Cyclocross-Weltmeisterschaften 2020

internationaler Sportanlass in Dübendorf, Schweiz

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2020 fanden am 1. und 2. Februar im schweizerischen Dübendorf statt. In der Elite konnte sich bei den Frauen Ceylin del Carmen Alvarado durchsetzen, bei den Männern errang Mathieu van der Poel seinen dritten Titel.

Der Radsport-Weltverband UCI hatte die Veranstaltung zweieinhalb Jahre zuvor nach Dübendorf vergeben, auch das niederländische Hoogerheide hatte sich beworben.[1][2]

Der nach lokalen Gepflogenheiten Radquer-Weltmeisterschaften genannte Wettbewerb wurde von Swiss Cycling auf dem Gelände des Flugplatzes Dübendorf organisiert. Auf dem mehrheitlich flachen Areal, das gut erreichbar war und Platz für Tausende von Zuschauer bot, wurde ein 3,2 km langer Parcours mit künstlichen Rampen errichtet, um den Ansprüchen des Cyclocross gerecht zu werden.[3] Der Ort wurde bewusst traditionelleren Wettkampforten wie Hittnau vorgezogen, da die Nähe von Zürich größere Zuschauerzahlen versprach.[4] Es waren die achten Radquer-Weltmeisterschaften in der Schweiz und die ersten seit 1995.

An den Wettkämpfen nahmen 270 Fahrer und Fahrerinnen aus 24 Nationen teil, darunter erstmals aus Montenegro. Erstmals wurde auch ein Rennen für Juniorinnen (U-19) ausgetragen.[5] Dessen Einführung war von der UCI im Rahmen ihrer Agenda 2022 und als Teil eines Maßnahmenpakets zur Förderung des Frauenradsports beschlossen worden.[6][7] Der damit auf sechs Rennen erweiterte Zeitplan der Veranstaltung war wie folgt:

  • 1. Februar: Juniorinnen (11 Uhr), Männer U23 (13 Uhr), Frauen Elite (15 Uhr)
  • 2. Februar: Junioren (11 Uhr), Frauen U23 (13 Uhr), Männer Elite (14:30 Uhr)

Ergebnisse

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Juniorinnen

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Platz Name Zeit (min)
1 Shirin van Anrooij38:34
2 Puck Pieterse+ 0:53
3Vereinigte Staaten Madigan Munro+ 1:18
4 Millie Couzens+ 1:43
5 Fem van Empel+ 2:12
6Frankreich Line Burquiergl. Zeit
7 Josie Nelson+ 2:32
8Vereinigte Staaten Lizzy Gunsalus+ 2:47
9 Marie Schreiber+ 3:01
10 Julie De Wilde+ 3:20

Zur ersten Weltmeisterschaft für Juniorinnen gingen 46 Fahrerinnen an den Start. Bereits nach der ersten von vier Runden führte Shirin van Anrooij klar vor Puck Pieterse, in der zweiten Runde setzte sich Madigan Munro von den übrigen Verfolgerinnen ab. Bei diesen Positionen blieb es bis zum Ende, auch die folgenden Ränge waren klar verteilt.[8][9]

Männer U23

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Platz Name Zeit (min)
1 Ryan Kamp47:53
2 Kevin Kuhn+ 0:36
3Niederlande Mees Hendrikx+ 0:52
4Frankreich Antoine Benoist+ 1:16
5 Pim Ronhaar+ 1:19
6Spanien Iván Feijoo+ 1:32
7 Niels Vandeputte+ 1:36
8 Cameron Mason+ 1:44
9 Jelle Camps+ 2:15
10 Yentl Bekaert+ 2:36

Das Rennen fand ohne den Titelverteidiger Thomas Pidcock statt, der frühzeitig zur Elite gewechselt war. Am Ende der dritten von sechs Runden bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe mit Weltcupsieger Kevin Kuhn, Antoine Benoist, Niels Vandeputte sowie den drei Niederländern Mees Hendrikx, Ryan Kamp und Pim Ronhaar. Im Laufe der folgenden Runde attackierte Kamp, verfolgt von Kuhn und Benoist. Kuhn begrenzte den Rückstand bis eingangs der Schlussrunde auf sechs Sekunden, musste Kamp dann aber ziehen lassen. Kamp wurde Weltmeister, Kuhn gewann vor Heimpublikum Silber.[10]

