Blau,Kobaltoxydulthonerde, Kobaltblau, Königsblau,
Leidener
[* 3]
Blau, Kobaltultramarin, die
Verbindung von Kobaltoxydul
mit
Thonerde, eine blaue, gegen Säuren vollständig widerstandsfähige
Farbe, die aber bei Lampenlicht schmutzigviolett erscheint;
C7H8N4O2, Dimethylxanthin, C5H2(CH3)2N4O2, eine organische
Base, die sich
in den
Kakaobohnen (zu etwa 1-2 Proz.) und in gewissen Sorten von
Thee findet. Es bildet ein weißes krystallinisches
Pulver von schwachbitterlichem
Geschmack, das sich nur sehr wenig in heißem Wasser,
Alkohol und
Äther löst. Mit Silberoxyd
geht es eine
Verbindung ein. Wird diese
Verbindung mit
Jodmethyl behandelt, so geht es in
Caffeïn über, mit
welchem das in chem. und physiol. Hinsicht die größte
Ähnlichkeit
[* 6] hat. Mit salicylsaurem Natrium verbunden bildet Theobromin das
neuerdings viel gebrauchte
Arzneimittel Diuretin (s. d.).
(Theodahad), König der
Ostgoten aus dem Geschlecht der
Amaler, Vetter der Königin
Amalasuntha, großer Grundherr
in Tuscien, verhandelte heimlich mit dem oström.
KaiserJustinianus I., um diesem
Italien
[* 7] ohne Schwertstreich
in die
Hände zu spielen und sich selbst eine große Belohnung zu sichern. Als ihn
Amalasuntha 534 zu ihrem Mitregenten erhoben
hatte, beeilte er sich, ihre persönlichen
Anhänger zu beseitigen, um dann die Königin selbst gefangen nach einer
Insel des
Bolsener Sees führen und daselbst ermorden zu lassen. Darauf erklärte ihm der
Kaiser den
Krieg, der 535 durch
Belisar eröffnet wurde; Theodat aber zeigte sich unentschlossen und feig. Als dann
Belisar im Febr. 536 in Unteritalien landete
und Neapel
[* 8] eroberte, stürzte eine got. Heeresversammlung Theodat vom
Throne und wählte Vitiges zum König. Theodat wurde
auf der Flucht von
Rom
[* 9] nach Ravenna im Dez. 536 durch den Goten Optari getötet.
(grch., d. h.
RechtfertigungGottes), der philos. Versuch, den
Glauben an die
Vorsehung und göttliche Weltregierung
gegen die Einwürfe aufrecht zu erhalten, die in dem Vorhandensein des physischen Übels und des moralisch
Bösen gegen die Güte und Gerechtigkeit
Gottes zu liegen scheinen.
SchonPlato, die
Stoiker,
Augustinus,
Thomas von Aquino,
Campanella
u. a. haben versucht zu zeigen, wie das
Sittlich-Böse sich mit der Heiligkeit und Gerechtigkeit des höchsten Wesens vereinigen
lasse. Das Wort Theodicee kam erst auf, nachdem
Leibniz sein Werk «Essai de Théodicée sur la bonté
de Dieu, la liberté de
l'homme et l'origine du mal» (2 Bde.,
Amsterd. 1710; deutsch von Habs, Lpz. 1884) geschrieben hatte.
Die
Absicht Leibnizens geht nicht dahin, das physische Übel und das moralische
Böse zu leugnen, sondern es als
Ausdruck der
notwendigen Beschränktheit jeder geschaffenen Welt darzustellen (s.
Leibniz). Die kritische
Philosophie
leistete auf eine Beantwortung der jedem Versuche einer Theodicee zu
Grunde liegenden Fragen Verzicht. (Vgl. Kant,
Über das Mißlingen
aller philos. Versuche in der Theodicee, 1791.)
In den spätern idealistischen
Systemen trat das Interesse an den Fragen der Theodicee zurück,
bis die pessimistischePhilosophie Schopenhauers (s. d.) sie wieder in
Fluß brachte. (S. auch
Optimismus.)
[* 10] das in der Geodäsie am meisten gebrauchte
Instrument zum
Messen von Horizontalwinkeln, häufig auch zum
Messen von Vertikalwinkeln eingerichtet. Den Hauptbestandteil jedes Theodolit bildet ein auf seinem Rande mit
größter Sorgfalt geteilter Horizontalkreis (Limbus), um dessen Mittelpunkt ein mit einem Zeiger
(Alhidade)
versehenes
Fernrohr
[* 11] in horizontaler
Richtung drehbar ist. Zur genauen Horizontalstellung des Limbus ist eine Libelle an dem
Theodolit angebracht.
