Land-River-Konvention anerkannt und sich selbst überlassen und 1860 von Pretorius in eine einzige Republik vereinigt wurden.
Innere Streitigkeiten, fortwährende Klampfe mit
Kaffern und
Betschuanen im Nordosten und Südwesten hemmten das Gedeihen des
Staates. Präsident Krüger hoffte mit dem
Bau derDelagoabahn den Wohlstand gründlich zu heben; er verhandelte mitPortugal
[* 2] 1875, nahm in
Holland ein Anlehen auf u.s. w.; allein ein erneuter langwieriger
Krieg mit dem Kaffernhäuptling Secocoeni vereitelte 1876 alle
Pläne, zerrüttete vollständig
die Finanzen und brachte die ganze
Verwaltung des
Landes an den Rand des
Verfalls. Da kam 1877 der
engl.
Kommissar Shepstone in das
Land und annektierte auf
Grund einer zweifelhaften
Volksabstimmung, an der
sich nur die englisch gesinnten
Städter beteiligten,
Transvaal als königlich brit.
Kolonie.
Die finanzielle
Lage wurde nicht verbessert, die Erbitterung unter dem
Volk nahm von Jahr zu Jahr zu.
Endlich griffen die
Buren 1880 zu
den Waffen,
[* 3] umzingelten die vereinzelten engl. Garnisonen und schlugen das
von
Natal heranmarschierende engl. Korps am Majubaberg auf das Haupt. Am schlossen
die kriegführenden Parteien endgültigen Frieden in der
Konvention von
Pretoria, wonach England die Unabhängigkeit in
Bezug
auf das innere Staatswesen,
Transvaal aber die Abhängigkeit von England in
Bezug aufauswärtige Angelegenheiten
anerkannte.
Freibeuter aus
Transvaal gründeten 1882 zwei kleine Freistaaten, Stellaland und Gosen, im Betschuanaterritorium, wodurch
den Engländern die Handelsstraße von Griqualand West nach dem
Sambesi verlegt wurde. Diese protestierten dagegen; die Transvaalregierung
mußte eine voreilige
Anerkennung und
Annexion jener Freistaaten zurücknehmen; ein neuer
Vertrag kam inLondon
[* 4] zu stande. Die
SuzeränitätTransvaals wurde nicht aufgehoben, aber thatsächlich auf den einen Punkt beschränkt, daß
Verträge
mit auswärtigen
Staaten, ausgenommen mit dem Oranjestaat, der Zustimmung Englands bedürfen sollten.
Transvaal konnte ungehindert mit
Portugal wegen der
Delagoabahn in Verhandlung treten und mit dem
DeutschenReiche Handelsverträge
abschließen. Stellaland und Gosen wurden zwischen England und
Transvaal geteilt. Dem
Transvaal ward die
offizielle Bezeichnung «Südafrikanische Republik»
[* 5] zugestanden. Wie 1880 der
Ausbreitungsdrang der
Buren durch die Wanderung nach dem fernen
Angola zum
Ausdruck kam (s.
Humpata),
so zeigte er sich auch 1881 thatkräftig,
als er zur Gründung der «Nieuwe Republik» imZululande führte, welche England 1886 anerkannte und
Transvaal 1887 seinem
Staatswesen einverleibte.
Neue Verwicklungen entstanden Mitte der achtziger Jahre wegen
Swasiland (s. d.), doch kam es nach
mannigfachen Verhandlungen im Dez. 1894 zu einem entgültigen
Vertrag. Die
S. R. hatte früher schon auf jede territoriale
Ausbreitung nach Norden
[* 6] verzichtet, d. h. sie hatte sich verpflichtet,
jede organisierte
Auswanderung von
Buren nach Rhodesia, wie eine solche 1890 und 1891, aber vergeblich versucht worden, mit
allen
Mitteln zu verhindern.
England mischte sich neuerdings auch in die innern Angelegenheiten der
S. R. Die seit 1887 massenhaft in die Goldfelder Johannesburgs
eingewanderten
Uitlanders (s. d.) verlangten 1892 und dann energischer 1895 das
Bürgerrecht, doch vergebens. Sie empörten sich im Dez.
1895 in der Hoffnung auf Dr. Jameson,
der im
Auftrag von Cecil Rhodes mit den
Truppen der Chartered Company ihnen zu Hilfe eilte, aber bei Krügersdorp
geschlagen wurde. Trotz dieses völkerrechtswidrigen Gebarens nahm sich die engl.
Regierung so zudringlich der
Uitlanders an, daß die
S. R. befürchten mußte, England suche nur einen Vorwand zum
Krieg, um
die Alleinherrschaft in Südafrika
[* 7] zu erzwingen. Die
S. R. schloß deshalb im März 1897 ein Schutz- und Trutzbündnis mit
dem Oranjestaat ab.
