Kein anderes Bauwerk aus Stahl weiß im Wedding so sehr zu beeindrucken wie die 120 Jahre alte Brücke, die zwei Kieze über ein riesiges Gleisfeld miteinander verbindet.

Wer vom Bahnhof Gesundbrunnen Richtung Brunnenviertel oder Prenzlauer Berg unterwegs ist, überquert sie oft beiläufig: die Swinemünder Brücke. Dabei gehört sie zu den markantesten Ingenieurbauten im Norden Berlins. Im November 1905 eröffnet, wurde sie 2025 120 Jahre alt. Ihr Beiname ist bis heute geläufig: „Millionenbrücke“.
Errichtet wurde die Brücke zwischen 1902 und 1905, um eine leistungsfähige Verbindung über das weit verzweigte Gleisfeld der damaligen Stettiner Bahn zu schaffen. Sie verbindet die Bellermannstraße mit der Swinemünder Straße und erschloss damit das rasch wachsende Arbeiter- und Industriegebiet rund um den Bahnhof Gesundbrunnen. Mit einer Länge von rund 228 Metern war das Bauwerk für die Zeit außergewöhnlich groß dimensioniert.
Entworfen wurde die Brücke unter städtischer Verantwortung; beteiligt waren der Stadtbaurat für Tiefbau Friedrich Krause sowie der Architekt Bruno Möhring, der in Berlin auch durch andere Brücken- und Industrieentwürfe bekannt wurde. Konstruktiv handelt es sich um eine Stahlfachwerkbrücke mit hohen Portalpfosten und einem weit gespannten Mittelteil – ein sichtbares Zeichen für die Ingenieurkunst der Jahrhundertwende.

Schon kurz nach ihrer Fertigstellung erhielt die Brücke ihren Spitznamen. Die Baukosten galten als außergewöhnlich hoch und sollen sich auf rund eine Million Mark belaufen haben. In zeitgenössischen Berichten war dies Anlass für Diskussionen, im Volksmund blieb der Name „Millionenbrücke“ haften. Alternativ kursierte später die Erklärung von einer „Million Nieten“, doch historisch belegt ist vor allem der Bezug auf die Kosten.
Sprengung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Mittelteil der Brücke von deutschen Truppen gesprengt. Der Wiederaufbau erfolgte erst 1954, allerdings in vereinfachter Form: Auf den ursprünglichen architektonischen Schmuck wurde verzichtet, die Konstruktion nüchterner und ohne Nieten ausgeführt. Dieser Bruch ist bis heute erkennbar, wenn man historische Aufnahmen mit dem heutigen Erscheinungsbild vergleicht.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Swinemünder Brücke mehrfach instand gesetzt. Besonders prägend war die umfangreiche Sanierung ab 2005, die sich aufgrund unerwarteter Schäden deutlich verlängerte und zu längeren Sperrungen führte. Auch hier machte die Brücke ihrem Beinamen erneut Ehre – diesmal im übertragenen Sinn.

Heute ist die Swinemünder Brücke vor allem Verkehrsweg für Autos, Fahrräder und Fußgänger:innen. Ein Problem ist, dass Radfahrende und der Fußverkehr auf dem schmalen Gehweg oft ins Gehege kommen. Daher hat das Bezirksparlament beschlossen, die Parkplätze auf der Brücke abzuschaffen und die Fahrräder auf die Straße zu führen.
Heute ist die Brücke fast das älteste Bauwerk weit und breit, nachdem das alte Hertha-Stadion, das alte Bahnhofsgebäude und zahlreiche Wohnhäuser nach dem Krieg abgerissen wurden. Umso beeindruckender ist die nüchtern-elegante Stahlkonstruktion. Als technisches Denkmal erinnert sie an eine Phase, in der Berlin mit großem Tempo wuchs – und Infrastrukturprojekte nicht selten zu Symbolen städtischer Ambitionen wurden.





1966 wurde in Berlin der Film „Finale in Berlin“ (Engl. Funeral in Berlin) gedreht, mit Michael Caine in der Hauptrolle des britischen Geheimagenten Harry Palmer. Im Film gibt es eine Szene, die auf der Swinemünder Brücke gedreht wurde – sie soll als die Glienicker Brücke herhalten für eine heimliche Überführung eines Informanten aus Ost- nach West-Berlin. Ein sehr sehenswerter Film mit vielen Szenen, die in West-Berlin gedreht wurden.