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Das Verpacken (Paketieren) des nunmehr fertigen Rauchtabaks wird gegenwärtig, wo fast alle bessern Rauchtabaksorten in Paketen von bestimmtem Gewicht in den Handel gebracht werden, fast nirgends mehr mit der Hand [* 2] ausgeführt, sondern mittels besonderer Tabakpaketiermaschinen, für Hand- oder Maschinenbetrieb; das Abwiegen des Tabak, [* 3] Einfüllen in den Trichter und das Zulegen der Papierhülsen muß dabei aber auch noch mit der Hand ausgeführt werden. Bei der in [* 1] Fig. 3 abgebildeten Paketiermaschine wird der Tabak mittels der Trichter T in die vier Formen F eingefüllt.
Durch Andrücken des Hebels H bewegen sich die vier Stempel S gleichzeitig nieder, wodurch die Pakete geformt werden. Bei Bethätigung des kleinen Hebels h kommen die vier Trichter T empor und durch Zurückziehen des großen Hebels H drehen sich die Excenter [* 4] p, wodurch die vier Pakete aus den Formen herausgedrückt werden. In großen Fabriken werden die einzelnen Maschinen durch ein System von Elevatoren miteinander verbunden. Während die fein geschnittenen Tabak für die Cigarettenfabrikation dienen oder zum Rauchen in kurzen Thon- und Holzpfeifen (Bruyèrepfeifen) bestimmt sind, werden grob geschnittene Tabak und solche, die mit einer Rippenmischung versehen sind, in den deutschen Pfeifen mit großen Porzellanköpfen geraucht.
Schlesien
* 5 Schlesien.Namentlich in Süddeutschland und am Rhein sind die Rauchtabake mit Rippenmischung beliebt; gewöhnlich werden süße Virginiarippen bis zu 60 Proz. beigemischt; das Aroma derselben verbessert wesentlich den Geruch der geringern deutschen Tabak. Am Rhein und in Schlesien [* 5] kommt der für die Pfeifen bestimmte Tabak auch als Rollentabak in den Handel, und der Konsument schneidet sich seinen Bedarf von der Rolle selbst ab. Dem Verspinnen zu Rollen [* 6] geht in der Regel das Auslesen der schonen, als Deckblatt geeigneten Blätter voraus.
Die übrigen legt man in sog. Puppen zusammen, umgiebt sie mit dem Deckblatt und bringt sie auf den Spinntisch, an welchen sich die der gewöhnlichen Seilerwinde gleichende Spinnmühle anschließt. Nachdem der Arbeiter die erste Puppe an einem Haken des Haspels mit Bindfaden befestigt und aus freier Hand den Anfang des Tabakseiles gedreht hat, setzt er an die Spitze desselben eine zweite Puppe, setzt die Maschine [* 7] in Bewegung, welche dann das Spinnen [* 8] der angefangenen Puppe fortsetzt, bis das Seil die Länge des Spinntisches erreicht hat, worauf er es vom Haken abnimmt und auf der Winde [* 9] zu einer Rolle formt. In größern Fabriken benutzt man besondere Tabakspinnmaschinen (eine der bekanntesten ist die englische von Andrew), welche weniger Bedienung erfordern.
Der gesponnene Tabak wird gepreßt und kommt in Ballen verpackt in den Handel. Im allgemeinen gestattet die Fabrikation des Rauchtabaks die Verarbeitung von geringwertigern Sorten als die der Cigarren, obwohl auch, abgesehen von den feinen türkischen Tabak, edle Blätter amerik. Herkunft (Varinas u. s. w.) benutzt werden. Bedeutendere Fabrikationsorte für Rauchtabak sind Berlin, [* 10] Dresden, [* 11] Offenbach, [* 12] Bamberg, [* 13] Gießen, [* 14] Cassel, Hanau, [* 15] Rees, Emmerich, [* 16] Amsterdam, [* 17] Rotterdam, [* 18] Antwerpen, [* 19] Valencia, [* 20] Saratow u. a. m.
