Hazemag
Die HAZEMAG & EPR GmbH (kurz Hazemag) ist ein deutscher Maschinenbaukonzern mit Sitz in Dülmen. Das Unternehmen entwickelt und produziert Maschinen und Anlagen zur Zerkleinerung, Sortierung und Aufbereitung mineralischer Rohstoffe. Hauptabnehmer sind die Zement-, Gesteins-, Bergbau- und Recyclingindustrie. 2024 erzielte der Konzern mit durchschnittlich 454 Mitarbeitern einen Umsatz von 170,9 Millionen Euro.[1]
| HAZEMAG & EPR GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1988 |
| Sitz | Dülmen, Deutschland |
| Leitung | Marcus Heinrich (Vorsitzender der Geschäftsführung) Marcus Zeisel |
| Mitarbeiterzahl | 454 |
| Umsatz | 170,9 Mio. Euro |
| Branche | Maschinenbau |
| Website | hazemag.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Hazemag entstand 1988 aus der Fusion der 1946 in Münster gegründeten HAZEMAG (Hartzerkleinerungs- und Zement-Maschinenbau-Gesellschaft) mit der 1842 in Dülmen gegründeten Eisenhütte Prinz Rudolph (EPR).[2] Seit 2015 hält die chinesische Sinoma International Engineering, eine Tochter des staatlichen Baukonzerns China National Building Material, die Mehrheit der Anteile. Minderheitsgesellschafter ist die deutsche Schmidt-Kranz-Gruppe.
Geschichte
BearbeitenVorgängerunternehmen
BearbeitenDie Eisenhütte Prinz Rudolph wurde 1842 in Dülmen als Gießerei zur Verhüttung von Mooreisenerz gegründet.[3] Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einem Hersteller von Spezialmaschinen für Bergwerke und Hüttenwerke. Zum Sortiment gehörten dampfbetriebene Fördermaschinen, Haspeln und Pumpen.[4][2] Ab 1930 lieferte die EPR auch Anlagen für den Kohleumschlag. Von 1980 bis 1982 errichtete das Unternehmen seine erste eigene Gesamtanlage für den deutschen Bergbau am Standort Dülmen.[5] Zum Zeitpunkt der späteren Fusion gehörte die EPR als Zweigniederlassung zur Salzgitter Maschinen.
Die HAZEMAG (Hartzerkleinerungs- und Zement-Maschinenbau-Gesellschaft) wurde 1946 in Münster gegründet.[6] Sie geht auf ein Patent von Dr. E. Andreas zurück, der eine als „Andreas-Prallmühle“ bezeichnete Zerkleinerungsmaschine entwickelt hatte.[2][7] Die ersten Maschinen dieser Bauart dienten im Nachkriegsdeutschland der Aufbereitung von Trümmerschutt, aus dem Zuschlagstoffe für den Wiederaufbau gewonnen wurden.[8] Später wurde der Andreas-Prallbrecher in der Zement- und Gesteinsindustrie zu einem verbreiteten Standardgerät.
Fusion und Expansion
Bearbeiten1988 wurden die Eisenhütte Prinz Rudolph und Hazemag fusioniert. Das neue Unternehmen führte Bergbaumaschinen und Zerkleinerungstechnik unter einem Dach.[2] Die EPR wurde in die Hazemag Dr. E. Andreas eingegliedert, deren Namenszusatz auf den Erfinder der Prallmühle zurückgeht.[6] Da der Standort Dülmen über die größeren Fertigungsanlagen und eine eigene Gießerei verfügte, wurde der Unternehmenssitz von Münster dorthin verlegt.
Zum 1. Oktober 1999 erwarb die Velberter Schmidt-Kranz-Gruppe das Unternehmen von der Noell Service und Maschinentechnik GmbH in Hannover-Langenhagen.[9][10] In den folgenden Jahren expandierte Hazemag durch Akquisitionen und Tochtergründungen. 2006 wurde die Aufbereitungssparte Mineral Processing der DBT in Lünen übernommen.[2] Ab 2008 errichtete Hazemag in Dubai für die Emirates Recycling LLC eine der weltweit größten Anlagen für das Bauschuttrecycling.[11] Im selben Jahr stieg das Unternehmen mehrheitlich bei der südafrikanischen IMS Engineering ein. 2010 folgte die Gründung von Hazemag Maroc, 2011 die der Hazemag (Beijing) Machinery Trading.[7] 2012 übernahm die Schmidt-Kranz-Gruppe 75 % der Allmineral aus Duisburg, die später in die Hazemag-Gruppe eingegliedert wurde.[12] 2013 entstanden mit Hazemag Systems und Hazemag Mining zwei weitere deutsche Tochtergesellschaften.[7]
Übernahme durch Sinoma
BearbeitenIm September 2013 kündigte Sinoma International Engineering die Übernahme der Mehrheit an Hazemag an. Das Aktienpaket von 59,09 % wurde der Schmidt-Kranz-Gruppe für 137 Millionen US-Dollar in zwei Tranchen abgekauft. Die erste Tranche von 29,55 % wurde Ende 2013 wirksam, die zweite stockte den Anteil zum Jahreswechsel 2014/15 auf 59,09 % auf.[13][14][15] Sinoma ist ein Tochterunternehmen des chinesischen Staatskonzerns China National Building Material (CNBM). Der Standort Dülmen ist seither das Technologie- und Kompetenzzentrum der Sinoma-Gruppe für Zerkleinerungs- und Bergbautechnik.[1] Ebenfalls 2015 wurden die seit Jahrzehnten bestehenden Vertretungen in den Vereinigten Staaten und Kanada in Tochtergesellschaften umgewandelt.[7] Die Schmidt-Kranz-Gruppe ist bis heute Minderheitsgesellschafter.
