Lafayette trennt die Vorstädte St.
Aubin und Matabiau und hat beim
Canal du Midi ein Marmorstandbild des Schöpfers desselben,
Riquet, von Rissoul-Dorval (1838). Die große nordöstl. Vorstadt Matabiau zu beiden Seiten des
Kanals enthält die Tierarzneischule
und den Hauptbahnhof. Hinter der Schule steht ein Obelisk zur
Erinnerung an dieSchlacht von Toulouse,
[* 2]
und weiterhin die
Sternwarte.
[* 3] Hinter dem Boulevard d'Arcole liegt die nördl. Vorstadt
Arnaud-Bernard, im Nordwesten liegen
Kasernen, im Westen hinter dem
Arsenal die Vorstadt St.
Pierre und südlich davon die bedeutende Vorstadt St. Cyprien mit dem
Hôtel Dieu St. Jacques (12. Jahrh.) am Pont Neuf und dem Hospice St.
Joseph de la Grave. Diese Vorstadt leidet bei den
Überschwemmungen am meisten und wurde 23. bis fast ganz zerstört.
Handel und
Industrie. Durch die
Lage an der Garonne, dem
Canal du Midi und dem Zusammenfluß verschiedener Pyrenäenstraßen
ist
der Handel von jeher sehr bedeutend gewesen, namentlich mit
Landesprodukten und Lebensmitteln mit
Spanien.
[* 5] Ebenso ist auch
die Industrie lebhaft; außer der staatlichen Pulverfabrik und der Tabakmanufaktur sind Fabriken für landwirtschaftliche
Maschinen und Geräte, Papierindustrie und
Gewerbe aller Art vorhanden. Viele
Straßenbahnen durchziehen die Stadt.
Geschichte. Toulouse, lat.Tolosa, war als Hauptort der Tektosagen schon unter den
Römern bedeutend und eine
heilige Stadt der
Gallier, mit einem heiligen
Teiche, der einen großen Schatz enthielt. Es wurde 419 Hauptstadt des
Reichs
der Westgoten, das nach ihm als das «Tolosanische» bezeichnet wird, fiel 507 an
Chlodwig und wurde 778 eineGrafschaft, deren
Besitzer mit
Raimund VII. 1249 ausstarben (s. den folgenden
Artikel), worauf Toulouse 1271 an die
Krone fiel. Sehr verderblich für Toulouse waren von 1208 ab die Albigenserkriege (s.
Albigenser). Im Bürgerkriege von 1562 fielen 4000 Hugenotten und zu
Bartholomäus 1572 wurden noch 300 gemordet. Am wurden
bei Toulouse die
Franzosen von Engländern und
Spaniern unter Wellington geschlagen. -
Vgl. Jourdan,Panorama
historique de Toulouse (2. Aufl., Toulouse 1877);
[* 2] (spr. tuluhs'), altes südfranz. Geschlecht, dem seit 507 das Gebiet und die Stadt
Toulouse gehörte. Lange Zeit regierten die
Herzöge von
Aquitanien in Toulouse, bis Pippin 767 ihrer Herrschaft
ein Ende machte: nun wurde Toulouse wieder Sitz einer
Grafschaft, die 852 mit
Raimund
I. an
das neue aquitanische Geschlecht
kam. Unter ihm und seinen Nachfolgern wurde Quercy und
Albigeois, unter
Raimund Pons (923-950), der 924 die bis zur Provence
vorgedrungenen
Ungarn
[* 6] schlug, auch
Auvergne und
Aquitanien zeitweilig erworben.
