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Mainz (Erzstift)

Bild 11.119: Mainz (Erzstift)
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Mainz# ehemaliges deutsches Erzstift und Kurfürstentum, im nieder- oder kurrheinischen Kreis, am Rhein / 1006
Mainz _2# (hierzu der Stadtplan), Hauptstadt der hess. Rheinprovinz und deutsche Reichsfestung ersten / 2387

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Mainz

2 Seiten, 3'393 Wörter, 24'278 Zeichen

Geographie — Deutschland — Hessen (Großherzogth.)



Mainz,

Mainz (Stadt: hervorra

Bild 11.120: Mainz (Stadt: hervorragende Gebäude)
* 2 Mainz.

[* 2] ehemaliges deutsches Erzstift und Kurfürstentum, im nieder- oder kurrheinischen Kreis, [* 3] am Rhein und Main zwischen der Wetterau, Franken, der Grafschaft Sponheim und Württemberg [* 4] gelegen, soll nach der Legende von einem Schüler des Apostels Paulus, Crescens, gegründet sein, der um 82 unter der in Mainz stehenden 22. Legion das Christentum gepredigt habe und daselbst den Märtyrertod gestorben sei. Die Verzeichnisse seiner Nachfolger auf dem Bischofsstuhl bis ins 6. Jahrh. sind ein Machwerk späterer Zeit.

Bonifacius, schon 732 Metropolit von Germanien, [* 5] erhielt mit päpstlicher Zustimmung 747 den Mainzer Stuhl als Erzbistum und zu Suffraganen die Bischöfe zu Tongern (nachher Lüttich), [* 6] Köln, [* 7] Worms, [* 8] Speier, [* 9] Utrecht, [* 10] Würzburg, [* 11] Eichstätt, [* 12] Buraburg (bei Fritzlar), Erfurt, [* 13] Straßburg [* 14] und Konstanz. [* 15] 753 übergab er das Erzbistum seinem Schüler Lullus, der viele Kirchen und Klöster stiftete. Unter seinen Nachfolgern waren die berühmtesten: Hrabanus Maurus (847-856);

Hatto I. (891-913), der eine große Rolle in der Geschichte des Deutschen Reichs unter Ludwig dem Kind und Konrad I. spielte;

der durch die Sage vom Mäuseturm berüchtigte Hatto II. (968-970);

Pallisserinseln - Palm

Bild 12.634: Pallisserinseln - Palma
* 16 Pallium.

Willigis (975-1011), der vom Papst das Pallium [* 16] nebst dem Vorrecht erhielt, auf allen deutschen und französischen Konzilen zu präsidieren und den deutschen König zu krönen;

Gerhard II. von Eppenstein (1289-1305), der 1294 vom Grafen Heinrich von Gleichen das obere Eichsfeld erwarb, sich durch die Concordata Gerhardi um die Herstellung der Ordnung im Reich sehr verdient machte und aufs neue den Titel eines Erzkanzlers von Deutschland [* 17] sowie 1298 den ersten Rang im Reich für sich und seine Nachfolger zugesprochen erhielt;

Augitfels - Augsburg

Bild 2.87: Augitfels - Augsburg
* 19 Augsburg.

Heinrich von Virneburg, seit 1328, der in dem Erzbischof Balduin von Trier [* 18] vom Kapitel einen Gegenbischof entgegengestellt erhielt und erst 1336 allgemein anerkannt, 1346 wegen seiner Parteinahme für Kaiser Ludwig den Bayer vom Papst abgesetzt ward, aber sich gleichwohl im Erzbistum bis an seinen Tod (1353) behauptete. Zu seiner Zeit umfaßte dasselbe 14 Bistümer, nämlich außer den 6 frühern (Konstanz, Eichstätt, Speier, Straßburg, Worms und Würzburg) Augsburg, [* 19] Chur, [* 20] Halberstadt, [* 21] Hildesheim, [* 22] Olmütz, [* 23] Paderborn, [* 24] Prag [* 25] und Verden. [* 26] 1343 verlor Mainz die Metropolitangewalt über Prag und Olmütz und verzichtete auf das Recht, den König von Böhmen [* 27] zu krönen.

