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Alkoholismus

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Alkoholismusoder Alkoholvergiftung bezeichnet den Inbegriff aller derjenigen körperlichen, geistigen und / 1763

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Alkoholismus


Fortsetzung: Alkohole, organische Verbindungen, die in ihren Eigenschaften und Bildungsweisen dem gewöhnlichen Alkohol
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Der folgende Butylalkohol, C4H10O , ist in 2 isomeren Formen bekannt: Normalbutylalkohol CH3.CH2.CH2.CH2OH ^[CH3.CH2.CH2.CH2OH] und Isobutylalkohol ^[img].

Die möglichen Isomeren werden bei steigender Anzahl der Kohlenstoffatome immer zahlreicher, so sind vom primären Amylalkohol, C5H12O , schon 4 Isomere bekannt u.s.w. (s. Isomer).

2) Einwertige sekundäre Alkohole leiten sich vom Methylalkohol in der Weise ab, daß zwei Wasserstoffatome desselben durch Alkyle ersetzt sind. Sie enthalten demnach die Gruppe -CHOH-. Der erste sekundäre Alkohol ist der sekundäre oder Isopropylalkohol, CH3.CHOH.CH3 ^[CH3.CHOH.CH3], isomer mit dem Propylalkohol. Vom sekundären Amyalkohol an sind auch hier zahlreiche Isomere möglich.

3) Einwertige tertiäre Alkohole leiten sich vom Methylalkohol ab, indem 3 Wasserstoffatome desselben durch Alkyle ersetzt werden. Sie enthalten die Gruppe ^[img], und das erste Glied [* 2] ist der tertiäre Butylalkohol ^[img].

4) Zweiwertige Alkohole enthalten nach dem oben Gesagten zwei Hydroxylgruppen und werden im allgemeinen als Glykole bezeichnet. Das einfachste Glied ist das Äthylenglykol oder Glykol schlechtweg, CH2OH.CH2OH ^[CH2OH.CH2OH] = C2H6O2 .

5) Dreiwertige Alkohole. Zu dieser Gruppe gehört das wichtige, in den Fetten vorhandene Glycerin, C3H8O3 = CH2OH.CHOH.CH2OH ^[CH2OH.CHOH.CH2OH].

Man kennt ferner vier-, fünf- und sechswertige Alkohole, wie den Erythrit, C4H10O4 ; Arabit, C5H12O5 ; den Mannit, C6H14O6 .

Glieder, künstliche

Bild 7.430: Glieder, künstliche
* 3 Glieder.

Die einwertigen Alkohole sind wasserhelle flüchtige Flüssigkeiten oder bei höherm Molekulargewicht feste krystallinische Körper, meist von schwachem Geruch; die niedern Glieder [* 3] sind in Wasser sehr leicht löslich. Die zwei- und dreiwertigen sind ebenfalls meist flüssig und flüchtig, das Glycerin ist aber unter gewöhnlichem Luftdruck schon nicht mehr destillierbar; die höherwertigen Alkohole sind ausnahmslos feste, gut kristallisierende Körper. Mit der Zunahme der Anzahl der Hydroxylgruppen wird der süße Geschmack der Alkohole intensiver; der Mannit schmeckt schon ganz zuckerähnlich.

Bei der Oxydation verhalten sich die Alkohole verschieden, je nachdem sie primäre, sekundäre oder tertiäre (s. Kohlenstoffbindung) sind. Die primären Alkohole verwandeln die in allen enthaltene Gruppe -CHOH- in die Gruppe -CHO und -COOH: es bilden sich Aldehyde und weiter Carbonsäuren von gleicher Kohlenstoffanzahl. Die sekundären Alkohole geben erst Ketone durch Übergang der Gruppe -CHOH- in die Gruppe =CO, bei weiter gehender Oxydation zerfallen sie in Säuren mit einer geringern Anzahl von Kohlenstoffatomen. Das letztere ist auch der Fall bei den tertiären Alkohole, die außerdem weder Aldehyde noch Ketone zu liefern imstande sind.

Von allgemein anwendbaren Bildungsweisen der Alkohole kennt man eine große Zahl; die wichtigsten sind folgende:

1) Zersetzung der halogensubstituierten Kohlenwasserstoffe mit Alkalihydraten oder der Iodide mit feuchtem Silberoxyd:

C2H5J + AgOH = C2H5OH + AgJ

2) Reduktion von Aldehyden und Ketonen durch Natriumamalgam oder Zink und Säuren. Dabei entstehen primäre oder sekundäre Alkohole 3) Behandeln der ungesättigten Kohlenwasserstoffe mit konzentrierter Schwefelsäure [* 4] und Zersetzung der gebildeten Ätherschwefelsäuren durch Kochen mit Wasser:

C2H5O.SO2OH ^[C2H5O.SO2OH] + H2O ^[H2O] = C2H5OH ^[C2H5OH + H2SO4 .

