Bericht über seine Verhandlungen veröffentlichte.
Bei denWahlen zur Nationalversammlung ward Thiers von der legitimistisch-orléanistischen
Partei an 26 Orten gewählt. Nach Eröffnung der Versammlung zu
Bordeaux
[* 2] wurde er 17. Febr. zum
Chef der Exekutive gewählt, worauf
er als seine erste
Aufgabe den Friedensschluß in
Angriff nahm. In
Begleitung des Ministers
Favre reiste
er selbst nach Versailles
[* 3] und unterzeichnete 26. Febr. die Friedenspräliminarien. Kaum war auf seinen
Vorschlag10. März der Beschluß
gefaßt, den Sitz der Nationalversammlung nach Versailles zu verlegen, als 18. März der
Aufstand der Commune ausbrach (s.
Paris).
[* 4] Seiner Entschlossenheit gelang es, die
Erhebung örtlich zu beschränken
und sie durch etwa 120000 Mann
unter dem Marschall Mac-Mahon in kurzer Zeit niederzuwerfen.
Am10. Mai wurde der endgültige Friede mit
Deutschland
[* 5] in
Frankfurt
[* 6] a. M. unterzeichnet. Thiers' nächstes Ziel war nun, das Land
möglichst bald von der Occupation zu befreien und die
Kriegskosten aufzubringen, was ihm noch
vor der
im Frieden festgesetzten Zeit gelang. Am 31. Aug. wurde er zum Präsidenten der
Französischen Republik auf drei Jahre ernannt.
Das Wichtigste, was unter seiner Präsidentschaft geschaffen wurde, war die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.
Die monarchischen Parteien aber sahen sich durch Thiers getäuscht, da dieser an die Nationalversammlung, als
sie wieder zusammentrat, eine
Botschaft richtete, worin er die endgültige Proklamierung der Republik und verschiedene
Verfassungsänderungen befürwortete. Die gesamte monarchisch-klerikale
Rechte beschloß daher seinen
Sturz. Da Thiers bei der
Neubildung des
Kabinetts die Minister ausschließlich aus den Reihen der Republikaner nahm, so brachten die
Monarchisten 19. Mai eine Interpellation über die
Bildung des Ministeriums ein und setzten nach heftigen
Debatten23. Mai mit 360 gegen 344
Stimmen
ein Tadelsvotum gegen das Ministerium durch.
Darauf zeigte Thiers seinen Rücktritt von der Präsidentschaft an. Mit 368 gegen 339
Stimmen wurde seine Demission genehmigt.
Aufs neue zog sich Thiers vom öffentlichen Leben zurück und betrat nur noch einmal die
Rednerbühne, um gegen
die Herabsetzung der militär. Dienstzeit zu sprechen. Die
Wahl zum Senator lehnte er ab und nahm die eines
Abgeordneten
des 19.
Pariser Wahlbezirks 20. Febr. an. Nach der Einsetzung des Broglieschen Ministeriums unterschrieb
er das von Gambetta verfaßte
Manifest der 363 an die Nation. Thiers starb zu St. Germain-en-Laye.
Statuen von ihm wurden
zu Nancy
[* 7] 1879 und zu St. Germain-en-Laye 1880 enthüllt. Thiers' «Discours
parlamentaires» (15 Bde., Par.
1879-83) wurden von
Calmon veröffentlicht.
Vgl. Laya, Études historiques sur la vie privée, politique et litteraire de Monsieur
[* 8] Thiers, 1830-46
(2 Bde., Par. 1846);
ders., Histoire populaire de Monsieur Thiers (ebd. 1872);
Richardet, Histoire de la présidence de Thiers (ebd.
1875);
Eggenschwyler, Thiers' Leben und Wirken (Bern
[* 9] 1878);
J.
Simon, Le
[* 10] gouvernement de Monsiseur Thiers (2 Bde.,
Par. 1878);
Auch bei der Konkurrenz um das deutsche Reichstagsgebäude in
Berlin
[* 19] (1883) erhielt sein
Plan einen ersten Preis, doch wurde
der ebenfalls mit einem ersten Preise gekrönte
Entwurf Wallots ausgeführt. 1881 bereiste er
Konstantinopel
[* 20] und
Kleinasien, 1884
Ägypten
[* 21] und
Syrien. Noch sind von seinen Bauten zu nennen: die Renovierung des alten Rathauses zu
Lindau
[* 22] (1885-87), mehrere Wohn- und Geschäftshäuser in
München, der Umbau des Kunstvereinsgebäudes (1890),
das neue Justizgebäude
(begonnen 1891). Gemeinschaftlich mit dem Bildhauer W. Rümann schuf er einen
Brunnen
[* 23] zu
Lindau (1884),
das Monument der bei Wörth
[* 24] gefallenen
Bayern
[* 25] (1889), den Luitpoldbrunnen zu
Landau
[* 26] i.