Zwischen Ludwig von Meißen, [* 28] der 1373 vom Papst und Kaiser eingesetzt, und Adolf I. von Nassau, Bischof von Speier, der vom Kapitel gewählt worden war und in Erfurt residierte, kam es zum Krieg, der 1381 durch einen Vergleich beendigt ward, nach welchem Adolf Erzbischof in Mainz blieb, Ludwig aber das Erzbistum Magdeburg [* 29] mit dem Titel eines Erzbischofs von Mainz erhielt. Die Streitigkeiten der Mainzer mit dem Erzbischof Konrad III. über die von diesem beanspruchte Befreiung der Geistlichen von den städtischen Steuern wurden erst 1435 durch Dietrich, Schenk von Erbach, beigelegt und unter Vermittelung des Baseler Konzils die sogen. Pfaffenrachtung vereinbart.

Dietrichs Nachfolger Dietrich II., Graf von Isenburg, wurde, da er die von 10,000 auf 21,600 Gulden erhöhten Annaten nicht bezahlen wollte, vom Papst abgesetzt und an seiner Stelle Adolf II. von Nassau zum Erzbischof ernannt. Dies gab Veranlassung zu einem für das Erzstift verderblichen Krieg, der endlich 1463 durch einen Vergleich geschlichtet wurde, nach welchem Dietrich der Verwaltung des verarmten Erzstifts entsagte. Nach Adolfs II. Tod (1475) wieder zum Erzbischof ernannt, eröffnete Dietrich II. 1477 die unter dem 23. Nov. 1476 von Papst Sixtus IV. errichtete Universität zu Mainz.

Brandenburg

Bild 3.316a: Brandenburg
* 30 Brandenburg.

Albrecht II. von Brandenburg [* 30] (als Erzbischof von Magdeburg Albrecht IV.), 1514-45, ein eifriger Katholik, mußte dennoch 1530 den Evangelischen einige Kirchen in Mainz einräumen; dafür nahm er 1542 die Jesuiten in sein Stift auf. Unter Sebastian von Heussenstamm (1545-55) fand 1549 die letzte Provinzialsynode statt. Unter Johann Schweikard von Kronenberg (1604-26) begannen die Drangsale des Dreißigjährigen Kriegs das Erzstift heimzusuchen; besonders hausten hier Mansfeld und Christian von Braunschweig. [* 31] Gustav Adolf von Schweden [* 32] besetzte 1631 während der Regierung Anselm Kasimirs von Umstatt das Erzstift, und die Schweden behielten es bis 1636. Von 1643 bis 1648 war es in den Händen der Franzosen, während welcher Zeit der Erzbischof in Köln lebte. Im Westfälischen Frieden unter Johann Philipp von Schönborn (1647-73) gingen durch Säkularisation die Bistümer Verden und Halberstadt verloren, dagegen wurde 1667 Erfurt wiedergewonnen.



Das Erzstift umfaßte zur Zeit des Lüneviller Friedens die Bistümer Worms, Speier, Straßburg, Konstanz, Augsburg, Chur, Würzburg, Eichstätt, Paderborn, Hildesheim und die neugebildeten Korvei und Fulda [* 33] und besaß ein eignes Gebiet von 8260 qkm mit ¶

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(1803) 320,000 Einw. Dasselbe gruppierte sich um Mainz und Erfurt (hierzu das Eichsfeld), die beide befestigt waren. Der Erzbischof, durch freie Wahl des Domkapitels gewählt, war Kurfürst und Erzkanzler des Reichs, Primas von Deutschland, führte das Direktorium auf dem Reichstag, im Kurfürstenkollegium und bei der Wahl und schrieb Deputations- und Kurfürstentage aus. Das Domkapitel bestand aus 24 Mitgliedern, unter denen 5 Prälaten und 10 Kapitularherren, welch letztere nicht notwendig Priester zu sein brauchten.

Preußen

Bild 13.338a: Preußen
* 37 Preußen.

Die kurfürstlichen Einkünfte beliefen sich auf 1,200,000 Guld. Als höhere Unterrichtsanstalten bestanden die Universitäten zu Mainz und Erfurt und eine Akademie der nützlichen Wissenschaften zu Erfurt. Das Wappen [* 35] war ein silbernes Rad mit sechs Speichen im roten Feld. Der letzte Kurfürst war Friedrich Karl Joseph von Erthal, gest. 25. Juli 1802 in Aschaffenburg. [* 36] Durch den Reichsdeputationsrezeß vom 25. Febr. 1803 erfolgte die Säkularisation des Erzbistums Mainz Frankreich erhielt von dem Mainzer Gebiet die Distrikte am linken Rheinufer;

Preußen [* 37] erhielt Erfurt, das Eichsfeld und die thüringischen Besitzungen;

andre Teile fielen an Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel und Nassau;

den Rest des Erzstifts Mainz, die Fürstentümer Aschaffenburg, Regensburg, [* 38] die Grafschaft Wetzlar [* 39] und mehrere Ämter (zusammen 1375 qkm mit 109,000 Einw. und einem jährlichen Einkommen von 600,000 Guld.), erhielt der bisherige Koadjutor, Karl Theodor v. Dalberg (s. d.), welcher 1813 aber darauf verzichten mußte.