Messer - Messerscheide
* 21 Messer.Bei der Herstellung des Schnupftabaks bedient man sich zum Zerkleinern der gebeizten Tabakblätter und der Karotten der Rundmessermaschine [* 1] (Fig. 6), auf der sich 24 Rundmesser auf einer Hirnholzbahn, einzeln durch Stangen geführt, herumdrehen. Entsprechende Abstreicher bringen den Tabak immer wieder unter die Messer. [* 21] Der gleiche Prozeß kann auch durch das Stempelwerk [* 1] (Fig. 7) erreicht werden. Der Tabak wird dabei in die Holzkübel gebracht und durch Fallmesser, die durch Hebedaumen gehoben werden, zerkleinert. Beim Heben erfahren die Messer zugleich eine kleine Drehung, so daß sie beim nächsten Fallen [* 22] eine andere Schnittrichtung nehmen. Zum Mahlen des Tabak bedient man sich der sogenannten franz. Tabakmühlen [* 1] (Fig. 8) und nennt die Arbeit auch Rapieren, den geriebenen Tabak Rapé.
Die Mühlen [* 23] können durch einfache Stellvorrichtungen für feuchten, naturfeuchten, fermentierten und trocknen Tabak benutzt werden und beruhen im allgemeinen darauf, daß ein an seinem Umfange mit Messern besetzter Conus sich in einer Schüssel bewegt, deren Innenseite ebenfalls mit Messern besetzt ist. Die einander gegenüber stehenden Messer wirken scherenartig, und dadurch, daß der Conus keine vollständige Kreisbewegung macht, sondern sich vor- und rückwärts dreht, wird eine Verstopfung der Mühle vermieden. Für Karotten hat man eine besondere Karottenrapiermaschine [* 1] (Fig. 9) konstruiert, bei der die Karotten durch ihr Eigengewicht auf eine rotierende, mit Sägeblättern besetzte Reibtrommel drücken, während sie sich dabei um ihre eigene Achse drehen. (S. auch Schnupftabak.)
Maschinen für die Tabakfabrikation liefern Offenbach (Ferd. Flinsch, W. Fredenhagen), Varel (A. Heinen), Köln [* 24] (W. Quester), Solingen, [* 25] Berlin (Cohn & Cie.), London [* 26] (Fox und R. Legg), Stockport (Andrew) u. a.
Über die Herstellung der Cigarren, der Cigaretten und des Kautabaks s. diese Artikel.
Geschichtskarten von D
* 27 Deutschland.Im J. 1893 waren in Deutschland [* 27] 9755 Betriebe mit 138 114 Arbeitskräften (darunter 76 355 weibliche) mit der Herstellung von Tabakfabrikaten beschäftigt. Die Tabakfabrikate waren Cigarren (7247 Betriebe, 119 757 Arbeiter), Cigaretten (138, 2569), Kautabak (56, 3000), Schnupftabak (641, 1106), Rauchtabak (279, 4583), verschiedene Fabrikate (1394, 6999). Außerdem waren 23 407 Arbeitskräfte in der Hausindustrie beschäftigt.
Tabakverfälschung. Der Tabak und dessen Fabrikate sind vielfachen Verfälschungen, wie z. B. mit Runkelrübenblättern, Rhabarber, Huflattich, Kartoffelkraut u. s. w., unterworfen. Cigaretten aus dem Orient enthalten häufig Zusätze von Opium, und orientalische Tabak sind nicht selten mit Blättern von Bilsenkraut, Stechapfel oder Tollkirsche gemengt. Das Reichsgesetz, betreffend die Besteuerung des Tabak, vom untersagt in §. 27 die Verwendung von Tabaksurrogaten bei der Herstellung von Tabakfabrikaten; doch kann der Bundesrat Ausnahmen hiervon gestatten, so z. B. Wegerichblätter. Viel stärker als Rauchtabak unterliegt Schnupftabak der Verfälschung; man findet darin außer fremden Blättern auch Glaspulver, Sand, Lohe-, Holz- und Torfteilchen u. s. w. Hygieinisch bedeutsam ist ein Gehalt des Schnupf- oder Kautabaks an Blei [* 28] und Zinn, der aus der Verpackung herrührt und Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann; Bleiverpackung ist daher vielfach staatlich verboten.