Alkoholismus

oder Alkoholvergiftung bezeichnet den Inbegriff aller derjenigen körperlichen, geistigen und sittlichen Schäden und Nachteile, die aus dem übermäßigen Genuß von Alkohol (s. d.) und alkoholhaltigen Getränken entspringen. Infolge der enormen Verbreitung, welche der Alkohol als Genußmittel fast allenthalben gefunden, erstrecken sich seine unheilvollen Wirkungen nicht nur auf das einzelne Individuum, sie sind vielmehr fühlbar für die ganze Gesellschaft und nehmen deshalb neuerdings das Interesse der Ärzte, Nationalökonomen und Gesetzgeber in hervorragendem Maße in Anspruch.

Tabak

Bild 65.572: Tabak
* 5 Tabak.

Die Wirkungen des Alkohols auf den menschlichen Organismus sind verschiedene, je nachdem er verdünnt oder konzentriert, in kleinern oder größern Mengen, gelegentlich oder gewohnheitsmäßig genossen wird. Kleine Mengen rufen wie andere gleichfalls giftige Genußmittel (Tabak, [* 5] Thee, Kaffee) eine angenehme Aufregung hervor, welcher später ein Zustand der Erschlaffung folgt; sie bewirken zunächst das Gefühl von Wärme [* 6] im Magen [* 7] und in der Haut, [* 8] machen den Puls kräftiger und schneller, veranlassen einen stärkern Blutzufluß zu den Baucheingeweiden (Leber) und dem Kopfe und regen die geistige Thätigkeit an. Nach dem Genusse größerer Mengen Weingeist sind diese Wirkungen stärker, und die schädlichen Einflüsse derselben treten hervor.

Die Verminderung der Leistungsfähigkeit macht sich früher und in stärkerm Grade geltend. Das Denkvermögen verliert an Schärfe, das Gedächtnis wird unsicher, die Sinne versagen den Dienst, das Gehirn [* 9] verliert seine Herrschaft über den Körper, so daß die Bewegungen unsicher werden und endlich Schlafsucht und völliger Verlust des Bewußtseins sich anschließen (akuter Alkoholismus, Rausch, Trunkenheit). Bei dem Hinzutreten anderer Einflüsse kann durch Herzlähmung oder Schlagfluß der Tod erfolgen.



Alkoholismus

Bild 51.413: Alkoholismus
* 10 Seite 51.413.

Der Körper bedarf einiger Zeit, um sich von solchen Angriffen auf seinen Normalzustand zu erholen, und es hinterbleibt daher nach dem Rausche eine Störung der Gesundheit, bei welcher die Zeichen eines Magen- und Darmkatarrhs (der sog. Katzenjammer) hervortreten. Bei häufiger Wiederholung der Intoxikation mit Alkohol bilden sich allmählich in allen Geweben und Organen des Körpers gewisse krankhafte Veränderungen und Störungen aus, die schließlich eine völlige Zerrüttung des ganzen Organismus zur Folge haben und unter dem Namen des chronischen Alkoholismus (Trunksucht, Trunkfälligkeit, Säuferkrankheit) zusammengefaßt werden. Am frühzeitigsten pflegt beim Gewohnheitstrinker der Verdauungsapparat zu erkranken; chronischer Rachen- und Magenkatarrh, Appetitlosigkeit, morgendliches Erbrechen, Säurebildung und Verstopfung sind die ersten Symptome des Alkoholmißbrauchs und haben schließlich schwere Ernährungsstörungen und fehlerhafte Blutmischung zur Folge. Vermöge der abnormen Verdauung und des veränderten Stoffwechsels kommt es leicht zu einer übermäßigen Fettablagerung in der äußern Haut und den innern Organen, welche mannigfache Beschwerden und Störungen bewirkt. Namentlich die Leber ist vergrößert, schwerer, mit Fett infiltriert; nicht selten bildet sich unter dem irritierenden Einfluß des Alkohols eine chronische Entzündung dieses Organs aus mit nachfolgender Schrumpfung, ¶

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Gelbsucht, Bauchwassersucht und Erschöpfung (sog. Lebercirrhose, granulierte Leber oder Säuferleber).

