mehr
und Rhäto-Romanen) im W. und S., Slawen im SO. Von den etwa 9 Mill. Bewohnern der Alpen [* 2] mögen 33,4 Proz. deutscher, 25,6 französischer, 29,4 italienischer, furlanischer oder ladinischer, 10,0 Proz. slaw. Zunge sein. Die franz. Sprache [* 3] herrscht in den Westalpen, in Savoyen, in der Dauphine, der Provence und in der südwestl. Schweiz [* 4] und dringt über die Wasserscheide in das Pogebiet ein. Die ital. Sprache beherrscht den Südabhang der Alpen, die Alpenländer der Lombardei, den Kanton Tessin [* 5] und vier Thäler des Kantons Graubünden in der Schweiz, Südtirol, Venetien und Görz. [* 6] In Friaul geht sie in die furlanische Sprache über.
Krain, Istrien
* 7 Krain.Die rhäto-roman. Sprache (ladinisch) ist auf den Kanton Graubünden (Bündner Oberland, Schams, Oberhalbstein und Engadin) und auf die Thäler Fassa, Gröden, Enneberg und Buchenstein in Südtirol beschränkt und wird allmählich teils vom Deutschen, teils vom Italienischen verdrängt. Die Slawen der Alpen bewohnen in Kärnten und Krain [* 7] das ganze Savegebiet, das untere Gailthal in Kärnten, die rechte Seite des Drauthals und unterhalb Unterdrauburg beide Seiten, das unterste Murthal, das obere Isonzothal und das südöstl.
Vorland der Alpen, das Krainer Kalkplateau mit Ausnahme der deutschen Sprachinsel Gottschee. Die deutsche Sprache, in viele Dialekte geteilt, beherrscht das ganze übrige Alpengebiet und bildet im ital. Gebiete zahlreiche Sprachinseln, so in den Thälern von Gressoney, Alagna und Anzasca am Südfuße des Monte-Rosa, im Formazzathale an der obern Toce, im Averser Thal [* 8] in Graubünden, in den Sette und Tredeci Communi der Vicentinischen und in Sappada (Bladen). Die bunteste Abwechselung der Sprachen zeigen Graubünden, Südtirol und der Gerichtsbezirk Tarvis in Kärnten.
Kraft [unkorrigiert]
* 10 Kraft.Die Gegensätze zwischen dem warmen Süd- und dem rauhern Nordabfall, zwischen dem dem Ackerbau zugänglichen Voralpen- und Thalboden und dem armen, nur für die Viehzucht [* 9] geeigneten Mittel- und Hochalpenland, vor allem aber die allerdings durch viele Übergänge und Mischungen teilweise verwischte Stammesverschiedenheit der Alpenbewohner machen es fast unmöglich, einen scharf hervorstechenden alpinen Typus aufzustellen. Im allgemeinen jedoch ist der Alpenbewohner schlanker gebaut, gelenkiger und sehniger als der Bewohner des Hügellandes und der Ebene, dafür fehlt ihm aber oft die nachhaltige Kraft, [* 10] die den Bauern der niedern Gegenden eigen ist.
Der Schritt des berggewohnten Älplers ist geschmeidig, der Tritt sicher, die Haltung frei und ungezwungen. Die Sinne, besonders Auge [* 11] und Ohr, [* 12] sind scharf; das Gesicht [* 13] zeigt gewöhnlich ausgeprägte Züge, bei den Frauen oft von überraschender Feinheit. Große, den Mittelwuchs überragende Gestalten finden sich besonders im bayr. Hochlande, in Tirol, [* 14] im Berner Oberland und in Graubünden. In vielen Alpengegenden sind die Frauen, an harte Arbeit gewöhnt, verhältnismäßig kräftiger als die Männer. Im steten Kampfe mit einer übermächtigen Natur stählen sich Körper und Geist des Alpenbewohners; mit der Gefahr vertraut, ist er entschlossen, bei aller Kühnheit besonnen und besitzt mehr Geistesgegenwart und Findigkeit als der Bauer der Ebenen.
