Heavy Cross (Lied)
Heavy Cross (deutsch „Schweres Kreuz“) ist ein Lied der US-amerikanischen Band Gossip. Es erschien 2009 als erste Single aus dem vierten Studioalbum Music for Men. Geschrieben wurde das Lied von den drei damaligen Bandmitgliedern Beth Ditto, Brace Paine und Hannah Blilie, die Produktion übernahm Rick Rubin.
| Heavy Cross | |
|---|---|
| Gossip | |
| Veröffentlichung | 24. April 2009 |
| Länge | 4:02 |
| Genre(s) | Indie-Rock |
| Autor(en) | Beth Ditto, Nathan Howdeshell (Brace Paine), Hannah Blilie |
| Produktion | Rick Rubin |
| Label | Columbia Records |
| Album | Music for Men |
Das Stück entwickelte sich insbesondere in Kontinentaleuropa zu einem kommerziellen Erfolg. In Deutschland und der Schweiz erreichte es jeweils Platz zwei der Singlecharts, in Österreich Platz vier. Mit 97 Chartwochen in Deutschland wurde Heavy Cross zu einem der dauerhaft erfolgreichsten Titel der Band.
Entstehung und Veröffentlichung
BearbeitenDas Lied wurde von den drei damaligen Bandmitgliedern Beth Ditto, Nathan Howdeshell und Hannah Blilie geschrieben. Der charakteristische Gitarrensound von Heavy Cross geht auf den Gitarristen Howdeshell zurück, der unter dem Namen Brace Paine auftrat.[1] Nach seiner Darstellung versuchte er, die Gitarre wie eine Synthesizersequenz des Italo Disco klingen zu lassen. Als unmittelbares Vorbild diente ihm das Lied Spacer Woman des italienischen Musikprojekts Charlie. Howdeshell stimmte die Gitarrensaiten auf die Töne einer wiederholten Synthesizer-Tonfolge des Stücks um und spielte sie gedämpft; aus diesem Experiment entwickelte sich Heavy Cross.[1]
Die Studioaufnahmen für das vierte Gossip-Album Music for Men entstanden in den Shangri-La-Studios von Rick Rubin in Malibu, Kalifornien, und Rubin übernahm die Produktion.[2] Nach Angaben Howdeshells waren alle Lieder bereits geschrieben, bevor die Band mit Rubin zusammenarbeitete.[2] Das Album erschien 2009 bei Columbia Records, Heavy Cross ist darauf mit einer Laufzeit von 4:02 Minuten enthalten.[3] Nach eigenen Worten wollte Sängerin Beth Ditto Heavy Cross ursprünglich nicht auf das Album nehmen, weil es bereits zu alt sei und sie das Stück auch nicht wirklich mochte. Dennoch wurde es schließlich auf das Album genommen und entwickelte sich zum größten kommerziellen Erfolg der Band.[4] Auch der Veröffentlichung als Single stand die Band skeptisch gegenüber und ließ sich schließlich vom Produzenten Rick Rubin überzeugen.[4]
Am 27. April 2009 wurde Heavy Cross als erste Single des angekündigten Albums vorgestellt, das Lied konnte zu diesem Zeitpunkt über die Myspace-Seite der Band angehört werden.[5] Die Single erschien im Juni 2009. Neben der Album- und der Radiofassung wurden Remixe von Fred Falke für das Album[3] und Burns für die Single veröffentlicht.[6]
Musik und Text
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Heavy Cross ist ein Song im 4/4-Takt. Er ist in e-Moll gehalten und hat ein Grundtempo von 120 Schlägen pro Minute.[7] Der eigentliche Strophengesang setzt nach dem Intro auftaktig ein; zuvor tritt bereits ein wortloser Hintergrundgesang hinzu. Matthew Perpetua beschrieb den Sound von Music for Men in Pitchfork als Dance-Punk und hob bei dem Lied die pulsierende Staccato-Basslinie hervor.[8] Emily Mackay verwies im New Musical Express auf das treibende Schlagzeug, die elastische Basslinie und die stärkere Orientierung an elektronischer Tanzmusik.[9] Die Gitarre ist so gespielt und bearbeitet, dass sie teilweise wie eine Synthesizersequenz wirkt. Howdeshell orientierte sich dabei an elektronischer Italo-Disco-Musik. Nach seiner Darstellung brachte Beth Ditto Elemente ein, die an Donna Summer angelehnt waren,[1] und er sagte, das Lied klinge, als würde Donna Summer einen Bauhaus-Song singen.[2] Für die Bassspur verwendete er einen Synthesizer anstelle eines E-Basses, um einen vom Dark Wave der 1980er Jahre geprägten Klang zu erzielen. Als konkreten Bezug nannte er das Lied Red Light von Siouxsie and the Banshees. Hannah Blilie spielte über weite Teile des Stücks auf den Rändern der Trommeln, wodurch das Schlagzeug nach Howdeshells Darstellung an The Creatures erinnern sollte.[1]
