Patricia Woolley
Patricia Ann (Pat) Woolley (* 1932 in Denmark, Western Australia) ist eine australische Mammalogin, die vor allem durch ihre Forschungen an Beutelsäugern, insbesondere an Arten der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae), bekannt wurde.
Leben
BearbeitenWoolleys Mutter war Krankenschwester, ihr Vater praktizierender Arzt. Das Junior Certificate erwarb sie an der Albany High School.
Nach einem Umzug nach Perth wollte Woolley an der Perth Modern School Naturwissenschaften studieren. Da Frauen dort zu dieser Zeit nicht zum Chemieunterricht zugelassen waren, besuchte sie stattdessen das Perth Technical College und später das Leederville Technical College. Dort konzentrierte sie sich zunächst auf die Mathematik. Auf Anregung eines Lehrers nahm sie anschließend ein Mathematikstudium an der University of Western Australia auf.
Da sie jedoch das Interesse an der Mathematik verlor, wechselte Woolley zur Zoologie. 1955 schloss sie ihr Studium mit dem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Anschließend arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin bei Harry Waring, unter dessen Leitung sie Beutelsäuger erforschte. Bis zu ihrem Umzug nach Canberra im Jahr 1960 führte sie gemeinsam mit Waring experimentelle Untersuchungen durch.
Nach dem Umzug lehrte sie Zoologie an der Australian National University, bevor sie ein Promotionsstudium aufnahm. Nach dem Erwerb des Ph.D. im Jahr 1966 war sie zunächst Dozentin und später außerordentliche Professorin an der La Trobe University in Melbourne. Dort blieb sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2000 tätig.[1]
Wissenschaftliches Wirken
BearbeitenDer Schwerpunkt von Woolleys wissenschaftlicher Arbeit lag auf der Biologie der Beutelsäuger Australiens und Papua-Neuguineas, insbesondere auf Arten der Familie Dasyuridae.[1]
Im Rahmen ihrer Dissertation untersuchte sie die Geschlechtsdifferenzierung innerhalb der Dasyuridae, insbesondere bei Arten der Gattung Antechinus. Zu den wichtigsten Ergebnissen ihrer Forschungen gehörte der Nachweis, dass einige Arten semelpar sind. Das bedeutet, dass sie sich nur ein einziges Mal fortpflanzen und anschließend sterben – ein unter Säugetieren außergewöhnliches Fortpflanzungsmuster.[2]
Nach ihrer Promotion setzte Woolley ihre wissenschaftliche Laufbahn an der La Trobe University fort, wo sie als erste Zoologin der Fakultät tätig war. Während dieser Zeit führte sie ihre Untersuchungen an Raubbeutlern fort.[1]
Ein Schwerpunkt ihrer Forschung war die Penismorphologie verschiedener Arten der Gattung Antechinus. Anhand bestimmter anatomischer Merkmale des Penis konnte sie nachweisen, dass mehrere Arten fälschlicherweise dieser Gattung zugeordnet worden waren, und trug so zu einer Revision ihrer taxonomischen Einordnung bei.[3]
Zwischen 1980 und 1990 unternahm Woolley zahlreiche Forschungsreisen nach Papua-Neuguinea, um Raubbeutler zu fangen und in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.
2024 erschien beim Verlag CSIRO Publishing ihr Buch The evolution of dasyurid marsupials: Systematics and family history.
Dedikationsnamen und Ehrungen
BearbeitenVor Woolleys Forschungen war über die Biologie der Raubbeutler nur wenig bekannt. Ihre Arbeiten weckten großes Interesse innerhalb der zoologischen Fachwelt. 1988 wurde ihr zu Ehren eine neu beschriebene Art der Gattung Pseudantechinus, der Woolleys Fettschwanz-Beutelmaus (Pseudantechinus woolleyae), benannt.[4]
2023 wurde zudem eine neu beschriebene, jedoch ausgestorbene Beutelmausart, Dasycercus woolleyae, nach ihr benannt. Damit wurde ihre jahrzehntelange Forschung an dieser Gattung gewürdigt.[5]
Auszeichnungen
Bearbeiten- Outstanding Achievement Award der Society of Women Geographers (1999)[6]
- Ehrenmitglied und Fellow der Australian Mammal Society (2000)[7]
- Ehrenmitglied der American Society of Mammalogists (2001)[8]
- Ellis Troughton Memorial Award der Australian Mammal Society (2003)[9]
- Mitglied des Order of Australia (2019) für ihre „bedeutenden Verdienste um den Umweltschutz durch den Schutz australischer Raubbeutler“.[10]
- 2024 wurde sie in die Royal Zoological Society of New South Wales aufgenommen.[11]
Weblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 Dr Patricia Woolley, zoologist. In: Australian Academy of Science. Abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Richard W. Braithwaite, Anthony K. Lee: A Mammalian Example of Semelparity. In: The American Naturalist. Band 113, Nr. 1, Januar 1979, ISSN 0003-0147, S. 151–155, doi:10.1086/283372 (uchicago.edu [abgerufen am 31. Juli 2026]).
- ↑ P. A. Woolley: Phallic Morphology of the Australian Species of Antechinus (Dasyuridae, Marsupialia): A New Taxonomic Tool? In: Carnivorous Marsupials. Band 2, 1982, S. 767–781.
- ↑ D. J. Kitchener; N. Caputi: A New Species of False Antechinus (Marsupialia: Dasyuridae) from Western Australia, with Remarks on the Generic Classification within the Parantechini. In: Records of the Western Australian Museum. Band 14, Nr. 1, 1988, S. 46 (gov.au [PDF; abgerufen am 31. Juli 2026]).
- ↑ Jake Newman-Martin; Kenny J. Travouillon; Natalie Warburton; Milo Barham; Alison J. Blyth: Taxonomic Review of the Genus Dasycercus (Dasyuromorphia: Dasyuridae) Using Modern and Subfossil Material; and the Description of Three New Species. In: Alcheringa. Band 47, Nr. 4, 2. Oktober 2023, S. 624–661, doi:10.1080/03115518.2023.2262083.
- ↑ Past Outstanding Achievement Award Recipients. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. August 2015; abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Honorary Life Membership. Abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Elected Honorary Members. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 6. Januar 2014; abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Ellis Troughton Memorial Award. Abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Dr Patricia Ann WOOLLEY. Abgerufen am 31. Juli 2026.
- ↑ Chris Dickman: Fellows of the Royal Zoological Society of NSW Dr Patricia Woolley. Abgerufen am 31. Juli 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Woolley, Patricia |
| ALTERNATIVNAMEN | Woolley, Patricia Ann (vollständiger Name); Woolley, Pat |
| KURZBESCHREIBUNG | australische Mammalogin |
| GEBURTSDATUM | 1932 |
| GEBURTSORT | Denmark, Western Australia, Australien |