Abstract
Literarische Gattungen werden bei Mayröcker vielfach thematisiert und erscheinen sowohl auf der Inhalts- als auch auf der Formebene als äußerst flexible Kategorien, deren Grenzen fast hauptsächlich dem Zweck zu dienen scheinen, über- und durchschritten zu werden. Ihr Gesamtwerk zeichnet ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Gattungen aus, und auch innerhalb eines Werkes lenkt die Transgression der Gattungskonventionen den Blick darauf, dass literarische Genres durchaus nicht so leicht zu differenzieren sind, wie die Gängigkeit der Gattungsbegriffe suggeriert. Nicht einmal punktuell verweilen Mayröckers Texte in einem gegebenen generischen Rahmen. Sie erzielen so eine Dynamik, die auf jene der Gattungen selbst verweist, ihr „beständiges Hinausgehen über das Gegebene“ (Zymner) in den Vordergrund stellt und die Gattungen untereinander in einen Dialog treten lässt, in den die Leserinnen und Leser einbezogen sind.