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Wendekreise - Wendisch

Bild 16.530: Wendekreise - Wendischer Kreis
Seite 16.530.
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Wenden# ein Zweig der westslaw. Völkergruppe, welcher sich noch in der Lausitz erhalten hat (s. Deutschland / 408
Wenden _2# Kreisstadt in der russ. Ostseeprovinz Livland, an der Aa und der 1889 eröffneten Riga-Pskowschen / 92
Wenden _3# oder über Stag gehen, ein Manöver beim Kreuzen (s. d.), wobei das Beim Winde (s. d.) segelnde / 105
Wenden _4# in älterer Zeit bei den deutschen Stämmen allgemeine Bezeichnung der slaw. Völker; gegenwärtig / 581
Wenden _5# preuß. Dorf, s. Bd. 17. / 6
Wenden _6# 1) Kreis im südl. Teil des russ. Gouvernements Livland, im Gebiet der livländ. Aa und des / 148
Wenden _7Dorf im Kreis Olpe des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, hat (1895) 479, als Gemeinde 3128 E., Postagentur / 21

Seite 16.530

Wenden

2 Seiten, 1'361 Wörter, 9'492 Zeichen

Geographie — Deutschland

Im Meyers Konversations-Lexikon, 1888 steht:



Wenden,

ein Zweig der westslaw. Völkergruppe, welcher sich noch in der Lausitz erhalten hat (s. Deutschland, [* 2] S. 817). Die Veneter, die der ältere Plinius und Tacitus erwähnen, und die letzterer von den Sarmaten abtrennt und irrtümlich den Germanen zuweist, weil sie Häuser bauten, Schilde trügen und im Kampf zu Fuß erfahren seien, werden gemeinhin mit den Wenden identifiziert. Ihre Wohnsitze verlegt man an die Ufer des Niemen und obern Dnjepr; doch erhellt sich das Dunkel, das über jenem Volk ruht, erst im 6. Jahrh., wo sich das Gebiet der Wenden bis zur Oder erstreckt.

Böhmen, Mähren und Öst

Bild 3.134a: Böhmen, Mähren und Österreich.-Schlesien
* 3 Böhmen.

Fortan wird der Name Wenden Bezeichnung für alle Nordslawen. Diese sind im 6. Jahrh. in Böhmen [* 3] eingedrungen und haben nördlich davon alle Lande auf dem rechten Elbufer, ja sogar das Land zwischen Elbe und Saale besetzt. Sie teilen sich in viele Stämme, von denen die an der untern Elbe wohnenden seit Karl d. Gr., die an der obern Elbe erst seit Heinrich I. mit den Germanen in Berührung kamen. Vom 10. bis zum Ende des 12. Jahrh. folgte eine Zeit blutiger Kämpfe, welche mit der Unterwerfung und Bekehrung der Wenden zum Christentum endeten.

Obgleich sie innerhalb des deutschen Reichsverbandes eine Sonderstellung zum Teil unter eignen Fürsten (in Böhmen, Mecklenburg, [* 4] Pommern, [* 5] den Marken zwischen Elbe und Oder, Schlesien) [* 6] behielten, vollzog sich doch die Germanisierung des Slawenlandes allmählich infolge der massenhaften Einwanderung der Deutschen. Am frühsten verschwand das slawische Element in den Maingegenden, wohin es seit dem 8. Jahrh. bei Gelegenheit der Grenzkriege Eingang gefunden hatte. (S. Slawen und Geschichte der einzelnen slawischen Länder.) Der Name Wenden bezieht sich später vornehmlich auf die Sorben und Liutizen, deren Nachkommen in der Lausitz noch wendische Sprache oder, wie im Altenburgischen (ca. 20,000 Köpfe), wenigstens wendische Sitte und Tracht bewahrt haben.

Königreich Sachsen

Bild 14.126a: Königreich Sachsen
* 7 Sachsen.

