Macho

Mann, der seine Männlichkeit betont zur Schau stellt

Macho [ˈmatʃo] (spanisch macho „männlich, Männchen“) ist ein Lehnwort aus dem Spanischen. Es bezeichnet einen Mann, der seine Männlichkeit betont zur Schau stellt und der sich dabei stark an der traditionellen männlichen Geschlechterrolle orientiert.

Der Begriff Macho gilt als möglicher Gegenbegriff zum Wort Softie und wird heutzutage überwiegend abwertend verwendet.

Verwendung im Spanischen

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Im Spanischen bedeutet macho, angewendet auf Tiere, lediglich „männlich“ als Gegenwort zu „weiblich“ („hembra“); die in anderen Sprachen stark negative Konnotation besteht nicht: Auf Menschen angewandt unterstreicht der Begriff macho, durchaus positiv verstanden, die Männlichkeit. Erst als „machismo“[1] wird daraus der Männlichkeitswahn (als Lehnwort Machismo), der dann im deutschen Lehnwort wiederzufinden ist (das Suffix -ismo kann die Konnotation negativ verändern). Der „machista“ steht unter dem Zwang, seine Männlichkeit in der Gesellschaft, notfalls auch gegen seine eigenen Interessen, unter Beweis stellen zu müssen; das bezieht sich sowohl auf die „Verteidigung der Ehre“ wie auch auf sexuelle Herausforderungen.

Im Jargon des Flamenco bezeichnet macho sowohl eine meist dreizeilige Strophenform des Abgesangs,[2] als auch das jeweils tiefer klingende Instrument paarig gespielter Kastagnetten.

Texte aus Spanien und Iberoamerika

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Trotz behördlicher Regulierungsversuche bleibt der Machismo weiterhin in aller Munde. Er wird als ideologischer Glaube an die Überlegenheit von Männern über Frauen bezeichnet. Wirklich fundierte Untersuchungen beziehen sich dabei nur auf den spanischsprachigen Raum und hier wiederum speziell auf Iberoamerika. Der Grund liegt wohl darin, dass in diesem Kulturbereich nicht nur die Wortprägung entstand und das Phänomen besonders stark ausgeprägt ist, sondern vor allem auch eine große Fülle von Dokumenten aus Literatur und Liedtexten vorliegt.

Die nachstehend referierten Untersuchungen basieren methodisch auf psychoanalytischen Theorien speziell zur prä-ödipalen Konfliktforschung bei der Triangulierung sowie deren Übertragung auf literaturwissenschaftliche Interpretationsweisen.[3]

Als kulturelle Ursprünge der Ausformung des lateinamerikanischen Machismo gelten die christlich-abendländische Spaltung des Frauenbildes in Heilige und Hure, die sich seit den Kirchenvätern und der provenzalischen Troubadourlyrik belegen lässt, sowie frauenfeindliche Traditionen der präkolumbianischen Kulturen, die mit denen der spanischen Eroberer eine Synthese eingingen, die wiederum im Rahmen des generellen Kultursynkretismus Lateinamerikas gesehen werden muss. Desgleichen müssten vorchristliche Männlichkeitsrituale, wie sie im spanischen Stierkampf weiterleben, berücksichtigt werden.[4] Die sozio-ökonomischen Grundlagen sind ein Fortleben feudaler Muster, Caciquismo und Caudillismo sowie eine nur schwach entwickelte Mittelschicht mit einem fehlenden bürgerlich-liberalen Denken. Sozialpsychologisch wird Machismo als Kompensation für das Minderwertigkeitsgefühl der Kreolen gegenüber den Spaniern in Europa sowie der von allen verachteten Mestizen mit ihrer berühmten Ahnin La Malinche gedeutet.[5]

Machistische Attitüde als Auflehnung gegen die bürgerliche Moral

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1. So wie der barocke spanische Don Juan – letztlich abhängig von den psychologischen Mechanismen seines Handelns – bewusst gegen die Normen seiner Zeit als das Gesetz des Vaters verstößt, sind auch das berühmte Manifest des Futurismus von 1909 mit dem Schlagwort des „disprezzo della donna“, der im selben Jahr erschienene Roman Mafarka le futuriste von F.T. Marinetti sowie das Manifesto futurista della donna (1912) von Valentine de Saint Point.[6] bewusste Attacken gegen die bürgerliche Ordnung sowie deren Dekadenz. Die „Verachtung des Weibes“ bezieht sich auf Marienkult, Mammismo und die „Femme fatale“ des Fin de siècle bzw. dessen Literatur. Das angebotene neue Frauenbild betont hingegen die Glorie einer Frau, die zukünftige Kämpfer und Helden in unbändiger Lust empfängt und gebiert, womit eine zwar neue, aber nicht weniger problematische Zuweisung hin zum Faschismus erfolgt.

