Wohlriechende Heckenkirsche
Die Wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima), auch Duft-Heckenkirsche, Winter-Geißblatt oder Winter-Heckenkirsche ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heckenkirschen (Lonicera) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Sie kommt ursprünglich in China vor und wird in den gemäßigten Gebieten als Zierpflanze verwendet.
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Wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lonicera fragrantissima | ||||||||||||
| Lindl. & Paxton |
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
BearbeitenDie Wohlriechende Heckenkirsche wächst gewöhnlich als aufrechter, locker verzweigter und sommergrüner Strauch. Gelegentlich werden auch dichter verzweigte Formen oder solche mit niederliegenden Zweigen beobachtet.[1] Die Wohlriechende Heckenkirsche besitzt eine buschig-rundliche Silhouette[2], ihre Wuchshöhe beträgt 1 bis 2 Meter. Die Rinde der Zweige ist anfangs ocker-braun und meist mit zurückgebogenen Borsten behaart,[1] später hell-grau, bei Ästen blättert die Borke ab.[2] Im Unterschied zu anderen Lonicera-Arten, die hohle Zweige besitzen, enthalten die biegsamen Zweige der Wohlriechenden Heckenkirsche ein volles Mark.[1]
Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der rau behaarte Blattstiel ist 2 bis 5 Millimeter lang. Die Spreitengestalt kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 8,5 Zentimetern sowie einer von Breite von 1 bis 4,5 Zentimetern verkehrt-eiförmig über eiförmig bis lanzettlich mit fast herzförmiger bis keilförmiger Spreitenbasis und gerundetem bis zugespitztem oberen Ende. Der ganzrandige Blattrand ist bewimpert oder beinahe kahl; bisweilen rollt er sich leicht nach unten ein.[1] Die Blattunterseite ist im Vergleich zur hell- bis sattgrünen Blattoberseite oft etwas blasser und matter.[2] Blattober- und Unterseite können kahl bis fein oder rau behaart sein.[1] Häufig befindet sich auf den Blattadern eine feine Behaarung.[2]
Die gerundete Winterknospen besteht aus einem Paar schützend umhüllender, knorpeliger, spitz zulaufender Außenschuppen und lang auswachsenden, häutigen inneren Knospenschuppen.[1]


Generative Merkmale
BearbeitenDie Blütezeit erstreckt sich von Januar bis April. Unterhalb des Blütenstandes befinden sich zwei blattähnliche, bei einer Länge von 7 bis 10 Millimetern annähernd lanzettliche, häufig grün-purpurfarbene Hochblätter.[1] Der Blütenstand bildet sich in den Blattachseln, die sich an der Basis neuer Zweige befinden. Der Blütenstandsschaft ist 1 bis 15 Millimeter lang und zum oberen Ende hin nicht verdickt; er kann kahl oder auch rau behaart sein. Jeweils ein Blütenpaar steht in einem achselständigen Blütenstand zusammen.
Die Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche duften angenehm nach Jasmin. Die zwittrige Blüte ist zygomorph, fünfzählig und besitzt eine doppelte Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind becherförmig miteinander verwachsen und die Form des Kelches verengt sich zur Basis hin nicht; der Kelchrand ist entweder gestutzt oder gleichmäßig gelappt; bisweilen ist er fein behaart.[1] Die fünf Kronblätter bilden eine zweilippige Blütenkrone, die eine Länge von 1 bis 1,5 Zentimetern aufweist. Die Farbe der Kronblätter variiert von weiß bis creme-weiß; häufig ist die Krone mit einem blassen, verwaschenen rosa Farbton leicht überlaufen.[2] An ihrer Außenseite kann sie kahl oder fein behaart sein. Die bei einer Länge von 4 bis 5 Millimeter längliche Kronröhre ist auf Innenseite dicht flaumig behaart; in Richtung Kronröhrenbasis ist sie schwach vorspringend. Nahe der Basis der Kronröhre befindet sich im Inneren auf der ventralen Seite das Nektarium aus kräftigen, drüsigen, sitzenden Trichomen. Die Oberlippe der Blütenkrone ist etwa 7 Millimeter lang und ist etwa bis zur Mitte gelappt. Die Unterlippe ist zurückgebogen und ungefähr 8 Millimeter lang. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden, die ungleich lange Staubfäden besitzen und die gold-gelben Staubbeutel dorsal fixiert; sie überragen die Blütenkrone. Die gepaarten, unterständigen Fruchtknoten sind bis zur Mitte oder etwas darüber miteinander verwachsen.[1] Der schmale, kahle Griffel endet in einer kopfigen Narbe und überragt die Kronröhre.