Konzernstruktur
BearbeitenGesellschafter
BearbeitenDie Hazemag mit Sitz in Dülmen ist die operative Muttergesellschaft der Hazemag-Gruppe. Das gezeichnete Kapital von 6,77 Mio. Euro wird von zwei Anteilseignern gehalten:[1]
- 59,09 %: Sinoma International Engineering mit Sitz in Nanjing
- 40,91 %: Schmidt-Kranz-Gruppe mit Sitz in Velbert
Über Sinoma ist Hazemag mittelbar in den chinesischen Staatskonzern China National Building Material (CNBM) eingebunden. Die Geschäftsführung besteht aus Marcus Heinrich (Vorsitzender) und Marcus Zeisel.[1]
Tochtergesellschaften
BearbeitenZum Konsolidierungskreis des Konzerns gehören 15 Gesellschaften, davon fünf im Inland und zehn im Ausland.[1] Der Hauptsitz, zugleich zentraler Produktionsstandort, befindet sich in Dülmen, wo nach Unternehmensangaben rund die Hälfte der Mitarbeiter beschäftigt ist.[16] In Düsseldorf sind das Engineering-Tochterunternehmen Hazemag Systems sowie die auf Aufbereitungstechnik für Erze und Kohle spezialisierte Allmineral ansässig.[17] Weitere inländische Tochtergesellschaft ist Hazemag Mining.
Außerhalb Deutschlands unterhält die Gruppe operative Einheiten in den Vereinigten Staaten, Kanada, Polen, Marokko, Südafrika, Indien, der Volksrepublik China und Australien. Innerhalb der Sinoma-Gruppe sind die deutschen Standorte für die technologische Entwicklung zuständig, während Konzernteile in Indien Konstruktionsleistungen beisteuern und chinesische Einheiten Teile der Lieferkette übernehmen.[1]
Kennzahlen
BearbeitenIm Geschäftsjahr 2024 erzielte der Konzern einen Umsatz von 170,9 Mio. Euro bei einem Konzernergebnis von 10,1 Mio. Euro und beschäftigte durchschnittlich 454 Mitarbeiter.[1]
Hazemag erzielt den überwiegenden Teil des Umsatzes im Ausland. 2024 entfielen 87 % auf Märkte außerhalb Deutschlands. Wichtigste Absatzregionen waren Asien (44,1 Mio. Euro), Afrika (36,3 Mio. Euro) und Nordamerika (30,6 Mio. Euro), gefolgt von Europa (22,9 Mio. Euro) und Deutschland (22,2 Mio. Euro). Auf Australien entfielen 6,4 Mio. Euro, auf Südamerika 2,1 Mio. Euro.[1]
Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Konzernkennzahlen der letzten Jahre:[1]
| Kennzahl | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse (Mio. €) | 106,1 | 127,6 | 153,9 | 164,1 | 170,9 |
| Ergebnis vor Steuern (Mio. €) | −2,8 | 7,3 | 9,0 | 11,1 | 13,1 |
| Konzernergebnis (Mio. €) | −3,6 | 4,6 | 6,2 | 7,7 | 10,1 |
| Eigenkapitalquote (%) | 44 | 44 | 42 | 44 | 48 |
| Mitarbeiter (Durchschnitt) | 435 | 413 | 423 | 448 | 454 |
Geschäftstätigkeit
BearbeitenKonzernbereiche
BearbeitenDas Geschäft ist in zwei Bereiche gegliedert: Hazemag Cement & Aggregates (Zement und Zuschlagstoffe) bedient die Zement- und Gesteinsindustrie sowie das Baustoffrecycling. Hazemag Mining & Minerals (Bergbau und Mineralien) ist auf den Bergbau und die Mineralaufbereitung ausgerichtet.[1]
Produkte und Leistungen
BearbeitenZum Sortiment gehören Maschinen zur Zerkleinerung wie Prallbrecher in der Bauart des historischen „Andreas-Prallbrechers“, Hammermühlen, Walzenbrecher sowie Sizer und Feeder Breaker für den Bergbau.[18] Maschinen zur Sortierung und Klassierung umfassen unter anderem Rollenroste und Setzmaschinen. Daneben vertreibt Hazemag mobile Aufbereitungsanlagen für das Baustoffrecycling unter der Produktreihe dynarox. Die Tochtergesellschaft Allmineral bietet wasserlose Sortierverfahren unter den Bezeichnungen allair und allsort an. Neben dem Verkauf einzelner Maschinen projektiert Hazemag auch komplette Anlagen. So lieferte das Unternehmen 2007 für das Zementwerk Broceni des Cemex-Konzerns in Lettland einen Schnelltrockner zur Tonaufbereitung[19] und 2012 für den westfälischen Kalksteinbruch Kallenhardt von Westkalk eine Siebtrommel mit Vorbrecher zur Trennung von Wertgestein und Lehm.[20]
