Boussingault
(spr. bußänggoh), Jean Baptiste, franz. Chemiker, geb. zu Paris, [* 3] besuchte die Bergbauschule zu St. Etienne und ging im Auftrage einer engl. Bergbaugesellschaft nach Columbia [* 4] in Südamerika. [* 5] Während des südamerik. Befreiungskrieges begleitete er den General Bolivar als Oberst auf dessen Feldzügen. Er bereiste Venezuela [* 6] bis zum Orinoco, Ecuador und Peru und bestieg den Chimborazo. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich übernahm er die Professur der Chemie zu Lyon [* 7] und wurde 1839 in das Institut berufen. Die Resultate seiner wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er in der «Économie rurale» (2 Bde., Par. 1844; 2. Aufl. u.d.T: «Agronomie, chimie agricole et physiologie», 3 Bde., ebd. 1860–64), ein Werk, dessen hohe Wichtigkeit für die Agrikulturchemie allgemein anerkannt und durch die Übersetzung ins Englische [* 8] von Law (Lond. 1845) und ins Deutsche [* 9] von Gräger (2 Bde., Halle [* 10] 1844–45) bestätigt ist. Einige Jahre vorher hatte er mit Dumas den «Essai de statique chimique des êtres organisés» (Par. 1841; 3. Aufl. 1844) herausgegeben. Auch die «Annales de chimie et de physique» sowie die «Mémoires de l'Académie des sciences» enthalten wichtige Untersuchungen von ihm, die er zum Teil in den «Mémoires de chimie agricole et de physiologie» (Par. 1854) zusammengestellt hat. Er verbrachte viele Zeit auf seinem Landgut Bechelbronn unweit Weißenburg [* 11] im Elsaß, um die Resultate der theoretischen Wissenschaft durch Beobachtung in der Praxis zu prüfen und zu begründen, und schrieb hier: «La fosse à fumier» (Par. 1858), behielt aber dauernd seinen Wohnsitz in Paris, wo er starb. ¶