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Ein Herz für Klassiker: The Outer Limits

von Reinhard Prahl am Sonntag, 20. Februar 2022 11:00 Uhr

Anthologieserien haben in der TV-Landschaft eine lange Tradition. Eine der bekanntesten und beliebtesten war The Outer Limits, die zwischen 1995 und 2002 in sieben Staffeln Geschichten aus einer Welt jenseits unserer Vorstellungskraft präsentierte. Wir erinnern uns.

Willkommen in der unbekannten Dimension von The Outer Limits

Eine kurze Geschichte des Science-Fiction-Fernsehens

Es war das Jahr 1949, als die Science-Fiction ihren Siegeszug auf dem kleinen Bildschirm begann und das Serial allmählich aus den Lichtspielhäusern verdrängte. Viele Jahre lang hatten „The Phantom Empire“, „Flash Gordon“, „Undersea Kingdom“, „Buck Rogers“ und Co ihre Geschichten in wöchentlichen Folgen von zwölf bis 20 Minuten zum Besten gegeben. Doch nun konnte das US-amerikanische Publikum seinen Helden plötzlich gemütlich vom heimischen Sofa aus folgen, zunächst allerdings überwiegend live und recht improvisatorisch.

Captain Video and the Video Rangers“ (ab 1949) gilt als erste echte Science-Fiction-TV-Show. Ein Jahr später folgte mit „Space Patrol“ ein weiterer Dauerbrenner. Und 1954 erblickte mit „Rocky Jones, Spaceranger“, die erste Serie, die ausschließlich für das Syndication Network produziert wurde, das Licht der Welt. Der Vorteil einer solchen Show lag auf der Hand. Man drehte die Folgen vorab und war deshalb vor lästigen Fehlern wie Textholperern, durch das Bild laufenden Technikern und so weiter gefeit. Auf diese Art wurde es möglich, im wöchentlichen Rhythmus immer neue und immer komplexere Geschichten zu erzählen, die die Zuschauer fesselten und an die TV-Geräte band. 1955 startete schließlich mit „Science Fiction Theatre“ (die Lieblingsserie von George McFly in „Back to the Future“) einer der Vorreiter der Anthologieserie über zwei Staffeln mit immerhin 78 Episoden zu je 25 Minuten.

Knapp vier Jahre später trat ein Mann namens Rod Serling auf den Plan, der mit seinem Megaerfolg „The Twilight Zone“ bei CBS die Messlatte für Shows mit Mystery- und Science-Fiction-Elementen in unerwartete Höhen katapultierte. Als sich 1963 langsam aber sicher das vorläufige Ende abzeichnete, sprang ABC auf den Zug auf und nahm ein Konzept des jungen Autors Leslie Stevens an. Der Unterschied zur Konkurrenz lag hauptsächlich in der Tatsache, dass sich die neue Serie ein wenig mehr auf typische Sci-Fi-Themen wie Zeitreisen, Außerirdische oder Raumsprünge durch Wurmlöcher konzentrierte und die möglichen Folgen für die Menschheit auslotete.

Zeitsprung: Von den 60ern in die 90er

Man dachte erst gar nicht daran, kurze und knackige Folgen zu präsentieren, wie es in der Anfangszeit von „The Twilight Zone“ gewesen war, sondern legte sich mit je 50 bis 55 Minuten in Sachen Storytelling ins Zeug. Leider ging das Konzept nicht ganz wie erhofft auf und nach 49 Episoden und zwei Staffeln war der Trip in die unbekannte Dimension schon wieder beendet. Bis in den 80er Jahren erste zarte Versuche, „The Outer Limits“ neu zu beleben, aufkeimten. 1995 war es schließlich so weit. Quotenhits wie Star Trek: The Next Generation (ab 1987), The X-Files (1993) und einige andere hatten den Weg für einen Relaunch geebnet.

