Und wenn ein Begriff wie Hypezig derart instrumentalisiert wird, dass er sowohl inhaltlich umgedeutet und formal kopiert werden muss, um sich selbst eine glattgebügelte Variante herzustellen, dann bleibt als einzige Möglichkeit der Kritik nur noch, das Ganze fallen zu lassen. Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben, aber genau darum ging es ja auch die ganze Zeit.
Deshalb ist das ist das Hypezig-Blog ab heute Geschichte.
Heute sitzt die junge Frau zusammen mit ihren Mitbewohnern Steffen Balmer, 52, und Angela Seidel, 45, und diskutiert darüber, was sie falsch gemacht haben könnten. Denn so absurd es klingt: Die Künstler und Kreativen, die einst die Stadtteile aufwerteten, sind nun zu Verlierern ihres eigenen Engagements geworden. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Immobilieninvestoren haben die Quartiere der Künstler für sich entdeckt. Aus der ehemaligen Karosseriewerkstatt, in der Jedlitschka wohnt, sollen moderne und hochpreisige Lofts werden. Die Kündigungen liegen seit Monaten auf dem Tisch.
Südwest Presse: “Hypezig”. Sachsens größte Stadt Leipzig ist im Begriff, Berlin als deutsche Szene-Metropole abzulösen (24.05.2014).
Danke an Ludwig fürs Finden und das Foto!
Weblink: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Hypezig;art4306,2621248
Danke an Susanne fürs Finden!
Und wie überall, wo sich eine authentische Szene etabliert, ist es eine Frage der Zeit, bis Spekulanten oder Immobilienhaie die trendigen Signale für sich zu nutzen suchen. So wird auch Europas größtes Gründerzeitviertel nun peu à peu wieder »in Wert gesetzt«. Noch nehmen sich Quadratmetermieten von 5,30 Euro im sanierten Altbau moderat aus, doch mit dem Leipzig-Hype wachsen sie bereits beständig. Einstige Hausbesetzer suchen nunmehr Kindergartenplätze.
Neues Deutschland: Das “Hypezig”-Phänomen (14.05.2014).
Mit leicht verändertem Anfang auch hier:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.beliebtheit-der-saechsischen-stadt-aus-leipzig-wird-hypezig.3780f250-98d5-4747-81db-8add71921c90.html
Danke an Heiko und Friederike für den Hinweis!
In Wahrheit ist Leipzig ein von trost-, reiz- und geistlosem Ödland umschlossener, ebenso trost-, reiz- und geistloser Flecken Erde, den nur eine gewisse architekturkritische Inkonsequenz der alliierten Fliegerstaffeln vorm totalen Bedeutungsverlust bewahrt hat. Leipzig ist in Bahnhofsnähe ein einziges aufgetakeltes Einkaufszentrum, in der Altstadt eine Puppenstube, ansonsten eine Mondlandschaft. Insgesamt hat die Stadt exakt das kulturelle Niveau und Lebensgefühl all jener anderen trübdeutschen Provinzfürstentümer, Bielefeld, Karlsruhe, Oldenburg, deren einziger Vorzug es ist, in sinnvoller Nähe keinerlei Alternative zu sich selbst zu haben.
Neues Deutschland: Das kann weg! Leipzig. Leo Fischer meint: Das kann weg! (03.05.2014).
Danke an Angelika und Martin fürs Finden!
DRadio Wissen: Stadtentwicklung. Leipzig ist Hypezig (02.05.2014).
Immerhin: Die Mieten steigen mittlerweile auch in Leipzig und eine positive Prognose sieht für die Stadt in 20 Jahren einen Einwohnerzuwachs um bis zu 25 Prozent. Die drei Studenten haben sich in der Universität kennengelernt. Auch sie kamen nach Leipzig - und kannten zuvor nur den guten Ruf. Ein Ruf, der auch negative Folgen haben kann.
Die Stadt liegt da wie eine blanke Leinwand. Man kann günstig wohnen, sich günstig betrinken. Es gibt Altbaupartys, Luft und weiten Himmel. Man hat das Gefühl, unbeobachtet zu sein. Dieser Reiz ist nicht statisch, er existiert nur, weil er irgendwann vergehen wird. Dieser Reiz – das ist das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
taz: Der vergängliche Reiz der Städte. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort (27.04.2014)
Danke an Michaela fürs Finden!
Lassés par les hordes de touristes et la gentrification qui dévore la capitale allemande, de nombreux artistes et créatifs se font depuis quelques années la malle pour savourer l'atmosphère particulière qui règne à Leipzig, qui rappelle drôlement celle de Berlin à la chute du Mur. Cette ville d'ex-RDA au glorieux passé industriel n'est certes pas bien grande –500.000 habitants– mais elle regorge d'immeubles vides et de friches industrielles dans lesquels louer un appartement ou un atelier est encore très bon marché.
Slate.fr: Berlin, c'est fini: c'est à Leipzig qu'il faut aller (26.03.2014).
Danke an Carina fürs Finden!

