mehr
Beauf-183 sichtigung der Kinder und des Hauses, sowie der Feldbau. – Die Wohnung besteht meist aus fensterlosen Gras- oder Lehmhütten mit sehr niedrigem Eingang. Sie sind entweder rechteckig (Tembes) oder kegelförmig oder bienenkorbartig; Häuser mit Giebeldach kommen nur in der westl. Hälfte des tropischen A. vor. Die Massai und Hottentotten wohnen in leicht abzubrechenden zeltartigen Hütten, [* 2] während die Buschmänner in Felshöhlen und die Zwergvölker unter niedrigen, halbkugelförmigen Blätterbedachungen hausen. – Die Hauptbeschäftigung der Bewohner des äquatorialen und des südöstlichen A. und der Nilländer ist der Ackerbau, oft verbunden mit Viehzucht. [* 3]
Der Ackerbau wird mit einfachen Geräten und ohne Pflug [* 4] betrieben, für die Aufbewahrung des Getreides werden besondere Kornspeicher errichtet. Fast ausschließlich betreibt man Viehzucht im südwestl. und in dem vom Indischen Ocean begrenzten nordöstl. Teil A.s, ferner im ganzen Sudan und in den Ländern der Nordküste. Vegetabilien sind das Hauptnahrungsmittel; Fleisch wird meistens nur bei festlichen Gelegenheiten genossen. Menschenfresserei kommt im Kongo- und obern Nilgebiet noch häufig vor.
Tabak
* 5 Tabak.Unter den Genußmitteln steht der Tabak [* 5] in erster Reihe, der geschnupft oder aus Pfeifen geraucht, selten gekaut wird; weit verbreitet ist das Hanfrauchen; im Westsudan [* 6] werden Gurunüsse gekaut. – Die Industrie ist trotz mangelhafter Werkzeuge [* 7] zum Teil gut entwickelt und legt ein beredtes Zeugnis für die technische Geschicklichkeit der Neger ab. Von der Metallindustrie ist namentlich die Bearbeitung des Eisens weit verbreitet, hervorragend sind besonders die schönen getriebenen Gefäße im Niger-Binuegebiet und in Aschanti.
Die Kupferindustrie ist beschränkt und geht südlich nicht weit über den Äquator. Die geringe Silberbearbeitung steht ganz unter arab. und ind. Einfluß, Gold [* 8] wird fast gar nicht von den Eingeborenen bearbeitet. Die Thongefäße sind meist von einfacher, aber ebenmäßiger Gestalt, farbig verziert, schwarz eingebrannt und oft gut geglättet. Große urnenformige Thongefäße dienen zur Aufbewahrung des Getreides, die Thongefäße der eigentlichen Neger sind gewöhnlich cylindrisch und ohne Henkel.
Haut (anatomisch)
* 9 Haut.Neben den Thongefäßen finden sich Kürbisgefäße (besonders reich verziert und geschnitzt an der Westküste), Ledergefäße (z.B. am Niger und in Bornu) und Behälter aus Tierblase (bei den Zulu). Das Gerben der Haut [* 9] ist nur im Sudan bekannt, sonst wird dieselbe durch sorgfältiges Schaben und Klopfen zubereitet. Sehr kunstvoll sind oft die Holz- und Elfenbeinschnitzereien. Geschnitzte Fetische und Ahnenfiguren sind besonders bemerkenswert bei den Bari, im Kongogebiet, auf der Loangoküste, Angola, Lubu, Kioko.
Geschnitzte und bemalte Thüren finden sich am Kongo, am Gabun und in Unjamwesi. Auch Sessel, Kopfschemel, Stöcke und Opfertische sind vielfach mit Schnitzerei verziert. Die Flechtindustrie ist allgemein verbreitet und zum Teil hoch entwickelt. Die Körbe werden aus Palmblättern, Binsen und Stroh geflochten, die Somal verstehen wasserdichte Körbe herzustellen. Viel gebraucht sind Matten, von denen an der Loangoküste besonders schöne mit Tiergestalten und in Uganda mit farbenprächtigen Mustern gefertigt werden. – Die Kleidung entspricht nicht durchweg den Anforderungen des Klimas und deutet öfters auf Beibehaltung früherer Gewöhnung bei veränderten klimatischen Verhältnissen. Zu dem einfachen, als Schamdecke dienenden Fellstückchen des Buschmanns tritt bei Hottentotten und Betschuanen der Pelzmantel (Karoß), bei Herero das Schaf- oder Ziegenfell und weiter der verzierte Schurz und das Lendentuch.