Die Früchte sind rundliche, bei Reife attraktiv gefärbte korallenrote, bisweilen auch lachsrote Beeren, die teilweise (analog zu den Fruchtknoten) miteinander zu Doppelbeeren verwachsen sind.[2] Eine unverwachsene Beere hat einen Durchmesser von etwa 1 Zentimeter. Die bei einer Länge von etwa 3,5 Millimetern länglichen, braunen Samen sind leicht abgeflacht und besitzen seichte Grübchen. Die Beeren gelten als leicht giftig. Die Fruchtzeit erstreckt sich von April bis Juni.[2][1]
Ökologie
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Die Wohlriechende Heckenkirsche gehört zu den vorwiegend insektenbestäubten Pflanzen; ihre Blüten sind einfach und für die meisten Insekten leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 2 (mittel) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert. Die Blüten werden in Mitteleuropa üblicherweise gut von Honigbienen und verschiedenen Wildbienen- und Hummelarten besucht.[3] Besonders wertvoll für die Insektenwelt sind die Blüten der Wohlriechenden Heckenkirsche durch ihren sehr frühen Blühzeitraum. Sie können für vorzeitig aus dem Winterschlaf erwachte oder regulär sehr früh im Jahr aktive Insekten (z. B. überwinternde Schmetterlingsarten, Hummelköniginnen) überlebenswichtige Nahrungsquellen darstellen.
Nicht nur die Blüten, sondern auch die Laubblätter haben einen sehr hohen ökologischen Wert für die Insektenwelt: Bislang wurde für mindestens 27 verschiedene tag- und nachtaktive Schmetterlingsarten nachgewiesen, dass sie die Wohlriechende Heckenkirsche als Raupenfutterpflanze angenommen haben; acht Arten davon wurden auch beim Blütenbesuch beobachtet.[4] Außerdem sind die Früchte sehr begehrt bei Singvögeln[2] und werden oft schon vor Erreichen ihrer vollständigen Reife abgefressen; damit kann sich die Wohlriechende Heckenkirsche prinzipiell ornithochor ausbreiten. Für den mitteleuropäischen Raum ist aber bislang keine invasive Ausbreitung beobachtet und dokumentiert worden. In den US-Bundesstaaten Alabama und North Carolina ist sie dagegen heute (Stand Dez. 2025) als „invasiv/schädlich“ eingestuft.[5]
Vorkommen
BearbeitenSystematik
BearbeitenDie Erstbeschreibung von Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxton erfolgte 1852 durch John Lindley und Joseph Paxton in Paxton's Flower Garden, Band 3, Seite 75. Das Artepitheton leitet sich vom lateinischen Wort fragans mit der deutschen Bedeutung „duftend“ ab und bezieht sich, ebenso wie der deutsche Trivialname Wohlriechende Heckenkirsche, auf die intensiv nach Jasmin duftenden Blüten.[2]
Je nach Autor gibt es zwei oder drei Unterarten oder Varietäten:[1]
- Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxton var. fragrantissima[1]
- Lonicera fragrantissima var. lancifolia (Rehder) Q.E.Yang, Landrein, Borosova & J.Osborne (Syn.: Lonicera standishii f. lancifolia Rehder): Diese Neukombination erfolgte 2011. Sie gedeiht in Wäldern und Gebüschen in Höhenlagen von 100 bis 2700 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, Hubei, Hunan sowie Sichuan.[1]
Botanische Geschichte
BearbeitenEs wurden etwa drei Unterarten beschrieben:
- Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxton subsp. fragrantissima[1]
- Lonicera fragrantissima subsp. phyllocarpa (Maxim.) P.S.Hsu & H.J.Wang: Sie kommt in China und in der Oblast Amur vor.