Bevölkerungsstatistisc
* 15 Bevölkerung.Als Schattenseite zu diesen allgemeinen Kennzeichen des Älplers tritt in manchen Thälern der Kretinismus (s. Kretinen). Die Städte der Alpen sind meist klein, eng zusammengedrängt; die meisten besitzen kaum 15000 E. Die Dörfer, in den tiefen Thälern und im Voralpenlande bequem und behäbig ausgebreitet, drängen sich in den Hochthälern zu wirren Häuserklumpen rings um die Kirche zusammen. Ein großer Teil der Bevölkerung [* 15] wohnt aber, besonders im N., außerhalb der Städtchen und Dörfer, in vereinzelten Höfen, im Sommer in den Sennhütten der Alpweiden. Während auf der Nordseite der Holzbau in den Alpen vorherrscht, sind die Dörfer und sogar die Sennhütten des S. und W. meist aus Steinen erbaut und die stadtartig gebauten ital. und franz. Alpendörfer bilden mit ihren finstern, fast fensterlosen, ruinenartigen Steinhäusern einen scharfen Gegensatz zu den freundlichen und zierlichen Holzbauten des Nordabhangs.
Getreide (Zusammensetz
* 20 Getreide.Erwerbsquellen. Die Bodenkultur der Alpen richtet sich nach dem Klima, [* 16] der Lage und dem Boden. Die Grenzen [* 17] der Kulturzonen sind oben angegeben. In den tiefern Lagen, besonders im S. und W., sind Mais, Weizen und Spelz die herrschenden Getreidearten, in den höhern werden sie durch Hafer [* 18] und Roggen ersetzt, und die Gerste [* 19] bildet die obere Grenze des Getreidebaues. Hülsenfrüchte und Kartoffeln, im S. auch Kastanien sind neben dem Getreide [* 20] und den Produkten der Viehzucht die Hauptnahrung.
Südfrüchte kommen nur am südl. Abfalle vor, dagegen steigt der Obstbau hier und da bis in die Zone der Nadelhölzer [* 21] empor. Kirsch-, Apfel- und Birnbäume finden sich in den Central- und Westalpen in geschützten Thälern noch bis zu 1200-1500 m. Der Weinbau, der besonders in Steiermark, [* 22] Südtirol, Veltlin, Wallis und Piemont geschätzte Weine liefert, überschreitet selten die untere Laubwaldregion. In den Thälern und den niedrigen Voralpen mit der Landwirtschaft verbunden, wird die Viehzucht, hauptsächlich die Rinderzucht, in den obern Regionen als Alpenwirtschaft selbständig betrieben und liefert für den Handel Käse, Butter und Milchzucker.
Rinder
* 25 Rinder.Besonders bekannt ist die Alpenwirtschaft der nördl. Voralpen mit ihren Greyerzer und Emmenthaler Käsen u. s. w. Weder die Schweinezucht, noch die Pferdezucht [* 23] der Alpen sind von großer Bedeutung; letztere beschränkt sich größtenteils auf das Voralpengebiet, doch werden auch in den Hochalpen, besonders im S., treffliche Maultiere für den Saumverkehr und im Pinzgau (Salzburg) [* 24] schwere Zugpferde gezüchtet. Größere Ziegen- und Schafherden werden nur da gehalten, wo die Alpweiden für die Rinder [* 25] schwer zugänglich oder zu spärlich sind, so in Graubünden und im Tessin. Die Rinderherden werden im Sommer dem weichenden Schnee [* 26] nach allmählich von den untern Alpstufen oder Staffeln zu den obern zur Weide [* 27] getrieben und im Herbst wieder zurück, um in den Stallungen der Thaldörfer zu überwintern (s. Alp). Die Zahl der hauptsächlich mit der Alpenwirtschaft beschäftigten Alpenbewohner mag etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung betragen. (S. Alpenwirtschaften.)
Alpen (Alpenkunde. Lit
* 29 Seite 51.447.Da Ackerbau und Viehzucht nicht hinreichenden Ertrag liefern, um die verhältnismäßig starke Bevölkerung zu ernähren, so ist ein großer Teil derselben auf andere Erwerbsquellen angewiesen und beschäftigt sich mit dem Fällen und Flößen des Holzes, mit Bergbau [* 28] und Verhüttung der Erze, an den großen Bergstraßen mit Durchgangsverkehr, d. h. mit der Beförderung von Reisenden und Waren. Von eigentlichen Industriezweigen der Alpenbewohner verdienen Erwähnung: die Eisenindustrie von Steiermark, Oberösterreich und Tirol, die Zucht der Seidenraupe und die Seidenspinnerei am ¶
mehr
Südabfall, die Holzschnitzerei des Berner Oberlandes und der Salzburger und Tiroler Alpen, die Baumwollindustrie von Glarus, die Musselinfabrikation und Stickerei von St. Gallen, Appenzell [* 30] u. s. w. Zu Industriezweigen haben sich aber in den vielbesuchten Gegenden auch das Führer- und Wirtshauswesen entwickelt. Ersteres steht an vielen Orten, so im Montblancgebiet, in den meisten Schweizerkantonen und in den gesamten deutschen und österreichischen Alpen, unter staatlicher Aufsicht; die Führer erhalten nach Vorschlag der Alpenvereinssektionen von der polit.
