Abstract
Die erkenntnistheoretische Grundlage des Essays ist ein begriffslogisches Verständnis des Perspektivismus. Die von Kaulbach („Philosophie des Perspektivismus“, 1990) und Stegmaier („Philosophie der Orientierung“, 2008) entdeckte konzeptuelle Basis des Perspektivismus wird einer „originalistischen“ Begriffsanalyse unterzogen und erweitert. Es wird zu zeigen sein, dass solche Begriffe wie „Position“, „Richtung“, „Horizont“, „Bereich“, „Kontext“, „Blickwinkel“, „Relatum“ etc. keine bloßen Metaphern, sondern Elemente einer jeden epistemischen Situation ausmachen. Sie bedingen jeden Versuch, durch ein epistemisches Objekt hindurchzusehen (perspicere). Die Offenlegung der quasiapriorischen begrifflichen Matrix und der entsprechenden Gesetzmäßigkeiten der Grundstruktur des Erkennens begründet den Perspektivismus als ein unabhängiges Forschungsprogramm zur Analyse der Faktoren, die epistemische Situationen bedingen und zu Aussagen, etwa metaphilosophischer Art, führen. Damit können sie einer gründlichen Kritik, der Destruktion und Rekonstruktion, unterzogen werden.