Webstühle
* 10 Webstuhl.Während viele Negerstämme des äquatorialen A. fast oder vollkommen nackt gehen, hüllen sich die Waganda und Wanjoro vollständig in Rindenstoffgewänder ein. Wo in Ost- und Westafrika der Webstuhl [* 10] bekannnt ist und die Baumwollstaude gedeiht, wird auch Baumwollzeug getragen. – Von Waffen [* 11] sind Speer und Bogen [* 12] die ältesten und verbreitetsten. Kostbare Prunklanzen finden sich namentlich im Kongogebiet und in Mittelafrika, die Lanzenschäfte der Bari, Zulu u.s.w. sind mit Hautstreifen umwickelt.
Eine besondere Art der Lanze ist der Wurfspeer (Assagai), in einfachster Gestalt bei Hottentotten und Herero, sonst mit Widerhaken versehen und mit Messingdraht umwickelt. Auch Wurfpfeile kommen vor, z.B. mit flach gerundeter spitze in Mittelafrika. Die Wurfkeule (Kirri) findet sich bei Buschmännern, Hottentotten, Zulu, Herero u.s.w., reich geschnitzt besonders bei den Barotse. Eigentümlich ist den Niam-Niam, Bangala, Musgu und Tibbu das Wurfmesser. Die Schilde sind teils geflochten, teils aus Häuten verfertigt.
Muscardine - Muscheln
* 14 Muscheln.Das Schwert ist nur im östl. Äquatorialafrika [* 13] verbreitet, dagegen findet man die Streitaxt bei sehr vielen Völkern; ebenso das Dolchmesser. Die Prunkwaffen der Sudanvölker zeigen arab. Einfluß. – Als Schmuck dienen Metall- und Elfenbeinreifen, Gehänge aus Perlen, Muscheln [* 14] und Elfenbein, Lippenpflöcke u.s.w. Besonderer Wert wird auf den Kopfputz gelegt, hier dienen ebensowohl mächtige Federhelme, Federkronen und Haarkränze als auch phantastische Frisuren (besonders in Mittelafrika) zum Schmuck.
Teils zum Schmuck, teils zum Schutz gegen Witterungseinflüsse dient das Einschmieren des Körpers mit Fett und Farbstoff. Viel verbreitet ist auch das Ausbrechen und Spitzfeilen der Zähne, [* 15] das Durchbohren der Lippen und der Nasenflügel und das Tätowieren (s. d.). – Die Vorliebe für Tanz und Musik führt zu einer großen Mannigfaltigkeit der Musikinstrumente. Es finden sich von Blasinstrumenten Antilopenhörner, von Saiteninstrumenten die Kürbisgeige und Gora der Betschuanen und Hottentotten, sowie Zither, Guitarre und Harfe, von Schlaginstrumenten Trommeln und die Marimba oder das Kalebassenpiano, ferner eiserne Glocken und Tanzrasseln. (Hierzu die Tafeln: Afrikanische Kultur I, II.) Sklaverei.
Afrika (Staaten und Ko
* 18 Seite 51.186.Die Sklaverei ist fast ganz allgemein; als Haussklaverei tritt sie zwar gewöhnlich in milder Form auf, die Erwerbung von Sklaven giebt jedoch zu fortwährenden Fehden und Raubzügen Veranlassung. Sklaven waren früher die kostbarsten und begehrtesten Produkte A.s. Besonders großartig war die Sklavenausfuhr nach Amerika [* 16] an der Westküste. Seitdem aber die amerik. Staaten einer nach dem andern die Sklaverei aufgehoben haben, hat diese Ausfuhr ganz aufgehört. An der Ostküste ist der Sklavenhandel seit Begründung der deutschen und engl. Kolonien im frühern Machtbezirk von Sansibar [* 17] im Verschwinden begriffen. Der stärkste Export findet gegenwärtig noch aus dem Sudan nach dem arab. Nordafrika statt. Allerdings ist das Los der Sklaven bei ihren arab. Herren kein so erbärmliches, als man gewöhnlich sich vorstellt; sie werden meist als zur Familie gehörig angesehen. Wohl aber sind es die mit dem Sklavenhandel verbundenen Sklavenjagden mit ihren grauenhaften Verwüstungen ganzer Landstriche, die ein ¶
Bevölkerungsstatistisc
* 22 Bevölkerung.mehr
Haupt-184 hindernis der Kulturentwicklung in den betreffenden Teilen A.s bilden. Ob es möglich sein wird, die Negersklaven
auf den afrik. Plantagen ohne weitere Übergangs- und Zwischenstufe sogleich zu freien Arbeitern zu machen, ist eine vielumstrittene
Frage praktischer Kolonialpolitik. Religion. Das Christentum, das vor Mitte des 7. Jahrh. über ganz Nordafrika
verbreitet war, hat sich nur in Abessinien und bei den Kopten
[* 19] Ägyptens erhalten. Der Erfolg der im 16. Jahrh. unternommenen
Christianisierungsversuche in Oberguinea, am Kongo, in Loango und Angola war bereits im 17. Jahrh. wieder vertilgt. In neuester
Zeit hat unter dem Schutz franz. Waffen der Katholicismus an der Nordküste wieder Fuß gefaßt, und in
Algier ist 1867 ein Erzbischof eingesetzt worden. Im tropischen und südlichsten Teil A.s hat das Christentum in neuester Zeit
durch die europ. Niederlassungen und Kolonisationsbestrebungen bedeutend an räumlicher Ausdehnung
[* 20] gewonnen. In Südafrika
[* 21] waren unter einer eingeborenen Bevölkerung
[* 22] von 4½ Mill. 1888 auf 502 evang. Missionsstationen 456 europ.
