Canon de 37 mm modèle 1916 TR

leichtes Infanteriegeschütz

Die Canon de 37 mm modèle 1916 TR war ein französisches Infanteriegeschütz, das in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkrieges entwickelt und von mehreren Ländern bis zum Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.

Canon de 37 mm modèle 1916 TR


Canon de 37 mm modèle 1916 TR
im Musée Royal de l’Armée

Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller Atelier de Construction de Puteaux
Entwicklungsjahr 1916
Produktionsstart 1916
Waffenkategorie Infanteriegeschütz
Flugzeuggeschütz
Technische Daten
Rohrlänge 74 cm
Kaliber 3,7 cm
Kadenz 25 Schuss/min
Höhenrichtbereich -8° – +17° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 35°

Entwicklung

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Im Jahr 1899 wurde in den Haager Konventionen festgelegt, dass das Kaliber von 3,7 cm das kleinste sein durfte, mit dem man Sprenggranaten verschießen durfte. Aus diesem Grund wurde dieses Kaliber von vielen Nation für kleine und leichte Geschütze genutzt. Die Firma Atelier de Construction de Puteaux (kurz: APX) entwickelte im Jahr 1916 solch ein Geschütz für die französischen Truppen während des Ersten Weltkrieges, die Canon de 37 mm modèle 1916 TR.

Technische Beschreibung

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Die Canon de 37 mm modèle 1916 TR war eine Infanterieunterstützungskanone. Die Bezeichnung TR, oftmals auch TRP, bedeutet tir rapide, beziehungsweise tir rapide, Puteaux und bezeichnet ein Schnellfeuergeschütz der Firma Puteaux.

Das Geschütz war auf einem Dreibein montiert. Für den leichteren und längeren Transport war es möglich, Räder an das Dreibein zu montieren. Da das Geschütz mit nur 108 kg sehr leicht war, konnte es von vier Soldaten getragen werden, welche das Geschütz vorher in zwei Lasten zerlegten. Dabei entstanden das Geschützrohr mit Rückstoßmechanismus mit 47 kg und die Lafette mit 38 kg Gewicht. Das restliche Gewicht von 23 kg kam durch die Verwendung eines Geschützschildes zum Schutz für die Besatzung zustande, welches jedoch nicht immer verwendet wurde.[1]

Die Bedienung der Canon de 37 mm modèle 1916 TR konnte durch zwei Soldaten erfolgen. Dazu zählten der Ladeschütze und der Richtschütze. Dabei war eine Kadenz von 35 Schuss die Minute keine Seltenheit.[1] Die Visiereinrichtung bestand aus einem abnehmbaren Zielfernrohr für direktes Feuer und einem Quadrantenvisier für indirektes Feuer.[2]

Bezeichnungen

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US-amerikanische Soldaten im Juni 1918 an der Westfront mit einer 37-mm-Gun M16 auf hochgefahrener Dreibein-Lafette

Je nach Nutzernation hatte die Kanone verschiedene Namen und Bezeichnungen.

  • 37-mm-Armata piechoty wz. 1916 TR (Polen)
  • 37-mm-Gun M16 (Vereinigte Staaten)
  • 3,7-cm pehotni top (Jugoslawien)
  • 3,7-cm-Infanteriegeschütz 142 (j) / 147 (a) / 152 (f) (Wehrmacht)
  • Canon de 37 mm modèle 1916 TR (Frankreich)

Frankreich

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Im Motor der SPAD S.XII verbaute Canon de 37 mm modèle 1916 TR

Hauptaufgabe der Canon de 37 mm modèle 1916 TR war die Bekämpfung von Maschinengewehrnestern. Daneben wurde sie auch in verschiedenen Flugzeugen, wie die Salmson-Moineau S.M.1 verbaut. Der französische Jagdflieger René Fonck nutze den Doppeldecker SPAD S.XII, welcher um das Geschütz herumgebaut wurde und durch die Propellerkappe feuerte. In der französischen Armee wurde Sprengmunition mit der Bezeichnung Obus explosif Mle1916 verwendet. Hierbei wurde ein 555 g schwerer Geschosskopf mit einer 30 g schweren Sprengladung verschossen.

Während des Ersten Weltkrieges erwies sich das Geschütz als unzureichend. Es stellte sich heraus, dass die Hauptaufgabe als Stellungszerstörer besser, präziser und effektiver von Mörsern erfüllt werden konnte. Nach dem Krieg wurden viele Geschütze für die Ausbildung genutzt oder aus dem Dienst entfernt und verschrottet. Dennoch verblieben einige Geschütze im Dienst und dienten 1940 noch als Ersatz für die noch kaum vorhandene Canon de 25mm semi-automatique modèle 1934. Als die Wehrmacht im Mai 1940 in Frankreich einfiel, wurden die Geschütze als Panzerabwehrwaffe eingesetzt.

