durch deren
Thal
[* 2] sie ansteigt, um von Scheifling aus über den Sattel von Neumarkt (888 m) das Glanthal und sich gabelnd einerseits
Villach an der Drau, andererseits Klagenfurt
[* 3] zu erreichen. Von Villach aus führt die Pontebbabahn über
Tarvis, wo die Linie
durch das Savethal nach Laibach
[* 4] abzweigt, dann über Pontafel und das ital.
Pontebba und durch das Fellathal nach
Udine, wo sie sich an die Linie
Venedig-Triest anschließt. Die vierte Verkehrslinie
ist die
Semmeringbahn von
Wien
[* 5] nach Graz,
[* 6] Laibach und
Triest.
[* 7] Durch die Zweigbahn von
Bruck an der Mur nach St.
Michael stehen
die beiden Bahnsysteme in unmittelbarer
Verbindung. - Als Längslinie ist zu verzeichnen im N. der
Hohen
Tauernkette die Eisenbahn, die bei Wörgl von der Linie
Rosenheim-Innsbruck abzweigt, über
Kitzbühel und Hochfilzen (969
m) ins
Unter-Pinzgau und
Pongau führt und mit der
Salzburger Linie vereinigt Radstadt erreicht, dann das Ennsthal hinabführt
und bei Selzthal in die
Bahn durch das
Gesäuse einmündet.
Bei
Toblach mündet in sie von S. her aus dem Ampezzothal die prächtige Strada d'Allemagna. Neben diesen
Hauptverkehrswegen der Ostalpen bestehen in dem überall zugänglichen, von tiefen Flußthälern durchfurchten Gebiete noch
eine Menge von
Straßen von kaum geringerer Bedeutung, und namentlich von der
Semmeringbahn aus steigen mehrere Zweigbahnen
durch die westlich sich öffnenden Seitenthäler hinauf, während nach O. die Linien Graz-Steinamanger,
Pragerhof-Kanizsa und
Steinbrücken-Agram das Verkehrsnetz der Ostalpen mit dem ungar. Bahnsystem verknüpfen.
Zahlreicher sind die Fahrstraßen und Eisenbahnen in den nördl. und südl.
Alpenvorländern, so in der schweiz. und bayr. Hochebene, im
niederösterr. Hügellande und der Poebene, wo fast jedes größere Flußthal eine Poststraße oder einen Schienenweg besitzt,
die bis zum Alpenrande führen.
Folgendes ist eine Übersicht aller fahrbaren Pässe über die Hauptwasserscheide der
Alpen
[* 10] in ihrer Reihenfolge von West
nach
Ost: Col di Tenda (1890 m), Col de Larche (1995 m),
Mont-Genèvre (1854 m), Mont-Cenis (2084 m, der
Tunnel
[* 11] der Mout-Cenis-Bahn
geht in 1295 m Höhe unter dem Col de Frejus [2528 m] durch),
Kleiner St.
Bernhard (2157 m),
Simplon (2010
m), St.
Gotthard (2114 m, Eisenbahntunnel in 1154 m Höhe), Lukmanier (1917 m),
Bernhardin (2063 m),
Splügen (2117 m), Maloja
(1811 m),
Berninapaß (2330 m), Ofenpaß (2155 m), Reschenscheideck (1495 m),
Brenner (1302 m, überschient), RadstädterTauern
(1738 m), Rottenmanner
Tauern (1265 m), Schoberpaß (849 m, überschient), Prebichl (1227 m, Eisenbahntunnel), Seeberg (1254
m), Niederalpel (1220 m), Hühnerreith (1144 m),
Semmering (980 m, Eisenbahntunnel in 897 m Höhe).
(Alpini), eine besondere Gattung der ital. Infanterie, zur beständigen Bewachung der
Alpenthäler und
zur Verteidigung der Alpengrenze bestimmt. Es giebt 7 aktive Regimenter mit 22
Bataillonen
und 75 Compagnien, 22 Compagnien der Mobilmiliz und 22
Bataillone mit 75 Compagnien Territorialmiliz, die sich aus den Militärpflichtigen
der Alpendistrikte ergänzen. Im Frieden sind die 7 aktiven Regimenter beständig unter Waffen
[* 12] und in
Bezug auf
Verwaltung
selbständig; sie stehen im Winter in den ihnen zur Verteidigung zugewiesenen
Thälern und sind während
des
Sommers im Hochgebirge.
