Rainbow Six Siege: System Override bringt eine neue Map und explodierende Handys
Die 2. Saison in Jahr 11 bringt eine Map aus Vegas-Zeiten zurück. Mit Matchmaking 3.0 und dem Dokkaebi-Rework dreht Ubisoft zudem an wichtigen Schrauben.
Eins muss man Ubisoft wirklich lassen: Mit Rainbow Six Siege gibt das Team seit einiger Zeit mächtig Gas und wenn überhaupt, dann ist die zweite Saison des elften Jahres seit Bestehen des Ego-Shooters ein noch größerer Schritt nach vorne, als dass man so etwas wie Ermüdungserscheinungen erkennen könnte. Immerhin findet nach geschlagenen drei Jahren endlich wieder eine brandneue Karte ihren Weg ins Spiel, während mit dem Matchmaking in Version 3.0 endlich eine wichtige Säule des kompetitiven Spielens grundlegend überarbeitet und außerdem ein Operator rundumerneuert wird.
Calypso Casino heißt die neue Karte und hört deshalb auf diesen Namen, weil es sich um einen Schauplatz handelt, der langjährigen Serienfans aus Rainbow Six Vegas bekannt ist. Wobei Ubisoft natürlich nicht die damalige Geometrie übernommen hat – das hätte weder technisch noch spielerisch Sinn ergeben. Immerhin kommt die neue Karte direkt in den Pool der Ranglistenkarten und muss (nicht nur deshalb) vor allem nach den Regeln des Team-Wettstreits funktionieren.
Was ist System Override?
Der Name der zweiten Saison im elften Jahr von Rainbow Six Siege ist Programm, denn Ubisoft wird entscheidende Änderungen einführen, wenn die Saison am 2. Juni online geht. So soll Matchmakings 3.0 zum Beispiel für einen klarer strukturierten Wettstreit sorgen, während mit Calypso Casino nach dreijähriger Pause wieder eine neue Karte eingeführt wird. Außerdem erfährt die Angreiferin Dokkaebi eine Generalüberholung, mit der sie Handys von Verteidigern unter anderem nicht nur klingeln, sondern auch explodieren lassen kann.
Ich habe mir das Kasino im Vorfeld zwar nur kurz anschauen können, finde die mehrstöckige Lobby, in der man sich an drei verstiegenen Stellen abseilen kann, aber ebenso klasse wie die Tatsache, dass man an den Außenwänden noch weniger herunterfallen sollte als ohnehin schon. Wieso? Weil man ähnlich wie auf Tower in eine tödliche Tiefe fällt, aus der einen auch die Mitstreiter nicht retten können – mit dem Unterschied, dass man die Außenseite hier nicht nur über Fenster erreicht beziehungsweise verlässt, sondern auch über zerstörbare Wände und größere Balkone.
Innen kommt man an großen, meeresblauen Aquarien sowie von Art Deco inspirierten Verzierungen vorbei, während die Decke der Lobby wie ein Roulettetisch gestaltet ist. Außerdem finden die Einsätze dort in der Dämmerung statt, also zu einer Zeit, als es gerade noch hell ist. Ich empfinde das nicht nur als stimmungsvoll, sondern auch als kleinen Verweis auf eine Zeit, in der es in Siege noch Nachtmissionen gab.
Als vertane Chance empfinde ich nur den Kontrollraum mit seinen vielen Überwachungskameras. Keine einzige davon zeigt nämlich, was auf den regulären Cams zu sehen ist. Wäre doch cool, wenn man dort das Geschehen beobachten könnte, ohne dafür das Handy zu bemühen. Aber gut, es ist natürlich nicht so einfach, so eine Funktionalität in die existierenden Spielmechaniken einzubinden.
Neues, teils altes Matchmaking
Immerhin will Ubisoft auch dem kompetitiven Wettstreit weiter stärken, weshalb mit Matchmaking 3.0 unter anderem der unsichtbare Rang verschwindet. Mit anderen Worten: Der angezeigte Rang, sprich Gold, Silber, Champion und, äh, Plastik entspricht in Zukunft wieder genau eurem Skill-Level. Außerdem kommen im Ranglistenmodus nur Spieler zusammen, zwischen denen maximal drei Ränge Unterschied bestehen. Zwei sind es auf Champion- und Diamond-Niveau.
Hinzu kommt eine verstärktes Vorgehen gegen Konsolenspieler, die mit Maus und Tastatur unterwegs sind. Wobei sie das in Zukunft sogar offiziell tun dürfen, dann aber nur gegen Gleichgesinnte. Alle, die per Cheat versuchen, sich trotzdem als Gamepad-Nutzer auszugeben, werden sich in Zukunft hingegen noch häufiger mit PC-Spielern messen, denn Ubisoft will mit der MouseTrap genannten Gegenmaßnahme noch klarer durchgreifen.