Behörde die Genehmigung, werden mit einem Abzeichen und einem Führerbuche versehen und sind an einen bestimmten Tarif gebunden. Die Wirtshausindustrie ist, zugleich als Ursache und Wirkung des Fremdenbesuchs, sehr ungleich ausgebildet. Während in den deutschen und schweizerischen Alpen die Wirtshäuser und Gasthöfe den Reisenden durchweg ein ordentliches Unterkommen sichern und teilweise, wie die Gasthöfe in den besuchtesten Gegenden der Schweiz, Salzburgs und Tirols, eines europ. Rufs genießen, sind die Westalpen mit Ausnahme der Umgebung des Montblanc und, abgesehen von dem Gebiet der oberital.
Seen, auch der Südabhang nur spärlich mit Gasthäusern, oft niedersten Ranges, versehen. Auf fast allen wichtigen Bergpässen sorgen Hospize (Tauernhäuser, Cantonnièren) für die Beherbergung der Reisenden, für Arme unentgeltlich. Für die Reisen in den Hochalpen endlich sind besonders in den deutschen und schweizerischen Alpen durch die Bemühungen der Alpenvereine Unterkunftshütten (Klubhütten u. s. w.) errichtet worden, die dem Bergsteiger ein schützendes Obdach mit Lager- und Feuerstelle gewähren.
Luzern (Geschichte der
* 31 Luzern.Zu den Gegenden des stärksten Touristenverkehrs in den Alpen gehören das Chamonixthal, das Berner Oberland mit Interlaken, die Ufer des Vierwaldstätter Sees mit Luzern [* 31] und dem Rigi, das Nicolaithal mit Zermatt im Wallis, das Engadin in Graubünden, das Gebiet der ital. Seen, die Salzburger und die Ufer der Seen des Salzkammergutes. Montreux am obern Genfer See, Davos in Bünden, Meran [* 32] in Südtirol und viele andere Plätze sind als klimatische Kurorte bekannt, und außerdem bieten die Alpen besonders in ihren deutschen und schweiz. Teilen eine sehr große Menge von Sommerfrischen für die zahllosen Reisenden, die jedes Jahr, von der freundlichen Anmut der Voralpen oder der wilden Großartigkeit der Hochalpen angezogen, die Alpen zu ihrem Reiseziel wählen.
Der größte Teil der Reisenden beschränkt sich auf die Vor- und Mittelalpen. Das eigentliche Hochalpengebiet, die Schneeregion, wird, weil weniger leicht zugänglich, auch weniger oft besucht, obwohl auch diese Region in der neuesten Zeit viel von ihren früher gefürchteten Schrecknissen verloren hat. Besonders häufig werden als Zielpunkt von Gletscherfahrten und Besteigungen gewählt die Massive des Montblanc, Monte-Rosa und Finsteraarhorn, die Berninagruppe, die Ötzthaler und Ortleralpen, die Hohen Tauern, das Wettersteingebirge, die Salzburger und die Dolomit- und Porphyrkegel der Südtiroler Alpen.
Alpenkunde. Bis gegen das Ende des 18. Jahrh. waren die in der Wissenschaft wie in der Kunst und Dichtung noch ziemlich unbekannt. Sie galten als ein rauhes, wildes Land, beschwerlich und gefährlich zu bereisen, und wenn auch einzelne Pioniere der Wissenschaft, wie die Züricher Naturforscher Konrad Geßner (1516-65), J.J. Scheuchzer (1672-1733), von Haller (1708-77) und H. B. de Saussure (1740-99), es wagten, das gefürchtete und mißachtete Gebiet zu erforschen, so gaben sie damit nur eine Anregung, die erst im 19. Jahrh. kräftig wirkte, während sie die Zeitgenossen wenig berührte. In neuerer Zeit ist nun die Erforschung der Alpen eine Lieblingsaufgabe der Naturwissenschaften und der Geographie geworden.