Fast immer findet sich bei Trinkern eine Vergrößerung (Hypertrophie) des Herzens, zu der sich späterhin fettige Entartung des Herzmuskels und der größern Gefäße gesellt. (S. Herzverfettung.) Von seiten der Atmungsorgane stellen sich schon bald chronische Kehlkopf- und Lungenkatarrhe ein und bedingen die bläulichrote Gesichtsfarbe, die anhaltende Heiserkeit und Kurzatmigkeit der Gewohnheitstrinker. Die Nieren erkranken nicht selten infolge ihrer gesteigerten Thätigkeit unter der Form der Brightschen Krankheit (s. d.). Sehr zahlreich und bedeutungsvoll endlich sind bei Trunksüchtigen die Erkrankungen des Nervensystems.

Blutüberfüllung des Gehirns und seiner Häute, Verdickungen der Hirnhäute, Blutergüsse in das Gehirn (Schlagflüsse), Entzündungen der Hirnsubstanz mit nachfolgender Atrophie derselben (Hirnschwund) sowie analoge Erkrankungen des Rückenmarks und der Sinnesorgane kommen bei Trinkern oft vor und werden die Ursache mannigfacher psychischer Störungen (Hallucinationen, Delirien, Blödsinn, allgemeine Paralyse u. a.). Selbst geringfügige Erkrankungen, operative Eingriffe und Verlegungen sind bei Gewohnheitstrinkern oft von schweren Hirnsymptomen, dem sog. Säuferwahnsinn oder Delirium (s. d.), begleitet.

Eine natürliche Folge dieser Umstände ist es, daß die Sterblichkeitsziffer der Trunksüchtigen eine ganz abnorme Höhe erreicht. Nicht nur, daß eine große Anzahl von Trinkern während oder unmittelbar nach einem Alkoholexzeß plötzlich stirbt, eine noch weit größere erliegt den mittelbaren Folgezuständen des Alkoholismus, namentlich dem Delirium tremens. Nach amtlichen Erhebungen gingen in England in den J. 1847-74: 22 723 Personen an den unmittelbaren Folgen der Trunksucht zu Grunde;

Neuyork [unkorrigiert]

Bild 62.298: Neuyork [unkorrigiert]
* 11 Neuyork.

in Neuyork [* 11] ist ein Drittel aller Todesfälle direkt oder indirekt durch den Alkoholismus bedingt, und in den 38 Jahren 1840-78 sind 190.000 Menschen daselbst durch den Einfluß des Alkohols gestorben, so daß sich William Parker zu dem Ausspruch berechtigt glaubt, daß das Gelbe Fieber gegenüber der Trunksucht ein sehr mildes Leiden [* 12] für die Menschheit sei.

Hierzu kommt, daß unter den tödlichen Verunglückungen ein nicht unerheblicher Teil lediglich durch den Alkoholismus veranlaßt und herbeigeführt wird; in Frankreich beispielsweise verunglückten im Rausche in der neuesten Zeit durchschnittlich jährlich 404 Personen, im Königreich Sachsen [* 13] waren 1847-76 unter 17 939 tödlichen Verletzungen 1111 oder 6,2 Proz., im Königreich Preußen [* 14] 1809-73 unter 33 371 tödlichen Verletzungen 1554 oder 4,6 Proz. notorisch durch Trunkenheit und Trunksucht verursacht.

Dänemark

Bild 4.500a: Dänemark
* 15 Dänemark.

Einen ebenso wichtigen Anteil nimmt der am Selbstmord. So ließen sich 1875 in Frankreich 17 Proz., in Dänemark [* 15] 17,5 Proz., in Preußen 8 Proz., in Sachsen 10,3 Proz., in Rußland sogar 38 Proz. aller Selbstentleibungen auf übermäßigen Alkoholgenuß zurückführen. Nicht minder auffallend ist das Verhältnis der Trunksucht zum Irrsinn; Stark giebt für das Elsaß bei 34 Proz. der Männer und 15 Proz. der Frauen Trunksucht als Ursache des Irrsinns an, und Nasse fand in der Rheinprovinz [* 16] 27,7 Proz. der männlichen Geisteskranken infolge von Alkoholmißbrauch erkrankt.