Tabak
* 29 Seite 65.577.Medizinisches und Chemisches. Der mediz. Gebrauch des Tabak hat fast ganz aufgehört, da kleine Gaben bei dem an Tabak gewöhnten Körper ohne Wirkung sind, größere aber nicht rätlich erscheinen, ¶
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indem die dem Tabak eigentümlichen Stoffe: das ätherische Öl Nikotianin (Tabakskampfer) und das flüchtige Alkaloid Nikotin (s. d.), zu den narkotisch-scharfen Giften gehören. Außer jenen giftigen Stoffen enthält der Tabak Eiweiß, einen kleberartigen Körper, Gummi, Harz, Cellulose, zwei organische Säuren, die Äpfel- und die Citronensäure, und Salze, namentlich Kali- und Natronsalze. Das Tabakrauchen bewirkt, nachdem der Ekel und die mit den ersten Versuchen oft verbundenen, an Vergiftungen erinnernden Zufälle, Kopfschmerz, Erbrechen und Durchfall, überwunden sind, eine wohlthuende Anregung des Nervensystems; auch schreibt man ihm Beförderung der Verdauung, Schutz vor miasmatischer Ansteckung und Stillung nervöser Zahnschmerzen zu. Der Tabak stillt überdies auch den Hunger, ähnlich wie Opium und Alkohol. Dem Tabakschnupfen wird Beförderung wohlthätiger Absonderung aus der Nasenschleimhaut, Erleichterung bei gewissen Augenübeln, Kopfschmerzen und Stockschnupfen nachgerühmt.
Unmäßiger Tabaksgenuß kann aber eine Reihe krankhafter Zustände, wie Magenkatarrh, Herzklopfen, Gliederzittern und hypochondrische Verstimmung, Schlaflosigkeit und allgemeine Nervenschwäche, ja selbst fortschreitende Lähmung und Erblindung zur Folge haben, während gegen einen mäßigen Genuß des Tabak hygieinisch nichts einzuwenden ist. Sehr schwere Verdauungsstörungen mit psychischen Depressionszuständen werden nicht selten nach übermäßigem Tabakkauen beobachtet.
Krebs (Flußkrebs)
* 30 Krebs.Durch übermäßiges Rauchen und Kauen des Tabak entsteht besonders auch Krebs [* 30] der Mundhöhle, [* 31] z. B. der Zunge. Beim Rauchen des Tabak wird die durch den Zug im Brennen erhaltene Schicht in trockne Destillation versetzt, deren Produkte der Rauchende nebst den Produkten der wirklichen Verbrennung in den Mund einnimmt. Diese Produkte sind Nikotianin, Nikotin, aber nur in sehr geringen Mengen, Zersetzungsprodukte derselben, ein brenzliches Öl, Ammoniak, Cyanwasserstoff, etwas Essigsäure, Buttersäure, Carbolsäure und die gewöhnlichen Gase: [* 32] Kohlensäure, Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoff.
Ganz regelmäßig bilden sich bei der Verbrennung noch die sog. Pyridinbasen (Pyridin, Pikolin und Parvolin), welche sich namentlich in dem Tabaksschmirgel finden und diesem seinen penetranten widerlichen Geruch verleihen. Diese Pyridinbasen sind wahrscheinlich die Ursache der üblen Zufälle, die den ersten Rauchversuchen zu folgen pflegen. Das Kreosot fehlt. Der Salpetergehalt, welcher jedem Tabak natürlich, erleichtert das Brennen und wird daher oft künstlich hinzugefügt.
Mexiko
* 33 Mexiko.Geschichtliches. Den Gebrauch des Tabak als eines Genußmittels fand Columbus 1492 bei den Bewohnern der Insel Guanahani vor, die ihn in cylinderförmigen Rollen, die sie tabacos nannten, rauchten. Auch in Haiti sowie in Yucatan und Mexiko [* 33] war das Tabakrauchen vor Ankunft der Europäer bekannt, nicht aber in Südamerika, [* 34] wo es jetzt allgemein, selbst bei den Ureinwohnern verbreitet ist. Bei den Indianern Nordamerikas war die Sitte sehr alt, wie die noch häufig aufgefundenen Pfeifen beweisen. In Europa [* 35] wurde der Tabak anfangs nur als Zierpflanze gebaut, bis sie Nicolo Menardes als Arzneipflanze [* 36] pries. In Frankreich wurde sie durch Jean Nicot (s. d.) 1560 bekannt, und ihm zu Ehren wurde später die Pflanzengattung Nicotiana genannt.
