Gyges
,
erster König von
Lydien aus der Dynastie der
Mermnaden, ursprünglich Leibwächter und Günstling des
Königs
Kandaules aus der assyrischen Dynastie der Sandoniden.
Letzterer rühmte gegen Gyges
die
Reize seiner Gemahlin und verbarg ihn
in deren Schlafgemach, damit er Gelegenheit erhalte, sich von der
Schönheit der
Königin zu überzeugen. Diese
bemerkte aber den Eindringling und stellte ihm andern
Tags die
Wahl, entweder den König zu töten
und sie zu heiraten, oder
selbst ermordet zu werden. Gyges
wählte das erstere und bestieg nach
Kandaules'
Tode den
Thron.
[* 2]
Kraft [unkorrigiert]
* 3 Kraft.
Die Lydier wollten anfangs zwar den Usurpator nicht anerkennen, gaben sich indes zufrieden, als das delphische
Orakel denselben in seiner
Würde bestätigte. Aus Dankbarkeit sandte Gyges
ungemein reiche Weihgeschenke nach
Delphi, unter andern
sechs goldene Mischkrüge, deren
Gewicht 30
Talente betrug. Gyges
regierte darauf 35 Jahre (689-654
v. Chr.), dehnte sein
Reich
aus, machte einen
Angriff auf Milet und
Smyrna und eroberte
Kolophon. So erzählt Herodot; nach Plutarch
verschaffte sich Gyges
die Herrschaft durch Empörung und mit Heeresmacht.
Platon
(»De republ.«) dagegen erzählt, Gyges
habe einst
als
Hirt einen
Ring in einer unterirdischen
Höhle gefunden, welcher die
Kraft
[* 3] gehabt habe, seinen
Besitzer unsichtbar zu machen,
sobald man den
Stein einwärts kehrte. Mit
Hilfe dieses
Ringes habe er die
Königin gewonnen und seinen
Herrn
ermordet.
Fr.
Hebbel behandelte den
Stoff dramatisch unter dem
Titel: »Der
Ring des Gyges«.