Litteratur.Jeppe, Die Transvaalsche Republik (Gotha
[* 8] 1868);
Nixon, The complete story of the
Transvaal
(Lond. 1885);
Freistaaten
(Lpz. 1896);
Abraham, Die
S. R. Eine histor.
Skizze (Berl. 1896); Hofmeyr, Die
Buren und Jamesons
EinfallinTransvaal
(Brem. 1897);
Seidel,
Transvaal, die
S. R. historisch, geographisch, wirtschaftlich dargestellt (Berl. 1897).
Karten. Lion
Cachet, Kaart von Zuid-Afrika, 1: 3000000 (Amsterd. 1883);
Raddatz, TheTransvaal and Swaziland
Goldfields, 1: 500000 (Lond. 1886);
Eine eigentliche Geschichte von S. beginnt, abgesehen von dem
Staate der Inka
[* 19] (s. d.), erst mit dem Auftreten der Europäer.
Drei Jahrhunderte trugen seitdem die verschiedenen span.
Kolonien das schwere Joch des europ. Mutterlandes. S. war eingeteilt
in das Vicekönigreich
Neugranada, das Generalkapitanat
Caracas, das VicekönigreichPeru,
[* 20] das Generalkapitanat
Chile
[* 21] und das Vicekönigreich
Buenos-Aires oder Rio
[* 22] de la Plata, mit den
ProvinzenBuenos-Aires,
Paraguay und Plata.
Entdeckungsgeschichte des 19. Jahrh. Mit der ReiseA. von Humboldts, der in Cumana landete, beginnt eine erfreulichere
Epoche. Aber fast alles, was seitdem für die weitere Kenntnis geleistet ist, ging nicht von den Staaten aus, vielleicht mit
Ausnahme von Chile und Argentinien, sondern von Privatleuten. Brasilien wurde bereist von Eschwege 1810,
vom Prinzen Max von Neuwied 1815-17, von St. Hilaire 1816-22, von Em. Pohl 1817-21, Martius und Spix 1817-20,
d'Orbigny 1827-32, Castelnau 1843-47, Wallace 1848-52, Bates 1848-59, Herndon und Gibbon 1850-56, Burmeister 1850-52, Urbano
1860-61, daCostaAzevedo 1862-64, Agassiz 1865-66, Chandleß 1867 fg., Orton 1867 und 1873, Keller-Leuzinger
1869, Crevaux 1878-79, J. J. vonTschudi 1866-69. Robert und Rich.
Schomburgk erforschten 1835-44, Crevaux 1876-77 Guayana; in Venezuela und am Orinoco waren thätig: Appun 1849-68, Sachs 1878. Die
hervorragendsten Forscher, welche die Länder der Andes bereisten, waren Pöppig1827-32,Tschudi 1838-42, Markham 1852-54 und
1861-62, R. A. Philippi 1853-62, M. Wagner 1857-59, Pissis 1867, Reiß und Stübel 1868-76, Bastian 1875-76.
Argentinien und Patagonien wurden erforscht von Darwin 1833, Burmeister seit 1857, M. de Moussy 1855-59, Musters 1869, Moreno
1873-80 u. a.
In Venezuela ermittelte Aveledo 1884 die Höhe des Gipfels der Silla de Caracas zu 2665 m. Die Cordillere
von Merida wird seit Ende 1884 durch W. Sievers in topogr. und geolog. Hinsicht untersucht. Den Orinoco und seine Nebenflüsse
nahm von 1886 bis 1887 der Franzose Chaffanjon bis zur Quelle
[* 25] auf. Das bisher als Sierra Parima bekannte Quellgebirge des Orinoco
benannte Chaffanjon Monts Ferdinand de Lesseps. 1882 und 1883 sowie 1892 und 1893 bereiste W. Sievers
das Land.
In Columbia erforschte zum erstenmal 1878-81 F. A. A. Simons die Sierra Nevada de Sta. Marta und die Halbinsel Goajira. Genauere
Untersuchungen machte daselbst 1886 Sievers. A. Hettner durchstreifte 1883-84 von Bogotá aus die Cordillere von Bogotá. 1893 wurden
die von Reiß und Stübel gemachten astron. Ortsbestimmungen veröffentlicht, und 1896 erforschte Regel
das Gebiet zwischen Cauca und Magdalenenfluß. Der Geologe Th. Wolf bereiste Ecuador jahrelang und entwarf dann in einem großen
Werke («Geografia y geologia del Ecuador», Lpz. 1892) eine zusammenfassende Darstellung des Landes; Ed. Whymper erstieg 1880 eine
Anzahl der höchsten Andesgipfel.
In Peru war während der letzten Jahre besonders das Stromgebiet des Ucayali Gegenstand der Forschungen Richard Payers. Die
Resultate der Höhenmessungen, welche Reiß und Stübel 1875 ausführten, wurden erst 1887 bekannt. A. Hettner bereiste das
Hochgebirge bis zum Ostabhang der Cordilleren und bis La Paz 1888-89.
