631 dann speciell als
Name der im
RussischenReiche wohnenden
Türken.
Über den tatar. oder altaischen
Sprachstamm
[* 2] s.
Uralaltaische Völker
und
Sprachen. Die Zahl sämtlicher zum tatar.
Völker- und
Sprachstamm gehörigen Individuen wird auf 34 Mill. angegeben.
Speciell
werden aber auch noch alle westlichen und nördlichen türkisch sprechenden Völkerschaften mit dem
Namen
Tataren belegt, welche wahrscheinlich aus einer mehr oder minder starken Vermischung von Mongolen und
Ugro-Finnen mit türk. Völkern
entsprungen sind und die man deshalb
turko-tatarische Völkerschaften nennt. Es sind dies die Krimtataren, die das
Leibgarde-Krim-Tatarenkommando
(s.
Leibgarde-Kosaken) stellen, die Tataren des
Kaukasus, bekannt unter dem
Namen der Nogaier (s. d.), Kumüken
u. s. w.; die Wolgatataren, die türk.
Stämme an der untern Wolga und am
Ural, mit vielen ihren Wohnplätzen entnommenen Specialbenennungen,
wie kasansche, ufische Tataren u. s. w.; die Uraltataren, die
oder TatarischerGolf, Meeresteil, der die
Insel Sachalin vom asiat. Festlande trennt
und das
Japanische Meer mit dem Amurdelta und dem Ochotskischen
Meer verbindet;
seine schmalste
Stelle im N. heißt die Mamiastraße.
russ. Taty (eigentlich «ansässige Leute»,
im Gegensatz zu Nomaden), eine Völkerschaft pers. Herkunft im russ.
Generalgouvernement
Kaukasien, 111000 Seelen, hauptsächlich in den Gouvernements
Baku, Jelisawetpol und in einem
TeilDagestans
wohnend.
einer der Apologeten (s.
Apologie), stammte aus
Assyrien und lebte als Rhetor zu
Rom.
[* 4] Durch Justinus den Märtyrer
ums J. 150 zum
Christentum bekehrt, verfaßte er seine «Rede an die Griechen», eine
der wichtigsten apologetischen
Schriften jener Zeit. Außerdem verfaßte er unter dem
Namen «Diatessaron» die älteste
Evangelienharmonie
(s. d.). Obwohl er, wie es scheint, mit der kath.
Kirche seiner Zeit in steter Gemeinschaft blieb, neigte er doch zu gnostischenAnsichten hin (s. Enkratiten)
und huldigte einer strengen
Ascese. –
(spr. -tiuh), kleine befestigte, zum franz. Depart.
Manche gehörige
Insel im
Kanal
[* 8] östlich von Cherbourg,
[* 9] schützt den
Hafen von St.
Vaast und hat seit 1894 eine zoolog.
Station.
Wassilij Nikititsch, russ.
Historiker, geb. 1686, bildete sich in der
MoskauerArtillerie- und Ingenieurschule,
hielt sich 1713/14 in
Deutschland
[* 10]
auf und entwickelte später eine vielseitige administrative und
wissenschaftliche Thätigkeit
(als Direktor der
Bergwerke im
Ural,
Administrator von Orenburg, Gouverneur von
Astrachan,
Historiker, Geograph). 1740 wurde er
unter Elisabeth seines Gouverneurpostens in
Astrachan entsetzt. Er starb 1750. Seine
«Russ. Geschichte» (Bd. 1‒3, hg. von
G. F.
Müller, Mosk. 1768‒94; Bd. 4,
Petersb. 1784; Bd. 5, hg. von
M. Pogodin, Mosk. 1848), bis zur Regierung
Alexej Michajlowitsch reichend, ist kein pragmatisches Geschichtswerk, sondern
mehr eine kritische Vergleichung der
Chroniken mit Anmerkungen theol.-philos. und polit.
Inhalts, die seine Vertrautheit mit den
Schriften Hobbes’,
Bayles, Lockes, Pusendorfs u. s. w. zeigen.
Besonders wertvoll ist das Werk durch die vielen
Auszüge aus zum
Teil später verloren gegangenen
Quellen. Außerdem schrieb
Tatischtschew 1739 ein
«Testament» (Duchovnaja) an seinen Sohn, das Lebensregeln für alle
Lebensalter und Lebensverhältnisse enthält.
(Vgl.
Brückner, Zur Geschichte der didaktischen Litteratur in
Rußland im 18. Jahrh., in der «Russ.
Revue»,
Bd. 9.) Handschriftlich erhalten ist das «Gespräch
zweier Freunde über den Nutzen der Wissenschaft und Schulen».–
Vgl. Popow, Tatischtschew und seine Zeit (Mosk. 1861);
Achilles, griech. Romanschreiber, s.Achilles Tatius. ^[= griech. Romanschreiber im 5. Jahrh. n. Chr., war aus Alexandria gebürtig und wohnte wohl auch ...]
Titus, zog nach der röm. Sage als König der
Sabiner von Cures (s. d.) nach dem Raube der Sabinerinnen gegen
Romulus, besetzte den
Quirinal und dann durch den Verrat der
Tarpeja (s. d.) die kapitolinische
Burg und herrschte nach Beilegung
des
Krieges fünf Jahre mit
Romulus gemeinsam über den Doppelstaat der
Römer-Quiriten, bis er bei einem
feierlichen Opfer zu Lavinium von Laurentern, die er beleidigt hatte, erschlagen wurde. Bei der
Vereinigung des sabinischen
mit dem latinischen
Stamm soll der sabinische von ihm den
NamenTities erhalten haben. Eine Priesterschaft, die Sodales Titii
, die man von ihm eingesetzt glaubte, brachte ihm jährlich Totenopfer auf dem Aventin, wo man sein
Grab
zeigte.
Tättowieren, Tattuieren (vom tahitischen tatau), das Hervorbringen farbiger Zeichnungen auf der
Haut
[* 11] durch
Einritzen mit einem scharfen
Instrument und Nachreiben mit einem Farbstoff. Das
Instrument ist meist ein
Dorn, ein kammartig
geschnitztes Holz
[* 12] oder eine Eisenspitze.
Streitig ist, ob das Tätowieren ursprünglich nur zum Körperschmuck
diente, oder ob religiöser
Aberglaube dabei mit im
Spiele ist. Im Laufe der
Entwicklung wurden bei vielen Völkern die anfangs
einfachen Zeichnungen immer kunstvoller und ihre Ausführung
Monopol der Priester. Sie dienen dann zur Unterscheidung der
Stämme (s.
Totem), der Familien und des Ranges, zum Andenken an merkwürdige Ereignisse und zum Zeichen
geschlossener Bündnisse. Die vielfach bereits ausgestorbene
Sitte hat sich noch erhalten bei den Indianern Nord-,
Mittel-
und
Südamerikas, den
Australiern, Polynesiern und Mikronesiern,
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