37-mm-Gun M16 als Geschütz für den M1917 light tank

Auch in den USA wurde das Geschütz mit der Bezeichnung 37-mm-Gun M16. Hierbei erhielten die Geschütze zusätzlich einen Munitionswagen, welcher mit 14 Kisten mit je 16 Granaten ausgerüstet wurde. Weiterhin wurde darauf Werkzeug und weiteres Zubehör transportiert.[2] Bei der US-Armee wurden das Geschütz und der Munitionswagen von Zugtieren gezogen. Kam man näher an die Frontlinie heran, wurde das Geschütz durch die Bedienmannschaft gezogen. Die US-Armee verwendete Sprengmunition eigener Herstellung. Dafür gab es die Mark II HE-Granate mit einem 670 g schweren Geschosskopf und einer 27,2 g schweren Sprengladung.[1]

Neben der Nutzung als Infanteriegeschütz wurde die 37-mm-Gun M16 auch im M1917 light tank als Hauptbewaffnung verbaut, welcher für einen Fronteinsatz jedoch zu spät kamen.[3] Während der Zwischenkriegszeit organisierte sich die US-amerikanische Armee um. Dabei wurden die Infanterie-Regimenter mit Haubitzen-Kompanien ergänzt. Aufgrund mangelndem Materials wurden die Haubitzen-Kompanien mit der 37-mm-Gun M16 ausgerüstet.[4] Bis ins Jahr 1941 wurden dann die Haubitzen-Kompanien aus den Infanterie-Regimentern wieder herausgelöst und in Panzerabwehrzüge umgewandelt. Dadurch wurden die meisten 37-mm-Gun M16 eingelagert, verschrottet oder als Ersatzteilspender genutzt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden einige 37-mm-Gun M16 während der Schlacht um die Philippinen als Panzerabwehrwaffe eingesetzt, da es aufgrund von Engpässen an anderen Geschützen mangelte.

Großbritannien

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Großbritannien erwarb 1917 eine Canon de 37 mm modèle 1916 TR und wollte dieses nach dem Vorbild der SPAD S.XII in ein Flugzeug verbauen. Dabei wurde das Geschütz im Prototyp des schiffsgestützten Jagdflugzeug Beardmore W.B.V und sollte zur Bekämpfung von Luftschiffen genutzt werden. Das Geschütz im Flugzeug wurde jedoch als gefährlich eingestuft und aus Sicherheitsgründen wieder ausgebaut.[5]

Von Polen wurden einige Geschütze gekauft und bis in die 1930er Jahre als 37-mm-Armata piechoty wz. 1916 TR eingesetzt. Dabei kamen sie bei den Ausbildungseinheiten und bei den Einheiten des Grenzschutz zum Einsatz.[6]

Wehrmacht

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Nachdem die Wehrmacht mit dem Ende des Westfeldzuges Frankreich erobert hatte, fielen ihnen unter anderem mehrere Canon de 37 mm modèle 1916 TR samt Munition in die Hände. Das Geschütz wurde in der Vorschrift Kennblätter fremden Geräts mit der Bezeichnung 3,7-cm-Infanteriegeschütz 152 (f) geführt. Während und nach der Besetzung Jugoslawiens fielen der Wehrmacht auch hier einige Canon de 37 mm modèle 1916 TR in ihr Hände. Da diese jedoch von Jugoslawien genutzt und als 3,7-cm pehotni top bezeichnet wurden, listete die Wehrmacht die Geschütze als 3,7-cm-Infanteriegeschütz 142 (j). Auch die 37-mm-Gun M16 der US-amerikanischen Armee wurde in den Kennblättern fremden Geräts als 3,7-cm-Infanteriegeschütz 147 (a) gelistet, wenn diese auch nicht auf dem europäischen Kriegsschauplatz auftauchten.

Einige wenige Geschütze wurden zu Beginn des Indochinakrieges von den Việt Minh eingesetzt.[7]

Verbleib

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37-mm-Gun M16 in der U.S. Army Armor and Cavalry Collection, Fort Benning

Bis heute kann man in verschiedenen Museen weltweit einige gut erhaltene Exemplare betrachten. So gibt es in der U.S. Army Armor and Cavalry Collection im Fort Benning ein Geschütz mit einer Mündungsbremse und einem Geschützschild auf einer Räderlafette. Im Musée Royal de l’Armée in Brüssel kann man eine Kanone auf einem Dreibein finden. Im Musée de l’air et de l’espace findet man den Motor einer SPAD S.XII, in dem die Canon de 37 mm modèle 1916 TR verbaut wurde.

Literatur

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  • J. M. Bruce: War Planes of the First World War: Volume 1 Fighters. Macdonald, London 1965.
  • Melvin M. Jr. Johnson: Rifles and Machine Guns. William Morrow and Company, 1944.
  • Andrzej Konstankiewicz: Broń strzelecka i sprzęt artyleryjski formacji polskich i Wojska Polskiego w latach 1914-1939. Marii Curie-Skłodowskiej, 2003, ISBN 83-227-1944-2.
  • Ian McCollum: M1916 37mm gun. Forgotten Weapons, 2011.
  • Ordnance Department: Handbook of artillery: including mobile, anti-aircraft and trench matériel. Government Printing Office, Washington 1920.
  • Popular Science: Army Target Practice Now Use Tiny Rifles. Popular Science, 1931.
  • Martin Windrow: French Foreign Légionnaire vs Viet Minh Insurgent: North Vietnam 1948–52. Osprey Publishing, 2018, ISBN 978-1-4728-2891-0.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Ordnance Department: Handbook of artillery. 1920, S. 52.
  2. 1 2 Ordnance Department: Handbook of artillery. 1920, S. 55.
  3. Ian McCollum: M1916 37mm gun. 2011.
  4. Popular Science: Army Target Practice Now Use Tiny Rifles. 1931, S. 73.
  5. J. M. Bruce: War Planes of the First World War: Volume 1 Fighters. 1965, S. 74.
  6. Andrzej Konstankiewicz: Broń strzelecka i sprzęt artyleryjski formacji polskich i Wojska Polskiego w latach 1914-1939. 2003.
  7. Martin Windrow: French Foreign Légionnaire vs Viet Minh Insurgent: North Vietnam 1948–52. 2018, S. 26–38.