☰

eLexikon

Bewährtes Wissen in aktueller Form

Main

Spiritusfabrikation

Bild 65.177: Spiritusfabrikation
Seite 65.177.

Seite 65.177

Spiritusfabrikation


Fortsetzung: Spiritusfabrikation, Brennerei, die gewerbsmäßige Darstellung von Spiritus (s. Alkohol). Die S. wird in Deutschland
mehr

ein wirksames Mittel zur Aufrechterhaltung eines regelmäßig guten Betriebes angesehen. In neuester Zeit ist das Flußsäureverfahren dahin abgeändert worden, daß die zur Verwendung kommende Anstellhefe (Reinhefe) durch Züchtung in allmählich steigenden Flußsäuremengen an diese angepaßt, acclimatisiert wird; es gelingt dadurch auch mit Zusatz von Flußsäure zum Hefengut zu arbeiten und den bisher üblichen Säuerungsprozeß zu umgehen. - Bei beendeter Gärung, in Deutschland [* 2] nach 72 Stunden, ist die Maische nur noch in geringer Bewegung, es entweichen nur noch wenig Kohlensäurebläschen aus derselben; es ist aber Erfordernis für einen guten Verlauf der Gärung, daß die Maische bis zum Schluß in Thätigkeit bleibt, sie darf nicht «tot» aussehen und muß auch noch eine frische helle Farbe behalten.

Als Maßstab [* 3] für den Grad der Gärung gilt die sog. Vergärung, d. h. die Saccharometeranzeige in der vergorenen Maische. Je besser die Gärung verlaufen ist, um so geringer ist die Saccharometeranzeige; gut vergorene Kartoffelmaische zeigt 0,5-1,5°, während bei Maismaischen 0° und darunter auftreten. Die Saccharometeranzeige giebt nur die scheinbare Vergärung an, da durch den während der Gärung gebildeten Alkoholgehalt das spec. Gewicht der Maische vermindert wird. Im Gegensatz zur scheinbaren Vergärung steht der wahre Vergärungsgrad, d. h. die aus der von Alkohol befreiten Maische gewonnene Saccharometeranzeige.

Die wirkliche Vergärung ist immer je nach dem Alkoholgehalt, der in der reifen Maische enthalten war, um einige Grade höher als die scheinbare Vergärung. In der Praxis wird der Verlauf der Gärung nur nach der scheinbaren Vergärung beurteilt. Der durch die wirkliche Vergärung angegebene, oft hohe Extraktgehalt ist nicht immer ein Zeichen schlechter Arbeit, da er ja durch die in der Maische immer enthaltenen nicht vergärungsfähigen Substanzen (Extraktivstoffe, stickstoffhaltige Körper, Salze) hervorgerufen wird.

Desterro - Destillatio

Bild 4.717: Desterro - Destillation
* 4 Destillation.

Aus der vergorenen oder reifen Maische wird der Alkohol durch Destillation [* 4] (s. d.) gewonnen. In kleinern Betrieben, namentlich in den kleinen Korn- und Obstbrennereien, findet die Destillation nur auf einfachen, oft noch mit direkter Feuerung versehenen Destillierapparaten statt. Dieselben bestehen aus einer einfachen kupfernen Blase mit darauf gesetztem Helm, von dem aus die entwickelten Alkoholdämpfe in einen Kühler geleitet werden, worin sie verdichtet werden.

Das so gewonnene Produkt ist sehr alkoholarm und fuselreich und muß einer nochmaligen Destillation unterworfen werden, um hochgradiger und auch reiner zu werden. Diese Brennereien heißen auch Lutterbrennereien, das zuerst gewonnene Destillat Lutter, die erste Destillation das Luttern, die zweite das Wienen. Die in den mittlern und größern Betrieben gebräuchlichen Destillierapparate geben gleich bei der ersten Destillation ein hochprozentiges Produkt von 85 bis 95 Volumproz.

Damon - Dampf (physika

Bild 4.444: Damon - Dampf (physikalisch)
* 5 Dampf.

