Cold Fever

Film von Friðrik Þór Friðriksson (1994)

Cold Fever (isländischer Originaltitel Á köldum klaka, wörtlich „Auf kaltem Eis“) ist ein Film des isländischen Regisseurs Friðrik Þór Friðriksson aus dem Jahr 1995. Das Roadmovie schildert die Reise eines jungen Japaners, der das winterliche Island durchquert, um an einem abgelegenen Fluss ein Ritual für seine ertrunkenen Eltern abzuhalten. Auf seinem Weg gerät der Protagonist in gefährliche, aber auch skurrile Situationen mit übernatürlich anmutenden Elementen.

Film
Titel Cold Fever
Originaltitel Á köldum klaka
Produktionsland USA, Japan, Island, Dänemark, Deutschland
Originalsprache Englisch, Japanisch, Isländisch, Deutsch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 85 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Friðrik Þór Friðriksson
Drehbuch Jim Stark
Produktion Jim Stark
Musik Hilmar Örn Hilmarsson
Kamera Ari Kristinsson
Schnitt Steingrímur Karlsson
Besetzung

Handlung

Bearbeiten

Der Anfang des Films spielt in Tokio. Atsushi Hirata, ein erfolgreicher junger Angestellter in einem Handelsunternehmen, freut sich auf seinen Urlaub auf Hawaii, um dort als Abwechslung vom Büroalltag Golf zu spielen. Sein Großvater will ihn davon überzeugen, stattdessen nach Island zu reisen, um ein Ritual für seine Eltern abzuhalten, die dort vor sieben Jahren in einem Fluss ertrunken sind. Nur so fänden sie ihren Frieden. Hirata will zunächst nichts davon wissen („Mein Vater glaubte nicht an solchen Unsinn, und ich auch nicht“). Als er in seiner Wohnung Golfschläge übt, prallt ein Golfball an der Fernbedienung seines Videorecorders ab. Das Gerät spielt eine Video-Neujahrsbotschaft seiner Eltern aus Island ab. Hirata nimmt dies als Zeichen und fliegt – mitten im Winter – nach Island.

Mit Hiratas Ankunft in Island beginnen seine Schwierigkeiten: Nach der Landung am Flughafen Keflavík nimmt er versehentlich nicht den Transferbus nach Reykjavík, sondern einen Tourbus zum Thermalbad Blaue Lagune. Ein Taxi von dort nach Reykjavík verlässt er, als der Taxifahrer im Schneetreiben aussteigt, um auf einem Hof am Weg an einem Krippenspiel teilzunehmen. Letztlich gelangt er mit einem Männerchor, der auf einem Pritschenwagen unterwegs nach Reykjavík ist, in die Stadt. Im Hotel begegnet ihm eine Frau, die erklärt, es bestehe eine starke übersinnliche Verbindung zwischen ihr und Hirata, und sie fühle, dass er genau ihr Auto benötige. Anderntags erwirbt Hirata die alte Citroën DS tatsächlich für die Weiterreise zu seinem abgelegenen Ziel – dem Fluss, an dem er das Ritual für seine Eltern abhalten will.

Nach einer Reifenpanne in abgelegenem Gebiet verlässt Hirata das Auto auf der Suche nach Hilfe. Zunehmend erschöpft durch das Schneegestöber irrend, trifft er beim Einnachten auf einen Hof, wo ihn das Bauernpaar über Nacht aufnimmt. Hirata setzt seine Reise fort, nachdem die Panne behoben wurde. In einer Raststätte spricht ihn eine Frau an, die Begräbnisse „sammelt“ – Laura fährt von Begräbnis zu Begräbnis, um Fotos von den Trauerfeiern zu machen. Auf ihre Bitte nimmt Hirata sie ein Stück weit mit; sie nötigt ihn zu einem Gruppenbild mit ihm unbekannten Trauernden auf dem Friedhof einer kleinen Kirche. Später – Hirata ist wieder alleine unterwegs – hält ihn erneut in abgelegener Landschaft eine Panne von der Weiterfahrt ab. Der Motor springt nicht mehr an. Hirata versucht, im Auto zu schlafen, bis neben der Straße wie aus dem Nichts ein junges Mädchen auftaucht. Dieses sagt kein Wort, bringt aber mit einem schrillen Schrei Eisberge eines nahegelegenen Gletschersees zum Einsturz – und den Motor des Citroën wieder zum Anspringen. Danach verschwindet es.