Auch das in Saison zwei hinzukommende Ausprobieren von Operatoren, die man noch nicht gekauft oder freigeschaltet hat, ist eine gute Idee. Jede Woche werden in Zukunft nämlich jeweils sechs Charaktere zur Verfügung stehen, die man auch spielen kann, falls man sie noch nicht besitzt. Den Anfang machen Solid Snake, Maverick Ace, Frost, Aruni und Clash, wobei es in der Tat jeweils drei Verteidiger und drei Angreifer sein werden.
Mehr Taktik, weniger Allgemeines
Und dann ist da natürlich das „charakterliche“ Highlight der Saison: die überarbeitete Dokkaebi. Denn auch, wenn sie sich auf den ersten Blick vielleicht nicht drastisch von dem unterscheidet, was sie bisher ausgezeichnet hat, so bekommt sie doch ein paar entscheidende Änderungen spendiert.
Für Alle, die nicht übermäßig vertraut mit ihr oder dem Spiel im Allgemeinen sind: Die Koreanerin kann die Telefone feindlicher Verteidiger klingeln lassen, sodass man hört, wo sie sich aufhalten, bis sie das Klingeln manuell abstellen. Sie hackt außerdem die von gestorbenen Verteidigern liegengelassenen Handys, um Zugriff auf alle Überwachungskameras zu erhalten.
Und grundsätzlich bleibt das auch so. Allerdings hat sie in Zukunft nur noch eine begrenzte Zeit Zugriff auf die Kameras und kann nicht mehr alle Telefone des gegnerischen Teams gleichzeitig klingeln lassen. Das geht dann erst, nachdem sie identifiziert wurden. Im Gegenzug explodieren die Handys und richten dabei 40 Schadenspunkte an, falls der jeweilige Verteidiger sich dazu entscheidet, das Klingeln nicht abzustellen.
Lässt man das Handy explodieren (der Hack erhitzt es so lange, bis es in Flammen aufgeht), geht es dabei außerdem tatsächlich kaputt, was nichts anderes heißt, als dass man anschließend auch keinen Zugriff auf seine ferngesteuerten Gadgets mehr hat. Operator wie Maestro sollten also tunlichst verhindern.
Weil Dokkaebi die Handys erledigter Gegner zudem nicht mehr aufheben muss, um Zugriff auf die Cams zu erhalten, sondern das von der gesamten Karte aus tun kann, sind ihre Hacks ab der kommenden Saison damit weniger pauschal und auch weniger dauerwirksam, dafür aber effizienter, wenn man sie in den richtigen Momenten einsetzt. Mit derselben grundlegenden Idee hatte Ubisoft zuletzt schon Thatcher überarbeitet.
Es gibt natürlich noch weitere Änderungen. Gridlocks Fallen lösen etwa ein Hinken aus, als hätte man sich gerade aus einer Frostmatte befreit, Zofia erhält auf Kosten ihrer Geschwindigkeit eine bessere Rüstung, der Bewegungsmelder von Pulse sieht dann statt bisher 9 ganze 10,5 Meter weit und mehr. Nicht zuletzt erhalten neben Dokkaebi auch Rauora und Sens das neue Sturmgewehr XK23, von dessen Rückstoß ich zwar nicht besonders angetan bin, dafür steht damit aber eben auch diesen Angreifern eine Schnellfeuerwaffe zur Verfügung.
Rein grafisch überarbeitet (und mit den seit Jahr zehn hinzugefügten interaktiven Gasrohren und Feuerlöschen versehen) werden nicht zuletzt die Karten Kanal, Emerald Plains sowie Outback. Ach, und ein Hinweis noch, falls ihr einen letzten Blick auf Dual Front werfen wollt: Nach der aktuellen Saison wird dieser Spielmodus komplett aus Siege entfernt. Klar: Allzu Viele sind damit ohnehin nicht warm geworden. Aber vielleicht zählt ja gerade ihr dazu und wollt noch mal eine abschließende Runde auf District drehen.
Wie gesagt: Ich finde, das ist eine Menge – erst recht, wenn man bedenkt, dass es sich „nur“ um ein saisonales Update handelt. Die stärker spezialisierte Dokkaebi dürfte jedenfalls ebenso für frischen Wind in der Welt von Rainbow Six Siege sorgen wie die neue Karte. Ob wohl der eine oder andere Fan des „alten“ Rainbow Six Vegas mal einen Blick in das Kasino riskiert?