2. Bedeutend radikaler gibt sich die machistische Attitüde der Lederszene sowie der spiegelbildlich dazugehörenden Tunten, oder in der Bondageszene, wo bürgerliche Moralvorstellungen ostentativ abgelehnt werden, aber nicht deren Abschaffung gefordert wird. Dies erklärt auch die je nach Land gefächerte Duldung, wobei so etwas wie eine Norm (das Adjektiv von „Norm“ ist nicht zufälligerweise „normal“) zunehmend weniger durch die tradierte Moral als durch die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD-10 oder DSM IV festgelegt ist.

3. Die „Schmerzgrenze“ – im wahren Sinne des Wortes – wird dann erreicht, wenn durch die machistische Attitüde die Grundfesten der menschlichen Gemeinschaft durch einen zelebrierten Amoralismus und Machismus zerstört werden sollen. Berühmtestes Beispiel ist der Marquis de Sade (1740–1814). So wie später Marinetti können auch Sades Texte zunächst als Persiflage von Jean Jacques Rousseau und des Gedankengutes des frühen Bürgertums gelesen werden.[7] Seine Ablehnung von menschlicher Solidarität, Gleichstellung und Freiheit aller Personen („Liberté“, „Egalité“, „Fraternité“) geschieht auf der Grundlage der aristokratischen Vorstellungen des „Ancien régime“, die er mit einem Sozialdarwinismus lange vor Darwin theoretisch untermauert. Das Gros der Menschheit besteht demnach aus Schafen, deren einziger Daseinszweck es ist, von den Wölfen gefressen zu werden. Eine moralische oder gar politische Organisation der Schafe wird als ein Zusammenrotten der Schwachen gegen die Starken verteufelt. Geltung hat laut Sade nur das Gesetz der Stärkeren, die zum Überleben von Natur aus böse sein müssen. Sade illustriert dieses Gedankengut in La philosophie dans le boudoir (1795), wo die brutalen Akteure in den Ruhepausen über ihre Aktionen philosophieren. Es spielt nur eine untergeordnete Rolle, ob die Handlungen echt oder ausgedacht sind oder ob Sade wirklich so ein ungeheuerlicher Sadist war: Entscheidend ist die Attitüde mit ihrer Vielzahl machistischer Facetten. Handeln und Denken propagieren die Zerstörung einer jeglichen menschlichen Gemeinschaft. Noch beängstigender wirkt, dass es keinen Verhaltensunterschied zwischen Mann und Frau gibt: Ausschlaggebend ist die Zugehörigkeit zu den Starken. Die Aggressionen in den Texten des Marquis spiegeln viele der bisher genannten psychologischen Facetten, allen voran die problematische Beziehung zur Mutter: Der Siebte und Letzte Dialog von La philosophie dans le boudoir enthält nicht nur machistische Zerstückelungsphantasien aller Art, sondern weist mit der von der Tochter angeordneten Vergewaltigung der Mutter durch einen Syphiliskranken und der anschließenden vaginalen und analen Infibulation der Mutter durch die Tochter auf Probleme der aktuellen Frauenliteratur (vgl. nächstes Kapitel).

Ein etwas früherer Beleg für diese menschenverachtende Haltung als Merkmal der französischen Aristokratie des Ancien Régime sind Les liaisons dangereuses (1782) von Choderlos de Laclos. Auch hier erweist sich eine Frau (La Marquise de Merteuil) als wahrhaft „phallische Frau“: Im Gegensatz zu Sade wird diese jedoch nur zur Wahrung des eigenen Vorteils und Genusses – möglichst im Verborgenen hinter der Maske der Scheinheiligkeit – ausgelebt und dient noch nicht der Zerstörung der bestehenden Ordnung. Bei ihrem Gegenspieler, dem Vicomte de Valmont, überschreitet die machistische Attitüde des Libertin die zulässige Grenze: Die in seinen Briefen angeführten Verführungstechniken bilden ein umfassendes Handbuch der psychologischen Kriegsführung und begründen – anders als beim weiblichen Geschlecht – seinen Ruhm in der adeligen Gesellschaft; bei der Verführung der tiefreligiösen und daher sittenstrengen Présidente Mme de Tourvel sieht er seinen Sieg nicht als den über einen lächerlichen Ehemann, sondern als einen über Gott und erhebt sich gottgleich als Herr über die hilflos gemachte Frau. Gleichzeitig weiß er im Vorhinein, dass er die Frau nach der Eroberung als moralisch verwerflich fallen lassen wird, denn die eigentliche Lust resultiert aus der langsamen Eroberung und einem nur kurzen Moment des körperlichen Besitzens, dem sofort die Ablehnung einer möglichen Liebe, die zur Abhängigkeit führen würde, folgt (Lettres 96 und 125). Nur das „Scheitern“ Valmonts, weil er doch der sich anbahnenden bürgerlichen Liebesauffassung verfällt, sowie die moralische Verurteilung der Marquise am Ende des Romans machen ihn für die bürgerliche Moral erträglich und filmtauglich.[8] Sade hingegen fällt der Verdammnis anheim, obwohl viele seiner Szenen das Abendprogramm der Krimiserien bevölkern: Es geht bei Sade vielmehr um das Zerstörungspotential seines Denkens, weshalb auch Verfilmungen tabuisiert werden.[9]

Begriffsinhalt im Deutschen

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Machos werden meist folgende Charaktereigenschaften zugeschrieben:

Der entsprechende Charakterzug heißt „Machismus“. Machistisches Verhalten kann mit einer Aufwertung des Männlichen und einer Abwertung des Weiblichen einhergehen.

