Hildegard Krahmer
Hildegard Krahmer (* 16. März 1912 in Chemnitz; † 10. September 1985 in Winnenden) war eine deutsche Puppenherstellerin, Kunsthandwerkerin und Unternehmerin, die 1947 die Krahmer-Puppen „Kuck in die Welt“ erfand. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch die Weltausstellung 1958 in Brüssel.
Werdegang
BearbeitenHildegard Margarethe Marie Krahmer (geb. Kramer) wurde als Tochter des Nervenarztes Walther Kramer (* 1872) und von Margarethe Ida, geb. Einenkel (* 1884) in Chemnitz geboren. Nach dem Abitur studierte sie an den Universitäten in Rostock und München Philosophie und Germanistik.[1]
1936 heiratete sie Horst Walter Krahmer (1903–1945), der in Chemnitz Mitbesitzer der Metallwarenfabrik seiner Eltern war. Nach der Heirat arbeitete sie im Familienunternehmen mit. Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1943 Sohn Peter-Michael geboren, zwei Jahre später Tochter Eva-Maria (1945–1990). Im selben Jahr starb ihr Mann. Nach dem Krieg lag Sachsen in der Sowjetischen Besatzungszone und 1946 wurde die Firma enteignet.[1]
Hildegard Krahmer begann mit der Fertigung kunstgewerblicher Gebrauchsgegenstände für den Haushalt und einfacher Puppen aus Stoff, die sie verkaufte, um sich und die Kinder ernähren zu können. Sie verlegte sich ab 1947 auf die Herstellung von Puppen mit Holzköpfen, die sie 1948 unter dem Namen „Kuck in die Welt“ auf der Leipziger Messe vorstellte. Mit wachsendem Absatz richtete sie sich im Wohnhaus eine Werkstatt ein und ihre Nachbarinnen halfen beim Nähen. 1951 wurde sie als Holzspielzeugherstellermeisterin in die Handwerkerrolle der Handwerkskammer Chemnitz eingetragen.[1]
Die handgefertigten Puppen mit Echtheitszertifikat wurden mehrfach ausgezeichnet und entwickelten sich zu beliebten DDR-Spielwaren. Im Jahr 1955 wurde Hildegard Krahmer als „Kunstschaffende des Handwerks“ ausgezeichnet und im Juli 1956 erhielt die Krahmer-Puppe durch den Arbeitsausschuss „Gutes Spielzeug“ in Ulm das Prädikat „spiel gut“. Hildegard Krahmer wurde noch mehrfach als Kunsthandwerkerin ausgezeichnet[2] und auf der Weltausstellung in Brüssel wurde ihr 1958 eine Ehrenurkunde verliehen. Sie stellte ihre Puppen regelmäßig auf der Leipziger Messe aus und erreichte so auch internationale Bekanntheit und Abnehmer. Wegen der Ähnlichkeit der Puppen wurde sie auch „Käthe Kruse des Ostens“ genannt.[1]
Dadurch, dass Hildegard Krahmer nur zehn Mitarbeiter beschäftigte, entging der Betrieb den Verstaatlichungen in der DDR 1972. Hildegard Krahmer starb 1985 während eines Besuchs bei der Familie ihres Sohns in Winnenden bei Stuttgart und wurde auf dem Nikolaifriedhof in Chemnitz beigesetzt.[1] 2026 wurde Hildegard Krahmer im Rahmen des Projekts Frauenorte in die Liste der frauenorte sachsen aufgenommen.[3]
Die Puppen
BearbeitenHildegard Krahmer gestaltete etwa 35 Zentimeter große Puppen mit Körpern aus Stoff, die handgestopft wurden, angenähten Armen und mit kindlich wirkenden Lindenholz-Köpfen mit Stupsnase, die von dem Handwerker Walter Wächtler aus Oederan geschnitzt wurden. Er blieb 25 Jahre bei ihr beschäftigt. Die ersten „Krahmer-Puppen“ gelangten 1947 in den Verkauf. Die frühen Puppen hatten aufgemaltes Haar und einfache Baumwollkleidung, später verfügten sie über handgeknüpfte Perücken aus Echthaar, Mohair oder Fell.[4] Durch die Ausstattung mit typgerechter, aus Naturmaterialien hergestellter Kleidung, den handgeschnitzten Köpfen und individueller Bemalung[5] erhielten die einzelnen Puppen einen „eigenen Charme und Charakter“.[1]
Nach Hildegard Krahmers Tod leitete ihre Tochter Eva den Betrieb in Chemnitz bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1990. Die Frau ihres Sohnes Peter-Michael hatte ihre Ausbildung bis zur Meisterprüfung in der Familienfirma absolviert und musste 1976 die DDR verlassen. Sie führt die Puppenfertigung seit 1995 mit Werkstätten in Limbach-Oberfrohna und Winnenden weiter.[1][2][4]
Im Jahr 2013 wurde im Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna die Ausstellung Kuck in die Welt mit 140 Puppen aus den Anfangsjahren bis 2013 gezeigt.[4] Von Dezember 2018 bis Mitte Januar 2019 fand eine weitere Puppenausstellung im Schloßbergmuseum Chemnitz statt.[6]
Weblinks
Bearbeiten- Website Krahmerpuppen
Einzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 4 5 6 7 Margitta König: Krahmer (geb. Kramer), Hildegard (Margarethe Marie). In: Sächsische Biografie vom 8. August 2024 (pdf). Abgerufen am 22. Juli 2026
- 1 2 Dörthe Schimke: Hildegard Krahmer (1912-1985) – "Puppenmutter" aus Chemnitz. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Biografie des Monats September 2025. Abgerufen am 23. Juli 2026
- ↑ Die neuen frauenorte für 2026 stehen fest! In: frauenorte sachsen. Abgerufen am 23. Juli 2026
- 1 2 3 Krahmer-Puppen kommen nach Hause. In: Freie Presse vom 31. Mai 2013. Abgerufen am 23. Juli 2026
- ↑ Krahmerpuppen. In: krahmerpuppen.de. Abgerufen am 23. Juli 2026
- ↑ 2018 Ausstellung 7 Jahrzehnte Geschichte der Krahmer-Puppe „Kuck in die Welt“. In: krahmerpuppen.de. Abgerufen am 23. Juli 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Krahmer, Hildegard |
| ALTERNATIVNAMEN | Kramer, Hildegard Margarethe Marie (Geburtsname); Krahmer, Hildegard Margarethe Marie |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Puppenherstellerin, Kunsthandwerkerin und Unternehmerin |
| GEBURTSDATUM | 16. März 1912 |
| GEBURTSORT | Chemnitz |
| STERBEDATUM | 10. September 1985 |
| STERBEORT | Winnenden |