Frauen Elite

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Weltmeisterin Ceylin del Carmen Alvarado
Platz Name Zeit (min)
1 Ceylin del Carmen Alvarado45:20
2 Annemarie Worst+ 0:01
3 Lucinda Brand+ 0:10
4 Katherine Compton+ 1:00
5 Yara Kastelijn+ 1:26
6 Evie Richards+ 1:44
7 Eva Lechner+ 2:25
8 Ellen Van Loy+ 2:46
9 Laura Verdonschot+ 2:52
10 Marlène Petit+ 3:06

Das Rennen mit 34 Teilnehmerinnen dauerte fünf Runden. Die siebenfache Ex-Weltmeisterin Marianne Vos fehlte verletzungsbedingt.[11]

Schon nach der ersten Runde hatten vier Niederländerinnen den Rest des Felds distanziert, nämlich die Vorjahreszweite Lucinda Brand, die Europameisterin Yara Kastelijn, die Weltcupsiegerin Annemarie Worst sowie die 21-jährige Ceylin del Carmen Alvarado, die auf einen weiteren Start in der U23 verzichtet hatte.[12] Kastelijn fiel alsbald zurück und wurde von Katherine Compton überholt, die drei anderen blieben bis zum Schluss zusammen, wobei Brand mehrmals Mühe hatte, den Anschluss zu halten. Sie fiel auch in der Schlussphase zurück, und Alvarado gewann den Sprint gegen Worst.[13][14]

Das Ergebnis läutete eine jahrelange Phase niederländischer Dominanz in diesem Wettbewerb ein, in der die Fahrerinnen des Landes nahezu alle Medaillen gewannen. Titelverteidigerin Sanne Cant, die einen niederländischen Sieg im Vorjahr noch verhindert hatte, kam nach einer minderen Saison auf Platz 12.

Junioren

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Thibau Nys während des Rennens
Platz Name Zeit (min)
1 Thibau Nys38:50
2 Lennert Belmans+ 0:31
3 Emiel Verstrynge+ 0:38
4 Dario Lillo+ 0:54
5 Tibor Del Grosso+ 1:08
6 Marco Brenner+ 1:13
7 Jente Michels+ 1:29
8Frankreich Florian Richard Andrade+ 1:34
9Vereinigtes Königreich Rory McGuire+ 1:37
10Vereinigte Staaten Andrew Strohmeyer+ 1:39

Am Vormittag des zweiten Tags fanden die Fahrer einen etwas anderen Parcours vor, denn ergiebiger Regen hatte den Untergrund aufgeweicht. Als großer Favorit galt Thibau Nys, der den Weltcup dominiert hatte. Er attackierte in der zweiten von vier Runden, verfolgt von Dario Lillo, der Lennart Belmans am Hinterrad hatte und von diesem nicht unterstützt wurde. Eingangs der Schlussrunde stieß noch Emiel Verstrynge zu den beiden.

Nys gewann klar das Rennen, während Lillo in der Schlussrunde erst Belmans und nach einem Sturz auch noch Verstrynge ziehen lassen musste, die für ein vollständig belgisches Podium sorgten.[15]

Frauen U23

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Platz Name Zeit (min)
1 Marion Norbert-Riberolle48:31
2 Kata Blanka Vas+ 0:27
3 Anna Kay+ 0:40
4Vereinigte Staaten Katie Clouse+ 1:29
5 Manon Bakker+ 1:34
6 Inge van der Heijden+ 1:53
7Italien Francesca Baroni+ 2:06
8 Sara Casasola+ 2:29
9 Ruby West+ 2:43
10 Noemi Rüegg+ 3:23

Das U23-Rennen der Frauen fand bei Regen statt, der den Boden endgültig in einen Morast verwandelte. Nach der Abtrennung der Juniorenkategorie standen diesmal 30 Fahrerinnen am Start. Ceylin del Carmen Alvarado, die zuvor die Europameisterschaft und den Weltcup der U23 gewonnen hatte, war zur Elite gewechselt und dort Weltmeisterin geworden.

Marion Norbert-Riberolle führte nach der ersten von vier Runden und hatte die Verfolgergruppe, die aus Titelverteidigerin Inge van der Heijden, Kata Blanka Vas und Ruby West bestand, bereits um 20 Sekunden distanziert. In der zweiten Runde stieß Anna Kay zu dieser Gruppe, während van der Heijden und später auch West zurückfielen. In der dritten Runde konnte sich Vas von Kay lösen, die Schlussrunde brachte keine weiteren Änderungen. Vas gewann die erste Medaille für Ungarn in der Geschichte der Titelkämpfe.[16]

