spanien (Geschichte 18
* 17 Seite 65.105.Im Frühjahr 1888 trat wegen einer Differenz, die zwischen dem Ministerium und dem Generalkapitän Martinez Campos entstanden war, dieser zurück und jenes reichte sein Entlassungsgesuch ein; Sagasta bildete im Juni ein neues Ministerium. Die Frage des allgemeinen Stimmrechts erregte fortdauernd die Gemüter und veranlaßte Ende des Jahres besonders in der Hauptstadt Unruhen. Am 8. Dez. überreichten sämtliche Minister ihr Entlassungsgesuch, Sagasta bildete ein neues, sodann im Jan. 1890 wiederum ein neues (5 Demokraten, 4 Konstitutionelle). Die von Sagasta eingebrachte ¶
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Vorlage bezüglich des allgemeinen Wahlrechts wurde 26. Jan. von der Kammer, vom Senat angenommen; doch war der Anspruch an das Wahlrecht mit dem 25. Lebensjahr an gewisse einschränkende Bedingungen geknüpft.
Am 5. Juli wurde ein neues Ministerium gebildet, in dem Canovas del Castillo den Vorsitz übernahm, was in mehrern Städten Unruhen hervorrief. Anfang 1892 fanden anarchistische Kundgebungen in Xeres und Barcelona und eine socialistische Bewegung in Madrid statt. Im Juni verbreitete sich die anarchistische Bewegung über ganz Catalonien; infolge der Haltung von 87000 streikenden Arbeitern wurde der Belagerungszustand über Barcelona verhängt, jedoch ohne wesentlichen Erfolg.
Murdoch - Murger [unko
* 18 Murcia.Ende Juni trat gar ein Ausstand der 3000 Telegraphisten des Landes ein. Bedenkliche Unruhen brachen dann im Juli in Madrid aus, wo es zu einem regelrechten Feuergefecht kam, Ende Juli ward in Santander der Belagerungszustand verkündigt, und Anfang August mußte viel Militär in die Provinzen Alicante und Murcia [* 18] geschickt werden. Gleichwohl ward wie in Italien, [* 19] so auch in S. seit Anfang August das Columbus-Fest mit besonderm Glanze gefeiert, besonders in Huelva. Im Dez. 1892 trat Canovas vom Präsidium zurück und überließ es an Sagasta.
Die Wahlen im März 1893 erbrachten für die Zweite Kammer zwar eine ministerielle Mehrheit von 298, doch war die Zahl der republikanischen Abgeordneten auf das Doppelte (auf 50) gestiegen; der Senat setzte sich aus 199 Ministeriellen und 138 Oppositionellen zusammen. Die Unzufriedenheit richtete sich besonders gegen die Reform der Finanzen und das Heeresreformgesetz; die Anarchisten schürten, so daß es auch 1893 zu ernsten Unruhen kam. Am 24. Sept. wurde dem Marschall Martinez Campos bei einer Truppenrevue in Barcelona eine Bombe vor die Füße geworfen, die ihn und andere verletzte; 7. Nov. wurden in derselben Stadt bei Einweihung des Theatro Liceo zwei Bomben in den Orchesterraum geworfen, wobei eine große Anzahl von Personen ums Leben kam.
Der Streit um Melilla, dessen Gebiet seit 1859 durch Vertrag mit Marokko erweitert worden war, ließ alsdann vorübergehend die innern Vorgänge zurücktreten; infolge der Räubereien und Angriffe der Riffbewohner kam es Ende Oktober zu heftigen Kämpfen, in denen der span. Oberbefehlshaber General Margallo fiel. Dies entflammte die Volksleidenschaft in ganz S.; indessen brachte der Ende November als Oberbefehlshaber entsandte Martinez Campos die Sache ins Gleiche.
Der Sultan Mulei Hassan versprach Genugthuung und ließ die Häuptlinge der Riffkabylen an Campos ausliefern (März 1894). Auf Cuba entstanden in demselben Jahr infolge der entschädigungslosen Aufhebung der Sklaverei (1880), der Einführung der span. Verfassung (1884) und neuer Steuern Unruhen; doch unterwarf der Gouverneur die Aufständischen. Die Absicht des Finanzministers, die seither in Bezug auf Steuern bevorrechteten Landesteile zu belasten, rief eine große Bewegung in den bask. Provinzen und in Navarra hervor, so daß die Regierung im Febr. 1894 ein Abkommen treffen mußte. Am bat das Ministerium Sagasta um Entlassung, worauf es 12. März unter Veränderung der Hälfte seiner Mitglieder wieder eingesetzt wurde.