Italien
* 39 Italien.Frühzeitig wurde auch das Tabakschnupfen unter König Ludwig XIII. üblich. Gleichzeitig entstand auch zu Sevilla [* 37] eine Schnupftabakfabrik, die den berühmten Spaniol lieferte. Nach Deutschland gelangten die ersten Tabakpflanzen 1565 aus Frankreich durch Adolf Occo, Stadtphysikus zu Augsburg; [* 38] bald bediente man sich des Tabak als Arzneimittels, und seine Heilkräfte wurden in vielen Schriften mit Übertreibung gepriesen. Aus Frankreich kam die Pflanze gegen Ende des 16. Jahrh. auch nach Italien. [* 39]
Bald nach 1636 führten span. Geistliche das Schnupfen in Rom [* 40] ein, wogegen Urban VIII. eine Bulle erließ, die 1698 erneuert, aber 1724 wieder aufgehoben wurde. Trotzdem nahm das Schnupfen überhand, so daß Venedig [* 41] bereits 1657 Fabrikation und Verschleiß des in Pacht gab und bis 1662 an 40000 Dukaten gewann. In Spanien [* 42] sah man um die Mitte des 16. Jahrh. zuerst Seeleute rauchen, die aus der Neuen Welt zurückkehrten und im Lande bald viele Nachahmer fanden. 1586 gelangte durch aus Virginien zurückkehrende Kolonisten das Tabakrauchen nach England. Engl. Studenten verpflanzten es nach Leiden, [* 43] englische, dem König Friedrich von Böhmen [* 44] gesandte Hilfstruppen 1620 nach Deutschland, wo es sich im Dreißigjährigen Kriege ausbreitete. 1655 kam das Tabakrauchen in der Türkei [* 45] und noch vor 1650 in Schweden [* 46] und Rußland auf.
Als jedoch das angebliche Heilmittel zum unentbehrlichen Luxus- und Genußmittel wurde, erhoben sich die Kirche und die Staatspolizei dagegen. Jakob I. von England belastete den Gebrauch des Tabak mit schweren Steuern und suchte den Anbau des Krautes in Virginien zu beschränken. 1624 wurde in England das Tabaksmonopol eingeführt, 1643 in eine Tabakssteuer verwandelt und 1652 der Tabaksbau im Mutterlande zu Gunsten der Kolonien verboten. In der Türkei wurden den ersten Rauchern die Pfeifen durch die Nasen gestoßen, in Rußland den Rauchern noch 1634 die Nasen abgeschnitten.
Bern (Stadt; Geschicht
* 47 Bern.Bern [* 47] erließ gegen das Rauchen 1660 und 1661 scharfe Mandate. Theologen und Moralisten des 17. Jahrh. predigten aufs heftigste gegen den «höllischen Rauch» (Moscherosch 1642); Konsum und Anbau nahmen dessenungeachtet schnell zu. Seit 1615 bauten Holland zuerst zu Amersfoort, 1659 die Stadt Wasungen, 1676 die Mark Brandenburg, 1697 die Pfalz und Hessen [* 48] den in größerm Maßstab [* 49] an. Die Regierungen erkannten nach und nach, welche ergiebige Finanzquelle man im T. besitze, und suchten nun den immer mehr steigenden Gebrauch des Tabak durch hohe Steuern auszubeuten (s. Tabaksbesteuerung).
Litteratur.
Vgl. Tiedemann, Geschichte des Tabak und anderer ähnlicher Genußmittel (Frankf. 1854);
von Bibra, Die narkotischen Genußmittel (Nürnb. 1855);
Henrieck, Du tabac, historie, culture, ect. (Par. 1866);
Neßler, Der Tabak, seine Bestandteile und seine Behandlung (Mannh. 1867);
Fries, Anleitung zum Anbau, zur Trocknung und Fermentation des Tabak (3. Aufl., Stuttg. 1870);
Fairholt, Tobacco, its history and associations (Lond. 1875);
L. von Wagner, Tabakkultur, Tabak- und Cigarrenfabrikation sowie Statistik des Tabakbaues, Tabakhandels und der Tabakindustrie (5. Aufl., Weim. 1888);
Semler, Tropische Agrikultur, Bd. 3 (Wismar [* 50] 1888);
Opel, Der in dem Wirtschaftsleben und der Kulturgeschichte der Völker (Brem. 1890);
Kißling, Der Tabak im Lichte der neuesten naturwissenschaftlichen Forschungen (Berl. 1893);
Michaelis, Hygieine des Rauchens und der Tabak nach seinen botan., chem. und mediz.
Eigenschaften und Wirkungen (Lpz. 1894); Deutsche [* 51] Tabakzeitung (Berlin); Der Tabak, Organ für ¶