Die Zahl der Wenden ist fortwährend im Abnehmen begriffen; sie beträgt (1889) in der sächsischen Oberlausitz 56,354, in der preußischen Oberlausitz 37,307, in der preußischen Niederlausitz 66,071 Seelen. Außerhalb der Lausitz wohnen in Sachsen [* 7] 3402, in Preußen [* 8] 1000, in der Fremde 3000 Wenden Wendisch sind im ganzen 105 Pfarrbezirke (in Preußen 72), 130 Kirchen (in Preußen 93), 763 Dörfer (in Preußen 353) und 14 Städte (in Preußen 10).

Vgl.   L. Giesebrecht, Wendische Geschichten aus den Jahren 780-1182 (Berl. 1841-43, 3 Bde.);

R. Andree, Das Sprachgebiet der Lausitzer Wenden (Leipz. 1873);

Derselbe, Wendische Wanderstudien (Stuttg. 1874);

Veckenstedt, Wendische Sagen, Märchen etc. (Graz [* 9] 1879);

v. Schulenburg, Wendisches Volkstum (Berl. 1882);

Mucke, Statistik der Lausitzer Wenden (Bautzen [* 10] 1886).

Weiteres s. Wendische Sprache.

Wenden,

Orden

Bild 12.426a: Orden
* 13 Orden.

Kreisstadt in der russ. Ostseeprovinz Livland, [* 11] an der Aa und der 1889 eröffneten Riga-Pskowschen Bahn, mit den großartigen Ruinen eines alten Ordensschlosses (1224 erbaut), der schönen Johanniskirche (mit Grabmälern mehrerer Heermeister) und (1885) 4333 Einw. (meist Deutsche). [* 12] Wenden war einst Sitz des Land-, später Heermeisters der mit dem Deutschen Orden [* 13] vereinigten Schwertbrüder und vom 14. bis 16. Jahrh. eine bedeutende Handelsstadt. Infolge der Belagerung und Einnahme der Stadt durch Iwan den Grausamen (1557), bei welcher sich die Besatzung mit sämtlichen Bewohnern der Burg in die Luft sprengte, verlor Wenden seine Bedeutung.

Ende Wenden (1)
→ weiter zu Seite 16.530: Wender ⟹ bei botan. Namen Abkürzung für F. Wenderoth, geb. 1774 zu Marburg, gest. 1861 daselbst als

Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910 steht:



Wenden

oder über Stag gehen, ein Manöver beim Kreuzen (s. d.), wobei das Beim Winde [* 14] (s. d.) segelnde Schiff [* 15] durch den Wind hindurch dreht und dann, nachdem die Rahen (s. d.) rundgebraßt (s. Brassen) sind, über den andern Bug (s. d.) weiter segelt. Bei flauem Wind oder hohem Seegang ist das Wenden nicht ausführbar, dann muß der Umweg des Halsens (s. d.) gemacht werden. Beim Wenden braucht das Schiff nur durch etwa 12 Strich (s. d.) zu drehen, beim Halsen dagegen durch 20 Strich, und verliert dann noch wesentlich Luv (s. d.), während Schiffe [* 16] und namentlich Boote mit Schratsegeln beim Wenden durch das Aufschießen (Hineinlaufen) in den Wind meist noch Luv gewinnen.

Wenden,

Windelboden - Winden (

Bild 66.765: Windelboden - Winden (Hebeapparate) [unkorrigiert]
* 17 Winden.

in älterer Zeit bei den deutschen Stämmen allgemeine Bezeichnung der slaw. Völker; gegenwärtig versteht man darunter nur die Slawen der Ober- und Niederlausitz, die sich selber Serben (Serbjo) nennen und danach auch Sorben (s. d.) genannt werden. Nicht zu verwechseln sind damit die Winden [* 17] oder Wenden in Österreich [* 18] (s. Slowenen). Am Anfang der geschichtlichen Überlieferung reichte das Gebiet der sorbischen Stämme ungefähr von der Saale bis zum Bober, ging nördlich etwa bis zum Parallelkreis von Berlin [* 19] und südlich bis an das Lausitzer und Erzgebirge.

