Gebirge finden sich große beckenförmige Hochebenen eingesenkt, die zum
Teil beträchtliche
Binnenseen einschließen (die von
Skutari, Ochrida, Kastoria, Jannina u. a. m.), durch ihre
Fruchtbarkeit eine dichtere
Bevölkerung
[* 2] ernähren und Mittelpunkte
des Verkehrs bilden. Der Lauf der
Flüsse
[* 3] des
Landes
(Bojana, Drin,
Devol, Bojussa,
Kalamas u. a. m.) wechselt meist zwischen
offenen Längthälern und engen Felsdurchbrüchen, so daß die Verkehrswege ihnen vielfach nicht zu folgen
vermögen.
Dem Wechsel im
Streichen der
Gebirge entspricht die
Richtung der
Küste. Von NW. her macht sie am Drin eine Biegung nach S.,
bis sie sich am
KapGlossa (Akrokeraunischen
Vorgebirge), wo sie sich (an der
Straße von Otranto) der ital.
Küste bis auf 70 km genähert hat, wieder nach O. wendet. So gliedert sich das Land naturgemäß in zwei
Teile: das nördl.
Oberalbanien mit nordsüdl.
Küste und das südl. Unteralbanien mit nordwest-südöstl.
Küste. In ersterm lagert sich dem
Gebirge ein von den
Flüssen aufgebauter ebener, lagunen- und fieberreicher Küstensaum vor, während die
Berge Unteralbaniens meist schroff ins
Meer abstürzen; nur bei Philiatäs und bei
Preveza finden sich hier Küstenebenen.
Das Klima ist, außer an der Lagunenküste Oberalbaniens, vortrefflich, die Hitze der mit Süditalien
[* 4] gleichen
Breite
[* 5] durch
Gebirgs- und Seeluft gemäßigt. Der
Boden der
Thäler und Ebenen würde bei einiger Pflege reichen Ertrag
abwerfen; die
Berge sind meist kahl und unfruchtbar.
Mais und andere Getreidearten gedeihen überall;
Tabak
[* 6] wächst in Fülle;
Olivenpflanzungen an den
Küsten liefern bedeutende Ausfuhr. Die
Höhen an der
Küste waren früher dichter bewaldet und lieferten
vortreffliche Schiffbauhölzer.
Die verschiedensten europ. Marinen,
Ägypten,
[* 7] die
Pforte selbst bezogen von hier aus einen
Teil ihres Bedarfs.
Jetzt sind sie durch Abholzung in öde Wüstenei verwandelt, nur im Innern giebt es noch
Wälder, zum
TeilUrwald. Der Volksgeist
neigt mehr zum umherschweifenden Hirtenleben als zum seßhaften
Ackerbau. Rinder-, Vieh- und Schafzucht sind im Betriebe;
die Ausfuhr an Vieh ist nicht erheblich, viel Schafe
[* 8] gehen nach
Konstantinopel.
[* 9] Sonst werden ausgeführt
Schildkröten,
[* 10] gedörrte Fische,
[* 11]
Sumach, Galläpfel,
Wachs; statt der früher bedeutenden Korallenfischereien kam Seesalzbereitung
besonders bei
Avlona auf.
Dort wird auch
Asphalt, Schwefel und
Gips
[* 12] gewonnen. Der Verarbeitung des Produktenreichtums sind die Einwohner ziemlich abhold.
Sie sind zum größten
TeilAlbanesen (s. d.), nur im
NO. mit
Serben und
Türken untermischt und im S., im
Epirus, zum
Teil gräcisiert. Vereinzelt sind die zahlreichen
Ansiedelungen der Südrumänen im Grammos,
Pindos, bei
Avlona. Die
Lage des
Landes ist für den Verkehr von hoher Bedeutung. Durch seine große
Annäherung an
Italien
[* 13] ist es zur Vermittelung
zwischen diesem und der
Balkanhalbinsel
[* 14] berufen und hat diese Rolle im
Altertum auch gespielt; damals zog von der Hafenstadt
Dyrrhachium
(Durazzo) die große Heerstraße, die
ViaEgnatia, durch Albanien nach Saloniki.
[* 15] Später hat die Unsicherheit und der
Verfall
der Verkehrswege dem
Lande diese Bedeutung gänzlich geraubt. Albanien ist das wildeste, uncivilisierteste und
unbekannteste Land Europas. Die bedeutendsten
Städte sind
Prizren,
Skutari,
Durazzo,
Avlona und Jannina. -
Vgl. Leate, Travels
in
Northern Greece (4 Bde., Lond.
1836);
Grisebach,Reise durch Rumelien (2 Bde., Gött.
1841);
Viquesnel, Voyage
dans la Turquie d'Europe (2 Bde., Par.
1857-69);
Hahn,
[* 16]
Reise durch die Gebiete des Drin und Wardar
(Wien
[* 17] 1870);
(Albano Laziale), Stadt im
Kreis
[* 18]
Rom
[* 19] der ital.
ProvinzRom, 20 km südöstlich von
Rom, an der
Via Appia und der Zweigbahn
Albano-Nettuno 138 km), ist Sitz eines
Bistums, das unmittelbar unter dem röm.
