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Agricola (Martin) - Ag

Bild 51.224: Agricola (Martin) - Agrikulturchemie
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Agricola# Martin, Musiker und Musikschriftsteller des Reformationszeitalters, geb. um 1486 zu Sorau, seit / 123
Agricola _2# Rudolf (eigentlich Roelef Huisman), Humanist, geb. 1443 zu Laflo bei Groningen, studierte in / 187
Agri decumatess. Decumatische Acker. / 5
Agrigent(grch. Akragas, lat. Agrigentum), das jetzige Girgenti (s. d.) auf der Südküste Siciliens, / 285
Agrikultur(lat.), die gesamte Landwirtschaft, im besondern der eigentliche Ackerbau (s. d.). / 11
Agrikulturchemieoder Ackerbauchemie, der Teil der angewandten Chemie, der die chem. Bedingungen des Lebens der / 1016

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Agricola (Martin) - Agrikulturchemie


Fortsetzung: Agricola, # Joh. Friedr., Orgelspieler und Musikschriftsteller des 18. Jahrh., geb. 4. Jan. 1720 zu Dobitschen
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«Musica mechanica organistica», die er nach des Verfassers Tode herausgab (2 Bde., Berl. 1767-68), verdankt ihm gute Zusätze. Seine Gattin Benedetta Emilia Molteni (geb. 24. Okt. 1722 zu Modena, gest. um 1780 zu Berlin) [* 2] wirkte 1761-72 als Sängerin an der Italienischen Oper zu Berlin.

Agricola,

Martin, Musiker und Musikschriftsteller des Reformationszeitalters, geb. um 1486 zu Sorau, [* 3] seit 1510 Musiklehrer in Magdeburg, [* 4] erhielt daselbst 1526, nach Einführung der Reformation, die Stelle eines Kantors und Musikdirektors und starb 10. Juni 1556. In den Kirchen Magdeburgs führte er den deutschen Choral ein, war auch einer der ersten, die in Deutschland [* 5] die Tabulatur mit den jetzt üblichen Noten vertauschten. Seine Schriften sind sämtlich musik-pädagogischen Inhalts und für die Kunde der damaligen Musik sehr schätzbar. Namentlich gilt dies von seiner «Musica instrumentalis» (Wittenb. 1529 u. 1542; andere Bearbeitung, ebd. 1545),

in der die Instrumente in guten Holzschnitten abgebildet sind. Sonst sind zu nennen: «Eine kurze deutsche Musika» (Wittenb. 1528),

«Rudimenta musices» (ebd. 1534),

«Musica choralis» (ebd. 1532) und «Musica figuralis» (ebd. 1532).

Agricola,

Löwe (Tier)

Bild 10.936: Löwe (Tier)
* 6 Löwen.

Rudolf (eigentlich Roelef Huisman), Humanist, geb. 1443 zu Laflo bei Groningen, studierte in Löwen [* 6] und Paris, [* 7] ging etwa 1473 nach Italien, [* 8] wo er 7 Jahre, namentlich in Ferrara, [* 9] humanistischen Studien oblag. Die Eleganz, mit der er lateinisch und selbst griechisch sprach, machte ihn so berühmt, daß Ercole von Este u. a. ihn an Italien zu fesseln suchten. Aber der Wunsch, Deutschland durch humanistische Wissenschaft auf die geistige Höhe Italiens [* 10] zu heben, zog ihn 1480 ins Vaterland zurück. 1483 berief ihn sein Studienfreund Joh. von Dalberg (s. d.) nach Heidelberg. [* 11]

Mit ihm unternahm er 1485 eine Romreise; bald nach der Rückkehr, 27. Okt. 1485, starb er zu Heidelberg. A.s Bedeutung lag mehr in überwältigender Persönlichkeit, die er nach Petrarcas Vorbild harmonisch ausbildete, als in seinen Schriften (darunter z. B. «De inventione dialectica libb. III.»),

die Alardus (2 Bde., Köln [* 12] 1539) herausgab. Außer lateinisch und griechisch konnte Agricola französisch, italienisch und sogar hebräisch. Er war auch Maler und trefflicher Musiker; die Orgel in der St. Martinskirche zu Groningen ist sein Werk. -

Vgl.   von Bezold, Rudolf Agricola (Münch. 1884);

Ihm, Der Humanist R. Agricola, sein Leben und seine Schriften (Paderb. 1893).