Im Mittelpunkt steht Beth Dittos zwischen kontrollierten Strophen und kraftvollen Ausbrüchen wechselnder Gesang. Kasia Galazka beschrieb ihre Stimme in seiner Besprechung für Pitchfork als tragendes Element der Aufnahme. Die sehr klare Produktion Rick Rubins nehme dem Stück zwar einen Teil der früheren klanglichen Rauheit der Band, Dittos Stimme und Persönlichkeit verliehen ihm jedoch genügend Energie und unmittelbare Wirkung.[10] Emily Mackay bemerkte, dass „wo Ditto einst ihre Soul-Stimme zu Knoten der Wut verzerrte, klingt sie hier süß – ja sogar hübsch –, während sich die Punk-Rebellin zu einer vollwertigen Disco-Lesbe entfaltet.“[9]
Der Liedtext stellt Einsamkeit und gegenseitige Unterstützung einander gegenüber. Das lyrische Ich beschreibt die Welt als schwer allein zu bewältigen und spricht eine zweite Person an, mit der bereits Geschehenes rückgängig gemacht werden könne. Der titelgebende „heavy cross“ („schweres Kreuz“) steht dabei bildlich für eine schwere persönliche Belastung.[11]
Rezeption
BearbeitenKasia Galazka bewertete Heavy Cross für das Musikmagazin Pitchfork positiv. Das Lied besitze genügend Pop-Appeal, um auch ein zunächst zurückhaltendes Publikum zum Tanzen zu bringen. Sie hob besonders Dittos kraftvollen Soulgesang hervor, kritisierte allerdings, Rick Rubins sehr saubere Produktion habe dem Stück einen Teil seiner ursprünglichen Rauheit genommen.[10] Matthew Perpetua schrieb in seiner Rezension zum Album, dass ihn Heavy Cross an das Lied Edge of Seventeen von Stevie Nicks erinnere.[8]
Emily Mackay sah das Lied in ihrer Rezension des Albums für den New Musical Express kritischer. Sie bezeichnete es als eine stärker kontrollierte Weiterentwicklung des früheren Gossip-Hits Standing in the Way of Control. Das treibende Schlagzeug und die elastische Basslinie seien weiterhin vorhanden, Dittos zuvor aggressiver Soulgesang wirke jedoch nun glatter und melodischer. Zugleich ordnete Mackay das Stück in die stärkere Hinwendung der Band zu elektronischer Tanzmusik ein.[9]
Daniela Reichert beschrieb Heavy Cross im deutschen Rolling Stone als ein zwischen Rockclub und Tanzfläche angesiedeltes Stück mit galoppierendem Rhythmus. Die Rezension ordnete das Lied damit in die zunehmende Disco- und Dancefloor-Ausrichtung des Albums ein.[12]
Der Titel des Liedes wurde 2012 für die deutsche Ausgabe von Beth Dittos Autobiografie Heavy Cross verwendet. Das englische Original erschien unter dem Titel Coal to Diamonds: A Memoir.[13]
Kommerzieller Erfolg
BearbeitenDer kommerzielle Erfolg fiel regional sehr unterschiedlich aus. In den britischen Singlecharts erreichte Heavy Cross lediglich Platz 37.[14] Deutlich erfolgreicher war das Lied im deutschsprachigen Raum. In Deutschland stieg es am 26. Juni 2009 in die Singlecharts ein, erreichte Platz zwei und blieb insgesamt 97 Wochen platziert.[15] In der Schweiz stieg es am 21. Juni 2009 auf Rang 81 ein, erreichte am 27. September 2009 für eine Woche Platz zwei und war insgesamt 80 Wochen in den Charts vertreten.[16] In Österreich kam das Lied auf Platz vier und blieb 64 Wochen in den Charts.[17]
Aufgrund seiner ungewöhnlich langen Chartpräsenz bezeichnete das Marktforschungsunternehmen Media Control Heavy Cross im September 2010 als die bis dahin erfolgreichste international produzierte Single in der Geschichte der deutschen Charts. Grundlage dieser Einordnung war nicht allein die höchste Platzierung, sondern die über einen langen Zeitraum erreichte Gesamtpunktzahl in der Hitliste.[18] Aufgrund der langen Chartlaufzeit war das Lied auch in zwei aufeinanderfolgenden Jahreswertungen vertreten. In Deutschland belegte es 2009 Rang acht und 2010 Rang 26. In Österreich erreichte es in den Jahrescharts 2009 Platz 14 und 2010 Platz 24, in der Schweiz Platz neun beziehungsweise Platz 21.