Männer Elite

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Mathieu van der Poel auf dem Weg zum Sieg
Platz Name Zeit (h)
1 Mathieu van der Poel1:08:52
2 Thomas Pidcock+ 1:20
3 Toon Aerts+ 1:45
4 Wout van Aert+ 2:04
5 Laurens Sweeck+ 2:32
6 Michael Vanthourenhout+ 3:12
7 Corné van Kessel+ 3:52
8 Tim Merlier+ 4:32
9 Quinten Hermans+ 4:48
10 Eli Iserbyt+ 5:11

Bei weiter anhaltendem Regen gingen 39 Fahrer an den Start. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde kein Duell zwischen Mathieu van der Poel und Wout van Aert erwartet, da letzterer nach schweren Verletzungen bei der Tour de France noch nicht wieder in alter Form war.[17]

Van der Poel ging denn auch gleich beim Start in Führung, schüttelte Ende der ersten Runde mit Toon Aerts seinen letzten Verfolger ab und stand lange vor Ablauf der sieben Runden als Weltmeister fest. Hinter ihm konstituierte sich eine Gruppe aus fünf Belgiern plus Thomas Pidcock, der nach seinem U23-Weltmeistertitel im Vorjahr freiwillig zur Elite aufgerückt war. Dieser attackierte die Gruppe in der folgenden Runde; Eli Iserbyt reagierte, überschätzte aber seine Kräfte und fiel weit zurück. Die übrigen Belgier hatten sich bereits zwei Runden vor Schluss auf den Positionen eingefunden, die sie am Ende belegen sollten. Van Aert machte Aerts noch die Bronzemedaille streitig, fiel aber durch eine Reifenpanne wieder zurück.[18]

Van der Poel wurde zum dritten Mal Weltmeister, Pidcock gewann die erste britische Medaille der WM-Geschichte in der Männer-Elite. Alle sieben belgischen Fahrer kamen unter die ersten Zehn.

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Commons: Cyclocross-Weltmeisterschaften 2020 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. L’UCI annonce une modernisation en profondeur de ses règlements. Union Cycliste Internationale, 19. September 2017 (französisch).
  2. Hoogerheide grijpt naast WK veldrijden 2020. Wielerflits, 20. September 2017 (niederländisch).
  3. Ralf Meile: Warum die Radquer-WM auf dem topfebenen Flugplatz Dübendorf ausgetragen wird. In: Watson. 30. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020.
  4. Parcoursverkenning WK veldrijden: voor mannen en vrouwen met power. Wielerflits, 31. Januar 2020 (niederländisch).
  5. Championnats du Monde Cyclo-cross UCI 2020 : qui sont les favoris à Dübendorf ? In: UCI. 29. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020 (französisch).
  6. Pressemitteilung der UCI vom 21. Juni 2018. Union Cycliste Internationale, 21. Juni 2018 (englisch).
  7. Pressemitteilung der UCI vom 1. Februar 2019. Union Cycliste Internationale, 1. Februar 2019 (französisch).
  8. Van Anrooij soeverein naar de wereldtitel bij de junioren. Wielerflits, 1. Februar 2020 (niederländisch).
  9. Van Anrooij Time Trials to Make History, Munro Takes Bronze. Cyclocross Magazine, 1. Februar 2020 (englisch).
  10. Ryan Kamp maakt status waar op WK voor beloften. Wielerflits, 1. Februar 2020 (niederländisch).
  11. Am Donnerstag Operation an der Leistenarterie – Für Vos ist die Cross-Saison gelaufen. Radsport-News, 13. Januar 2020.
  12. KNWU bevestigt: Alvarado kiest voor WK veldrijden bij de elites. Wielerflits, 13. Januar 2020 (niederländisch).
  13. Nur Alvarado konnte sich über die Medaille freuen. Radsport-News, 1. Februar 2020.
  14. Alvarado holt sich erstmals WM-Titel im Cross – Niederländischer Dreifachsieg. Bund Deutscher Radfahrer, 1. Februar 2020.
  15. Topfavoriet Thibau Nys soleert naar wereldtitel bij de junioren. Wielerflits, 2. Februar 2020 (niederländisch).
  16. Cyclo-cross World Championships: Norbert-Riberolle wins U23 women’s title. CyclingNews, 2. Februar 2020 (englisch).
  17. Wout van Aert: “Ik droom van een stunt”. Wielerflits, 31. Januar 2020 (niederländisch).
  18. Cross-WM: Van der Poel siegt vor Pidcock und Aerts. Bund Deutscher Radfahrer, 2. Februar 2020.

Koordinaten: 47° 23′ 54″ N,  38′ 5″ O; CH1903: 690298 / 250397