- Lonicera fragrantissima subsp. standishii (Jacques) P.S.Hsu & H.J.Wang: Sie wird von manchen Autoren auch als eigene Art angesehen. Sie ist aber ein Synonym von Lonicera fragrantissima subsp. fragrantissima.[1]
Als Varietät ist neben der Nominatform Lonicera fragrantissima var. fragrantissima noch Lonicera fragrantissima var. lancifolia (Rehder) Q.E. Yang, Landrein, Borosova & J. Osborne beschrieben, die sich in Breite und Form der Laubblätter von Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxton var. fragrantissima unterscheidet.[1] Sie kommt nur in den Provinzen Anhui, Hubei, Hunan und Sichuan vor.[1]
Die Art und ihre früher noch als eigenständige Art Lonicera standishii Carrière eingestufte Unterart sind höchstwahrscheinlich die Elternarten einer vor 1920 im Botanischen Garten Darmstadt zufällig entstandenen Kreuzung, die den botanischen Namen Lonicera ×purpusii Rehder bekommen hat; sie wird außerdem mit dem eindeutigen Trivialnamen Purpus-Heckenkirsche und wie ihre Elternarten auch als Winter-Heckenkirsche oder Winter-Geißblatt bezeichnet.
Gärtnerische Eigenschaften und Verwendung
BearbeitenDie Wohlriechende Heckenkirsche kommt mit mehr oder minder nährstoff- und humusreicher Gartenerde und verschiedenen anderen, möglichst durchlässigen Bodentypen gut zurecht, die auch kalkhaltig sein dürfen. Staunässe und deutlich saure Substrate sollten vermieden werden.
Die Wohlriechende Heckenkirschen bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 4 (bis −34 °C) angegeben.[4][2][6] Die Wohlriechende Heckenkirschen bilden eine Herzwurzel aus; etablierte Exemplare ertragen damit auch recht gut Trockenheit, wobei Wassergaben bei lang anhaltender Trockenheit förderlich für den Blütenansatz des Folgejahres sind.
Die Art gilt insgesamt als robust und pflegeleicht: Probleme mit Pflanzenkrankheiten oder Schädlingen sind nicht bekannt. Sie kommt ohne regelmäßige aufwändige Schnittmaßnahmen aus; bei Bedarf sollten kranke oder abgestorbene Triebe entfernt werden. Ein Erziehungs- oder Verjüngungsschnitt sollte nach dem Ende der Blühphase durchgeführt werden. Eine Vermehrung kann problemlos durch Ausläufer oder Stecklinge erfolgen.[2]
Die Wohlriechende Heckenkirsche wurde 1845 von dem schottischen Gärtner und Forschungsreisenden Robert Fortune in Europa eingeführt[3], ist im mitteleuropäischen Raum als Zierstrauch für Parks, Grünanlagen und Gärten nur wenig bekannt und eingesetzt. Im „Gartenbau“ wird sie als Duftpflanze in Gruppenbepflanzungen oder solitärstehend empfohlen.[7]
Literatur
Bearbeiten- Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 5., aktualisierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8186-0016-7, S. 391.
- Qiner Yang, Sven Landrein, Joanna Osborne, Renata Borosova: Caprifoliaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 23: Acoraceae through Cyperaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-930723-99-3. Lonicera fragrantissima Lindley & Paxton in Paxton. S. 628 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-12-819644-1, S. 373.
Weblinks
Bearbeiten- M. Lorek, 2024: Lonicera fragrantissima bei Tropengarten.
Einzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Qiner Yang, Sven Landrein, Joanna Osborne, Renata Borosova: Caprifoliaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 23: Acoraceae through Cyperaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis. 2011, ISBN 978-1-930723-99-3. Lonicera fragrantissima Lindley & Paxton in Paxton. S. 628 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Natacha Mauric: Lonicera fragrantissima – Chèvrefeuille d’hiver. In: Jardin! L’Encyclopédie. Société des Gens de Lettres, 12. Mai 2005, abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch).
- 1 2 Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxt. In: Trees and Shrubs Online. The International Dendrology Society, abgerufen am 16. Dezember 2025 (englisch).
- 1 2 Wohlriechende Heckenkirsche. In: NaturaDB. Maseto GmbH, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Lonicera fragrantissima Lindl. & Paxton. Natural Resources Conservation Service, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch, Lasche 'Invasive/Noxious').
- ↑ Lonicera fragrantissima. In: North Carolina Plant Toolbox. North Carolina State University, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Brickell Christopher: Garten- und Zimmerpflanzen. Das praktische Standardwerk für jeden Gärtner. DuMont’s grosse Garten-Enzyklopädie DuMont-Verlag ISBN 3-7701-4605-0, S. 56