Pf. und andere
Denkmäler. In Gemeinschaft
mit Fr. Habich bewerkstelligte er 1894 den Umbau und die Erweiterung des von
Albert Schmidt erbauten Löwenbräukellers in
München.
Friedr. Wilh.,Philolog, geb. zu Kirchscheidungen bei Freyburg
a. d.
U., studierte
in
Leipzig
[* 27] und Göttingen
[* 28] und erhielt hier eine Lehrerstelle am Gymnasium, nachdem er sich 1808 bei der
Universität habilitiert
hatte. 1809 als Professor an das neu eingerichtete Gymnasium zu
München berufen, wurde er der Begründer der philol.
Studien in
Bayern (praeaceptor
Bavariae).
Bei den damaligen, von
Christoph von
Aretin ausgehenden Streitigkeiten und
Parteiungen gegen die angestellten
Ausländer wurde Thiersch wegen seiner
Schrift«Über die angenommenen Unterschiede zwischen
Süd-
und Norddeutschland» (Lpz. 1810) heftig angefeindet, und es ward sogar ein
Mordversuch auf ihn gemacht.
Das von ihm gestiftete PhilologischeInstitut wurde 1812 mit der
Akademie und bei Verlegung der
Universität
nach
München mit dieser vereinigt.
Wie er sich 1813 bei dem Befreiungskämpfe mannigfach thätig zeigte, so bewies er auch
die wärmste
Teilnahme für die Wiedergeburt
Griechenlands und trug besonders während seines Aufenthalts in
Griechenland 1831 und 1832 dazu
bei, dort eine günstige Stimmung für
Deutschland, vornehmlich für
Bayern, hervorzurufen.
Hierauf bezieht sich das wichtige Werk
«De l'état actuel de la Grèce et des moyens d'arriver
à sa restauration» (2 Bde.,
Lpz. 1833). 1837 rief er bei dem Universitätsjubiläum zu Göttingen die regelmäßigen Versammlungen
der Schulmänner und
Philologen ins Leben. 1848 wurde er Präsident der
BayrischenAkademie der Wissenschaften.
Er starb Seine wissenschaftlichen Bestrebungen bekunden unter anderm die
«Acta philologorum Monacensium», Bd.
1-3
(Münch. 1811-26),
die «Griech.
Grammatik, vorzüglich des Homerischen Dialekts» (3. Aufl., Lpz.
1828),
Thiersch (Heinrich Wil
* 29 Seite 65.785.
von der ein
Auszug als «Schulgrammatik» (4. Aufl., ebd.
1854) erschien; ferner die Bearbeitung des
Pindar (2 Bde., ebd. 1820) und die
Schrift«Über die Epochen
der bildenden Kunst unter den Griechen» (2. Aufl.,
Münch. 1829). Vielseitiges Interesse bietet seine
«Allgemeine Ästhetik
in
¶
mehr
akademischen Lehrvorträgen» (Berl. 1846). Ferner schrieb er: «Über gelehrte Schulen, mit besonderer Rücksicht auf Bayern»
(3 Bde., Stuttg. und Tüb.
1826-37) und «Über die neuesten Angriffe auf die Universitäten» (Stuttg. und Tüb. 1837). Sein Schulplan
für die bayr. Gymnasien und lat. Schulen (mit Schelling 1829 entworfen)
kam nur in verkümmerter Gestalt zur Ausführung. Streit entzündete Thiersch durch die Schrift«Über den gegenwärtigen
Zustand des öffentlichen Unterrichts in den westl. Staaten von Deutschland, in Holland, Frankreich und Belgien»
[* 30] (3 Bde., Stuttg.
und Tüb. 1838). - Vgl. Heinr. Thiersch, Friedrich T.s Leben (2 Bde., Lpz.
1866).
Sein BruderBernhard Thiersch, geb. zu Kirchscheidungen, wurde 1817 Oberlehrer
zu Gumbinnen,
[* 31] 1818 zu Lyck
[* 32] in Ostpreußen,
[* 33] 1823 am Gymnasium zu Halberstadt,
[* 34] 1832 Direktor des Gymnasiums zu Dortmund.
[* 35] Er
starb emeritiert zu Bonn
[* 36] Als Philolog ist er durch Schriften über die Homerische Frage sowie durch seine mit F.
