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(Nordtirol) und Sacco (Südtirol) wurden von 2749
Arbeitern 2139 t
Tabak
[* 2] verarbeitet; der Erlös betrug 3
099
399
Fl.
Handel und Verkehrswesen. Die Zahl der Handelsgewerbe betrug 1890: 13925. Die Lage T.s zwischen Deutschland [* 3] und Italien [* 4] sowie die guten Straßen und Verkehrswege über die Alpenpässe (Brenner, Stilfser Joch, Arlberg, Finstermünzpaß, Ampezzo und Valsugana) begünstigten seit alters her den Handel, der sich namentlich im Mittelalter in großartiger Weise in Tirol [* 5] entwickelte. Tirol und Vorarlberg hatten 1895: 4603 km Straßen (darunter 1618 Staatsstraßen), 117 km flößbare und 221 km schiffbare Wasserstraßen, 787 km Eisenbahnen, 1938 km Telegraphenlinien und 6996 km Drähte sowie 424 Postämter und 180 Telegraphenstationen.
Hauptgegenstände der Ausfuhr sind: Rindvieh, Käse, Schmalz, Kräuter, Wein, Obst, Teppiche, Seide [* 6] und Seidenwaren, Eisenwaren, Schleif- und Mühlsteine, [* 7] Marmorarbeiten, Holz [* 8] und Holzwaren. Jährlich wandert eine nicht geringe Anzahl von Tirolern in die benachbarten Länder, wo sie entweder durch Handel mit Gegenständen verschiedenster Gattung, Bildern, Decken, Holzwaren, Handschuhen, Vögeln u. s. w., oder als Handwerker sich ein kleines Vermögen zu erwerben suchen, das sie in ihre Heimat zurückbringen. Die Verkehrspunkte sind Innsbruck, [* 9] Bozen, [* 10] Trient [* 11] und Rovereto.
Unterrichts- und Kirchenwesen. Für Unterricht sorgen in Tirol und
Vorarlberg (1895) 1747
Volksschulen mit 142
738
Schülern, 10 Gymnasien, 4 Realschulen, 4
Lehrer-
und 4 Lehrerinnenbildungsanstalten, die
Universität in
Innsbruck, ferner 17 theol. Lehranstalten, 3 Schulen
für
Land- und Forstwirtschaft, 4 Handelslehranstalten, 2
Staatsgewerbeschulen, 17 gewerbliche Fachschulen, 1 allgemeine Handwerkerschule, 22 gewerbliche
Fortbildungsschulen, 4
Musik- und Gesangschulen u. s. w. Weiter bestehen in
Innsbruck ein Nationalmuseum (Ferdinandeum), eine
Landwirtschaftsgesellschaft, in Rovereto eine Gelehrtengesellschaft. In Tirol bestehen zwei
röm.-kath. Fürstbistümer zu
Brixen und
Trient, 279 Pfarreien mit 1969 Weltgeistlichen, 53 Mönchs- und 32 Nonnenklöster
mit 1239 und 2580 Ordensmitgliedern. Das Stammvermögen der Domkirchen beträgt 113
000
Fl., der
Bistümer 1
258
000
Fl., der Domkapitel 602
000
Fl., der Pfarr- und sonstigen
Kirchen 14
884
300
Fl., der Kuratpfründen 10
498
000
Fl. und der
Stifte und Klöster 5
307
419
Fl.
Salzburg
* 12 Salzburg.Verfassung und Verwaltung. Die gegenwärtige Landesverfassung T.s gründet sich auf die Landesordnung und Landtagswahlordnung vom Der Landtag ist aus 68 Mitgliedern zusammengesetzt, nämlich aus dem Fürst-Erzbischof von Salzburg [* 12] (dessen Sprengel sich auf einen Teil T.s erstreckt), den Fürstbischöfen von Trient und Brixen, dem Rektor der Universität Innsbruck, 4 Abgeordneten der Äbte und Pröpste, 10 Abgeordneten des adligen großen Grundbesitzes, 13 Abgeordneten der Städte und andern größern Orte, 3 Abgeordneten der Handels- und Gewerbekammern zu Innsbruck, Bozen und Rovereto und 34 Abgeordneten der Landgemeinden.
