Stella Soulioti
Stella Soulioti (griechisch Στέλλα Σουλιώτη, geborene Stella Kakogianni [Στέλλα Κακογιάννη]; * 13. Februar 1920 in Limassol; † 2. November 2012 ebenda) war eine zyprische Juristin, die als erste Frau in Zypern als Rechtsanwältin arbeitete sowie das Amt einer Generalstaatsanwältin ausübte. Außerdem wurde sie die erste Justizministerin ihres Heimatlandes.

Leben und Karriere
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Stella Soulioti war die Tochter des Rechtsanwalts Panagiotis Kakogiannis und seiner Frau Angeliki. Sie wuchs mit drei Geschwistern in einer für ihre Zeit fortschrittlichen, großbürgerlichen Familie auf, die Wert auf die Bildung ihrer Töchter legte. Einer ihrer Brüder war der Regisseur Michalis Kakogiannis (englisch Michael Cacoyannis), der durch seinen Film Alexis Sorbas (1964) berühmt wurde. Ihr Bruder Gogos (Georgios) Kakogiannis wurde ebenfalls Jurist, ihre Schwester Giannoula Kakogianni leitete das Kulturzentrum Michalis Kakogiannis in Athen.[1] Stella Soulioti besuchte die Schule in Zypern und studierte ab 1938 am Saint James Secretarial College in London. Anschließend arbeitete sie als Sekretärin in der damaligen Kolonialregierung ihres Heimatlandes.[2]
Sie war eine von 60 Frauen und die erste Zypriotin, die während des Zweiten Weltkriegs 1943 der britischen Women’s Royal Air Force beitrat. Sie diente in Kairo als Übersetzerin und kam damals in dieselbe Abteilung wie der englische Schriftsteller Lawrence Durrell. Im Herbst 1946 schied sie im Rang eines Leutnants aus dem Dienst aus. Anschließend studierte sie Rechtswissenschaft am Gray’s Inn in London. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den Arzt Dimitrios Souliotis, kennen. Das Paar hatte eine Tochter. Nach ihrem Studienabschluss im Jahr 1951 kehrte Stella Soulioti nach Zypern zurück und arbeitete als Rechtsanwältin in der Kanzlei ihres Vaters in Limassol. Sie war die erste Frau, die in Zypern diesem Beruf nachging.[1]
Nachdem im August 1960 die Republik Zypern ausgerufen worden war, wurde sie zur Justizministerin unter Erzbischof Makarios. Sie war damals eine der ersten Frauen Europas, die dieses Amt bekleidete.[1] 1963 übernahm sie zusätzlich das Gesundheitsministerium. 1970 gab sie beide Ministerien ab, um 1971 das Amt der Legislativkommissarin (Επιτρόπος Νομοθεσίας) zu übernehmen, eine neu geschaffene Institution, die während ihrer Amtszeit bis 1984 durch ihre Arbeit ein solides Fundament erhielt.
