Abstract
Der Zugang zu den philosophischen Auseinandersetzungen, die im vorliegenden Kapitel ausgetragen werden, wurde in verschiedenen Etappen und zu großen Teilen deutlich außerhalb der einschlägigen philosophischen Debatten aufgebaut. Über die Frage nach dem Zusammenhang von Leadership und Macht, die zu ersten Bestimmungen des und zu weiterführenden Richtungsangaben zum Begriff des Machtmissbrauchs führte, wurde das Konzept der moralischen Abkoppelung als erstes Kernelement des Machtmissbrauchs ausgewiesen. Weil moralische Abkoppelung puristisch ohne Bezug auf innere Zustände erklärt wird, wurde zunächst die Relevanz unbewusster kognitiver Faktoren für das Thema erarbeitet. Das war die Basis, um nach unbewussten affektiven Faktoren zu fragen und die Wichtigkeit psychodynamischer Faktoren sowohl für Führungspersonen als auch für Gruppendynamiken zu erschließen. Unterschiedliche Einstellungen gegenüber Autorität und Macht lassen sich psychodynamisch erklären, wobei diese Erklärungsformen evidenzbasierten Zugängen gegenüber kompatibel sind und sein sollen. In diesem Zusammenhang wurden die Begriffe der emanzipatorischen Solidarität und der Individuation eingeführt, um Möglichkeiten zu umschreiben und auf Maßnahmen hinzuweisen, die negativen Verwendungen von Macht entgegenwirken und positive Verwendungen von Macht fördern.