Die Abgeordneten werden auf sechs Jahre gewählt, und der Landtag tritt jährlich einmal in Innsbruck zusammen. Den Landtagspräsidenten (Landeshauptmann) ernennt der Kaiser. Vorarlberg hat seine besondere Verfassung und seinen eigenen Landtag. Nach dem neuen Wahlgesetz von 1896 sendet in das österr. Abgeordnetenhaus 21 Vertreter, und zwar 5 Abgeordnete des großen Grundbesitzes, 5 der Städte, Märkte und Handels- und Gewerbekammern zu Innsbruck, Bozen und Rovereto, 8 der Landgemeinden und 3 der allgemeinen Wählerklasse (gewählt durch allgemeines Stimmrecht).
Das Land zerfällt in 4 Städte mit eigenem Statut und 21 Bezirkshauptmannschaften:
| Städte und Bezirkshauptmannschaften | qkm | Häuser | Wohnparteien | Einwohner | Einw. auf 1 qkm |
|---|---|---|---|---|---|
| Innsbruck | 3,07 | 842 | 4070 | 23 |
7596 |
|---|---|---|---|---|---|
| Bozen | 0,69 | 586 | 2362 | 11 |
17 |
| Rovereto | 7,91 | 730 | 1847 | 9030 | 1142 |
| Trient | 18,44 | 1227 | 3741 | 21 |
1165 |
------------------
Bezirkshauptmannschaften.
| Ampezzo | 369,76 | 853 | 1245 | 6074 | 16 |
|---|---|---|---|---|---|
| Borgo | 729,13 | 9277 | 9198 | 40 |
56 |
| Bozen (Umgebung) | 1740,29 | 9953 | 14 |
67 |
39 |
| Brixen | 1202,89 | 4240 | 5429 | 27 |
23 |
| Bruneck | 1837,55 | 5238 | 7089 | 34 |
19 |
| Cavalese | 764,82 | 4522 | 5514 | 23 |
31 |
| Cles | 1166,26 | 7289 | 11 |
47 |
41 |
| Imst | 1704,22 | 4124 | 5021 | 22 |
13 |
| Innsbruck (Umgebung) | 2088,34 | 8009 | 11 |
58 |
28 |
| Kitzbühel | 1164,17 | 4532 | 4960 | 23 |
20 |
| Kufstein | 1044,27 | 5644 | 6687 | 31 |
31 |
| Landeck | 1877,56 | 3982 | 5168 | 23 |
12 |
| Lienz | 2149,82 | 4436 | 5261 | 30 |
14 |
| Meran | 2397,79 | 8065 | 13 |
60 |
25 |
| Primiero | 414,85 | 2217 | 2586 | 10 |
26 |
| Reutte | 1096,08 | 3527 | 3640 | 15 |
14 |
| Riva | 353,34 | 4310 | 6634 | 25 |
73 |
| Rovereto (Umgebung) | 718,69 | 10 |
10 |
52 |
73 |
| Schwaz | 1651,11 | 5471 | 5373 | 27 |
17 |
| Tione | 1226,77 | 6356 | 9227 | 35 |
29 |
| Trient (Umgebung) | 956,53 | 14 |
17 |
83 |
83 |
Wien
* 13 Wien.An der Spitze der polit. Verwaltung von Tirol und Vorarlberg steht der Statthalter in Innsbruck. Das Gemeindewesen ist durch die Gemeindeordnung vom geregelt. Für die Rechtspflege in oberster Instanz besteht der Oberste Gerichtshof in Wien, [* 13] in zweiter Instanz das Oberlandesgericht in Innsbruck für Tirol und Vorarlberg, in erster Instanz das Landesgericht in Innsbruck, die 4 Kreisgerichte in Bozen, Trient, Rovereto und Feldkirch, endlich 72 Bezirksgerichte (darunter 5 städtisch delegierte in Innsbruck, Bozen, Trient, Rovereto und Feldkirch).