Alkohol. Diese Apparate, bei denen eine mehrmalige Destillation (Rektifikation) stattfindet, arbeiten entweder periodisch oder kontinuierlich. Bei den periodischen Destillierapparaten wird immer nur ein abgemessener Teil der Maische der Destillation unterworfen, wogegen bei den kontinuierlichen Apparaten während der Destillation fortwährend neue Maische dem Apparat zugeführt wird, während gleichzeitig die entgeistete Maische, Schlempe, anhaltend aus dem Apparat abgeführt wird. Die periodischen Apparate sind sämtlich Blasenapparate, d. h. sie bestehen in ihren Hauptteilen aus zwei über- oder nebeneinander angeordneten blasenartigen Gefäßen zur Aufnahme der Maische. Die Ausbildung der Blasenapparate ist hauptsächlich durch Pistorius erfolgt, weshalb dieselben auch jetzt noch meist als Pistoriussche Apparate (oder Becken) bezeichnet werden. Ein solcher Apparat (s. Taf. II, [* 1] Fig. 3) besteht aus zwei übereinander gestellten, durch einen kupfernen Boden getrennten Blasen A und C. In der untern Blase A befindet sich von der vorhergehenden Destillation her teilweise entgeistete Maische, während C mit frischer, aus dem Vorwärmer G durch b zugelassener Maische befüllt ist. In A wird durch d mittels des am Boden von A liegenden, mit Löchern versehenen Rohres Dampf [* 5] eingeleitet; die aus A entwickelten Alkohol- und Wasserdämpfe treten durch das Bockrohr B in die in C befindliche Maische und bringen diese zum Sieden, die hierdurch aus C entwickelten Dämpfe treten durch D aus, stoßen hier auf die über D gestülpte Kappe E und müssen zwischen D und E durchgehen, um an der Unterkante von E in den Raum F, den Rektifikator, eintreten zu können. In F stoßen die Dämpfe an den untern Boden des Vorwärmers G. Dieser ist mit kalter Maische gefüllt.

Die Dämpfe werden daher zunächst verdichtet und schlagen sich auf dem Boden von F nieder, so daß sich in F bald eine Flüssigkeitsschicht, aus verdünntem Branntwein bestehend, ansammelt, welche die Kappe E absperrt. Die jetzt im weitern Verlauf der Destillation aus C entwickelten Dämpfe müssen nun die auf dem Boden von F angesammelte Flüssigkeitsschicht durchströmen, wodurch ein fortwährendes Auskochen dieser Flüssigkeit, eine Rektifikation, stattfindet.

Wärmeeffekt - Wärmelei

Bild 16.393: Wärmeeffekt - Wärmeleitung
* 6 Wärme.

Die hierbei entstehenden alkoholreichern Dämpfe treten durch H1, H2 und H, indem sie unterwegs einen Teil der Wärme [* 6] an die im Vorwärmer G befindliche Maische abgeben und durch teilweise Verdichtung verstärkt werden, in die beckenförmigen Dephlegmatoren I1 und I2 über. Diese sind innen mit einer Scheidewand versehen, welche die Alkoholdämpfe umströmen müssen, und werden an den obern Böden durch Wasser, welches ihnen durch e1 und e2 zugeführt und durch f1 und f2 abgeführt wird, gekühlt. Es findet daher auch hier eine fortwährende Verdichtung statt, während die niedergeschlagenen Verdichtungsprodukte durch die frisch zuströmenden Dämpfe immer von neuem aufgekocht werden (Dephlegmation).



Spiritusfabrikation

Bild 65.178: Spiritusfabrikation
* 9 Seite 65.178.

Die hierbei entstehenden alkoholstarken Dämpfe entweichen durch K, um von hier in einen Kühler geleitet und verdichtet zu werden, während die niedergeschlagene, alkoholarme Flüssigkeit (Lutter) von I2 durch g1 nach I1 und von hier durch g2 nach F geleitet wird, um hier von neuem ausgekocht zu werden. Nach Beendigung der Destillation, was man an der nachlassenden Alkoholstärke des Produkts wahrnimmt, wird zunächst durch Öffnen des Hahnes L die in der untern Blase A jetzt vorhandene entgeistete Maische als Schlempe in den Schlempebehälter abgelassen, hierauf wird durch m eine das Rohr a verschließende Drosselklappe [* 7] geöffnet, so daß die in C befindliche, jetzt teilweise entgeistete Maische nach A übertreten kann; durch Hebung [* 8] des Ventils c tritt aus dem Vorwärmer G die vorgewärmte frische Maische in C über, und durch o wird aus einem Maischebehälter der Vorwärmer neu befüllt. Das in dem Rektifikator angesammelte Lutterwasser wird durch K abgelassen. Hierauf beginnt die Operation von neuem. ¶

mehr

Die kontinuierlichen Destillierapparate können als aus einer großen Anzahl Blasen zusammengesetzt angesehen werden, bei denen der Maischezutritt und die Wärmezuführung so geregelt ist, daß, sobald die Maische die unterste Kolonne erreicht, sie auch vollkommen entgeistet ist. Die am meisten verbreitete Form dieser Destillierapparate ist in Taf. II, [* 9] Fig. 4 dargestellt. Derselbe besteht in seinen Hauptteilen aus der Maischsäule A, dem Rektifikator B, dem Dephlegmator oder Kondensator [* 10] C, dem Kühler D und dem Schlemperegulator E. Die Maischsäule besteht je nach der Leistungsfähigkeit der Apparate aus einer wechselnden Anzahl einzelner Abteilungen (in der Abbildung z. B. 12), die voneinander durch Böden getrennt sind.