Ranke begonnene Ausgabe des Aristophanes, Bd. 1 u. 6 (Lpz. 1830), bekannt. Er ist der Dichter des «Preußenliedes».
Heinrich Wilh. Josias, prot. Theolog, später Anhänger des Irvingianismus (s. Irvingianer), Sohn von Friedr.
Wilh. Thiersch, geb. in München, studierte erst Philologie in München, dann Theologie in Erlangen,
[* 37] wurde 1838 Lehrer
an der Missionsanstalt zu Basel,
[* 38] 1839 Repetent und 1840 Privatdocent in Erlangen, 1843 Professor der Theologie in Marburg. Er neigte
sich mehr und mehr den Bestrebungen der apostolisch-kath. Kirche zu und trat, nach einer Reise nach England, 1850 von seiner
theol.
Professur zurück. Bis 1864 lehrte er in der philos. Fakultät zu Marburg, ging dann als «apostolischer
Hirt für Süddeutschland und die Schweiz»
[* 39] nach München, von wo er 1868 nach Augsburg
[* 40] und 1875 nach Basel
übersiedelte; hier starb
er Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: der gegen die Baursche Kritik gerichtete «Versuch zur Herstellung
des histor. Standpunktes für die Kritik der neutestamentlichen Schriften» (Erlangen 1845),
Unter Thiersch' wissenschaftlichen Arbeiten
sind hervorzuheben: eine Untersuchung über die Entwicklung der innern
Genitalien, die für die Lehre vom Hermaphroditismus von Einfluß wurde (in Rubners «Mediz. Zeitschrift»,
Bd. 1, 1852);
eine Experimentaluntersuchung über die Infektionsfähigkeit der Cholera, über die er in der 1867 von der Französischen Akademie
gekrönten Schrift «Infektionsversuche an Tieren mit dem Inhalt des Choleradarms» (Münch. 1856) berichtete;
ferner sein Werk «Der Epithelialkrebs namentlich der Haut»
[* 43] (Lpz. 1865, mit Atlas)
[* 44] und seine Arbeit in Pithas und Billroths «Handbuch
der allgemeinen und speciellen Chirurgie» (Stuttg. 1867), über die feinern anatom.
Veränderungen verwundeter Weichteile, sowie verschiedene Abhandlungen besonders auf dem Gebiete der plastischen Chirurgie.
-
Ludw., Maler, geb. zu München, jüngster Bruder der beiden vorigen, machte seine Studien auf der
MünchenerAkademie, erst als Bildhauer unter Schwanthaler, später als Maler unter Julius Schnorr und Karl Schorn. Während eines
dreijährigen Aufenthalts in Rom
[* 45] (1849-52) wandte er seine Aufmerksamkeit besonders den ältern Meistern,
namentlich auch den alten Mosaiken in den KirchenRoms zu. Im Herbst 1852 ging er nach Athen,
[* 46] wo er eine Professur der Malerei
an der Kunstschule erhielt. 1855 in die Heimat zurückgekehrt, folgte er 1856 einem Rufe nach Wien, wo er den Plafond
der griech. Kirche am Fleischmarkt mit Fresken schmückte; 1860-64 führte er zu Petersburg
[* 47] in den Kapellen der Paläste der
GroßfürstenMichael und Nikolaus in stereochromischer Manier umfangreiche Gemälde auf Goldgrund aus.
Seit 1864 zu München lebend, malte er: Charon
[* 48] der Seelenführer, Triumphzug des Bacchus, Klage der Thetis um Achilles (Baron
Sina in Wien), Altarbilder für die prot. Kirchen in Kempten
[* 49] und München und Predigt Pauli in Athen (Rathaus zu Athen), Alarich
bei einem Gastmahl in Athen (jetzt in Neuyork).
[* 50] 1880 erhielt Thiersch den Auftrag, für die neue griech. Kirche in London
[* 51] mehrere Gemälde
zu malen, darunter das Ölbild Christus als Kinderfreund. Hierauf folgten die Ölgemälde Sieg Christi
über die Macht der Finsternis, Orpheus
[* 52] von Eurydice getrennt, Christus auf dem Leidenswege und andere Bilder mytholog. Inhalts. 1891 erhielt
er den Auftrag, für die neu erbaute griech. Kirche in Paris die Ikonostasbilder zu malen. 1893 malte er einen segnenden Christus
für die prot. Kirche in Reichenhall, 1894 eine Himmelfahrt Christi für die Kapelle des syr. Waisenhauses
in Jerusalem
[* 53] und 1895 Christus im Gebet zu Gethsemane für die prot. Markuskirche in München. Thiersch lebt in München.