und 91 eingeborene Missionare thätig und wurden 344
835 Getaufte gezählt, während die röm.
Kirche hier etwa 2000 Eingeborene für sich gewonnen hatte. (Vgl. Merensky, Der gegenwärtige Stand der evang. Mission in Südafrika,
Berl. 1891.) Die Missionsunternehmungen in Ostafrika sind meist neuesten Ursprungs, und hier kann
von Erfolgen noch nicht die Rede sein. In Uganda am Victoria
[* 23] Njansa, wo die Church mission gute Aussichten
hatte, wurde durch die Mohammedaner und das Eindringen der röm. kath.
Mission große Verwirrung angerichtet, wie überhaupt der Wettkampf zwischen den Evangelischen und Katholischen der Sache nicht
förderlich ist. Die Zahlenangaben über die religiösen Verhältnisse sind noch sehr unsicher und beruhen
zum Teil auf bloßen Annahmen. Man schützt das Verhältnis der Mohammedaner zu den Heiden wie ¼ zu fast ¾, rechnet 1 Mill.
Juden, 1/8 M. Hindu und etwa 3½ Mill. Christen, darunter allerdings die beträchtliche Zahl europ. Einwanderer, besonders im
Süden.
Norddeutscher Lloyd -
* 24 Norden.Der Hauptfeind des Christentums ist der Islam, der im ganzen Norden [* 24] herrscht und sich seit dem 7. Jahrh. mit den siegreich vordringenden Arabern unter den Eingeborenen der Berberei, des größten Teils der Sahara, der Nilländer, des ganzen Sudan und der Küsten des Roten und Indischen Meers verbreitet hat. Der Islam tritt hier noch mit gewaltigem Fanatismus auf, namentlich im Sudan, wo er unter blutigen Kämpfen immer weiter um sich greift. Im ganzen übrigen A. herrscht heidn.
Glaube in der Form des Fetischismus (s. d.) und der Ahnenverehrung (s. d.). Der Tierdienst (s. d.) ist ziemlich weit verbreitet, ebenso die Verehrung von Bäumen und Berggipfeln. Formell ist der heidn. Kultus besonders an der Westküste ausgebildet, wo auch die eigentliche Heimstätte der geschnitzten Götzenbilder in Gestalt von menschlichen [* 18] Figuren und Teufelsfratzen ist. Bei vielen heidn. Negerstämmen ist Beschneidung üblich. Eine außerordentlich wichtige Rolle im Leben der Eingeborenen spielen die meist über einige mediz.
Kenntnisse verfügenden Fetischpriester und Zauberer, die bei jeder wichtigen Unternehmung hinzugezogen werden, um dieselbe vorzubereiten und ihren Erfolg zu sichern. Zu ihren Hauptfunktionen gehört der Verkehr mit den Geistern der Abgeschiedenen, denen großer Einfluß auf die Geschicke der Lebenden beigelegt wird; als Regenmacher haben sie oft mehr Ansehen und Macht als die Häuptlinge. Eine noch höhere Stellung nehmen an der Westküste die Priester der großen unsichtbaren Geister ein, die im Gegensatz zu den erwähnten Zauberern eine erbliche Priesterkaste bilden und deren Hauptthätigkeit in der Veranstaltung von Gottesurteilen und der Darbringung der Opfer besteht. Menschenopfer kommen namentlich bei Totenfeiern und Begräbnissen der Häuptlinge vor, in einigen Reichen des Westens werden noch hier und da Hunderte von Sklaven und Gefangenen hingeschlachtet.