Ralph Herforth

deutscher Schauspieler

Ralph Herforth (* 15. Januar 1960 als Ralph Schwachmeier in Herford) ist ein deutscher Schauspieler.

Ralph Herforth (2024)

Nach einer klassischen Theaterausbildung und Festengagements an Bühnen wie dem Berliner Schillertheater etablierte er sich ab den 1990er-Jahren im deutschen Kino und Fernsehen, wo er häufig physisch präsente Charaktere, Ermittler und Antagonisten verkörperte. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Rollen in den Kinofilmen Knockin’ on Heaven’s Door (1997) und Der Eisbär (1998) sowie die langjährige Hauptrolle des Kriminalkommissars Matthias Hamm in der ZDF-Krimireihe Unter anderen Umständen. Parallel zu seiner schauspielerischen Tätigkeit betreibt Herforth eine Immobilienagentur in Berlin und Brandenburg.

Ralph Herforth wuchs mit seinem Zwillingsbruder in seiner Geburtsstadt Herford auf. Nach dem Abitur 1979 erweckte sein Interesse am Schauspiel, als er in einem Salzburger Musical-Seminar Assistent für Unterrichtsplanung war. Er absolvierte eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, die er 1982 abschloss.[1] Seinen Künstlernamen hat er in Anlehnung an seinen Geburtsort gewählt, nachdem ihm aufgrund des kompromittierenden Familiennamens Schwachmeier dazu geraten wurde.[2]

Herforth hat aus einer früheren Beziehung zwei Söhne. Im Sommer 2011 heiratete er seine Schauspielkollegin Zora Holt. Ende August desselben Jahres wurde er zum dritten Mal Vater. Das Paar lebt im Ortsteil Klosterheide von Lindow (Mark), Landkreis Ostprignitz-Ruppin.[3]

2024 wurde bei Herforth ein Glioblastom diagnostiziert, ein aggressiver Hirntumor. Er wurde operiert, erhielt Strahlen- und Chemotherapie und eine individuelle Immuntherapie.[4][5]

Herforth ist neben seiner Tätigkeit als Schauspieler auch als Geschäftsführer einer Immobilienmaklerei tätig. Neben seiner Mietwohnung in Berlin-Schöneberg hat er ein Haus am Gudelacksee, der früher Feriensitz des SED-Politikers Hermann Axen war.[6]

Karriere

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Sein erstes Festengagement am Heidelberger Theater an. Dort übernahm er 1986 unter der Regie von Peter Schanz die Rolle des Vollmond in Nigel WilliamsKlassenfeind, wobei er unter anderem an der Seite von Hans-Jochen Wagner und Thomas Anzenhofer spielte. Ein Jahr später, 1987, verkörperte er an gleicher Wirkungsstätte den Melchior Gabor in Frank Wedekinds Frühlings Erwachen. Die Inszenierung leitete David Mouchtar-Samorai; zu Herforths Bühnenpartnern gehörten Barbara Auer und Stefan Hunstein. Zur Spielzeit 1988/1989 wechselte er an das Staatstheater Braunschweig, wo er in Friedrich Schillers Drama Die Räuber als Karl Moor zu sehen war. Regie führte Axel Richter, während Götz Schubert und Andreja Schneider in weiteren Rollen mitwirkten. Im Anschluss folgte eine prägende Phase am renommierten Schillertheater Berlin, das Herforth bis zu dessen Schließung im Jahr 1993 als festes Ensemblemitglied begleitete. Seine dortige Arbeit begann 1989 mit Georg Büchners Dantons Tod in der Regie von Klaus Michael Grüber, in der er als Legendre und Mercier neben Theatergrößen wie Bernhard Minetti, Jutta Lampe und Libgart Schwarz auftrat.