Agri

decumates, s. Decumatische Acker. ^[= oder Feld nennt man im Gegensatz zur Wiese oder Weide denjenigen landwirtschaftlichen Boden, ...]

Agrigent

Phaenna - Phalaris

Bild 12.980: Phaenna - Phalaris
* 13 Phalaris.

(grch. Akragas, lat. Agrigentum), das jetzige Girgenti (s. d.) auf der Südküste Siciliens, zwischen den Flüssen Hypsas (jetzt Drago) und Akragas (jetzt San Biagio), eine um 582 v. Chr. von Gela gegründete dor. Kolonie. Schon 14 Jahre nach der Gründung bemächtigte sich Phalaris [* 13] der Burg und beherrschte die Stadt 16 Jahre lang. Durch Handel bald blühend, besonders unter der Herrschaft des Theron (488-472), zählte sie zu den herrlichsten Städten der Alten Welt und soll 200.000, nach anderer Angabe sogar 800.000 E. gehabt haben, als sie 406 v. Chr. von den Karthagern zerstört wurde.

Trägerrecht - Tragisch

Bild 15.792: Trägerrecht - Tragisch
* 17 Träger.

Von Timolcon 340 wieder aufgebaut, erreichte sie ihren frühern Glanz nicht wieder; sie fiel von neuem in die Hände der Karthager, 262 v. Chr. in die der Römer, [* 14] blieb jedoch immer ein Platz von Wichtigkeit. Davon zeugen noch viele Ruinen. Am besten erhalten hat sich der fälschlich so genannte Tempel [* 15] der Concordia, nächstdem der sog. Tempel der Juno Lacinia, beide wahrscheinlich aus dem 5. Jahrh.; der größte war der nur in wenigen Resten erhaltene Tempel des olympischen Zeus [* 16] (Grundriß s. Tafel: Griechische Kunst I, [* 1] Fig. 6), in dessen Innerm riesige Atlanten als Träger [* 17] der Deckenbalken verwendet waren; sein Ausbau war bei der Zerstörung 406 noch nicht vollendet. Der älteste Bau ist der Tempel des Herakles. [* 18] Alle sind aus Kalkstein in dor. Stil erbaut. Außerdem finden sich noch in der Nähe der Tempel der Dioskuren [* 19] und der des Asklepios, [* 20] in einem andern Teile der alten Stadt geringe Überreste des sog. Tempels der Demeter [* 21] und Persephone; [* 22] unter den antiken Grabmälern ist das sog. Grab des Theron, wahrscheinlich aus röm. Zeit, am besten erhalten. -

Vgl.   Siefert, Akragas und sein Gebiet (Hamb. 1845);

Serradifalco, Antichità della Sicilia, Bd. 3 (Palermo [* 23] 1836);

Schubring, Histor. Topographie von Akragas (Lpz. 1870).

Agrikultur

(lat.), die gesamte Landwirtschaft, im besondern der eigentliche Ackerbau (s. d.).

Agrikulturchemie

oder Ackerbauchemie, der Teil der angewandten Chemie, der die chem. Bedingungen des Lebens der Nutzpflanzen und der Haustiere behandelt. Da diese Bedingungen im ganzen die nämlichen sind wie die der Organismen überhaupt, so ist die von der Tier- und Pflanzenchemie keineswegs streng zu scheiden. Die Agrikulturchemie ist eine verhältnismäßig noch junge Wissenschaft. Den Weg bahnten ihr die experimental-physiol. Forschungen über den Lebensprozeß der Pflanzen von Hales, «Statical essays. I. Vegetable statics» (Lond. 1727; 3. Aufl. 1738),

Senebier, «Mémoires phys.-chimiques sur l'influence de la lumière solaire etc.» (3 Bde., Genf [* 24] 1782; deutsch, 4 Bde., Lpz. 1785),

Jugenhouß, «Experiments upon vegetables, discovering their great power of purifying the common air in the sunshine etc.» (Lond. 1779; deutsch Lpz. 1780; Wien [* 25] 1786-88) und endlich Saussure, dessen Hauptwerk: «Recherches chimiques sur la végétation» (Par. 1804; deutsch Lpz. 1805), die Grundlage der gesamten Agrikulturchemie bildet. Er führte den nicht mehr anzuzweifelnden Nachweis, daß die Pflanze ihren Koblenstoffgehalt wenigstens größtenteils aus der Kohlensäure der Luft entnimmt, ohne indes die Meinung aufzugeben, daß auch der Humus des Bodens durch die Wurzeln aufgenommen werde.