Schon 1801 war das Erzstift zu einem Bistum degradiert worden und zuerst unter Mecheln, [* 40] dann 1829 unter Freiburg [* 41] gestellt. Die Episkopalrechte beziehen sich nur auf die hessischen Besitzungen am rechten Rheinufer. Nach dem Tode des Bischofs Wilhelm Emanuel v. Ketteler (s. d.) 1877 wurde der Domkapitular Moufang vom Kapitel zum Generalvikar erwählt, aber von der hessischen Regierung nicht anerkannt.

Vgl.   Schunk, Beiträge zur Mainzer Geschichte (Frankf. 1788-91, 3 Bde.);

Hennes, Die Erzbischöfe von Mainz (3. Aufl., Mainz 1880);

Stumpf, Acta Moguntina (Innsbr. 1863);

Jaffé, Monumenta Moguntina (Berl. 1866);

Will, Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe (Innsbr. 1877-86, Bd. 1 u. 2).

Titel
Elemente zu Mainz:

[Geschichte.]

[11.119] Mainz ehemaliges deutsches Erzstift und Kurfürstentum

Mainz

Rheinprovinz

Bild 13.781a: Rheinprovinz
* 42 Rheinprovinz.

[* 2] (hierzu der Stadtplan), Hauptstadt der hess. Rheinprovinz [* 42] und deutsche Reichsfestung ersten Ranges, liegt der Mainmündung schräg gegenüber in einer der schönsten und fruchtbarsten Gegenden Deutschlands, [* 43] im Knotenpunkt der Linien Mainz-Worms, Mainz-Darmstadt-Aschaffenburg, Mainz-Bingen, Mainz-Frankfurt a. M und Mainz-Alzey-Wahlheim der Hess. Ludwigsbahn, 84 m ü. M. Über den Rhein führen eine 1028 m lange Eisenbahngitterbrücke mit zwei Geleisen und eine ganz neue schöne Straßenbrücke nach dem gegenüberliegenden Kastel.

Letztere Stadt ist in das Befestigungssystem mit eingeschlossen. Im allgemeinen ist eine gut gebaute Stadt mit sehr günstigen Gesundheitsverhältnissen. Der älteste und unregelmäßigste Stadtteil, das sogen. Kästrich, woselbst die aussichtsreiche Mathildenterrasse, wurde 18. Nov. 1857 durch eine furchtbare Pulverexplosion größtenteils zerstört u. seitdem in moderner Weise wieder aufgebaut. Ein ganz neuer, eleganter Stadtteil ist die Neustadt, [* 44] im N. der Stadt, wozu seit 1874 der Platz durch Hinausschiebung der Festungswerke gewonnen wurde.

Unter den Plätzen sind bemerkenswert: der Schloßplatz, geziert mit einer Bildsäule Schillers (von dem Mainzer Künstler Scholl), der Tritonplatz mit einer Fontäne, der Gutenbergplatz mit der bronzenen Statue des Erfinders der Buchdruckerkunst (von Thorwaldsen) und der Bahnhofsplatz. Von Straßen sind hervorzuheben: die Rheinstraße, in geringer Entfernung vom Rhein hinlaufend, die Wallstraße, die Ludwigsstraße, die Augustinergasse, namentlich aber der in der Neustadt befindliche 60 m breite und mit gärtnerischen Anlagen geschmückte Boulevard.

Baukunst IX

Bild 2.481i: Baukunst IX
* 46 Baukunst IX.