1990 stand er in einer vielbeachteten Neuinszenierung von Schillers Die Räuber unter der Regie von Alexander Lang auf der Bühne. Herforth übernahm hierbei die Rolle des Spiegelberg, während Ben Becker den Franz Moor, Guntram Brattia den Karl Moor und Katharina Thalbach weitere tragende Rollen spielten. Ein großer Erfolg gelang ihm 1991 als Edmund in William Shakespeares König Lear. Unter der Regie von Hans Neuenfels spielte er den Bastardsohn von Gloster an der Seite von Harald Juhnke in der Titelrolle sowie Elisabeth Trissenaar und Dagmar Manzel. Unter der Regie von Alfred Kirchner war Herforth 1992 in Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil in einer Doppelrolle als junge Gestalt des Mephistopheles sowie als Türmer Lynkeus zu sehen; das Ensemble umfasste zudem Thomas Holtzmann, Traugott Buhre und Christine Oesterlein. Seine Zeit am Schillertheater endete 1993 mit Friedrich Schillers Drama Don Karlos in der Funktion des Herzogs von Alba. Die Regie dieser Inszenierung führte Leander Haußmann, während Steffen Schortie Scheumann und Henry Hübchen zu seinen Mitspielern zählten.

Nach dem Ende des Schillertheaters arbeitete Herforth als freischaffender Gast an verschiedenen großen Bühnen. So trat er 1994 bei den Salzburger Festspielen in Shakespeares Antony and Cleopatra als Sextus Pompeius auf. Regie führte Peter Stein, die Hauptrollen waren mit Hans-Michael Rehberg, Corinna Harfouch und Sven-Eric Bechtolf besetzt. Im Jahr 1995 gastierte er am Deutschen Theater Berlin in Hugo von Hofmannsthals Der Turm. In der Rolle des Julian spielte er unter der Regie von Thomas Langhoff an der Seite von Jörg Gudzuhn, Ulrich Mühe und Dieter Mann. Ein bemerkenswertes Gastspiel führte ihn schließlich 1997 an das Thalia Theater Hamburg, wo er unter der Regie von Jürgen Flimm die ikonische Rolle des Stanley Kowalski in Tennessee WilliamsEndstation Sehnsucht übernahm und an der Seite von Susanne Lothar als Blanche DuBois glänzte.

Obwohl sich Herforth ab Ende der 1990er-Jahre primär auf seine weitreichende Film- und Fernsehkarriere konzentrierte, kehrte er auch in den folgenden Jahrzehnten punktuell für ausgewählte Großproduktionen und Festspiele auf die Theaterbühne zurück. Neben klassischen Theaterengagements erweiterte er sein darstellerisches Spektrum im Live-Bereich erheblich durch literarische Lese-Projekte. So gehörte er im Spätsommer 2026 zu den prominenten Akteuren des Lindower Lesefests in seiner Wahlheimat Brandenburg. Bei diesem Open-Air-Kulturprojekt gestaltet er gemeinsam mit Kollegen wie Tanja Wedhorn und Tim Oliver Schultz szenische Lesungen klassischer und moderner Werke an historischen Schauplätzen zwischen der Lindower Klosterruine und dem Gudelacksee.[7]