Für die Finanzverwaltung besteht die Finanzlandesdirektion in Innsbruck, die Finanzprokuratur ebenda, die Finanzbezirksdirektionen in Innsbruck, Bozen, Trient und Feldkirch, 11 Haupt- und 45 Nebenzollämter, 4 Haupt- und 68 Steuerämter. Ferner besteht in Innsbruck eine Eisenbahnbetriebsdirektion mit 7 Bahnämtern, eine Post- und Telegraphen-, eine Forst- und Domänendirektion, ein Landeskulturrat, ein Gewerbe- und ein Aichinspektor. In militär. Beziehung bildet das Land das 14. Korps (Kommando in Innsbruck) und den Ergänzungsbezirk der vier Tiroler Jägerregimenter und genießt hinsichtlich der Landesverteidigung (Tiroler Landesschützen) besondere Vorrechte. Das Wappen der Grafschaft zeigt in silbernem Felde einen roten, einköpfigen gekrönten Adler [* 14] mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und mit goldenen Klauen. Auf dem Schilde ein Fürstenhut. [* 15] (S. Tafel: Wappen [* 16] der Österreichisch-Ungarischen Kronländer, [* 1] Fig. 6.) Die Landesfarben sind Weiß-Rot.
Tiroler Eisenbahn - Ti
* 17 Seite 65.865.Geschichte. Tirol wurde anfangs von den Rätern (s. Rhätien) und von Kelten bewohnt. Unter dem Kaiser Augustus wurde es von den Römern ¶
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erobert, die sich um den Anbau des Landes verdient machten. 476 kam es unter die Herrschaft der Ostgoten. Als diese 552 zertrümmert wurde, fiel der südl. Teil T.s in die Gewalt der Langobarden, der nördliche wurde von den Bajoariern (Bayern) [* 18] besetzt. Mit Bayern wurde Tirol im 8. Jahrh. von den Franken unterworfen, die es, gleich andern fränk. Landen, durch verschiedene Grafen verwalten ließen. Nach der Wiedereinsetzung bayr. Herzoge im 10. Jahrh. standen unter diesen auch die Grafen Nordtirols, während die ehemals langobard.
Burgen
* 21 Burgen.Grafschaft Trient, die nordwärts bis gegen Bozen und Meran [* 19] reichte, zur Mark Verona [* 20] gerechnet wurde. Konrad II. gab 1027 dem Bischof von Trient die Grafschaften Trient, Bozen und Vintschgau, dem Bischof von Brixen die Grafschaft im Eisackthale nordwärts von Klausen und im Unterinnthale bis zum Ziller zu Lehn. 1091 wurde der letztere auch noch mit der Grafschaft Pusterthal belehnt. Aber die Bischöfe verliehen diese Gebiete wieder meist an weltliche Große. So erhielt ein Adliger Namens Adalbert, dessen Söhne sich seit 1140 von einer ihrer Burgen [* 21] Grafen von Tirol nannten, um 1130 vom Bischof von Trient die Grafschaft Vintschgau und vom Bischof von Brixen die Grafschaft im Eisackthal.
Die Grafschaften im Unterinn- und Pusterthal kamen um 1165 an die besonders in Bayern begüterten Grafen von Andechs (s. d.), die nach 1180 den Titel Herzog von Meranien erhielten. Als das Haus der Andechser 1248 im Mannsstamm erlosch, kamen dessen tirol. Besitzungen an den Grafen Albert von Tirol, nach dessen Stammburg es von nun an genannt wurde. Nach seinem Tode (1253) kam an seine Schwiegersöhne Meinhard, Grafen von Tirol, und Gebhard, Grafen von Hirschberg, [* 22] dessen Gemahlin aber kinderlos starb, so daß Meinhards I. Sohn Meinhard II., der 1286 Herzog von Kärnten ward, auch das Erbe des letztern erwarb. Seine Enkelin Margareta Maultasch (s. d.) trat 1363 Tirol den Herzögen von Österreich [* 23] ab. 1803 wurden auch die bisher dem Namen nach reichsunmittelbaren, thatsächlich aber von Tirol abhängigen Gebiete der Bischöfe von Brixen und Trient von Österreich erworben.