Unter den kirchlichen Gebäuden (9 kath. Kirchen nebst 3 Kapellen, 1 evang. Kirche und 2 Synagogen) steht der Dom obenan. Derselbe, 978-1009 zum erstenmal erbaut, dann dreimal durch Feuersbrunst zerstört, in seiner jetzigen Form im 13. und 14. Jahrh. aufgeführt, ist ein imposantes, kunsthistorisch sehr interessantes Gebäude mit sechs Türmen, deren höchster 82 m hoch ist (s. Tafel »Baukunst [* 45] IX«, [* 46] Fig. 6 und 7). Das Innere wird von 56 hohen Säulen [* 47] gestützt und enthält zahlreiche Denkmäler und Kunstschätze, namentlich zwei schöne eherne Thorflügel aus dem 10. Jahrh., ein metallenes Taufbecken von 1328, das Denkmal der Fastrada (der dritten Gemahlin Karls d. Gr.) und die zum Teil prachtvollen Monumente mehrerer Erzbischöfe vom 13. Jahrh. an bis zur Neuzeit.

In dem anstoßenden Kreuzgang ist unter andern Monumenten das des Minnesängers Frauenlob (gest. 1318), dem 1842 noch ein andres, ein Werk Schwanthalers, errichtet ward, das sehenswerteste. Bei der Belagerung von 1793 und durch die nachherige Verwandlung in ein Magazin hat der Dom sehr gelitten, und erst in der Neuzeit (seit 1822) ist er unter Leitung Mollers restauriert worden. Der östliche Pfarrturm erhielt eine gotische Kuppel, und andre Teile des Doms wurden wiederhergestellt.

Amsdorf - Amsterdam

Bild 1.508: Amsdorf - Amsterdam
* 48 Amsterdam.

In den Jahren 1870-78, unter der Leitung der Dombaumeister Wessiken und (seit 1873) Cuypers aus Amsterdam, [* 48] wurde insbesondere der Pfeilerbau, welcher das Ostchor vom Schiff [* 49] trennte, herausgenommen und das Schiff in seiner ganzen imposanten Länge wiederhergestellt. Der gotische Kuppelturm wurde abgetragen und an seiner Stelle der Mittelturm im romanischen Stil wieder aufgebaut; die Krypte unter dem Ostchor wurde ausgebaut und die beiden östlichen Stiegentürme erneuert.

Das Mittelschiff und die Kuppel des Westchors sind mit Wandgemälden nach Veits Entwürfen geschmückt; das Ostchor harrt noch seines innern Ausbaues und Schmuckes. Bemerkenswert sind noch: die Ignatiuskirche mit schönem Portal;

die St. Stephanskirche, eine schöne frühgotische Hallenkirche mit dem Grabmal des Gründers des Doms, Erzbischofs Willigis, 1318 vollendet, auf dem höchsten Punkte der Stadt;

die Augustiner- oder Liebfrauenkirche;

die Peterskirche mit Kuppelgemälden von Appiani und mehrere ehemalige Klostergebäude.

Vgl.   Werner, Der Dom von und seine Denkmäler (Mainz 1827 bis 1836, 3 Bde.);

Bockenheimer, Der Dom zu Mainz (das. 1879);

Schneider, Der Dom zu Mainz (Berl. 1886, mit 10 Tafeln).

Andre hervorragende Gebäude sind: das großherzogliche Schloß, früher dem Deutschen Orden [* 50] gehörig, im Anfang des 18. Jahrh. erbaut; das aus rotem Sandstein aufgeführte ehemalige kurfürstliche Schloß, bis 1886 zum Teil als Lagerhaus des Freihafens dienend, enthält die reichen Sammlungen der Stadt: die Stadtbibliothek (150,000 Bände) mit Münzkabinett, die bedeutende Gemäldegalerie, das Altertumsmuseum, das römisch-germanische Zen-



Mainz (Stadt: Einwohne

Bild 11.121: Mainz (Stadt: Einwohner, Industrie und Handel etc.; Geschichte)
* 51 Seite 11.121.

[* 2] ^[Abb.: Wappen von Mainz] ¶

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tralmuseum, eine Sammlung von Gipsabgüssen plastischer Werke sowie ein besonders an Vögeln reiches naturhistorisches Museum;

das Zeughaus (von 1736) mit zahlreichen Waffen [* 52] und Rüstungen;

der Kommandantur-, Regierungs-, Justiz- und Gouvernementspalast;

das Theater, [* 53] mehrere Kasernen, Gutenbergs Wohnhaus [* 54] und andre durch die Erfindung der Buchdruckerkunst merkwürdige Gebäude.

Ganz neu sind: die Stadthalle, ein prächtiger Renaissancebau für Festlichkeiten;

das großartige Administrationsgebäude der Hessischen Ludwigsbahn, der mit reichem ornamentalen Schmuck gezierte Zentralbahnhof, das Lagerhaus am neuen Hafen und die Reichs-Konservenfabrik für die Verpflegung des deutschen Heers etc.