Geologische Formatione
* 33 Geologie.Auf dem Gebiete der Geologie [* 33] der und der Gletscherbeobachtungen sind zu erwähnen die Namen Agassiz, L. von Buch, Charpentier, Cotta, Desor, Dollfuß, Escher von der Linth, Forbes, von Hauer, Sir R. Murchison, von Richthofen, von Sonklar, B. Studer, Theobald, Tyndall, K. Vogt, Alpen Heim, E. Sueß, Neumayr, Simony, von Gümbel, F. Pfaff, O. Heer, E. von Mojsisovics, Stur, Stache, Vacek, Teller, Bittner, Fritz Frech, Diener, Geyer, Richter, Forel, Finsterwalder u. a.; mit der Fauna haben sich beschäftigt F. von Tschudi, mit der Flora Wahlenberg, Hegetschwyler, H. Christ, Kerner u. a.; die physik.
Geographie wurde durch die Gebrüder H. und von Schlagintweit gefördert. Weniger genau untersucht als die deutschen und schweizerischen Alpen, haben doch auch die französischen und die italienischen, jene in Lory, Favre und de Mortillet, diese in Sismonda, Gastaldi u. a. ihre Erforscher aufzuweisen. Für die Topographie der Alpen wird namentlich durch die Karten der Generalstäbe gesorgt, und seitdem alle Teile der von den verschiedenen Alpenvereinen (s. d.) durchwandert werden, hat die Topographie nicht unwesentliche Fortschritte gemacht.
Ebensowenig wie im 18. Jahrh. sich die Wissenschaft an die Alpen wagte, beschäftigten sich Kunst und Dichtung mit ihnen.
von Haller mit seinem berühmten Gedicht «Die Alpen», bezeichnet auch hier den Wendepunkt, seither sind die Alpen auch hierin zum Lieblingsgebiet geworden (vgl. Götz, Deutsch-schweiz. Dichter und das moderne Naturgefühl, Stuttg. 1887). Die Schönheit der Alpenwelt wird von Dichtern aller Zungen gefeiert, das Leben der Bewohner geschildert, und Vorwürfe aus den Alpen finden sich sowohl in den Landschaften wie in den Genrebildern vieler Galerien in überraschender Menge; vorzugsweise sind Calame und Diday, von Kalkreuth, Vautier, Defregger u. a. hervorzuheben.
Genf (Stadt; Geschicht
* 34 Genf.Von den zahlreichen Photographen, die die Alpen zu ihrem Wirkungsfelde gewählt haben, sind Charnaux in Genf, [* 34] Johannes in Partenkirchen, Valdi und Würthle in Salzburg, Beer in Klagenfurt, [* 35] Beck in Straßburg, [* 36] vor allen aber die Amateur-Photographen Donkin in London, [* 37] Vittorio Sella in [* 38] Florenz [* 39] und Baptist Hämmerle in Dornbirn die bekanntesten. Hauptsächlich für topogr. Zwecke, zum leichten Zurechtfinden und als Ergänzung der Karten, dienen die von Alpenvereinen veröffentlichten Panoramen.
Litteratur. Agassiz, Etudes sur les glaciers (Neuchâtel 1840);
Desor, Excursions et séjours dans les glaciers et les hautes régions des Alpes (ebd. 1844);
ders., Nouvelles excursions (ebd. 1845);
Schaubach, Die Deutschen Alpen (5 Bde., Jena [* 40] 1845-47; 2. Aufl. 1865-74);
Agassiz, Nouvelles études (Par. 1847);
Schlagintweit, Untersuchungen über die physik.
Geographie der Alpen (Lpz. 1850 u. 1854); B. Studer, Geologie der Schweiz (2 Bde., Bern [* 41] 1851-53); Schlagintweit, Neue Untersuchungen über die physik. Geographie der Alpen (Lpz. 1854); Tschudi, Tierleben der Alpenwelt (ebd. 1854; 11. Aufl. 1890); Becker, Österr. Vaterlandskunde, Tl. 1 (Wien [* 42] ¶