Dann veröffentlichte Sir Humphry Davy seine «Elements of agricultural chemistry» (Lond. 1813; neue Aufl. 1839), und dieser gilt noch gegenwärtig den Engländern, mit Nichtbeachtung Saussures, als Vater der Agrikulturchemie. Bis gegen das Ende des ersten Viertels des 19. Jahrh. nahmen indes die Naturforscher im Verein mit den rationellen Landwirten Thaer, Schwerz, Burger, Schönleitner, Fellenberg u. a. noch immer als Nahrung des Pflanzenorganismus nur Reste von Organismen, die sich durch chem. Prozesse in eine Reihe von Säuren verwandeln, also ausschließlich organische Stoffe an, denen man den Gesamtnamen «Humus» gab. So lagen die Dinge bis zum Auftreten Liebigs, dessen epochemachendes Werk: «Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie» (Braunschw. 1840; 9. Aufl., 3 Tle., 1875-76), eine neue Periode der Landwirtschaft und der Agrikulturchemie begründete.



Agrikulturstaat - Agri

Bild 51.225: Agrikulturstaat - Agrimonia
* 26 Seite 51.225.

Allerdings fand Liebig, der neben der Assimilation der Kohlensäure durch die Blätter die Aufnahme von Ammoniak und Mineralsalzen in wässeriger Lösung durch die Wurzeln als Faktoren der Pflanzenernährung ansah und besondern Nachdruck ¶

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auf die Mineralsalze als Nährstoffe der Pflanzen legte, zunächst großen Widerspruch, sowohl seitens der Praktiker als auch der Vertreter der alten Schule der Chemie. Vor allem erfuhr die Bedeutung der Nährsalze und die Notwendigkeit, dieselben dem durch mehrere Ernten erschöpften Boden durch Düngung wieder zuzuführen, heftige Gegnerschaft. Gegenüber den «Mineralstofflern», den Anhängern Liebigs, stand das Lager [* 27] der «Stickstoffler», die den Boden an Mineralstoffen für unerschöpflich hielten und den Ertrag der Felder vorzugsweise durch Zufuhr stickstoffreicher Stoffe zu heben suchten.

Lehrbataillon - Lehren

Bild 10.636: Lehrbataillon - Lehren
* 29 Lehren.

Die Wage [* 28] des Kampfes schwankte längere Zeit, zumal als Lawes und Gilbert zu Rothamstead in England mit den Resultaten ihrer Versuche auf die letztere Seite traten. Allein mit überzeugender Schärfe wies Liebig die Nichtigkeit dieser Ergebnisse nach, und von diesem Augenblicke an fiel ihm der jetzt nicht mehr bestrittene Sieg zu. Auf seiner Seite standen als Kampfgenossen: Wiegmann und Polstorff mit ihren Untersuchungen über die Pflanzenaschen, Salm-Horstmar über das Leben der Haferpflanze, Knop und Stohmann mit ihren Untersuchungen über die Kulturen von Pflanzen in wässerigen Lösungen der Nährstoffe u. a. Gleichzeitig mit Liebig hatte auch der franz. Naturforscher Boussingault (s. d.) sich auf das Gebiet der Agrikulturchemie begeben und darauf um so Ausgezeichneteres geleistet, als er nicht bloß Gelehrter, sondern auch praktischer Landwirt war, der sein Gut Bechelbronn im Elsaß als Musterwirtschaft selbst leitete. Ihm verdankt die Wissenschaft der Agrikulturchemie gleichfalls einen Teil ihrer Begründung. Liebig wies auch zuerst der Berücksichtigung des Stoffwechsels im Körper der Haustiere seine Berechtigung innerhalb der Lehren [* 29] der Agrikulturchemie an. Seine «Tierchemie» (Braunschw. 1842: 3. Aufl. 1847) war der Ausgangspunkt einer Reibe höchst wertvoller Arbeiten von Haubner, Henneberg, Stohmann, Regnault, Reiset, namentlich aber von Bischoff, Voit und Pettenkofer, die durch die Konstruktion des großen Respirationsapparats genaue Beobachtungen über den physiol. Chemismus im Tierkörper ermöglichten.

