Abstract
Mit den scheinbar absurden Ideen versuchte Feyerabend, die Absurditäten dieser Welt, die Ignoranz wissenschaftlicher Expert*innen, die Missachtung der Traditionen benachteiligter Kulturen, die kulturellen Ungerechtigkeiten und den Chauvinismus von manchen Ideologien und Weltanschauungen zu entlarven. Man könnte auch sagen, Feyerabend versucht mit Absurdem gegen das Absurde in dieser Welt anzukämpfen. Die Welt ist dann absurd, wenn die Vielfalt von Weltsichten nicht toleriert wird. Gegen diese Absurdität können scheinbar absurde Ideen, Sprachspiele oder Handlungen ins Feld geführt werden. Sie stellen etablierte Interpretations-, Sprach- und Handlungsgewohnheiten in Frage. Sie zeigen auf das, was jenseits der (absurden) Wirklichkeit noch alles möglich sein kann. Scheinbar absurde Ereignisse, Ideen, Aussagen oder Handlungen können kognitive Dissonanzen und soziale Konflikte erzeugen, die durch Perspektivenwechsel sowie durch einen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Pluralismus (der nicht auf Konsens setzt, sondern Dissens ermöglicht) auszuhalten sind. Eine Abschweifung zu Albert Camus, den Philosophen des Absurden, ist deshalb nicht zu vermeiden. Und um dem Titel des vorliegenden Buches gerecht zu werden, wird in diesem Kapitel eine, wenn auch vage, Vorstellung von Borniertheit und Chauvinismus entwickelt.