Neben dem Maschinenverkauf bietet Hazemag Wartung, Instandsetzung und Ersatzteilversorgung für die ausgelieferten Maschinen an. Unternehmensintern werden diese Leistungen unter der Bezeichnung Life Cycle Support zusammengefasst.[1] 2024 wuchs der Umsatzanteil dieses Bereichs, was nach Unternehmensangaben wesentlich zur Margenverbesserung gegenüber dem Vorjahr beitrug.
Weblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 HAZEMAG & EPR GmbH: Konzernabschluss zum 31. Dezember 2024. AG Coesfeld, HRB 6624. In: Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, Dülmen 2025.
- 1 2 3 4 5 HAZEMAG & EPR celebrations for 60 years. In: International Mining. 7. Mai 2008, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Wilhelm Kreutzer: Aus der Geschichte der Eisenhütte Prinz Rudolph: Von der Gründung der Hütte bis zur Zerstörung 1945. In: Dülmener Heimatblätter. Nr. 4, 1960, S. 59–65.
- ↑ Hans Siebenmorgen: Die Aktiengesellschaft Eisenhütte Prinz Rudolph. Dissertation. Köln 1927.
- ↑ Bernhard Schladitz: Die Eisenhütte Prinz Rudolph, weltweiter Partner für Kohle und Energie in den Jahren 1961 bis 1981. In: Dülmener Heimatblätter. Nr. 1/2, 1982, S. 13–24.
- 1 2 Impact crusher with adjustable impact or grinding means. United States Patent Office, 1977, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch, Eintragung der Namensänderungen vom 18. Dezember 1972 und 21. März 1977 dokumentiert die Ursprungsfirmierung „HAZEMAG, Hartzerkleinerungs- und Zement-Maschinenbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“.).
- 1 2 3 4 Geschichte. HAZEMAG & EPR, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ Recycling. HAZEMAG & EPR, abgerufen am 11. Juni 2026.
- ↑ Hazemag & EPR sind wieder selbständig. In: Die Industrie der Steine + Erden. Nr. 2/00, 2000 (steine-und-erden.net [abgerufen am 20. Mai 2026]).
- ↑ Über uns. Schmidt Kranz Group, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ Hazemag baut Bauschutt-Recycling-Anlage für Emirates Recycling LLC. In: Recycling Magazin. 18. Februar 2008, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ allmineral mit neuem Partner. In: AT Mineral Processing. Nr. 1–2/2012, 2012 (at-minerals.com [abgerufen am 20. Mai 2026]).
- ↑ Katherine Guenioui: Sinoma acquires 59.09% stake in Hazemag. In: World Cement. 3. September 2013, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Sinoma acquires majority stake in Hazemag. In: International Cement Review. 3. September 2013, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Buse Heberer Fromm berät SINOMA (Beijing) bei Beteiligung an der HAZEMAG & EPR GmbH (Dülmen). RWS Verlag, 17. September 2013, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ HAZEMAG & EPR GmbH Neumitglied in der IDU. Interessengemeinschaft Dülmener Unternehmen, 13. Juni 2018, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ allmineral – your processing experts from Düsseldorf. allmineral Aufbereitungstechnik GmbH & Co. KG, abgerufen am 20. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Produkte. HAZEMAG & EPR GmbH, abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ Hazemag Schnelltrockner zur effizienten Materialtrocknung. In: Die Industrie der Steine + Erden. Nr. 6/07, 2007 (steine-und-erden.net [abgerufen am 20. Mai 2026]).
- ↑ Intelligent: BMU-Fördermittel für Westkalk-Projekt. In: Die Industrie der Steine + Erden. Nr. 5/12, 2012 (steine-und-erden.net [abgerufen am 20. Mai 2026]).