Stärke
[* 13] der Compagnien im Frieden: 4 Offiziere, 120 Mann; im
Kriege: 5 Offiziere, 1
Arzt, 293 Mann.
Bewaffnung: umgeändertes
Vetterligewehr, Mehrlader nach
System Vitali,
Säbelbajonett.
Uniform: blauer Rock, aschgraue Hose, kurzer dunkelblauer Radmantel,
schwarzer Filzhut mit Rabenfeder, Schnürschuhe mit Leinwandgamaschen. Ein
Teil der Alpentruppen, die meist an der
franz. Grenze stehen, ist zur
Besetzung der Alpensperrforts bestimmt.
Vgl. auch die franz. Organisation der Gebirgsjäger
(Chasseuers dits de montagne, s. d.).
Alpenklubs,
Vereine, die die Durchforschung der Alpenwelt zum Ziele haben. Der erste
derselben war der engl.
Alpine Club, ein
Verein von Bergsteigern, der 1857 zusammentrat und seinen Sitz zu
London
[* 14] hat. Seine
Mitglieder haben sich durch eine Reihe der kühnsten
Bergfahrten bemerklich gemacht, deren Ergebnisse in mehrern glänzend
ausgestatteten Werken niedergelegt sind. Unter diesen sind, außer verschiedenen Monographien einzelner Mitglieder, wie
z. B. von
Tyndall, Whymper und Freshfield hervorzuheben: das Prachtwerk
«Peaks, passes and glaciers» (2
Serien, 4 Bde., Lond.
1860-62),
der treffliche
«AlpineGuide» (2. Aufl., 3 Bde.,
1872-74) von J.
Ball und das
«Alpine Journal» (seit März 1863). Der
Verein zählt 475 Mitglieder, die hauptsächlich die Westalpen
bereisen, und von denen auch mehrfach Expeditionen in außereurop.
Gebirge, namentlich in den
Kaukasus
und Himalaja unternommen wurden. Dem
Alpine Club folgte der
Österreichische Alpenverein, der sich im Nov. 1862 bildete und
sich die
Verbreitung und Erweiterung der Kenntnis der
Alpen, besonders der österreichischen, zum Zweck stellte und sich auch
bestrebte, das Interesse an der Alpenwelt zu fördern und ihre Bereisung zu erleichtern.
Die Resultate seiner
Arbeiten sind in den «Mitteilungen» (2 Bde.,
Wien 1863-64) und deren Fortsetzung, dem «Jahrbuch des
Österreichischen Alpenvereins» (9 Bde., ebd. 1865-73),
niedergelegt. Der
Schweizer Alpenklub, der seit April 1863 besteht, stellt sich als seine nächste
Aufgabe die
Lieferung einer lebendigen Erläuterung zu Dufours topogr.
Atlas
[* 15] der
Schweiz.
[* 16] Es werden hiernach die Forschungen und Untersuchungen
unter einem dreifachen
Gesichtspunkte, einem topologisch beschreibenden, einem artistischen und einem naturwissenschaftlichen,
ausgeführt.
Der
Verein zerfällt, wie die meisten in Sektionen mit wechselndem
Vorort, gegenwärtig 40 Sektionen mit ungefähr 3000 Mitgliedern.