Bevölkerungs-Dichtigke

Bild 4.812a: Bevölkerungs-Dichtigkeit im Deutschen Reich
* 21 Deutschen.

Jetzt ist das wend. Sprachgebiet beschränkt auf ein Viereck, [* 20] das ziemlich gut bestimmt wird durch die Diagonalen Löbau-Lübbenau und Bischofswerda-Pinnow (etwa 3300 qkm; s. die Karte der Deutschen Mundarten. [* 21] Der südl., kleinere Teil davon gehört zu Sachsen (Kreishauptmannschaft Bautzen), der nördliche größere zu Preußen (Provinzen Schlesien und Brandenburg). [* 22] Das Gebiet der Wenden ist völlig von Deutschen umgeben und hat keinen Zusammenhang mit andern slaw. Sprachgebieten.

Das Sorbische gehört zur westl. Abteilung der slaw. Sprachen und zerfällt in zwei stark voneinander abweichende Dialekte: Obersorbisch und Niedersorbisch, deren Grenze ungefähr durch eine Linie von Senftenberg über Spremberg [* 23] nach Muskau gegeben wird. Nach der Volkszählung von 1890 hatten in Preußen 65254 Personen ihre Umgangssprache als wendisch, 5427 als wendisch und deutsch angegeben. In Sachsen wurden (1885) 49916 Wenden gezählt. Die Gesamtzahl darf daher (1895) auf 120.000 angenommen werden, wovon reichlich 40 Proz. auf die Niederwenden (Niedersorben) kommen.

Kreiden - Kreis

Bild 10.184: Kreiden - Kreis
* 24 Kreis.

Der Religion nach ist die Mehrzahl evangelisch-lutherisch, nur etwa 12000 Obersorben sind römisch-katholisch (im Südwesten des Sprachgebietes, sechs Parochien in Sachsen, eine in Preußen). Eine wend. Litteratur begann unter dem Einfluß der Reformation und ging bis 1840 wenig über den Kreis [* 24] der kirchlich-religiösen und praktischen Bedürfnisse des Bauernstandes, aus dem fast das ganze Volk besteht, hinaus: von da an, im Zusammenhang mit dem erwachenden Nationalbewußtsein, beginnt man sich weitere Ziele zu stecken, namentlich unter den Obersorben. Der eifrigste Förderer aller auf Hebung [* 25] der Sprache, [* 26] der Litteratur und des Nationalbewußtseins gerichteten Bestrebungen war Joh. Ernst Schmaler (geb. 1816, gest. 1884) in Bautzen.



Wenden (Dorf) - Weners

Bild 66.634: Wenden (Dorf) - Wenersee
* 28 Seite 66.634.

Seit 1848 giebt der litterar. Verein Maćica serbska (1847 in Bautzen gegründet, seit 1880 mit einer Abteilung für die Niederlausitz in Cottbus; [* 27] s. Matica) eine Zeitschrift «Časopis maćicy serbskeje» heraus, die ziemlich alles enthält, was nach wissenschaftlicher Richtung in sorbischer Sprache geschrieben ist. Der Belletristik speciell sind gewidmet die Zeitschriften «Łužičan» (1860-77) und «Łužica» (1882 fg.). Außerdem erscheinen je eine Wochenschrift in Bautzen («Serbske Nowiny») und Cottbus («Serbski Casnik»). Als Dichter sind am bekanntesten Andreas Seiler («Handrija Zejlerja Zhromadźene spisy», 4 Bde., Bautzen 1883-91) und J. ^[Jakub] Ćišinski (Jakob Bart). Für die religiöse Lektüre sorgt je ein evang. ¶

mehr

und ein kath. Bücherverein. Volksüberlieferungen sammelten Schmaler («Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz», 2 Bde., Grimma, [* 29] 1843-44; mit Karte des Sprachgebietes),

Wenden von Schulenburg («Wend. Volkssagen und Gebräuche», Lpz. 1880; «Wend. Volkstum in Sage, Brauch und Sitte», Berl. 1882),

