Berta Bamberger

Mitglied der Bankierfamilie Bamberger in Mainz

Berta „Bertel“ Bamberger (geboren 30. November 1869 in Mainz; gestorben 11. September 1942 ebendort) war ein Mitglied der bekannten jüdischen Bankierfamilie Bamberger in Mainz. Sie widmete einen Großteil ihres Lebens Kunst, Kultur und sportlichen Aktivitäten. Nach 1933 wurde ihr Leben während der Zeit des Nationalsozialismus zunehmend durch die Verfolgung der Jüdinnen und Juden belastet und eingeschränkt. Sie wählte kurz vor ihrer Deportation in das Ghetto Theresienstadt den Freitod.

 Berta (genannt Bertel) Bamberger im Jahr 1900. Verfolgte des Nazi-Regimes, Selbstmord vor Deportation im September 1942, Foto 1900
Berta (genannt Bertel) Bamberger (Aufnahme aus dem Jahr 1900)

Familie und Jugend

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Berta „Bertel“ Bamberger wuchs als achtes und jüngstes Kind der gleichnamigen Mutter Berta Bamberger (geborene Seligmann) und deren Mann Rudolph Bamberger in Mainz auf. Es war ein offenes Geheimnis, das Rudolph Bamberger nicht der leibliche Vater von Berta Bamberger war, sondern ein unbekannter nicht-jüdischer Offizier, der später in einem Duell getötet worden sein soll. Trotzdem wuchs Berta Bamberger glücklich und ohne weitere Nachteile in einer großbürgerlichen und kunstliebenden jüdischen Großfamilie auf. Die Familie Bamberger lebte seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Mainz und war mit der einflussreiche Kaufmanns- und Bankiersfamilie Belmont aus Alzey verwandt. Ihr Ziehvater, der auch in der hessischen Politik (Mitglied der 2. Kammer der hessischen Landesstände) und als Handelsrichter aktiv war, hatte eine kleine Privatbank, das Bankhaus Bamberger & Co., in Mainz und die Familie war wohlhabend. Zu ihren Verwandten zählte Ludwig Bamberger, der Bruder ihres Ziehvaters. Mütterlicherseits war sie eine direkte Nachfahrin in neunter Generation der Glikl bas Judah Leib. Einer ihrer Brüder war Franz Bamberger, zu dessen Sohn Ludwig Berger sie eine enge Beziehung pflegte.

Aufgrund ihres gesellschaftlichen Status musste Berta Bamberger keinen Beruf ergreifen. Sie teilte die Liebe ihrer Mutter zur Musik und besuchte beispielsweise Verdi-Premieren in Mailand und war oft Gast auf wichtigen Musikfesten in Deutschland. Mit dem französischen Schriftsteller und Nobelpreisträger Romain Rolland, der angeblich in erster Ehe mit einer Tochter aus dem Hause Bamberger verheiratet war[1], korrespondierte sie regelmäßig, und auch Carl Zuckmayer haben sie und ihre Familie gekannt. Er schrieb dazu: „Jeder […] weiß, was die Familie Bamberger für Mainz und die Kultur Westdeutschlands überhaupt bedeutet hat. Es waren Bankiers, es waren immer aber auch Menschen im höchsten und weitesten Sinn der Kultur.“[2] Dazu nahm sie eine Vielzahl gesellschaftlicher Verpflichtungen an. Neben ihren musischen und kulturellen Aktivitäten war sie sehr sportlich und unternahm eine Vielzahl sportlicher Aktivitäten wie beispielsweise Reiten, Segeln, Tennis. Sie war langjähriges Mitglied der Mainzer Casino-Gesellschaft, in der sich die Honoratioren der mainzerischen Gesellschaft mitsamt ihrer Familie versammelten, bis man ihr 1935 den Austritt nahelegte.

Zu ihrem Ziehvater hatte Berta Bamberger eine sehr enge Beziehung und verehrte ihn. Als sie eine Verbindung mit einem Leutnant eingehen wollte, verbot er ihr diese allerdings strikt, woraufhin sie ledig blieb. Rudolph Bamberger starb 1900, ihre Mutter 1906. Über ihr weiteres Leben bis zur Zeit des Nationalsozialismus ist nichts bekannt.