Besonders starkes machistisches Verhalten wird als auffälliges Muster oft einzelnen Subkulturen zugeschrieben, wie der Bodybuilding-Szene, Hooligan-Szene, Hip-Hop-Szene, Autotuning-Szene, Skinhead-Szene usw.

Als eher passiver Frauenschwarm wird der Macho dagegen ironisch in dem Lied Macho, Macho von Rainhard Fendrich dargestellt.

Die weibliche bzw. komplementäre Entsprechung zum „Macho“ ist Tussi.

2010 erstellte Rilo Chmielorz ein Radio-Feature mit dem Titel: macho ibérico – Galan und Gewalttäter. – Neue Erkundungen zu einer alten Spezies. für Deutschlandfunk (Erstausstrahlung am 30. Juli 2010), SWR und Saarländischer Rundfunk.[13]

Siehe auch

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Literatur

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  • Franziska Becher: Macho, Softie, Metro – das Männerbild in Publikumszeitschriften. Eine vergleichende Inhaltsanalyse. Vdm, Saarbrücken 2006, ISBN 3-86550-888-X.
  • Peter Collett: Book of Tells. Bantam Paperbacks, ISBN 0-553-81459-1. (Abschnitt über Macho-Gesten)
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Wiktionary: Macho – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Machismo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Weltspiegel Argentinien: Frauen gegen Machokultur, 27. November 2016, 19:20 Uhr, 7 min., abgerufen am 3. Dezember 2016
  1. Der Begriff taucht erstmals ab etwa 1940 in México auf. Vgl. A. Paredes: The United States, Mexico and machismo. In: Journal of the folklore institute. 8, 1971, S. 17–37.
  2. DRAE Eintrag macho, Absatz 11. Abgerufen am 29. Oktober 2021 (spanisch)
  3. Grundlegend waren S. Ramirez: Psicología de sus motivaciones. México 1961. F.G. Pineda: El mexicano. Psicología de su destructividad. México 1965. A. Aramoni: Psicoanálisis de la dinámica de un pueblo. México, tierra de hombres. México 1965. Hervorzuheben sind hier die Analysen und Textbeispiele S. 181–221. Ein typisch statistischer Fragebogen ist der von N. Cortado de Kohan: Un estudio elemental sobre el machismo. In: Revista latinoamericana de psicología. I (1970), vol. 2, S. 33–54. Die Betrachtung des Machismus auf der Grundlage der Literatur beginnt erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts: W. Luchting: Machismo moribundus. In: Mundo nuevo 23 und 24(1968), S. 61–67, S. 175–185. H.J. Müller: Die lateinamerikanische Literatur. In: Jost Hermand (Hrsg.): Neues Handbuch der Literaturwissenschaft. Literatur nach 1945 I. Wiesbaden 1979, S. 443–486. E.M. Santamaria: El machismo en México y tres novelas de Mariano Azuela. Michigan 1981.
  4. Zur Spaltung des Frauenbildes vl. Marianismo. Zum Präkolumbianischen Frauenbild: S. Gruzinski, La mère dévorante: alcoolisme, sexualité et déculturation chez les Mexicas. Zum negativen Frauenbild der Azteken E. Neumann: Die große Mutter. Zürich 1956, S. 174–200.
  5. O. Paz: El laberinto de la soledad. México 1950.
  6. Futurismo: I manifesti (5) – Le donne.
  7. Vgl. den Titel von Sade Justine ou les malheurs de la vertu und von Jean Jacques Rousseau Julie ou la Nouvelle Héloise (1761).
  8. Gefährliche Liebschaften, 1988. Valmont, 1989.
  9. P.P. Pasolini: Salò o le 120 giornate di Sodoma. (Die 120 Tage von Sodom), 1975.
  10. Schwuler Fußball: Im Stadion ist keiner schwul (Memento vom 8. März 2012 im Internet Archive). In: netzeitung.de, 16. November 2006 (abgerufen am 20. Mai 2013).
  11. Adrian Lobe: Die archaische Welt des Fußballs: „Bist du schwul, bist du pfui!“. In: Zeit online. 17. März 2010 (abgerufen am 20. Mai 2013).
  12. Boris Milicevic: Serbischer Fußball: So homophob, so schwul. In: TAZ, 18. Juni 2010 (abgerufen am 20. Mai 2013).
  13. Rilo Chmielorz: macho ibérico – Galan und Gewalttäter. Neue Erkundungen zu einer alten Spezies. Auf: dradio.de