In Bolivia fuhr Ende Sept. 1880 der Amerikaner Heath den Rio Madidi abwärts, hierauf den Rio Beni bis
zu seiner Vereinigung mit dem Rio Madre de Dios. An diesem Punkte machte Heath die astron. Ortsbestimmung
[* 26] und stellte die Breite
der beiden Ströme fest. Dann lief er in den Rio Mamore und in einen linken Nebenfluß desselben, den
Jacuma, ein und erreichte von Santa Ana Reyes unweit rechts vom Beni. 1881 verfolgte Heath den obern Lauf des Beni sowie den
Rio de la Paz bis zur Stadt La Paz. Von 1875 bis 1882 machte der Ingenieur J.
B. Minchin zahlreiche astron. Ortsbestimmungen
und Höhenmessungen, anfangs gemeinschaftlich mit dem Commandeur G. C. Musters, dem Erforscher Patagoniens. Armentia befuhr
1881-85 den Madre de Dios. Pereira-Labre bahnte 1887 einen Weg vom Madre de Dios zum Acquiry. Pando erforschte 1892-94 den
nördl. Teil des Landes.
Die Regierung der Republik Chile ließ es sich nach Beendigung des Krieges mit Bolivia und Peru sofort angelegen
sein, die neu gewonnenen Landesteile topographisch aufzunehmen. Der Ingenieur Villanueva bereiste 1883 die ProvinzTacna. Ende 1884 wurde
von der chilen. Regierung eine Expedition unter der Leitung Philippis ausgesandt, die 1885 von
Copiapó über Antofagasta, San Pedro de Atacama und Pica nach Iquique ging, wo man sich mit reichen zoolog.
und botan. Sammlung einschiffte.
Der 5950 m hohe VulkanLicancaur wurde im März 1886 von José Sanfelice erstiegen. In den J. 1882 und 1883 erforschte Güßfeldt
den mittlern Teil der auf der Grenze von Chile und Argentinien befindlichen Cordilleren, wobei er den Kraterrand
des Vulkans Maipo (5384 m) und den Aconcagua, den höchsten BergAmerikas (6970 m), bis zu einer Meereshöhe von 6400 m erstieg.
Den Gipfel dieses Berges erreichte Jan. 1897 der Führer Zurbriggen von der Expedition Fitzgeralds. Im Sommer 1886 erforschte
Plagemann das Cordillerengebiet von Colchagua.
Der stürmische Charakter des südl. Großen Oceans und die Zunahme des Schiffahrtsverkehrs veranlaßten
die deutsche Admiralität, eine genauere Untersuchung des Inselgewirrs an der westl. Seite Patagoniens
in Angriff nehmen zu lassen. Gleich anfangs glückte es Korvettenkapitän Plüddemann, mit dem Albatroß 1883 in dem Stosch-
und dem Falloskanal, welche die bisherige Wellingtoninsel in zwei Inselgruppen zerlegen, eine Wasserstraße
zu entdecken, deren Fahrwasser weit sicherer als der seit 1879 benutzte Messierkanal ist. A. Hettner bereiste 1890 Chile bis
nach Puerto-Montt und ging dann über die Cordilleren nach Buenos-Aires und Südbrasilien.
Professor Steffen in Santiago veröffentlichte Berichte über seine in den letzten Jahren nach dem SüdenChiles, nach
dem Vulkan Calbuco, dem Llanquihue und dem Rio Palena bis März 1894 unternommenen Forschungsreisen, ebenso R. Lenz seine
bis 1897 fortgesetzten araukanischen Studien. Die InselJuan Fernandezbesuchte 1894L. Plate. Sehr ergebnisreich waren auch
die zahlreichen, infolge des chilen.-argentin. Grenzstreites gemachten Expeditionen.
Ein für die Kenntnis des Feuerlandes höchst bedeutsames Unternehmen war die argentin.-ital.
Expedition unter Führung des ital. Marinelieutenants Bove, der von der chilen. KoloniePunta-Arenas aus 1882 zunächst die Stateninsel
eingehend untersuchte, dann vom 3. bis 7. MaiAufnahmen im Magdalenensund vornahm, während Lovissato den Versuch machte, die
mächtigen Gletschermassen des Monte-Sarmiento zu ersteigen. Hierauf wurden die Wasserstraßen zwischen
den Inselgruppen an der Südküste Feuerlands durchfahren. In der ersten Hälfte des J. 1884 durchkreuzte Bove das Feuerland.
Im Auftrage der argentin. Regierung untersuchte von Okt. bis Dez. 1886 Ramon Lista die östliche, argentin. Hälfte des
Feuerlandes zwischen der BuchtSan Sebastian und der Le
[* 27] Mairestraße. Ingenieur Scheltze und Lista bereisten 1887 den
chilen. Teil,
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