Möbel (Kunsttischlerei

Bild 11.697a: Möbel (Kunsttischlerei)
* 55 Möbel.

Die Zahl der Einwohner beträgt (1885) mit der Garnison (4 Regimenter Infanterie: Nr. 87, 88, 117 und 118, 2 Eskadrons Husaren Nr. 13, 1 Regiment Fußartillerie Nr. 3, 1 Abt. Feldartillerie Nr. 27 und ein Pionierbataillon Nr. 11) 66,321, darunter etwa 41,000 Katholiken, 21,000 Evangelische und 3500 Juden. Industrie, Handel und Verkehr sind von großer Bedeutung. Haupterzeugnisse der erstern sind: Leder, Schaumwein, Konserven, Möbel, [* 55] Parkettböden, Billards, Schuhwaren, Waggons, Holzwaren, Fortepianos und andre musikalische Instrumente, Korbwaren, Maschinen, Silber- und Goldwaren, chemische Produkte (besonders Lack und Firnisse), Seife, Hüte, Etui- und Portefeuillearbeiten, Tapeten, Spielkarten etc. Von Bedeutung sind auch die Bierbrauerei, [* 56] die Buchdruckerei, namentlich aber der hier wie in den umliegenden Ortschaften sehr umfangreich betriebene Gemüsebau.

Der Handel ist besonders lebhaft in Büchern und Musikalien, Getreide, [* 57] Mehl, [* 58] Öl, Wein und Industrie-Erzeugnissen; bedeutend ist auch die Holzflößerei. Unterstützt wird der Handel durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle, eine Filiale der Darmstädter Bank für Handel und Industrie, einen Dampfschleppschiffahrtsverein, eine Gesellschaft für Kettenschiffahrt auf dem Main, namentlich aber durch die vortreffliche Eisenbahnverbindung und den Verkehr zu Wasser.

Schiff II

Bild 14.454d: Schiff II
* 59 Schiffe.

Die großartigen Hafenbauten und Niederlagsräume im N. der Stadt sind mit einem Kostenaufwand von 5 Mill. Mk. hergestellt und 1887 dem Verkehr übergeben. Ein zweiter Hafen, der Hessischen Ludwigsbahn gehörig, ist Mainz gegenüber, an der Mainmündung bei Gustavsburg, erbaut worden. Ein besonderer Hafen dient zur Flößerei. In Mainz kamen 1885 an: 7887 Schiffe [* 59] (darunter 3930 Dampfschiffe) und 1032 Flöße mit 181,276 Ton. Ladung;

im Hafen von Gustavsburg kamen an: 1591 Schiffe (darunter 231 Dampfschiffe) und 1140 Flöße mit 359,232 T. Ladung.

Den Verkehr in der Stadt und mit den benachbarten Orten Kastel und Weisenau vermittelt eine Pferdebahn.

An Bildungsinstituten etc. hat Mainz ein Priesterseminar, ein Gymnasium (ein zweites 1887 im Bau), ein Realgymnasium mit Realschule, eine Privatrealschule mit Handelsklassen, eine Kunstgewerbeschule, einen Verein für Kunst und Litteratur, die Rheinische Naturforschende Gesellschaft, einen Gartenbauverein, mehrere Musikvereine, unter welchen die Mainzer Liedertafel und der Damengesangverein als Gründer der mittelrheinischen Musikfeste den ersten Rang einnehmen.

Besondere Erwähnung verdient der Altertumsforschende Verein, dessen im Besitz der Stadt befindliches Museum von Originalfunden in Verbindung mit dem römisch-germanischen Zentralmuseum unter der Leitung von L. Lindenschmit (s. d.) eine Sammlung bildet; wie sie auch nur annähernd in ganz Europa [* 60] nicht mehr existiert (1886 gegen 10,000 Nummern.

Vgl.   Lindenschmit, Die Altertümer unsrer heidnischen Vorzeit, Bd. 1-3, Mainz 1858).

Festung (Allgemeines;

Bild 6.180: Festung (Allgemeines; Festungsbau, Geschichtliches)
* 61 Festung.