Auf Pons folgte sein Sohn Wilhelm Taillefer (950-1037), der durch Heirat die Provence gewann. Sein Enkel Wilhelm IV. hatte
keine
Söhne und gab daher Toulouse an seinen
BruderRaimund IV. von
Saint-Gilles, der bereits Novergue, Nimes
[* 7] und Narbonne besaß
und einer der reichsten Fürsten seiner Zeit war. Er hatte einen hervorragenden Anteil am ersten Kreuzzug 1096 und
eroberte 1103 das Fürstentum
Tripolis in
Syrien, wo er 1105 starb. Sein Sohn
Bertrand, der ihm in Toulouse folgte, zog 1109 ins
Heilige Land und starb dort 1112. Sein Nachfolger in Toulouse war sein Neffe
Alfons Jordanus (1112-48),
der anfangs durch Wilhelm IV. von
Aquitanien aus seinem
Besitz vertrieben war; dann folgte
Alfons' Sohn
Raimund V. (1148-95),
der sich gegen den
Erben der Aquitanier,
Heinrich II. von England, mit Hilfe
Frankreichs 1159 behauptete und gegen die in Toulouse
erstarkende Sekte der
Albigenser (s. d.) mit
Strenge einschritt.
Sein Sohn
Raimund VI. (1195-1222) vereinigte mit seinen Gebieten in Languedoc auch noch das Marquisat der Provence auf dem
linken Rhôneufer um
Avignon; sein
Hof
[* 8] war ein Mittelpunkt der provencal.
Poesie.
Bald aber geriet er wegen
Begünstigung der
Albigenser (s. d.) mit Papst Innocenz III. in Streit. Mehrfach exkommuniziert,
sah er sein reiches Land bald zu einer
Beute fanatischer Mönche und habgieriger Kreuzfahrer werden. Dem Anführer der letztern,
Simon von Montfort (s. d.), sprach Innocenz 1215 trotz der Demütigung
Raimunds VI. die Herrschaft in Toulouse zu. Aber dieser
setzte sich zur
Wehr und hatte, als er 1222 im
Bann starb, fast alle seine
Länder wiedererobert.
Sein Sohn
Raimund VII. (1222-49), ein unruhiger, kriegerischer und unbeständiger Fürst, hatte anfangs gegen
Simons Sohn
Amalrich von
Montfort guten Erfolg, bis dieser seine
Ansprüche auf Toulouse an
Frankreich abtrat, dessen König
Ludwig VIII. nun 1226 gegen
Raimund VII. zog. Dieser mußte im Frieden von
Paris
[* 9] 1229 einen
Teil seines Gebietes an
Ludwig IX. von
Frankreich
geben und den Rest von ihm zu
Lehn nehmen, auch
Kirchenbuße und Verfolgung der
Ketzer geloben. Seine Tochter Johanna wurde
mit
Ludwigs IX.
BruderAlfons von Poitou vermählt, und dieser erbte Toulouse, als
Raimund VII. nach manchen
Fehden und
Versuchen, sein Land zurückzuerobern, 1249 ohne männlichen
Erben starb. Auch
Alfons starb 1271 ohne Nachkommen, so daß nun
Philipp III. von
Frankreich Toulouse mit seiner
Krone vereinigen konnte. -
Vgl. Devic und Vaissete, Histoire du Languedoc (neue
Ausg., 15 Bde., Toulouse 1873-93).
(spr. tuluhs'),LouisAlexandre von
Bourbon, Herzog von Penthièvre,
Graf von, dritter natürlicher
Sohn
Ludwigs XIV. von der Montespan, geb. 1678, focht 1690 mutig in den
Niederlanden, kämpfte im
Spanischen Erbfolgekrieg 1704 unentschieden
zur See bei Malaga
[* 10] gegen die Engländer und trat dann ins Privatleben zurück. Sein
Vater hatte ihn wie auch die andern
Kinder
der Montespan legitimiert und sogar im Fall des Aussterbens der legitimen
Bourbons für thronfähig erklärt.
Der
Regent Philipp von
Orlèans annullierte diese Bestimmungen, ließ aber dem
Grafen von Toulouse
¶
mehr
seine Würde auf Lebenszeit. Er starb zu Rambouillet.