Über seine
Arbeiten, deren größte die
Vermessung des Rhônegletschers ist, berichtet das «Jahrbuch des
SchweizerAlpenklubs» (Bern
[* 17] 1864 fg.),
welches mit trefflichen Karten ausgestattet ist. Organ der roman. Sektionen ist das «L'Echo
des
Alpes» (Genf
[* 18] 1870fg.). Der
Italienische Alpenverein (Club alpino Italiano),
Alpenwirtschaften
* 19 Seite 51.453.
dessen Gründung zuerst im Aug. 1863
¶
mehr
angeregt wurde, stellt die naturwissenschaftliche Erforschung der Alpen wie auch des Apennin als Hauptzweck seiner Bestrebungen
obenan und giebt seit 1865 zu Turin
[* 20] das «Bolletino del Club alpino Italiano» und seit 1882 die «Revista
mensile» heraus. Seine Mitgliederzahl beträgt 4668. Im Mai 1869 erfolgte zu München
[* 21] die Gründung des Deutschen
Alpenvereins, aus dessen Vereinigung mit dem Österreichischen 1874 der Deutsche
[* 22] und Österreichische Alpenverein entstand,
der größte unter allen alpinen Vereinen. Er ist in Sektionen gegliedert, deren eine von der Generalversammlung des Vereins
auf die Dauer von drei Jahren zum Vorort gewählt wird; aus den Mitgliedern dieser Sektion wird ein Centralausschuß
gewählt, der mit der Leitung der Geschäfte des Vereins und mit der Ausführung der von der Generalversammlung gefaßten Beschlüsse
betraut ist.
Nach dem Stande vom Mai 1895 besaß der Verein 221 Sektionen mit 33 769 Mitgliedern. Die drei größten Sektionen sind: München
mit 2815, Austria in Wien mit 1650 und Berlin
[* 23] mit 1484 Mitgliedern. Die Thätigkeit des Vereins ist sowohl
eine wissenschaftliche als auch eine praktische. An regelmäßigen Veröffentlichungen liegen vor: «Zeitschrift des Deutschen
Alpenvereins» (1869-73),
«Mitteilungen des Deutschen
und Österreichischen Alpenvereins» (seit 1875). Auch gab er eine von hervorragenden Forschern bearbeitete
«Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Alpenreisen» (5 Abteil., Münch. 1879-82),
einen «Atlas der Alpenflora» (500
Blatt,
[* 24] von Hartinger, Text von Dalla-Torre, 4 Bde., ebd. 1884),
sowie das dreibändige Werk «Die Erschließung der Ostalpen»
(Berl. 1892-94) heraus. Der Verein giebt auch Karten und Panoramen heraus, die als Beilagen zu der «Zeitschrift»
erscheinen. Als hervorragend wissenschaftliche Arbeiten und Unternehmungen sind zu erwähnen: Die topogr. Aufnahme desBerchtesgadener
Gebietes, die geolog. Kartierung der Karwendelgruppe, Gletschervermessungen in den Hohen Tauern, den Ötzthaler und Ortleralpen,
die Errichtung der meteorolog.
Hochstation ersten Ranges am Sonnblickgipfel (3095 m), gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie.
Von großem Belang ist die Thätigkeit, die der Verein in den Alpen entfaltet und die sich vornehmlich
in der Errichtung von Schutzhütten, in der Anlage von Wegen und in der Ausbildung und Regelung des Führerwesens äußert.
Der Verein besitzt (1892) 135 Schutzhütten, von denen 46 bewirtschaftet sind, und verfügt über eine Führerunterstützungskasse
mit einem Vermögen von 30000 M. Den Führern im österr. und deutschen Alpengebiete wird von der Behörde im Einvernehmen
des Vereins die Genehmigung erteilt; manche Sektionen veranstalten auch Führerunterrichtskurse.