Parallel zu diesen Aufgaben wurde sie ab 1968 Beraterin von Erzbischof Makarios während seiner interkommunalen Gespräche. Nach dem türkischen Einmarsch in Zypern wurden die Gespräche 1975 wieder aufgenommen. Damals fungierte sie als Beraterin zum sogenannten Zypernkonflikt. Später wurde sie Sonderberaterin aller amtierenden Präsidenten der Republik bis zu Tassos Papadopoulos (2003–2009). Von 1987 bis 1991 war sie außerdem Mitglied des Exekutivrats der UNESCO.[1]
1984 wurde sie auf Vorschlag des Präsidenten der Republik Spyros Kyprianou zur Generalstaatsanwältin der Republik Zypern ernannt, ein Amt, das sie als erste Frau bekleidete und vier Jahre lang innehatte.[3]
Neben ihrer juristischen und politischen Karriere war sie von 1961 bis 2004 Präsidentin des zyprischen Roten Kreuzes sowie von 1971 bis 1978 Vizepräsidentin der Krebsgesellschaft.[1] Besonders gelobt wurde sie für ihren Einsatz als Präsidentin des Roten Kreuzes nach dem türkischen Einmarsch, als sie im Chaos der ersten Tage nach der Invasion sofort humanitäre Hilfsorganisationen koordinierte und sicherstellte, dass das internationale Rote Kreuz sie und ihr Land dabei unterstützte. Darüber hinaus förderte sie systematisch das Spenden von Blut und richtete eine Blutbank ein.[4]
Durch ihren Lebenslauf und ihre Karriere wurde sie für viele jüngere Frauen ihres Landes zum Vorbild.[4] Sie starb im Alter von 92 Jahren in ihrer Heimatstadt.[1]
Auszeichnungen
Bearbeiten- 2012: Das 1957 gegründete „Kinder-Rehazentrum des zyprischen Roten Kreuzes“ (Παιδικό Αναρρωτήριο Κυπριακού Ερυθρού Σταυρού) wird nach ihr in Therapeutisches Kinderzentrum des Roten Kreuzes „Stella Soulioti“ (Θεραπευτικό Κέντρο Παιδιών Κυπριακού Ερυθρού Σταυρού "Στέλλα Σουλιώτη") umbenannt.[5]
- 2020: Ihr Porträt schmückte eine Sonderbriefmarke der zyprischen Post mit dem Nennwert 0,34 Euro.[6]
- 2021: Nach ihr wurde der zyprische Menschenrechtspreis benannt (Βραβείο Ανθρωπίνων Δικαιωμάτων «Στέλλα Σουλιώτη»).[7]
Veröffentlichungen
Bearbeiten- Brief history of intercommunal negotiations since 1974: Interim Report of the Committee on Turkish Affairs, 1949. Nicosia 1998.
- Fettered independence: Cyprus, 1878–1964. Modern Greek Studies, University of Minnesota, 2006, ISBN 978-0-979121814.
Weblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 4 5 6 Στέλλα Σουλιώτη (1920 - 2012), Η πρώτη γυναίκα Δικηγόρος, υπουργός και Γεν.Εισαγγελέας της Κύπρου BPW Cyprus Federation of Business and Professional Women. Abgerufen am 23. Januar 2026.
- ↑ Σαν Σήμερα .gr: Στέλλα Κακογιάννη-Σουλιώτη: Η πρώτη γυναίκα δικηγόρος και υπουργός της Κύπρου. Abgerufen am 23. Januar 2026 (griechisch).
- ↑ Στέλλα Σουλιώτη. In: University of Cyprus Library. Abgerufen am 23. Januar 2026 (griechisch).
- 1 2 Κυπρίων Έργα: Κυπρίων Έργα: Στέλλα Κακογιάννη-Σουλιώτη. 2. November 2016, abgerufen am 23. Januar 2026.
- ↑ ΘΕΡΑΠΕΥΤΙΚΟ ΚΕΝΤΡΟ ΠΑΙΔΙΩΝ Κ.Ε.Σ. ΣΤΕΛΛΑ ΣΟΥΛΙΩΤΗ. Abgerufen am 23. Januar 2026 (gr).
- ↑ Στην κυκλοφορία αναμνηστική σειρά γραμματοσήμων με προσωπικότητες της Κύπρου [ΒΙΝΤΕΟ]. 17. September 2020, abgerufen am 23. Januar 2026 (griechisch).
- ↑ Πρώτο Βραβείο Ανθρωπίνων Δικαιωμάτων «Στέλλα Σουλιώτη»– Η μεγαλύτερη εθνική διάκριση του Hope For Children. Abgerufen am 23. Januar 2026 (gr).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Soulioti, Stella |
| ALTERNATIVNAMEN | Σουλιώτη, Στέλλα (griechisch); Kakogianni, Stella |
| KURZBESCHREIBUNG | zyprische Juristin und Ministerin |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1920 |
| GEBURTSORT | Limassol |
| STERBEDATUM | 2. November 2012 |
| STERBEORT | Limassol |