Hierzu kommt als weiteres wichtiges Moment, daß Trunksüchtige auf ihre Nachkommenschaft gewisse Krankheitsanlagen im Bereiche des physischen, psychischen und moralischen Lebens vererben, welche schließlich eine wesentliche Degeneration der Bevölkerung [* 17] zur Folge haben, wie dies für einzelne Teile von Schweden, [* 18] Galizien, Preußen und dem Kanton Bern [* 19] durch die Verminderung der Militärbrauchbarkeit der heranwachsenden Jugend bereits erwiesen ist; die Kinder von Gewohnheitstrinkern sind meist schwächlich und besitzen häufig eine große Prädisposition zu schweren Nervenkrankheiten (Epilepsie, Veitstanz, Idiotie u.s.w.) und zu Geistesstörungen.

Quelle

Bild 13.510: Quelle
* 20 Quelle.

Der Alkoholismus führt zu den schwersten Nachteilen für die Wohlfahrt der Familie, der Gemeinde und des Staates, insofern er die ergiebigste Quelle [* 20] der Einzel- wie der Massenarmut darstellt, das Familienglück dauernd vernichtet, die Prostitution fördert und den Sinn für öffentliche Ordnung und Rechtssitte völlig untergräbt. In welch einschneidender Weise der Nationalwohlstand durch den Alkoholmißbrauch in Mitleidenschaft gezogen wird, geht aus der Thatsache hervor, daß die Ausgaben für Schnaps nach Brüning jährlich in Preußen 261, in England 1200, in der kleinen Schweiz [* 21] jährlich 120 Mill. M. betragen, und doch bilden diese direkten Ausgaben nur einen geringen Teil derjenigen Schäden, welche dem Nationalvermögen durch die Trunksucht und ihre Folgezustände zugefügt werden.

Wie groß der Einfluß ist, den der Alkoholismus auf die Häufigkeit und die Art der Verbrechen ausübt, haben erst neuerdings wieder die verdienstlichen Untersuchungen von Baer gezeigt, nach denen sich in Deutschland [* 22] 1874 unter 32 837 Gefangenen 13 706 (41,7 Proz.) Trinker und zwar 7269 (22,1 Proz.) Gelegenheitstrinker und 6437 (19,6 Proz.) Gewohnheitstrinker befanden. Hinsichtlich der verschiedenen Arten der Verbrechen ließ sich nachweisen, daß der Mord in 46,1 Proz., der Totschlag in 63,2 Proz., Körperverletzungen schwerer Art in 74,4 Proz., solche leichterer Art in 63 Proz., Widerstand gegen die Staatsgewalt in 76,5. Proz., Vergehen gegen die Sittlichkeit in 77 Proz. der Fälle im Zustande der Trunkenheit verübt worden waren.

Ebenso wurden in England nach amtlichen Erhebungen drei Viertel bis vier Fünftel sämtlicher Verbrechen unter dem Einfluß des Alkohols begangen. Mit der Zunahme der Trunksucht steigt naturgemäß die Zahl der Verbrechen, während umgekehrt überall da, wo sich eine Abnahme des Alkoholverbrauchs konstatieren läßt (z. B. in Irland infolge der Bestrebungen des Pater Mathew, in Schweden nach energischen Repressivmaßregeln der Staatsgewalt), sich eine starke Verminderung zeigt.

Hinsichtlich der Bekämpfung der Trunksucht muß vor allem betont werden, daß nur dann ein sicherer Erfolg erwartet werden kann, wenn Staat und Gesellschaft gemeinsam gegen den Alkoholismus energisch Stellung nehmen. Was sich von seiten einzelner privater Vereine durch Opferwilligkeit, Humanität und zähe Beharrlichkeit im Kampfe gegen die Trunkfälligkeit erreichen läßt, haben die seit 1808 in Nordamerika [* 23] wirkenden Mäßigkeits- und Abstinenzgesellschaften, die über England seit 1829 verbreiteten Temperanzgesellschaften (s. d.), ferner die wunderbaren Erfolge des irischen Enthaltsamkeitsapostels Pater Mathew, der in den J. 1838-56 über einer Million Menschen das Gelöbnis der Abstinenz abnahm, sowie die ersprießliche Thätigkeit der schwed. Mäßigkeitsvereine zur Genüge bewiesen. Auch die in Deutschland begründeten Mäßigkeitsvereine nahmen einen vielversprechenden Anlauf, [* 24] fanden aber unter den polit. Wirren des J. 1848 ein plötzliches Ende. Die Errichtung und Unterstützung derartiger ¶

Fortsetzung Alkoholismus:
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Quelle: Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910; Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896; 1. Band, Seite 410 [Suche = 51.412] im Internet seit 2005; Text geprüft am 26.2.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am 22.8.2026 mit URL:

https://elexikon.ch//51_0412

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