Durch den Preßburger Frieden 1805 wurde in diesem Umfange an Bayern überlassen, was 1809 zu einer blutigen Erhebung des Volks, dessen heroische Vorkämpfer Hofer (s. d.) und Speckbacher (s. d.) waren, gegen die Bayern und Franzosen führte. (S. Französisch-Österreichischer Krieg von 1809.) Nach dem Frieden zu Schönbrunn ward Südtirol bis in die Nähe von Klausen und Meran an das Königreich Italien und der östl. Teil des Pusterthals an die neu geschaffene Provinz Illyrien abgetreten.
Diese beiden Teile wurden 1814 von Österreich erobert und der bayr. Anteil in demselben Jahre von Bayern wieder an Österreich zurückgegeben, das hierauf auch die salzburgischen eingeschlossenen Landesteile, das Ziller- und Brixenthal und Windisch-Matrei, damit vereinigte. Mit der durch das Februarpatent von 1861 festgestellten neuen Ordnung der österr. Verhältnisse konnte sich Tirol nicht sogleich befreunden; namentlich die Gleichstellung der Protestanten traf auf Widerstand, so daß ein Gesetz vom die Bildung prot.
Gemeinden von der Einwilligung des Landtags abhängig machte. Die immer mehr wachsende ital. Partei, die die Trennung Welschtirols von Deutschtirol, teilweise wohl auch den Anschluß des erstern an Italien anstrebte, hielt sich lange Zeit dem Landtage fern. Die Wahlen von 1889 brachen die lange Alleinherrschaft der Klerikalen im Landtage, da die Italiener sich mit den deutschen Liberalen verbanden. Dies Bündnis war jedoch nur von kurzer Dauer, da die Regierung die Anträge der Welschtiroler auf eine Trennung T.s zurückwies, worauf sich diese wieder vom Landtage fern hielten, so daß die Majorität der Klerikalen abermals wiederhergestellt wurde. So sah sich die Regierung gezwungen, durch zahlreiche Konzessionen an die Kirche 1892 endlich die Einführung des Reichsratschulgesetzes zu erkaufen. (S. Österreichisch-Ungarische Monarchie, Geschichte.)
Litteratur. Außer den Schriften von Hormayr und Steub vgl. Beda Weber, Das Land Tirol (3 Bde., zuerst anonym, Innsbr. 1837-38; 2. Aufl. als Handbuch für Reisende in Tirol, 1853);
Staffler, Tirol und Vorarlberg (2 Bde., ebd. 1839-46);
ders., Das deutsche Tirol und Vorarlberg (2 Bde., 1847);
Tinkhauser, Topogr.-histor.-statist.
Beschreibung der Diöcese Brixen (2 Bde., Brixen 1855 fg.);
Schneller, Landeskunde von Tirol (Innsbr. 1872);
Hörmann, Tiroler Volkstypen (Wien 1877);
Weidmann, Handbuch für Reisende durch Tirol und Vorarlberg (Lpz. 1858);
Jüttner, Die gefürstete Grafschaft Tirol und Vorarlberg (Wien 1880);
Egger, Die Tiroler und Vorarlberger (Teschen 1882);
Amthor, Führer durch Tirol (8. Aufl., Lpz. 1897);
Achleitner, Tirol und Vorarlberg (ebd. 1894-95). -
Tirolische Geschichtsquellen (3 Bde., Innsbr. 1867-91);
Huber, Geschichte der Vereinigung T.s mit Österreich (ebd. 1864);
Egger, Geschichte T.s von den ältesten Zeiten bis in die Neuzeit (3 Bde., ebd. 1872-80);
Jäger, Geschichte der landständischen Verfassung T.s (2 Bde., ebd. 1881-85);
Krones, Tirol 1812-16 und Erzherzog Johann von Österreich (ebd. 1890).