Die Böden haben in der Mitte einen nach oben verjüngten offenen Stutzen, welcher durch eine darüber gestülpte Kapsel überdeckt ist;

in jeden Boden sind außen an der Seite der Mittelstutzen und Kapseln [* 11] Überlaufstutzen angebracht, welche den Übertritt der in den Abteilungen befindlichen Maische von einem Boden auf den andern ermöglichen;

diese Stutzen sind immer abwechselnd auf den beiden Seiten der Kapseln angeordnet;

die Anordnung ist so, daß die Öffnungen der Überlaufstutzen oberhalb der Böden höher sind als der Abstand der Kapseln über den Böden;

der Rektifikator B besteht ebenfalls aus einer Anzahl von Böden, welche durch Siebe gebildet werden, während gleichzeitig, wie in der Maischsäule, wechselseitig auf denselben Überlaufstutzen angebracht sind.

Gefäße, prähistorische

Bild 6.1005: Gefäße, prähistorische
* 12 Gefäß.

Der Kondensator C besteht aus einem cylinderartigen offenen Gefäß, [* 12] in welchem sich eine Zarge befindet, in der wiederum ein kupfernes Schlangenrohr angebracht ist. Der Kühler D ist ein hohes cylindrisches Gefäß, in welchem sich eine kupferne Zarge oder auch kupferne Schlangen [* 13] befinden. Der Gang [* 14] der Maische ist folgender. Dieselbe wird durch s in das in der Zarge des Kondensators C befindliche Schlangenrohr gepumpt, durch dieses durchgedrückt und gelangt durch s1 auf den obern Boden der Maischkolonne A und durchläuft so, durch die Überlaufstutzen von einem Boden auf den andern übertretend, die Maischsäule. In entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Dämpfe.

Diese treten durch b in die unterste Abteilung der Maischsäule durch eine mit Löchern versehene Schlange [* 15] ein; die aus der Flüssigkeit der untersten Abteilung entwickelten Dämpfe entweichen durch den Mittelstutzen, stoßen auf die Prellkapsel und müssen nun den Raum zwischen Stutzen und Prellkapsel durchstreichen; da die Öffnung der Prellkapsel durch die auf dem zweiten Boden stehende Maischschicht abgeschlossen ist, müssen die Dämpfe diese Maischschicht durchbrechen und dieselbe aufkochen.

Verstand - Versteigeru

Bild 66.297: Verstand - Versteigerung [unkorrigiert]
* 16 Verstärkung.

Dieses Spiel wiederholt sich auf sämtlichen Böden. Da nun die Dämpfe immer kälterer und alkoholreicherer Maische begegnen, findet auf dem Wege durch die Maischkolonne eine fortwährende Verstärkung [* 16] des Alkoholgehalts der entwickelten Dämpfe statt, so daß bereits alkoholreichere Dämpfe in den Rektifikator B treten. Aus den einzelnen Böden des Rektifikators findet zunächst eine Verdichtung der Dämpfe statt, so daß sich auf jedem einzelnen Boden eine Flüssigkeitsschicht ansammelt, die immer wieder durch die nachströmenden Dämpfe ausgekocht wird, so daß auch hier der Alkoholgehalt der auf den einzelnen Siebböden entwickelten Dämpfe ein immer höherer wird.

Spiritus (Maischmaschi

Bild 15.164: Spiritus (Maischmaschinen)
* 17 Spiritus.

Die Überleitung der auf den einzelnen Böden angesammelten Flüssigkeit auf den nächst tiefern Boden findet durch die Überlaufrohre statt, so daß auch im Rektifikator eine Gegenströmung zwischen Flüssigkeit und Dämpfen stattfindet. Aus dem Rektifikator gehen die entwickelten starken Dämpfe durch d bei k in die Zarge des Kondensators; sie umspülen hier die kupferne Schlange, durch welche die Maische strömt, und werden, indem sie an diese Wärme abgeben, sie also vorwärmen, teilweise niedergeschlagen; gleichzeitig werden sie auch, da der äußere Cylinder des Kondensators mit Wasser gefüllt ist, durch dieses abgekühlt. Es findet also auch im Kondensator eine fortwährende Niederschlagung und durch die nachfolgenden Dämpfe eine Wiederaufkochung statt, welche zur Folge hat, daß sich im Kondensator ein sehr alkoholreicher Dampf entwickelt, der durch e in den Kühler geleitet, hier vollständig verdichtet wird und durch f bei G den Apparat als hochgradiger Spiritus [* 17] verläßt.