Hirata nimmt zwei amerikanische Anhalter mit, Jack und Jill, die sich ständig streiten. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Paar um bewaffnete Verbrecher handelt. Sie überfallen eine Tankstelle und werfen Hirata aus seinem Auto, als sie sich nicht mehr über das Ziel einig werden können – Hiratas Weg führt über Staðarfell, wo sich Jack und Jill offenbar bereits Ärger eingehandelt haben. Immerhin überlassen sie Hirata seinen Koffer. Zu Fuß gelangt er in ein Dorf mit einem Gasthof im „Wildwest-Stil“. Dort findet gerade ein Þorrablót-Fest mit Tanzveranstaltung statt. Hirata ist entmutigt, als ihm der Wirt erklärt, dass der Weg zum Fluss Kaldakvísl, seinem Ziel, bis zum Frühling gesperrt sei. Es liege zu viel Schnee. Beim Essen leistet Siggi, ein älterer Isländer, Hirata Gesellschaft. Nachdem Siggi von Hiratas Plan erfahren hat, und nach dem Genuss von reichlich Brennivín, kommt Siggi eine Idee, wie er Hirata helfen könnte. Er mietet anderntags zwei Pferde, mit denen Hirata und Siggi sich durch die verschneite Landschaft auf dem Weg zum Kaldakvísl machen. Sie übernachten in einer Schutzhütte. Abends erzählt Siggi Hirata von Geistern, die manchmal Mitleid mit den Menschen hätten und hülfen - meistens aber nur Schwierigkeiten machten. Auf Hiratas Anmerkung, dass es in Japan viele Geistergeschichten gebe, führt Siggi seine Theorie aus: Unter Japan und Island lägen viele Vulkane und Flüsse mit heissem Wasser. Es sei kalt, wenn man stirbt. Die Geister blieben, um sich zu wärmen.

Hirata, den Siggi das letzte Wegstück alleine zurücklegen lässt, gelangt schließlich zum Fluss, in dem seine Eltern ertrunken sind, und hält die Zeremonie ab, aus der Ferne beobachtet von Siggi. Das Ende des Films zeigt Hirata und Siggi, die am Strand zurückreiten, unterlegt mit der Stimme von Hirata, der seinem Großvater davon berichtet, dass er seine Pflicht gegenüber den Eltern erfüllt habe. Er habe das Gefühl, ein Stück seiner Seele auf dieser Insel zurückzulassen.

Produktion

Bearbeiten

Cold Fever war der erste Spielfilm, der während des isländischen Winters gedreht wurde; gemäß Regisseur Friðrik Þór Friðriksson eine „Dummheit“ – mit nur vier oder fünf Stunden Tageslicht und durch die Wetterbedingungen verlorenen Drehtagen sei es sehr schwierig, die Kontinuität zu wahren.[1]

Die Szenen zu Beginn des Films, die japanisches Stadtleben zeigen, erscheinen im Fernsehformat 1.33:1 (4:3). Bei der Ankunft in Island weitet sich das Bild ins Format 2,35:1 (CinemaScope) aus.[1] Dieser Wechsel des Bildformats wurde in der DVD-Veröffentlichung des isländischen Labels Sena von 2008 beibehalten,[2] während die britische DVD von Second Sight (2004) den Film einheitlich im Format 16:9 zeigt, so dass sich das Seitenverhältnis beim Wechsel des Schauplatzes in dieser DVD-Fassung nicht ändert.[3]

In der Rolle von Hiratas Großvater ist der japanische Regisseur Seijun Suzuki zu sehen.

Veröffentlichung

Bearbeiten

Der Film wurde in Island am 10. Februar 1995 veröffentlicht, in Deutschland am 19. Oktober desselben Jahres.[4] Mit der Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten am 5. April 1996[4] war Cold Fever der erste isländische Film, der in den USA vertrieben wurde.[5]

Rezeption

Bearbeiten

Mit Stand vom 5. Mai 2026 verzeichnete der Filmkritiken-Aggregator Rotten Tomatoes 20 Rezensionen des Films, die alle bis auf eine – und damit zu 95 % – positiv ausfielen.[6]

Die visuellen Aspekte des Films und die Darstellung der isländischen Landschaft werden in mehreren Rezensionen angesprochen und positiv bewertet. So schreibt John Fried in Cinéaste, dass die Schönheit des Films in seiner „formalen Behandlung der isländischen Landschaft“ liege.[5] Für Roger Ebert gelingt es dem Film - „fast als Nebeneffekt“ – Island als ein ergreifendes und schönes Land zu zeigen, „wo der Schnee im Mondlicht eine so ätherische Landschaft erschafft, dass wir fast nicht überrascht sind, wenn der Eindruck erweckt wird, der Geist eines Kindes führe Atsushi“.[7]