Mucke (Volksliederhefte; «Statistika łužiskich Serbow», Bautzen 1884-86, mit Karte),

Hórnik, Černý u. a. Grammatiken von Pfuhl («Laut- und Formenlehre der oberlausitzisch-wend. Sprache», Bautzen 1867),

Mucke («Histor. und vergleichende Laut- und Formenlehre der niedersorbischen Sprache», Lpz. 1895),

Kral («Grammatik der oberwend. Sprache», Bautzen 1895); Wörterbücher von Pfuhl («Wend. Wörterbuch», Bautzen 1866) und Zwahr («Niederlausitzisch-wend.-deutsches Wörterbuch», Spremberg 1846-47). -

Vgl.   Andree, Wend. Wanderstudien (Stuttg. 1873);

ders., Das Sprachgebiet der Lausitzer Wenden vom 16. Jahrh. bis zur Gegenwart (Prag [* 30] 1873);

Boguslawski und Hórnik, Historija serbskeho naroda (mit histor. Karte aus dem 6. bis 11. Jahrh., Bautzen 1884);

Pypin, Das serb.-wend. Schrifttum in der Ober- und Niederlausitz (Lpz. 1884);

E. Müller, Das Wendentum in der Niederlausitz (Cottb. 1894).

Wenden,

preuß. Dorf, s. Bd. 17.

Titel
Elemente zu Wenden:

[16.530] Wenden ein Zweig der westslaw. Völkergruppe

[16.530] Wenden Kreisstadt in der russ. Ostseeprovinz Livland

Wenden.

Viehzucht (Futterverwe

Bild 16.193: Viehzucht (Futterverwertung, Vererbung)
* 31 Viehzucht.

1) Kreis im südl. Teil des russ. Gouvernements Livland, im Gebiet der livländ. Aa und des Ewest (zur Düna), hat 5637,3 qkm, darunter 77 qkm Seen, 130.695 E., meist Letten; Roggen-, Kartoffel- und Flachsbau, Viehzucht, [* 31] 1 Papier-, 1 Tuchfabrik, 13 Brauereien, 4 Branntweinbrennereien, 9 Wollkämmereien. - 2) Wenden, lett. Zehse und Kehs, esthn. Wenno-lin, Kreisstadt im Kreis Wenden, in malerischer Gegend (der sog. Livländischen Schweiz), [* 32] 5 km links van ^[korrekt: von] der Aa entfernt und an der Linie Petersburg-Riga der Baltischen Eisenbahn, hat (1893) 4516 E., Post, Telegraph, [* 33] eine großartige Schloßruine;

die evang. St. Johanniskirche, 1281 erbaut, mit dem Grabmal Plettenbergs (s. d.), eine russ. Kirche, eine Wasserheilanstalt;

eine Dampfmühle und eine Wollkämmerei.

Die ehemalige Burg Wenden kam 1204 in die Hände der Schwertritter. 1238 wurde Wenden Residenz des Ordensmeisters und blieb es fast 300 Jahre. Wenden kam 1562 zu Polen, 1622 zu Schweden [* 34] und 1710 zu Rußland.

Ende Wenden (2)
→ weiter zu Seite 66.634: Wendengräber ⟹ s. Bestattung.

Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910 steht:



Weishaupt - Werkzeugma

Bild 67.1023: Weishaupt - Werkzeugmaschinen
* 35 Seite 67.1023.

Wenden,

Dorf im Kreis Olpe des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, [* 36] hat (1895) 479, als Gemeinde 3128 E., Postagentur, Fernsprechverbindung, kath. Kirche;

Eisenerzbergbau.

Ende Wenden (3)
→ weiter zu Seite 67.1023: Wenings ⟹ Stadt im Kreis Büdingen der hess. Provinz Oberhessen, an der Bleiche, hat (1895) 803 E., Postagentu
Ergänzungen aus Duden, Volltext Suche, Kontext und Quellen.
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 16. Band, Seite 530 im Internet seit 2005; Text geprüft am 9.1.2010; publiziert von Peter Hug; Abruf am 24.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//wenden

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