Leslie Stevens erhielt als Programm Consultant und ursprünglicher Erfinder seine wohlverdiente zweite Chance. Die Zügel in der Hand hielt jedoch in der ersten Staffel der Produktion der Drehbuch-Autor Joseph William Stefano, der insgesamt zwölf Folgen zur Season beitrug. Bis zu seinem Tod im Jahr 1998 hatte Stevens aber erfolgreich dazu beigetragen, die Neuauflage seines Herzensprojektes zu einer der besten ihrer Art zu machen. 18 Preise (unter anderem fünf Saturn Awards und drei Geminis) sowie 49 Nominierungen heimste die bis heute von vielen geliebte Serie ein und gehört damit wohl zu den hochdekoriertesten ihrer Art.

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Erfolgsrezept Anthologie

Auch wenn im heutigen sogenannten goldenen Zeitalter der TV-Serie (siehe Peak TV) episodische Erzählweisen eher out sind und die serielle Schreibkunst die Fernsehlandschaft dominiert, hat das Konzept, mit jeder Folge eine neue Story zu präsentieren, einiges für sich. Vor allem Zuschauer mit wenig Zeit erfreuen sich daran, einfach mal eine Stunde einschalten zu können und dennoch eine vollwertige Geschichte zu erleben, die sich nicht über sechs bis zehn Episoden erstreckt. Wer nicht bingewatched, oder einfach nur mal die Glotze auslassen mag, verpasst also nichts Wesentliches. Außerdem folgt man immer neuen Figuren auf immer neue Reisen durch die Welt des Unergründlichen. So gesehen ist es kein Wunder, dass Anthologien wieder auf dem Vormarsch sind. Serien wie Black Mirror legen Zeugnis davon ab, dass die Idee von Einzelepisoden mit in sich abgeschlossenen Handlungssträngen lange nicht auf den Bahnhof ausrangierter Konzepte gehört.

Ein Who is who der Seriengeschichte

In den frühen 90er Jahren steckte das serielle Erzählen aber noch in den Kinderschuhen. Serien wie Babylon 5 ebneten soeben erst den Weg hin zu einem sich über mehrere Staffeln ziehenden Handlungsbogen. Als „The Outer Limits“ 1995 in seine zweite Runde startete, war es daher nicht unüblich, jede Woche ein neues Abenteuer zu präsentieren, wenn meistens auch in einem festgelegten Rahmen. Allerdings wurde schnell klar, auf welch hohem Niveau Stevens arbeiten wollte.

Der 90-minütige Pilotfilm („Sandkings“) basierte auf dem gleichnamigen Roman von George R. R. Martin von 1981 und erzählte die Geschichte eines ehrgeizigen Wissenschaftlers, der für die US-Regierung marsianische Erdproben untersuchte, die verpuppte Eier außerirdischen Lebens beherbergten. Im Verlauf des Streifens verfiel der grandios von Beau Bridges (Major General Hank Landry in Stargate SG-1) dargestellte Dr. Simon Kress immer mehr dem Wahnsinn und wurde zudem von den intelligenten Krabbel-Aliens manipuliert. Der Plot war fantastisch inszeniert und gespielt und bot einen Vorgeschmack darauf, was auf das Publikum über die nächsten sieben Season und 153 Episoden hinweg zukam.

Folgen wie „Valerie“, „Der Virus“, „Krieg der Planeten“ oder „Mission Mars III“ der ersten Season erreichten schnell Kultstatus und in den kommenden Staffeln gesellten sich zahlreiche Storys hinzu, die von einigen der heute bekanntesten Autoren verfasst wurden. Zu ihnen zählen Sam Egan (Stargate SG-1, Sanctuary) Brad Wright (u. a. Stargate Universe), Naren Shankar (The Expanse), Jonathan Glassner (The Outpost) und viele mehr. Pate standen neben Martin Romane und Kurzgeschichten von Schriftstellergrößen wie Stephen King, Richard Matheson oder Larry Nieven. Die Liste des Produktionsteams liest sich insgesamt wie ein Who is who der modernen Seriengeschichte, was man der Qualität der Show entsprechend mit jeder Faser ansieht.

