Vergleichende Meteorologie/ Bildökonomie
1.
Der junge Mann kommt aus einem Land aktiver Vulkane weit im Osten und er studiert nun in London Ökonomie. Er ist auf Besuch in Frankfurt, um sich auch dazu Bilder anzusehen. Der Weg treibt ihn, er ist zielstrebig, in eine kleine Kammer mit dem Bild eines Vulkans. Mit seiner Erfahrung stellt er sich auf die Seite des Bildes, von der auf dem Bild der Wind kommt, also auf die richtige Seite. Die Hitze soll ihn nicht so treffen. Ihm soll der Rauch nicht in die Augen treiben und nicht den Blick verstellen. Lange genug bleibt er stehen, dann geht er wieder. Das ist seinen Gästen nach auch eine Flucht oder Abwehr.
2.
In einigen östlichen Gegenden, etwa dort, wo Bacurau liegt, sind Bilder nicht unbedingt Schätze und nicht unbedingt wertvoll, sie werden dort auch als Waffen gehandelt. Die Sammlungen im Osten stehen nicht unbedingt in der Tradition der Schatzkammer oder des Schlafzimmers der Königin. Sie stehen dort auch in der Tradition des Zeughauses.
Bildern schlagen entweder mit Verzögerung oder asynchron zu. Sie ahmen etwas nach und vor, erscheinen manchmal zu spät, manchmal zu früh. Die Übertragung braucht Zeit und Raum.
Die Meteorologie ist das Wissen vorübergehender Körper (beide Genitive), die zu säumigen Zeiten auftauchen und zu säumigen Zeiten abtauchen, zu säumigen Zeiten erscheinen und zu säumigen Zeiten (ver-)schwinden. Säumige Zeiten sind Zeiten, die nicht richtig, weder verabredet noch gesetzt sind. Das sind auch Zeiten, die schwer zu berechnen oder notorisch unkalkulierbar sind (selbst wenn ihre Daten leicht zu berechnen sind). Säumige Zeiten sind Zeiten, deren Grenzen elliptisch kreisen und so aussetzen und durchbrochen sind. Sie kursieren, schwanken, mit ihnen geht es auf und ab. Das ist die Meteorologie, von der auch Thomas Hobbes spricht.
Diese Meteorologie ist auch ein Teil der Bild- und Rechtswissenschaft und einer Bildökonomie, in der die Vulkane nicht erloschen sind. Das ist ein Teil jener Bild- und Rechtswissenschaft, die an dem interssiert ist, was am Recht, an den Bildern und an der Ökonomie unbeständig ist.
Alles das, was hier vorkommt, das kommt auch auch da vor, nur in anderen Frequenzen und Sequenzen.
Nicht alles muss einer allgemeinen Ordnung angehören. Vielem reicht, dass es eine Wiederholung ist und sich wiederholt. Mir zum Beispiel reicht die Wiederholung.