Für John Fried ist die Transformation des Lebens des Protagonisten in Cold Fever von einem „banalen Nine-to-Five-Ritual zu einer mystischen Reise, um seiner Vergangenheit zu begegnen“ eine Allegorie auf die Distanz des modernen Menschen von seinem Land und seinen Wurzeln.[5] Ähnlich schreibt Hans Messias im Filmdienst: „Am Ende dieser Reise ins Ich ist aus dem golfbegeisterten jungen Mann ein spiritueller Mensch geworden.“[8] Einen inneren Wandel von Atsushi Hirata erkennt auch Bert Cardullo in The Hudson Review: In einer Szene, die in der Nacht spielt, bevor Hirata sein Ziel erreicht, scheint er zu erwachen und im Freien vor der Schutzhütte geisterhaften Erscheinungen zu begegnen - oder träumt er? Dies spiele, so Cardullo, keine Rolle: Hiratas seelische Kräfte seien so erweitert worden, dass der Kontakt mit dem Übernatürlichen ihm bewusst wie auch unbewusst ganz plausibel erscheine, und sogar als „integraler Bestandteil des irdischen Lebens“.[9]

Der Film wird dabei auch als Komödie[10] beziehungsweise Comedy-Drama[6][11] eingeordnet, dies nicht nur aufgrund seines für den Protagonisten glücklichen Endes. Für James Berardinelli zeigt der Film einen zurückhaltenden Humor, für den es keine kulturelle Barriere gebe,[1] Jonathan Rosenbaum schreibt, der Film beinhalte sowohl eine „spirituelle Suche“ als auch einen „komischen Reisebericht“,[12] und Stephen Holden in der New York Times sieht den Film auch als „humorvollen Reiseführer durch ein Land, das als eine surreale Miniatur-Imitation des Wilden Westens dargestellt wird“.[10]

Wiederholt wird eine Nähe zu den Filmen von Jim Jarmusch angesprochen. Der Produzent und Drehbuchautor von Cold Fever, Jim Stark, produzierte bereits Filme von Jarmusch, darunter Mystery Train, in dem Masatoshi Nagase, der Hauptdarsteller von Cold Fever, ebenfalls in einer Hauptrolle zu sehen ist.[7] Messias fühlt sich neben Jarmusch auch an die frühen Filme von Aki Kaurismäki erinnert, „ohne dass Fridriksson diese Stile kopieren würde“.[8] Für Gavin McDowell „jarmuscht“ der Film sogar „härter als Jim Jarmusch“.[13]

Auszeichnungen

Bearbeiten

Der Film wurde beim Edinburgh International Film Festival 1995 mit dem Channel 4 Director’s Award, beim Festróia Tróia International Film Festival 1996 mit dem Golden Dolphin und beim Seattle International Film Festival 1996 mit dem Golden Space Needle Award für die Hauptdarstellerin Lili Taylor ausgezeichnet.[4]

Bearbeiten

Einzelnachweise

Bearbeiten
  1. 1 2 3 James Berardinelli: Cold Fever. In: Reel Views. 1996, archiviert vom Original am 12. Dezember 2010; abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  2. Cold Fever. DVD, Sena 0185D, 2008.
  3. Cold Fever. DVD, Second Sight 2NDVD 3069, 2004.
  4. 1 2 3 Á köldum klaka. Internet Movie Database, abgerufen am 4. Mai 2026.
  5. 1 2 3 John Fried: Film Guide - Cold Fever. In: Cinéaste. Band 22, Nr. 2, 1996, S. 64, JSTOR:41687467.
  6. 1 2 Cold Fever. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  7. 1 2 Roger Ebert: Cold Fever. In: RogerEbert.com. 19. Juli 1996, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  8. 1 2 Hans Messias: Cold Fever. Kritik. In: Filmdienst. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  9. Bert Cardullo: Road Fever. In: The Hudson Review. Band 50, Nr. 1, 1997, S. 109114, hier S. 113, JSTOR:3852405.
  10. 1 2 Stephen Holden: An Icelandic Road Movie? Button Up. In: The New York Times. 5. April 1996, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  11. Cold Fever. In: Cinema Clock. Abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  12. Jonathan Rosenbaum: Cold Fever. In: jonathanrosenbaum.net. 19. Juli 1996, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  13. Gavin McDowell: Sects, Lies, and Videotape: Cold Fever (Friðriksson, 1995). In: Alternate Ending. 16. Februar 2023, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).