Weltsysteme
,
die verschiedenen
Annahmen betreffs der
Anordnung und Bewegungsart der Körper unseres
Sonnensystems, um
ihre scheinbar sehr unregelmäßigen
Bahnen am Himmel
[* 2] zu erklären. Von den hierüber aufgestellten Hypothesen oder
Systemen
sind hauptsächlich von Wichtigkeit das Ptolemäische und das Kopernikanische Weltsystem.
Wie alle ältern
Astronomen nahm
Ptolemäus an, daß alle
Bewegungen der Himmelskörper mit gleichförmiger
Geschwindigkeit in kreisförmigen
Bahnen stattfinden, weil die Kreislinie unter allen krummen Linien die vollkommenste sei.
Die Sonne
* 5 Sonne.
Alle Himmelskörper aber sollten sich um die Erde bewegen (geocentrisches Weltsystem
), und zwar sollte sich um sie
zunächst der Mond,
[* 3] dann
Merkur
[* 4] und
Venus, hierauf die
Sonne,
[* 5]
Mars,
[* 6]
Jupiter und
Saturn drehen, für die
Sonne und den Mond, die
sich offenbar nicht immer gleich schnell bewegen, wurde dann der excentrische
Kreis
[* 7] ersonnen, d. h. angenommen, daß die Erde
nicht genau im Mittelpunkte desjenigen Kreises stehe, in dem sich die
Sonne und der Mond um die Erde bewegen,
sondern in einem andern Punkte derjenigen Linie, welche die beiden entgegengesetzten Punkte der größten und kleinsten
Geschwindigkeit
verbindet.
Für die Planeten, [* 8] deren abwechselndes scheinbares Vorwärtsgehen, Rückwärtsgehen und Stillstehen der Erklärung noch weit größere Schwierigkeit darbot, wurden die Epicykeln (s. d.) ersonnen. Demnach sollte das Verhältnis der Bewegungen der Planeten in Bezug auf die Erde demjenigen ähnlich sein, in dem die Bewegung des Mondes zur Sonne wirklich steht. Allerdings lassen sich die von der Bewegung der Erde um die Sonne herrührenden Unregelmäßigkeiten des scheinbaren Planetenlaufs durch die Annahme der Epicykeln ziemlich befriedigend erklären, nicht aber diejenigen, die von der elliptischen und ungleichförmigen Bewegung der Planeten um die Sonne herrühren, ebensowenig die Ungleichheiten der Mondbewegung.
Faksimile von Gutenber
* 9 Bibel.
Trotzdem galt dieses
System jahrtausendelang für das richtige. Nach dem Kopernikanischen
System, dessen Richtigkeit jetzt
allgemein anerkannt ist, bildet nicht die Erde, sondern die
Sonne den Mittelpunkt (heliocentrisches Weltsystem
,
s.
Tafel:
Sonnensystem); um die
Sonne bewegen sich sämtliche
Planeten mit Einschluß der Erde, um diese aber bewegt sich der
Mond.
Kopernikus glaubte noch, daß die
Bewegungen der Himmelskörper in excentrischen
Kreisen vor sich gehen, und erst
Kepler
fand die elliptischen
Bahnen und die Gesetze, nach denen die
Bewegungen der
Planeten in ihnen erfolgen.
(S.
Keplersche Gesetze.) Erst etwa 100 Jahre später lieferte Newton den theoretischen
Beweis für die Richtigkeit und
Notwendigkeit
dieser Gesetze, die
Kepler nur auf empirischen Wege als richtig erkannt hatte. (S.
Schwere.) Da das von
Kopernikus aufgestellte
System wegen des
Widerspruchs, in dem es nicht nur mit eingewurzelten Vorurteilen, sondern auch mit mehrern
Stellen der
Bibel
[* 9] stand, vielfachen Anstoß erregte, so stellte der Astronom
Tycho Brahe ein drittes
System auf, nach dem die
Erde ruht, und Mond und
Sonne sich um dieselbe bewegen, während alle andern
Planeten sich zunächst um die
Sonne und nur mit
dieser um die Erde bewegen sollen. Allein dieses
System widersprach den beobachteten Erscheinungen zu
sehr, um Eingang finden zu können,
Über die gebräuchlichsten
Anschauungen von der Entstehung des
Sonnensystems s. Kant-Laplacesche
Theorie.