Von sonstigen Anstalten sind zu erwähnen: die Industriehalle, ein Waisen- und ein Invalidenhaus, eine Entbindungsanstalt, ein Korrektions- und Arresthaus, viele gemeinnützige Vereine etc. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus 4 Magistratsmitgliedern und 42 Stadtverordneten. Sonst ist Mainz Sitz eines katholischen Bischofs und eines Domkapitels, der evangelischen Superintendentur für die Provinz Rheinhessen, der Provinzialbehörden, der Direktion der Hessischen Ludwigsbahn, eines Landgerichts, eines Hauptsteueramts, eines Forstamts, einer Oberförsterei etc. Von militärischen Behörden befinden sich dort: der Gouverneur der Festung [* 61] Mainz, der Stab [* 62] der 2. Fußartillerie-, der 4. Ingenieur-, der 5. Festungs- und der 2. Pionier-Inspektion, der 41. Infanterie- und 3. Fußartillerie-Brigade. Die Umgebung von Mainz zieren schöne Promenaden, an die sich beim Neuthor die »neue Anlage« anschließt. Einen prächtigen Spaziergang bildet namentlich der 100 m breite Rheinkai, der sich von der Eisenbahnbrücke etwa 7 km bis zur Ingelheimer Aue am Rhein entlang erstreckt. Außerhalb des Gauthors, bei Zahlbach, sind die Überreste einer ehemals etwa 6 km langen römischen Wasserleitung [* 63] sehenswert.

Turma - Turmalin

Bild 66.8: Turma - Turmalin
* 65 Turm.

Die umfangreichen und starken Festungswerke, welche seit den Befreiungskriegen sehr in Verfall geraten waren, wurden auf Bundeskosten wiederhergestellt. Sie bestanden bis zum Umbau der Festung seit 1871 aus 13 Bastionen, einem Kronenwerk an der Südseite und einer in die Umwallung eingefügten Citadelle, welche ein bastioniertes Viereck [* 64] bildet, und in welcher der sogen. Eigelstein steht, wahrscheinlich das Grabmal des Drusus, ein jetzt noch etwa 15 m hoher Turm [* 65] mit einem Durchmesser von 8 m, von dessen Spitze sich der schönste Überblick über und die Umgegend darbietet.

Sämtliche Bastionen sind mit Ravelins und andern Außenwerken versehen. Die aus früherer Zeit noch vorhandenen Montalembertschen Türme wurden nach 1870 zum Teil abgetragen, zum Teil mit Erdwällen umgeben. Andre Änderungen und Verstärkungen, wie Erbauung von Kasematten, bombenfesten Gebäuden etc., sind an der Innenseite der Festung ausgeführt worden. Der am rechten Ufer des Rheins gelegene Teil der Festung, das Städtchen Kastel (s. d.), enthält 6 Bastionen und 4 Ravelins zur Deckung der Brücke. [* 66]

Auf der Mainspitze stehen rechts und links von der Eisenbahnbrücke an der Mainmündung zwei Kasemattenforts, welche den Main, den Rhein und die ganze obere Gegend bestreichen. Ein ähnlicher Bau, gleichfalls nach 1870 verstärkt, befindet sich auf der Rheininsel Petersau. Von weitern Anlagen ist das Fort Biehler bei Erbenheim zu nennen. Die südwestliche Enceinte erstreckt sich in ziemlich gerader Linie auf der Anhöhe vom Hauptstein bis zum Hartenberg längs der Wallstraße und fällt dort im rechten Winkel [* 67] zum Rhein ab. Der Abschluß der Festung gegen den Strom, früher durch eine etwa 4 km lange Mauer bewerkstelligt, wird jetzt durch eiserne Palissadengitter mit Sandsteinsockel hergestellt. Die Thore nach dem Rhein sind in geschmackvoller Form hergestellt und mit Skulpturen, Figuren und Emblemen geschmückt. - Zum Landgerichtsbezirk Mainz gehören die elf Amtsgerichte zu Alzey, Bingen, [* 68] Mainz, Niederolm, Oberingelheim, Oppenheim, Osthofen, Pfeddersheim, Wöllstein, Worms und Wörrstadt.

[Geschichte.]  

Auf der Stelle, wo jetzt Mainz liegt, hatten zuerst die Kelten eine Niederlassung ¶

Fortsetzung Mainz:
→ weiter zu Seite 11.122 || det. Dieselbe ward von den Römern genommen und darauf von Drusus 13 v. Chr. hier ein befestigtes
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Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 11. Band, Seite 119 im Internet seit 2005; Text geprüft am 27.10.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am 23.8.2026 mit URL:

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