Lehrbegriff - Lehrerin

Bild 61.37: Lehrbegriff - Lehrerinnen [unkorrigiert]
* 32 Lehre.

Ihre Forschungen waren überhaupt die Ursache, daß sich die der neuesten Zeit mit Vorliebe der Tierchemie zugewendet und die Einwirkung der Futterstoffe [* 30] auf das produktive Leben der Haustiere zu einer ihrer Hauptaufgaben gemacht hat. Die vielen Einwände, die der Liebigschen Schule von seiten der Praktiker entgegengehalten wurden, trieben Meister und Jünger der neuen Schule zu selbstthätigen Forschungen auf dem landwirtschaftlichen Gebiete an, die auf der sog. Liebigshöhe bei Gießen [* 31] begonnen wurden und deren Resultat das Grundwerk Liebigs ist: «Die Naturgesetze des Feldbaues» (Braunschw. 1862, den 2. Tl. seiner «Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur u. s. w.» bildend). In demselben faßte er die fundamentale Lehre [* 32] der Agrikulturchemie im Bereiche der von ihm aufgestellten 50 Thesen zusammen, welche die bisherige Art der Bodenproduktion als eine Raubwirtschaft darstellen, deren Ergebnisse in vielen Ländern klar zu Tage liegen, während er gleichzeitig in einer besondern «Einleitung» die Geschichte seiner Lehre giebt und deren Gegner auf das überzeugendste zurückweist. Die auch auf dem Wege systematischer experimenteller Untersuchungen vorgebende landwirtschaftliche Praxis hat seine Theorie durchaus bestätigt, so daß dieselbe gegenwärtig allgemein anerkannt ist.

Die wichtigsten Organe der Agrikulturchemie sind heute die Landwirtschaftlichen Versuchsstationen (s.d.). Lehrstühle der Agrikulturchemie finden sich an allen landwirtschaftlichen Akademien und einer Reihe von deutschen Universitäten (Bonn, [* 33] Breslau, [* 34] Halle, [* 35] Göttingen, [* 36] Greifswald, [* 37] Leipzig, [* 38] München), [* 39] an einzelnen Technischen Hochschulen, die landwirtschaftliche Abteilungen haben (z. B. München und Zürich) [* 40] und an den landwirtschaftlichen Hochschulen in Berlin und Wien.

Chemische Meßkunde - C

Bild 54.144: Chemische Meßkunde - Chemische Orte
* 41 Chemische.

Die Litteratur der Agrikulturchemie ist eine außerordentlich umfangreiche, sowohl an das gesamte Gebiet umfassenden wie an nur einzelne Teile behandelnden Werken. Hervorzuheben sind außer Liebigs oben erwähnter Schrift: Stöckhardt, Chemische [* 41] Feldpredigten (4. Aufl. 1856);

Boussingault, Die Landwirtschaft in ihren Beziehungen zur Chemie, Physik und Meteorologie;

Henneberg und Stohmann, Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer [* 42] (1860-64);

Agrikulturchemie Mayer, Lehrbuch der Agrikulturchemie (2 Tle. und Anhang, 3. Aufl. 1886; Tl. 1 in 4. Aufl., 1895): E. Heyden, Lehrbuch der Düngerlehre;

E. Wolff, Aschenanalysen aller land- und forstwirtschaftlich wichtigen Produkte (2 Bde., 1871 u. 1880);

ders., Praktische Düngerlehre (11. Aufl. 1889);

B. Sachße, Lehrbuch der Agrikulturchemie (1888);

C. Weber, Leitfaden für den Unterricht in der landwirtschaftlichen Chemie (1895).

Neue Untersuchungen bringt namentlich die Zeitschrift «Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen, redigiert von Nobbe. Organ für naturwissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft» (Bd. 1-45, Berl. 1859-95) und im «Centralblatt für von M. Fleischer. Eine zusammenfassende Übersicht über sämtliche einschlagende Forschungen giebt alljährlich der «Jahresbericht über die Fortschritte der Agrikulturchemie».

Ende Agrikulturchemie
→ weiter zu Seite 51.225: Agrikulturstaat ⟹ ein Staat, der vorzugsweise auf den Betrieb der Landwirtschaft angewiesen ist.
Quelle: Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910; Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896; 1. Band, Seite 222 [Suche = 51.224] im Internet seit 2005; Text geprüft am 22.5.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am 22.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//51_0224

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