DER POET (OC)
<center><b><i>***** <u>DER POET</u> *****</i></b></center>
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Beständig und mit sicherer Hand geführt, nur kurz zum Eintauchen für neue Tinte mit der Spitze in das gläserne Gefäß unterbrochen, flog die Feder fast wie von selbst über das Pergament und brachte so – wie schon seit ewigen Zeiten – mit leichtem, kaum hörbarem Kratzen die Ideen und Gedanken ihres Herrn und Meisters zu Papier.
Im schwache Schein der Kerze und des Kamin-Feuers schien es ihm fast so, als würden die Buchstaben und Zeichen einen ihm wohl bekannten Tanz aufführen, der nur für seine Augen bestimmt war.
Die mit Sorgenfalten durchzogene Stirn gerunzelt, zögernd, ob sein Tun hier wirklich richtig sei, tauchte er schließlich ein letztes Mal seine Feder ein, um sein Werk zu vollenden.
Und kaum war das letzte Wort geschrieben, das letzte Zeichen gesetzt, so fand sich die Feder – wie jeden Abend – an ihrem angestammten Platz neben dem gläsernen Behältnis wieder. Nicht wissend, das es dieses Mal für immer sein sollte.
Völlig erschöpft und mit zitternder Hand hob der Schreiber das Pergament hoch und las abermals, was nun darauf in schwarzen Lettern stand. Tränen liefen über seine eingefallenen Wangen und das blasse Gesicht.
Ein plötzlicher, stechender Schmerz in seiner Brust raubte ihm den Atem. Sich mit der rechten Hand an sein Herz greifend und mit der linken das Pergament an sich drückend hauchte er nun endgültig sein Leben aus.
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