Gordon Gallup (Psychologe)

US-amerikanischer Biologe und Psychologe

Gordon Graham Gallup (geb. 24. März 1941 in Denver, Colorado; gest. 22. Juli 2026 in Albany, New York) war ein US-amerikanischer Biologe und Psychologe, der sich insbesondere mit der Verhaltensbiologie von Tieren, speziell der Kognition und Selbstwahrnehmung von Primaten und Affen, befasste. Zu seinen bedeutenden Leistungen zählt die Entwicklung des „Spiegeltests“.[1]

Leben und Forschung

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Gordon G. Gallup war der Sohn von Gordon Gallup Sr. und Helen Gallup. Er promovierte an der Washington State University und lehrte zu Beginn seiner akademischen Laufbahn an der Tulane University, bevor er an die University at Albany wechselte, wo er einen Großteil seiner Karriere als Professor für Psychologie verbrachte.

In den 1960er- und 1970er-Jahren begann Gallup mit wegweisenden Forschungen zur Selbsterkennung von Tieren im Spiegel und versuchte, das mentale „Selbstkonzept“ in ein bis dahin streng behavioristisches Forschungsfeld zu integrieren. Er entdeckte, dass sich die Reizeigenschaften des Spiegels situativ verändern, eine Veränderung, die Gallup zufolge die Annahme eines Selbstkonzepts rechtfertigte. Sein Experiment, bei dem das Verhalten von Schimpansen beobachtet wurde, nachdem diese markiert und anschließend mit einem Spiegel konfrontiert worden waren, lieferte den ersten überzeugenden Beleg dafür, dass Tiere über Selbstbewusstsein verfügen können.[2] Behavioristen um B. F. Skinner versuchten erfolglos, Gallops Ergebnisse zu widerlegen.[3] Der Test wurde später bei einer Vielzahl von Tierarten angewandt, unter anderem bei Elefanten, Delfinen, Elstern und Menschenaffen. Gallup schloss 1982 aus bisherigen Studien, dass nur Schimpansen und Orang-Utans über Selbstbewusstsein verfügen, während andere Tiere, darunter auch Gorillas, kein fest verankertes Bewusstsein ihrer Existenz aufweisen. Diese Ansicht wurde von anderen Forschern, darunter dem Tierrechtler Michael W. Fox, kritisiert.[4]

Gallup forschte zudem zu reproduktiver Konkurrenz und zur Biologie zwischenmenschlicher Anziehung, und er publizierte zu Themen wie Chemie und Verhalten des Spermas, Räuber-Beute-Beziehungen, Taktiken zur Sicherung der Vaterschaft oder Strategien zur Vermeidung von Vergewaltigung. Zu seinen späteren Arbeiten zählen Forschungen zur Psychobiologie des romantischen Küssens, zum Gähnen als Mechanismus zur Kühlung des Gehirns und zur Präeklampsie.[5] Einige seiner späteren Thesen, z. B. zur „stimmungsaufhellenden Wirkung von Sperma“ oder seine Empfehlung von oraler Spermaaufnahme gegen Schwangerschaftserbrechen, wurden von der Fachwelt weitgehend als unbestätigt zurückgewiesen.[6]

Privatleben

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Gordon Gallup war bis zu seinem Tod mit Rena Gallup verheiratet, mit der er drei Söhne und zwei Töchter hatte.[1] Im Juli 2026 starb er im Alter von 85 Jahren.[7]

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • mit Julian Keenan und Dean Falk: The Face in the Mirror. The Search for the Origins of Consciousness. Ecco, 2003, ISBN 978-0-06-001279-3.
    • deutsche Ausgabe: Das Gesicht im Spiegel: Auf der Suche nach dem Ursprung des Bewusstseins. Reinhardt, 2005, ISBN 978-3-497-01781-2.
  • mit James R. Anderson: Mirror self-recognition: a review and critique of attempts to promote and engineer self-recognition in primates. In: Primates. Band 56, September 2015, S. 317–326, doi:10.1007/s10329-015-0488-9.
  • mit David A. Frederick: The Science of Sex Appeal: An Evolutionary Perspective. In: Review of General Psychology. Band 14, Nr. 3, 2010, S. 240–250, doi:10.1037/a002045.
  • mit Rebecca L. Burch und Steven M. Platek: Does Semen Have Antidepressant Properties? In: Archives of Sexual Behaviour. Band 31, 2002, S. 289–293, doi:10.1023/A:1015257004839.
  • mit James R. Anderson und Daniel J. Shillito: The Mirror Test. In: Marc Bekoff, Colin Allen und Gordon M. Burghardt (Hrsg.): The Cognitive Animal: Empirical and Theoretical Perspectives on Animal Cognition. MIT Press, 2002, S. 325–333, ISBN 978-0-262-02514-0.
  • Self-awareness and the emergence of mind in primates. In: American Journal of Primatology. Band 2, Nr. 3, 1982, S. 237–248, doi:10.1002/ajp.1350020302.
  • Self recognition in primates: A comparative approach to the bidirectional properties of consciousness. In: American Psychologist. Band 32, Nr. 5, 1977, S. 329–338, doi:10.1037/0003-066X.32.5.329.
  • Chimpanzees: Self-Recognition. In: Science. Band 167, Nr. 3914, 1970, S. 86–87, doi:10.1126/science.167.3914.86.
  • Mirror-image stimulation. In: Psychology Bulletin. Band 70, Nr. 6 (part 1), Dezember 1968, S. 782–793, doi:10.1037/h0026777.

Literatur

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  • Katja Günther: Monkeys, Mirrors and Me. Gordon Gallup and the Study of Self-Recognition. In: Journal of The History of Behavioural Science. Band 53, Nr. 1, November 2017, S. 5–27, doi:10.1002/jhbs.21832.
  • Gordon Gallup. In: Jenniver Vonk, Todd Shackelford (Hrsg.): Encyclopedia of Animal Cognition and Behavior. Springer 2017, doi:10.1007/978-3-319-47829-6_979-2.
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Einzelnachweise

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  1. 1 2 Dr. Gordon G. Gallup. Nachruf. In: Albany Times Union vom 26. Juli 2026.
  2. Katja Günther: Monkeys, Mirrors and Me. Gordon Gallup and the Study of Self-Recognition. In: Journal of The History of Behavioural Science. Band 53, Nr. 1, November 2017, S. 5–27, doi:10.1002/jhbs.21832.
  3. Frans de Waal: Are we smart enough to know how smart animals are? W. W. Norton, New York 2017, S. 39–41.
  4. Michael W. Fox: Are most animals „mindless automatons“? A reply to Gordon G. Gallup, Jr. In: American Journal of Primatology. Band 3, Nr. 1–4, 1982, S. 341–343, doi:10.1002/ajp.1350030135.
  5. Gordon G. Gallup, Jr., Biographie bei OMICS International
  6. Obskure Theorie. Forscher empfiehlt Schwangeren Sperma gegen Übelkeit. In: Focus, 13. August 2012.
  7. Evolutionary Psychology. Rest in Peace, Dr. Gordon G. Gallup, Jr. In: Psychology Today. 31. Juli 2026, abgerufen am 2. August 2026 (englisch).