Die in der Zarge des Kondensators niedergeschlagenen Dämpfe treten durch c in den Rektifikator zurück, um hier von neuem verdampft zu werden. Die gebildete Schlempe endlich tritt aus der untersten größern Abteilung der Maischblase A in den Schlemperegulator E. Derselbe besteht aus einem geschlossenen cylinderartigen Gefäß, in welchem sich ein mit einer großen als Schwimmer wirkenden Hohlkugel verbundenes Ventil [* 18] befindet, durch welches die Schlempe, sobald sie einen bestimmten Stand erreicht hat, selbständig den Apparat verläßt.

Eine ganz eigenartige Form von Destillierapparaten, die sich namentlich im Auslande einer größern Verbreitung erfreuen, sind diejenigen von Robert Ilges in Köln. [* 19] In Taf. II, [* 9] Fig. 5 ist der Ilgessche Maische-Destillierapparat «Automat» in seiner neuesten Form dargestellt. Diese Apparate sind dadurch ausgezeichnet, daß sie zum Betriebe fast gar keiner Aufsicht bedürfen, da alle einzelnen Teile des Apparats sich vollständig automatisch regulieren. G ist das Maischreservoir, aus welchem die Maische durch den Maischregulator F in einem vollkommen gleichmäßigen Strome dem Apparat zugeführt wird.

Regulator

Bild 13.668: Regulator
* 20 Regulator.

Dieser Regulator [* 20] besteht aus einer Wage, [* 21] deren eine Schale mit Gewichten belastet ist, während die andere Schale zur Aufnahme der aus dem Reservoir kommenden Maische dient; sobald mehr Maische in diese Schale getreten ist, als der Belastung in der Gewichtsschale entspricht, senkt sich die Maischschale und dadurch schließt sich das in dem Standrohr der Wage befindliche (in der Abbildung nicht sichtbare) Maischzuflußventil; ist dann wieder aus der Schale so viel Maische abgeflossen, daß die Gewichtsschale zum Sinken und die Maischschale zum Steigen kommt, wird das Ventil geöffnet und auf diese Weise der Zufluß der Maische aus dem Reservoir in den Apparat geregelt.

Die Maische fließt durch B in die Destilliersäule A, welche aus übereinander angebrachten Tellern besteht, die excentrisch, aber abwechselnd in entgegengesetzter Richtung gerippt sind. Entgegen den vorher beschriebenen kontinuierlichen Apparaten besteht der Ilgessche Apparat nicht aus einzelnen, nur teilweise befüllten Kammern, sondern er ist vollkommen von Maische erfüllt. Durch die eigentümliche Form und Anwendung der Teller macht die Maische in der Maischsäule eine kräuselnde Bewegung, welche eine innige Berührung mit dem entgegenströmenden Dampfe bewirkt. Aus H gelangt die entgeistete Maische in den Schlemperegulator C, welcher mit einem kleinen Probierapparat D verbunden ist, um ¶

Fortsetzung Spiritusfabrikation:
→ weiter zu Seite 65.179 || die Reinheit der Schlempe, d. h. die Abwesenheit von Alkohol festzustellen. Die zum Abtreiben
Quelle: Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910; Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896; 15. Band, Seite 175 [Suche = 65.177] im Internet seit 2005; Text geprüft am 6.6.2012; publiziert von Peter Hug; Abruf am 24.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//65_0177

◄◄ .     ►►

Menü
map
  • ⁝ Home
  • 🗁 öffne ...
  • > 🗍 Seite 65.177
  • ? Seite
  • Aalmutter
  • ? Artikel
  • (kurz)
  • ∫ Portal
  • ☛ A – Z
  • ⮺ Bilder
  • ⚟ Blättern
  • ⛬ Index
  • ⣿ Inhalt
  • 📅 Datum
  • ∑ Übersicht
  • ♛ Werke
  • ✈ Themen
  • ⭳ Download
  • 📉 Statistik
  • Ω Symbol
  • ⌥ Option
  • © Original
  • + Ergänzung
  • ? Hilfe
  • ⁇ FAQ Fragen
  • ⛭ Technik
  • @ Kontakt
  • ⛉ Datenschutz
  • § Impressum

* 21 Bilder dazu:

  • 5Dampf
  • 4Destillation
  • 2Deutschland
  • 7Drosselklappe
  • 14Gang
  • 12Gefäß
  • 8Hebung
  • 11Kapseln
  • 10Kondensator
  • 19Köln
  • 3Maßstab
  • 20Regulator
  • 15Schlange
  • 13Schlangen
  • 17Spiritus
  • 18Ventil
  • 16Verstärkung
  • 21Wage
  • 6Wärme
  • 1_Seite 65.177
  • 9_Seite 65.178
Sie sind hier: eLexikon > Brockhaus > Band 65 > Seite 65.177
-A     +A