In den Cortes (April bis Juli) spielte die Erörterung wirtschaftlicher Fragen, insbesondere der Handelsverträge, eine große Rolle; im Juli einigten sich beide Kammern über ein Gesetz gegen die Anarchisten. Das Verlangen Cubas nach Selbstverwaltung zögerte die Regierung zu erfüllen, was einen Aufstand hervorrief, den Martinez Campos Anfang 1895 zu dämpfen unternahm. Im März 1895 trat Sagasta zurück, und Canovas, der Führer der Konservativen, bildete ein neues Kabinett.
Die Schwierigkeiten der innern Politik wurden zunächst durch den Aufstand auf Cuba (s. d.) in den Hintergrund gedrängt. Aber wiewohl Martinez Campos der Insurrektion durch Waffengewalt und das Versprechen, administrative Reformen zu gewähren, ein Ende zu machen suchte, breitete sich der Aufstand mehr und mehr aus. Dieser Mißerfolg veranlaßte im Jan. 1896 die Abberufung Martinez Campos'. Sein Nachfolger war General Weyler, der jedoch, trotzdem er mit äußerster Härte verfuhr, den Aufstand auch nicht zu unterdrücken vermochte.
Amerikanische Völker
* 20 Amerika.Die Cubaner fanden in Amerika [* 20] viel Sympathie und erhielten aus den Vereinigten Staaten [* 21] reiche Unterstützungen, die auch dann noch nicht aufhörten, als Präsident Cleveland auf freundschaftliche Vorstellungen S.s jede Verletzung der Neutralität verbot Die Beziehungen zwischen Nordamerika [* 22] und S. wurden noch gespannter, als im März 1896 Repräsentantenhaus und Senat in Washington [* 23] unter heftigen Angriffen gegen Weyler, der einige amerik. Flibustier zum Tode verurteilt hatte, über die Anerkennung der Aufständischen auf Cuba als kriegführende Partei verhandelten und 6. April die Regierung aufforderten, für die Selbständigkeit Cubas einzutreten. In mehrern größern Städten kam es infolgedessen zu Kundgebungen gegen die Vereinigten Staaten.
Das J. 1895 über hatte das konservative Kabinett mit einer liberalen Majorität regiert, im Febr. 1896 endlich löste es die Cortes auf, und 12. April wurde die Kammer, am 26. der Senat neu gewählt. Das Resultat war ein großer Sieg der Regierung, doch wurden sogleich heftige Proteste der Opposition wegen unerhörter Beeinflussung durch die Regierung und der Fälschung der Madrider Wählerlisten laut. Eine der wichtigsten Aufgaben der Cortes war die Regelung der Finanzen, die durch die großen Kosten des cuban.
Presse (technisch)
* 24 Presse.Feldzugs in Unordnung geraten waren. Auch wurden im Dez. 1895 in der Presse [* 24] schwere Vorwürfe gegen die Madrider Stadtverwaltung wegen Veruntreuungen erhoben, um die auch der Justizminister und der Bautenminister gewußt haben sollten. Es kam zu Straßendemonstrationen gegen die Gemeindeverwaltung und die Regierung; die beiden Minister legten ihre Ämter nieder, und eine gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet. Sodann regten sich in Barcelona wieder die Anarchisten, wo durch ein Bombenattentat eine ganze Anzahl von Menschen getötet und noch mehr verwundet wurden, was der Regierung zur Verhängung des Belagerungszustandes über die Stadt und zu einem neuen, noch schärfern Anarchistengesetz Veranlassung gab. Ferner wurde im August eine weitverzweigte Verschwörung auf den Philippinen (s. d.) entdeckt, die in S. selbst Teilnehmer zu haben schien und zu offener Empörung führte. Diesen Schwierigkeiten gegenüber zeigten sich auch die regierungsfeindlichen Parteien in den Cortes bereit, durch Geldbewilligungen die Regierung zu unterstützen, die Integrität des span. Gebietes zu wahren. Die brutale Behandlung der Anarchisten in den Gefängnissen ¶