Das Foto zeigt eine Aufsicht auf den Stolperstein für Berta „Bertel“ Bamberger. Er trägt die Inschrift: „HIER WOHNTE BERTA 'BERTEL BAMBERGER JG. 1869 GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET FLUCHT IN DEN TOD 11.9.1942“
Stolperstein für Berta „Bertel“ Bamberger am Bischofsplatz 12 in Mainz

Verfolgung als Jüdin und Freitod

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Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten änderte sich das Leben der nun älteren Berta Bamberger. Sie lebte mittlerweile alleine in dem Familienhaus am Bischofsplatz. Unter der zunehmenden Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung litt auch sie. Trotzdem versuchte sie, anderen jungen jüdischen Frauen ein Beispiel zu sein. Ihr Neffe, Ludwig Berger, erzählte, dass sie sich trotz ihres schon höheren Alters im Ballkleid bei den Bällen der Casino-Gesellschaft zu den jungen jüdischen Frauen setze, um ihnen Mut zu machen. 1935, nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze, wurde Juden und Jüdinnen die weitere Mitgliedschaft verwehrt. Berta Bamberger weigerte sich, Deutschland zu verlassen, obwohl sie ihr Neffe, der 1935 kurzfristig nach England emigrierte, sie dorthin nachholen wollte. Sie antworte ihm darauf: „Ich bin zu eigensinnig, um nicht da zu sterben, wo ich zu Hause bin.“[3]

Kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde sie gezwungen, ihr Haus zu verlassen. Sie musste in eines der „Judenhäuser“ in die Kaiserstraße 21 einziehen. Dort lebte sie, mittlerweile taub, in einem Zimmer mit den fast gleichaltrigen Schwestern Bertha und Johanette Jenny Schönberger, Schwestern des 1938 in die Vereinigten Staaten emigrierten Eugen Schönberger. Da Berta Bamberger in ein anderes „Judenhaus“, diesmal in der Adam-Karrillon-Straße, umziehen musste, erlebte sie nicht mehr den Suizid der beiden Schwestern (Bertha am 18. August 1942 und Johanette am 11. September 1942). Als sie erfuhr, dass sie auf der Liste für die zweite Deportation von Jüdinnen und Juden aus Mainz in das Ghetto Theresienstadt am 24. September 1942 stand, besorgte sie sich ein Schlafmittel und nahm eine Überdosis davon am Abend des 11. September 1942 ein. Sie wurde noch lebend in das Israelitische Krankenhaus gebracht, wo sie nach mehreren Stunden verstarb. Berta Bamberger war eine der zahlreichen und oft älteren Jüdinnen und Juden, die vor den beiden großen Mainzer Deportationen Ende September 1942 Selbstmord begingen.

Sie ist auf dem Neuen Jüdischen Friedhof (Feld 11, Reihe 7, Nr. 3) in Mainz begraben.

Erinnerung

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Am 3. Februar 2015 wurde am Standort des nicht mehr erhaltenen Wohnhauses der Familie Bamberger am Bischofsplatz 12 ein von Verwandten aus der Familie gestifteter Stolperstein für Berta „Bertel“ Bamberger verlegt.

Literatur

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  • Renate Knigge-Tesche, Hedwig Brüchert (Hrsg.): Der Neue Jüdische Friedhof in Mainz. Biographische Skizzen zu Familien und Personen, die hier ihre Ruhestätte haben. Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainzer Geschichtsblätter Sonderheft, Mainz, 2013.
    • Kerstin Zehmer: Berta (Bertel) Bamberger. S. 31–34.
  • Anton Maria Keim: Erinnerungen an Bertel Bamberger. Freitod als letzter Ausweg vor Deportation und Mord. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte. Verlag H. Schmidt Mainz, 6. Jahrgang 1986, Heft 2, S. 131–133. ISSN 0720-5945.

Einzelnachweise

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  1. Anton Maria Keim: Erinnerungen an Bertel Bamberger. Freitod als letzter Ausweg vor Deportation und Mord. S. 131
  2. Aus einer Rede Carl Zuckmayers anlässlich der Enthüllung einer Büste zu Ehren von Ludwig Berger. Zitiert aus: Kerstin Zehmer: Berta (Bertel) Bamberger. S. 32
  3. Zitiert aus: Kerstin Zehmer: Berta (Bertel) Bamberger. S. 33