Zum Gebrauch zu Höhenmessungen ist ein zweiter, vertikal gestellter
Kreis
[* 12] erforderlich, um dessen Mittelpunkt das
Fernrohr
sich
auf- und abwärts bewegen läßt. Zum Ablesen der Vertikalwinkel muß dann auch eine zweite
Alhidade
mit dem
Fernrohr verbunden sein. Das ganze
Instrument ruht auf einem dreibeinigen Fußgestell und kann mittels
Stellschrauben
beim Gebrauch auf einem
Stativ, einem steinernen Pfeiler oder einer andern festen Unterlage horizontal gestellt werden.
Zum Ablesen der gemessenen Winkel
[* 13] dienen entweder mit der
Alhidade verbundene Nomen oder bei den feinern
Instrumenten Mikroskope.
[* 14] Die Ablesungsvorrichtung ist so angeordnet, daß an zwei oder auch an vier sich einander gegenüber
liegenden
Stellen des Kreises abgelesen werden kann. Der horizontale Limbuskreis ist bei den einfachen Theodolit fest mit
dem Fußgestell verbunden; bei den sog. Repetitionstheodoliten ist er um eine durch seinen
Mittelpunkt gehende vertikale
Achse drehbar.
Der Vertikalkreis ist bei den meisten Theodolit fest mit dem
Fernrohr verbunden und dreht sich mit diesem zugleich; die zugehörige
Alhidade ist hier an einem der Fernrohrträger befestigt. Der mit Vertikalkreis ausgerüstete Theodolit, vielfach
auch
Universalinstrument genannt, kann durch eine am
Fernrohr selbst befestigte Libelle zum Nivellieren
gebraucht werden. Ebenso kann das
Fernrohr unter Mitbenutzung einer Distanzlatte zum Distanzmessen eingerichtet werden. (S.
Tachymeter.) Die Genauigkeit der auszuführenden Winkelmessungen hängt besonders von der
Größe der angewendeten Limbuskreise
ab, daher unterscheidet man die Theodolit nach der
Größe des Durchmessers ihres Horizontalkreises.
Bei der preuß. Landesaufnahme sind 10-, 8- und 5zöllige Theodolit im
Gebrauch zur
Triangulation
[* 15] erster, zweiter oder dritter Ordnung. Die Winkelmessung selbst geschieht folgendermaßen: Man richtet
zur Ermittelung eines Horizontalwinkels das
Fernrohr des genau im Scheitelpunkt des zu messenden Winkels horizontal aufgestellten
Instruments auf das eine der beiden in den Winkelschenkeln liegenden Objekte und liest den Winkelgrad
ab,
den derInder des Alhidadenkreises am Horizontalkreis anzeigt. Dann stellt man das
Fernrohr auf das zweite Objekt ein, liest
¶
wieder den Winkel ab und hat in der Differenz beider Ablesungen den gesuchten Winkel. Zur Erhöhung der Genauigkeit wird das
Verfahren beliebig oft wiederholt. Bei einem Repetitionstheodoliten verfährt man in folgender Art: Man stellt den Horizontalkreis
fest und richtet das Fernrohr auf das eine der beiden Objekte (z. B. das links gelegene)
und liest den Winkel ab. Ohne den Horizontalkreis zu verschieben, führt man nun das Fernrohr auf das zweite (rechtsliegende)
Objekt und hat dadurch den zu messenden Winkel eingestellt.
Man führt nun, nachdem der Alhidadenkreis fest an den Horizontalkreis geklemmt, die Klemmung des letztern aber gelöst ist,
das Fernrohr nach dem ersten Objekt zurück und stellt es scharf ein; nun stellt man den Horizontalkreis
wieder fest und führt das Fernrohr mit dem gelösten Alhidadenkreis von neuem auf das zweite (rechtsgelegene) Objekt und
stellt dies wiederum genau ein. Dieses Verfahren läßt sich beliebig oft wiederholen; am Schlusse liest man
den zuletzt erhaltenen Winkel ab und dividiert nun den ganzen von der Alhidade auf dem Limbus durchlaufenen Bogen
[* 17] durch die
Anzahl der Einstellungen.
Dieses Verfahren, welches den Einfluß der Beobachtungsfehler auf den gemessenen Winkel wesentlich vermindert, wurde zuerst 1752 von
Tobias Mayer angegeben und durch Borda in die astron. Praxis eingeführt. Bei der preuß. Landestriangulation
wird dasselbe nicht mehr angewendet, vielmehr findet die wiederholte Winkelmessung bei jedesmal beliebig verschobenem Horizontalkreis
statt. Bei dem in vorstehender
[* 10]
Figur dargestellten, vonL. Tesdorpf in Stuttgart
[* 18] gefertigten Repetitionstheodoliten ist H
der Horizontalkreis, V der Vertikalkreis, F Fernrohr, L Libelle, B eine Orientierungsbussole mit mikroskopischer
Ablesung. (S. auch Grubentheodolit.) – Über den Phototheodolit s. Photographie (photogr. Apparate) und Photogrammetrie.
[* 19] –
Vgl. von Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde (7. Aufl., Stuttg.
1890);
Fuhrmann, Die Theodolit, ihre Einrichtung, Anwendung, Prüfung und Berichtigung (Lpz.
1896).