Film und Fernsehen

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1990 trat Herforth in einer Folge der Krimiserie Derrick erstmals im Fernsehen auf. Sein Filmdebüt gab er 1992 unter der Regie von Lars Becker, an der Seite von Diego Wallraff und Christian Redl im Actiondrama Schattenboxer. Aufgrund seiner markanten, physisch präsenten Statur, seiner rauen Stimme und seiner furchtlosen Ausstrahlung wurde er fortan vermehrt als „Mann fürs Grobe“, Gesetzeshüter oder krimineller Antagonist besetzt. In der erfolgreichen Kinokomödie Irren ist männlich (1996) von Sherry Hormann übernahm er die Rolle des Di Santis und bewies an der Seite von Corinna Harfouch und Herbert Knaup seine Wandelbarkeit im humoristischen Fach. Nur ein Jahr später folgte ein kurzer, aber denkwürdiger Auftritt als namenloser Kellner in Thomas Jahns Kultkomödie Knockin’ on Heaven’s Door (1997), die zugleich eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit Til Schweiger einläutete. Im Anschluss etablierte sich Herforth als feste Größe im Ensemble namhafter deutscher Autorenfilmer und spielte unter anderem in Fatih Akins preisgekröntem Hamburger Milieudrama Kurz und schmerzlos (1998).Ebenfalls im Jahr 1998 festigte er seinen Ruf als wandlungsfähiger Charakterdarsteller durch zwei herausragende Rollen. In Til Schweigers Regiedebüt Der Eisbär übernahm er eine tragende Hauptrolle als Zivilpolizist. An der Seite von Ralf Richter verkörperte er darin ein abgebrühtes, skurriles Ermittler-Duo, das im Zuge einer rasanten Verfolgungsjagd durch die Berliner Unterwelt in ein Netz aus Auftragskillern und Missverständnissen gerät. Herforths lakonische und physisch agierende Darstellung trug maßgeblich zum betont amerikanischen, humorvoll-brutalen Charakter der Actionkomödie bei. Parallel dazu wirkte er im selben Jahr in Roland Suso Richters hochgelobtem, zweiteiligem Fernsehdrama Die Bubi-Scholz-Story als Häftling Ramm mit, welches das tragische Leben des legendären Boxidols Bubi Scholz nachzeichnete und zu den großen deutschen TV-Ereignissen der späten 1990er-Jahre zählte.

Zur Jahrtausendwende spielte Herforth an der Seite von Frank Giering und Stephan Kampwirth die Rolle des Bullwitzer in Hansjörg Thurns Kinokomödie Marmor, Stein & Eisen. Ab Mitte der 2000er-Jahre verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf das Fernsehen. Von 2005 bis 2006 gehörte er neben Jeanette Hain als Nikis Ex-Freund Finn zum Hauptcast der Sat.1-Serie Bis in die Spitzen. Bekanntheit erlangte er vor allem durch die ZDF-Krimireihe Unter anderen Umständen. Seit dem Auftakt im Jahr 2006 verkörpert er dort an der Seite von Natalia Wörner den eigenwilligen, oft griesgrämigen, aber loyalen Kriminalkommissar Matthias Hamm.

Auf der Kinoleinwand wirkt er regelmäßig in Filmproduktionen von Til Schweiger mit, u. a. in 1½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde (2008) und Schutzengel (2012). Wiederholt wurde Herforth auch in internationalen Produktionen besetzt, etwa als kaltblütiger Killer in der dystopischen Comic-Verfilmung Æon Flux (2005) an der Seite von Charlize Theron oder als Fahrer Cannonball Taylor im Actionfilm Speed Racer (2008). Eine späten, vielbeachtete Rolle im internationalen Festivalkino hatte er 2023 als SS-Obergruppenführer Oswald Pohl in Jonathan Glazers oscarprämiertem Drama The Zone of Interest.

Filmografie

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Fernsehserien und -reihen

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Auszeichnungen

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Einzelnachweise

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  1. Ralph Herforth im Munzinger-Archiv, abgerufen am 11. September 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Ralph Herforth bei filmportal.de
  3. Papa Herforth ist auch schlaflos glücklich. In: Berliner Zeitung. Axel Springer, 5. Dezember 2014, abgerufen am 29. November 2021.
  4. Ralph Herforth. In: YES!CON. Abgerufen am 22. Mai 2026.
  5. Gewusst? Das ist der echte Name von "Unter anderen Umständen"-Star Ralph Herforth. 1. April 2026, abgerufen am 22. Mai 2026 (deutsch).
  6. Schauspieler Ralph Herforth: „Viele Kollegen wissen nicht, wie sie die Miete zahlen sollen“. 3. Januar 2025, abgerufen am 3. Januar 2025.
  7. Landkreis Ostprignitz-Ruppin: Lindower Lesefest am 11./12. September 2026. In: ostprignitz-ruppin.de. 7. Juli 2026, abgerufen am 7. Juli 2026.