Die Einnahmen des Vereins betrugen 1892: 197000 M., die Ausgaben 174000 M. Der Verein gewährt auch Beihilfe zu Aufforstungen
und sammelte 1882 für die durch Hochwasser betroffenen Bewohner Tirols und Kärntens den erheblichen Betrag
von 154 935 Fl. Gleichfalls im Mai 1869 erfolgte zu Wien die Gründung des ÖsterreichischenTouristenklubs, der seine Thätigkeit
anfangs auf die Österreichischen Kalkalpen beschränkte, dieselbe später aber auch auf fernere Alpengruppen auszudehnen
begann; er besitzt 94 Sektionen mit 13000 Mitgliedern. Im April 1874 erfolgte die Gründung des
Club
AlpineFrançais zu Paris,
[* 25] der 42 Sektionen mit 5293 Mitgliedern zählt und seine Aufmerksamkeit nicht nur den Französischen
Westalpen, sondern auch andern Gebirgen, wie den Pyrenäen, Cevennen u. s. w. zuwendet. Er giebt das prächtig ausgestattete
«Annuaire de Club AlpineFrançais» heraus (seit 1875),
sowie ein «Bulletin mensuel» (seit 1882). 1878 führte
eine Spaltung im ÖsterreichischenTouristenklub in Wien zur Gründung des ÖsterreichischenAlpenklubs, dem sich die jüngern
und unternehmungslustigern Mitglieder zuwandten und der in der Folge zu einer hervorragenden Pflegstätte der sportlichen
Hochtouristik wurde. Er zählt (1894) 605 Mitglieder, von denen die meisten als treffliche Hochtouristen
bekannt sind; sein Organ ist die «Österreichische Alpenzeitung» (seit 1879). Diesen bedeutendern Alpenvereine schließen sich zahlreiche
kleinere an, so der Steirische Gebirgsverein (gegründet 1868), die Società degli Alpinisti Tridentini (gegründet 1872),
die Sociéte desTouristes du Dauphiné (gegründet 1875), die Società Alpina Friuliana (gegründet 1881),
der Club AlpineBele (gegründet 1883), die Società Alpina delle Giulie (gegründet 1883), der Club Alpino Ticinense (gegründet
1886), der Niederösterreichische Gebirgsverein (gegründet 1890) u. a. m. Im ganzen befinden
sich (Ende 1889) in den Alpen 548 Schutzhütten und alpine Unterkunftshäuser (200 in den West-und 318 in den Ostalpen), von
denen 323 den alpinen Vereinen gehören (dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein 131, dem Club Alpino Italiano 64, dem
ÖsterreichischenTouristenklub 43, dem Schweizer Alpenklub 34, dem Club AlpineFrançais 25, dem Österreichischen Alpenklub 3,
und mehrern kleinen Vereinen 23). In Höhen von über 3000 m liegen in den Westalpen 22, in den Ostalpen 9 Hütten.
[* 26] In den Westalpen sind die drei höchsten Hütten: Capanna Osservatorio sulla Punta Gnifetti 4540 m (Monte-Rosa-Gruppe), Refuge
aux Bosses du Dromadaire 4450 m (Montblanc), Capanna della Cravatta al Monte-Cervino 4114 m (Matterhorn);
in den Ostalpen:
Capanna sulla Disgrazia 3660 m (Bernina-Alpen), Erzherzog-Johann-Hütte 3464 m (Großglockner), Hochfeiler
Hütte 3250 m (Zillerthaler Alpen).
Nach dem Vorbilde der Alpenvereine haben sich auch in andern Gebirgen ähnliche Vereine gebildet, so ein Ungarischer, ein Galizischer
und ein Siebenbürgischer Karpatenverein, ein Beskidenverein, ein Juraklub, Vogesenklub, Schwarzwaldverein, Spessartklub,
Taunusklub, Rhönklub, Thüringer-Wald-Verein, der Sächsische Erzgebirgsverein, zwei Riesengebirgsvereine, Gebirgsverein
der GrafschaftGlatz,
[* 27] Gebirgsverein für Böhmen,
[* 28] Gebirgsverein für die sächs.-böhm. Schweiz u. a. m.;
ferner die Société Ramond zur Erforschung der Pyrenäen, die Associacio d'Escursion Catalana in Barcelona,
[* 29] die Norske Turist
Forening in Kristiania,
[* 30] der Appalachian Mountain Club in Boston,
[* 31] der Club alpin de Crimée in Odessa.
[* 32]
Alpenwirtschaften heißen die reinen Viehwirtschaften in höhern Gebirgsgegenden, wo die Futterverwertung,
des kalten und feuchten Klimas und der kurzen Vegetationszeit halber, Hauptsache, der Getreidebau nicht mehr möglich ist
(s. Alp). Die Alpenwirtschaft ist das Hauptgewerbe des Hochgebirges. Jetzt ist man, namentlich seitens des Alpwirtschaftlichen
Vereins und der von ihm errichteten alpwirtschaftlichen Versuchsstation, eifrig bestrebt,
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