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Heavy Cross erhielt in mehreren Ländern Gold- und Platinauszeichnungen. In Deutschland erhielt Heavy Cross 2009 zunächst eine Goldene Schallplatte. Im folgenden Jahr wurde die Single erst mit Platin und schließlich mit dreifach Gold für mindestens 450.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet.[25] Platinstatus erreichte sie unter anderem in Australien, Österreich, Belgien, Italien und der Schweiz.
| Land/Region | Auszeichnungen für Musikverkäufe (Land/Region, Auszeichnung, Verkäufe) |
Verkäufe |
|---|---|---|
| 70.000 | ||
| 30.000 | ||
| 450.000 | ||
| 30.000 | ||
| 7.500 | ||
| 30.000 | ||
| 30.000 | ||
| 200.000 | ||
| Insgesamt | 847.500 |
Belege
Bearbeiten- 1 2 3 4 16 – Heavy Cross – Gossip. In: Hottest 100 2009. Australian Broadcasting Corporation, abgerufen am 5. August 2026 (englisch).
- 1 2 3 Larry Fitzmaurice: Q&A: Gossip. In: Spin. April 2009, abgerufen am 5. August 2026 (englisch).
- 1 2 Gossip – Music for Men bei Discogs; abgerufen am 4. August 2026.
- 1 2 Matthias Kugler, Jörg Lange: Heavy Cross – Gossip. In: SWR3. 23. Mai 2022, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ „Heavy Cross“. In: Pitchfork. 27. April 2009, abgerufen am 5. August 2026 (englisch).
- ↑ Gossip – Heavy Cross. In: Discogs. Abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
- ↑ Heavy Cross – Gossip. In: klang.io. Abgerufen am 6. August 2026 (englisch).
- 1 2 Matthew Perpetua: Gossip: Music for Men. In: Pitchfork. 24. Juni 2009, abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
- 1 2 3 Emily Mackay: Gossip – Music for Men. In: NME. 2009, abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
- 1 2 Kasia Galazka: Gossip: „Heavy Cross“. In: Pitchfork. 12. Mai 2009, abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
- ↑ Gossip – Heavy Cross Lyrics. In: Genius. Abgerufen am 5. August 2026 (englisch).
- ↑ Daniela Reichert: Gossip – „Music For Men“. In: Rolling Stone. 2. Juli 2009, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Beth Ditto; Michelle Tea: Heavy Cross. Die Autobiografie. Heyne, München 2012, ISBN 978-3-453-26675-9.
- 1 2 Heavy Cross. In: Official Charts. Official Charts Company, abgerufen am 4. August 2026 (englisch).
- 1 2 Gossip – Heavy Cross. In: Offizielle Deutsche Charts. GfK Entertainment, abgerufen am 4. August 2026.
- 1 2 Gossip – Heavy Cross. In: hitparade.ch. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- 1 2 Gossip – Heavy Cross. In: austriancharts.at. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Heavy Cross: Erfolgreichste Single. In: oe24.at. 20. September 2010, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Top 100 Single-Jahrescharts 2009. In: Offizielle Deutsche Charts. GfK Entertainment, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Jahreshitparade Singles 2009. In: austriancharts.at. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Schweizer Jahreshitparade 2009. In: hitparade.ch. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Top 100 Single-Jahrescharts 2010. In: Offizielle Deutsche Charts. GfK Entertainment, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Jahreshitparade Singles 2010. In: austriancharts.at. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Schweizer Jahreshitparade 2010. In: hitparade.ch. Hung Medien, abgerufen am 4. August 2026.
- 1 2 Gold-/Platin-Datenbank. In: musikindustrie.de. Bundesverband Musikindustrie, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ ARIA Top 100 Singles Chart 2009. In: aria.com.au. Australian Recording Industry Association, abgerufen am 5. August 2026 (englisch).
- ↑ Goud en platina – Singles 2011. In: ultratop.be. Abgerufen am 5. August 2026 (niederländisch).
- ↑ Certificazioni. In: fimi.it. Federazione Industria Musicale Italiana, abgerufen am 5. August 2026 (italienisch).
- ↑ Latest Gold / Platinum Singles ( vom 24. Juli 2011 im Internet Archive) radioscope.net.nz, abgerufen am 6. August 2026 (englisch).
- ↑ Auszeichnungen Archiv. In: ifpi.at. IFPI Austria, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Gossip – Heavy Cross. In: hitparade.ch. Hung Medien, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ BRIT Certified. In: bpi.co.uk. British Phonographic Industry, abgerufen am 5. August 2026 (englisch).