Stuhle steht und von einem Kardinalbischof
verwaltet wird, und hat (1881) 6981, als Gemeinde 705)5 E. Der Ort, obgleich ärmlich und nicht
sehr reinlich, enthält zahlreiche Villen und Landhäuser vornehmer
Römer
[* 20] und ist von ausgedehnten Weinpflanzungen umgeben,
die einen vorzüglichen roten und weißen, schon im
Altertum berühmten
Wein liefern.
Die Frauen des Ortes stehen im Rufe großer Schönheit und haben eine höchst malerische
Tracht, die sie
nur noch an hohen Festtagen tragen. Albano verdankt seinen Ursprung den Villen des Pompejus und wurde von den röm.
Kaisern, namentlich Domitian, zu einer einzigen großartigen Villa ausgebaut. So entstand allmählich eine neue Stadt,
das municipium Albanum, von der noch zahlreiche Reste vorhanden sind, z. B.
die einer Wasserleitung,
[* 21] eines
Amphitheaters und der kolossalen Bauten Domitians, während von dem uralten
Albalonga (s. d.)
sich nichts mehr erhalten hat, so daß seine
Lage sich nicht mehr sicher bestimmen läßt.
In der nächsten Umgebung liegen: das sog. Grabmal des
Ascanius (angeblichen Gründers von
Albalonga) vor
dem
Thore an der
Appischen Straße, ohne
Grund für das Grabmal des Pompejus gehalten; auf der andern Seite der Stadt (nach
Ariccia zu) das sog. Grabmal der
Horatier und Curiatier, eine Nachahmung eines etrusk.
Grabes, vermutlich aus der frühern Kaiserzeit.
Ein großartiges Baudenkmal der Neuzeit ist der 1846-53 unter
Pius IX. durch Bertolini errichtete
Viadukt
(304 m lang, 59 m hoch) auf der
Straße nach
Ariccia, aus Peperin erbaut, mit drei
Bogenstellungen übereinander. Er überschreitet
das tiefe, zwischen und dem Städtchen
Ariccia gelegene
Thal.
[* 22]
Eine besondere Zierde der reizenden Umgebungen von Albano bilden die prächtigen, von Papst
Urban VIII. (1623-44)
angelegten
Alleen riesiger
Bäume
(Galleria genannt). Albano liegt am Westabhange des schönbewaldeten
Albanergebirges (Monti-Albani),
eines vulkanischen Ringgebirges mit mehrern Kratern, deren zwei durch den
Albaner- und Nemisee erfüllt werden. Der höchste
Punkt des
Gebirges ist der
Monte-Cavo
(Mons
[* 23] Albanus der Alten, 956 m) mit Aussicht auf das
Gebirge, auf
Rom und
seine
Campagna, die
Etrusker- und Sabinerberge und die
Küste von
Terracina bis Civitavecchia. Er erhebt sich auf dem Westrande
eines trocknen, mit Süßwasserschichten erfüllten Kraters, genannt das Lager
[* 24] des Hannibal, und
war in vorröm.
Albans - Albarracin
* 26 Seite 51.322.
Zeit der
HeiligeBerg der Latiner, auf dem die Bundesfeste (Feriae latinae) gehalten wurden und der hochberühmte
Tempel
[* 25] des
Jupiter Latiaris stand. Der
Tempel wurde erst 1783 durch Kardinal von
York zerstört und die Trümmer zum
Bau des Passionistenklosters
auf dem Gipfel des
Berges verwendet. Unweit des Kraters führt eine noch trefflich erhaltene antike, mit großen Lavapolygonen
gepflasterte
Straße auf die Höhe des
Berges, wohl die
Via triumphalis, auf der röm. Feldherren, denen
der
Triumph in
Rom nicht bewilligt ward, feierlich zum
Tempel hinaufzogen. - Der höchst malerische Albanersee (gewöhnlich
Lago di Castello genannt),
¶
mehr
zwischen und dem Monte-Cavo (170 m tief, 5,5 qkm groß), liegt in 294 m Höhe. Der steile Kraterrand überragt den Spiegel
[* 27] des Sees um 160 m und ist schön bewaldet. Als die Römer 397 v. Chr. Veji bekriegten, wuchs dieser See im heißen Sommer ohne
sichtbare Ursache zu einer ungewöhnlichen Höhe. Etrusk. Wahrsager erklärten, daß die Eroberung von
Veji von dem Ablassen des Sees abhänge. Auf diese Veranlassung führten die Römer unter Anleitung der Etrusker durch Lava und
Peperin einen Abzugskanal (Emissarium), wobei sie die Minierkunst erlernten, die sie nun zur Untergrabung der Mauern von Veji
anwendeten.
Der noch bestehende Kanal
[* 28] (1200 m lang, 1,3 m breit und 2-3 m hoch) führt durch den Hügel unterhalb
Castel-Gandolfo. Das Wasser fließt nach Bewässerung der Felder in den Tiber. Südwestlich vom Albanersee liegt 30 m höher
der Nemisee, Lacus Nemorensis der Alten (100 m tief, 1,5 qkm groß). Von dem einst berühmten Tempel der
Diana Nemorensis sieht man den Unterbau unweit des Sees bei dem Städtchen Nemi. Die landschaftlichen Schönheiten ziehen
zahlreiche Fremde und Künstler an. - Berühmt ist der Albaner Stein, jetzt Peperino genannt, eine Art vulkanischen Tuffs von
asch- oder grünlichgrauer Farbe, der bei Albano gebrochen wird und ein gutes Baumaterial abgiebt.