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Schauspielelite

Auch, was man über die Jahre an Schauspielern und Schauspielerinnen auffuhr, konnte sich mehr als nur sehen lassen. Naturgemäß treten in einer langlebigen Anthologieserie hunderte Darsteller auf. Einige von ihnen stechen heute noch jedoch besonders hervor. Wer beispielsweise den Namen Charlton Heston liest, denkt sofort an unvergessliche Klassiker wie „Ben Hur“, „Die zehn Gebote“, „Planet der Affen“ und „Der Omega Mann“. Hinzu gesellen sich Sheena Easton, Ron Perlman, Mark Hamil (eben jener) oder Kirsten Dunst.

Was bekannte TV-Stars anbelangt, gab sich unter anderem die halbe (teils spätere) Stargate-Elite die Klinke in die Hand, so Amanda Tapping, Don S. Davis, Michael Shanks und Teryl Rothery, um nur einige zu nennen. Aus dem Star Trek-Universum traf man auf Leonard Nimoy, Brent Spiner, John de Lancie, Nana Visitor, Rene Auberjonois, Robert Picardo, Robert Duncan Mcneill oder Nicole de Boer. Doch auch ein Wiedersehen mit „Quincy“ (Jack Klugman) sowie ein Treffen mit (der damals noch künftigen) Phoebe Halliwell (Alyssa Milano) aus Charmed (1998) gab es zu bewundern.

Alleine schon deswegen macht es unglaublichen Spaß, sich einen Rewatch zu gönnen. Wem das nicht genügt, der wird zahlreiche superbe Geschichten finden, die gerne mit einem Twist enden und manchmal (wenn auch nicht oft) sogar auf eine Rückkehr mit der ein oder anderen Figur hinauslaufen.

Das Ende

Wie oben bereits angedeutet, wurde „The Outer Limits“ ein riesiger Erfolg für das Viacom-Network Showtime und lief dort über sechs Jahre lang. Die Idee, sich vom typischen Monster-der-Woche-Abenteuer zu distanzieren und sich mehr den soziologischen und psychologischen Auswirkungen der Protagonisten oder gar der gesamten Menschheit auf die dargestellten fiktiven Szenarien zu widmen, war aufgegangen. Zudem zeigte man sich ungewöhnlich mutig, indem man auch nicht vor ein wenig nackter Haut, Gefluche und einem bisweilen für die 90er Jahre relativ hohen Gewaltgrad zurückschreckte.

Nach der sechsten Staffel entschloss sich Showtime jedoch dazu, unter anderem aufgrund sinkender Einschaltquoten, den sprichwörtlichen Stecker zu ziehen. Normalerweise hätte dies das Aus für die Serie bedeutet, wenn nicht der ehemalige Sci-Fi Channel (heute Syfy) für eine siebte Staffel in die Bresche gesprungen wäre. Allerdings entschied man sich, die Show von nun an etwas familienfreundlicher zu gestalten. Ob es letztlich an der Umstellung lag oder von vornherein nur ein weiteres Jahr angedacht war, lässt sich heute nur noch schwer eruieren.

Tatsache ist jedoch, dass dennoch am 18. Januar 2002 mit der Episode „Human Trials“ Schluss war. Seit 2014 kursieren nun immer wieder Gerüchte, dass sich die unbekannte Dimension erneut all jenen öffnen soll, die einen Blick auf eine Welt jenseits aller Vorstellungskraft werfen wollen. In Anbetracht der gescheiterten Reboots von The Twilight Zone und Amazing Stories stellt sich allerdings die berechtigte Frage, ob „The Outer Limits“ nicht lieber in der Abgeschiedenheit einer Autoren-Schublade verborgen bleiben sollten. Aber wer weiß? Das Unerklärliche findet schließlich immer einen Weg, oder nicht?

Hier noch das im Deutschen textlich komplett veränderte Intro zu unserem hier vorgestellten Klassiker, der Serie „The Outer Limits“:

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The Outer Limits (1995) im Stream

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