Canal+ (Frankreich)
Canal+ ist ein in Frankreich landesweit zu empfangender, börsennotierter Bezahlfernsehsender mit Sitz in Issy-les-Moulineaux, Département Hauts-de-Seine. Er gehört zur Groupe Canal+, die als börsennotiertes Unternehmen aus der Aufspaltung des Medienkonzerns Vivendi per 16. Dezember 2024 entstanden ist.
| Canal+ | |
| Fernsehsender (Privatrechtlich, Pay-TV) | |
| Programmtyp | Vollprogramm |
|---|---|
| Empfang | Kabel (Numericable: Kanal 4), Satellit (CanalSat: Kanal 4), ADSL (Orange, Free, SFR/Neuf, Darty), VDSL / FTTH (Swisscom, Swisscom TV), Kabel UPC Region Romandie |
| Sendestart | 4. November 1984, 8 Uhr |
| Eigentümer | Groupe Canal+ |
| Geschäftsführung | Bertrand Méheut |
| Liste der Listen von Fernsehsendern | |
| Website | |
Programm
BearbeitenWie nahezu alle Bezahlfernsehsender strahlt Canal+ relativ aktuelle Spielfilme mehrmals über einen Zeitraum von zwei Monaten aus. Auffallend ist, dass fast alle ausländischen Filme dabei abwechselnd in französischer Synchronfassung oder im Original mit Untertiteln gezeigt werden. Es gibt über Satellit und gab über die TNT (das digitale französische terrestrische Fernsehen) immer 2 Tonspuren, eine für französisch und eine für den Originalton. Neben Kinofilmen und Sport gehören auch Serien und Dokumentationen zum festen Programmbestandteil von Canal+, außerdem stehen auch viele Sportarten zur Verfügung.
Der Sender strahlte unter anderem seit 1988 die Sendung Les Guignols de l’info (deutsch „Das Kasperltheater der Nachrichten“) und einige andere Sendungen wie News und vor allen Dingen die Kult-Musiksendung TOP 50, dazwischen Werbung und Programmtipps von Canal+, unkodiert aus.
Die erste alte Codierung war Discret 11, bei der das Bild leicht hin und verzogen wurde.
Die zweite war Nagravision Syster, die gleiche wie früher bei Premiere, das Bild wurde hoch und runter verzogen, allerdings war in Frankreich auch der Ton verschlüsselt.
Gleichzeitig finanziert der Sender viele Kinofilme und den Profifußball. Dies ist besonders bei französischen Filmen sichtbar, in deren Vorspann oft „avec la participation de Canal+“ (in Zusammenarbeit mit Canal+) zu lesen ist. Diese Co-Finanzierung ist nicht ganz uneigennützig, da Spielfilme und Sport zu den Zugpferden von Canal+ zählen. International beteiligt sich Canal+ über den firmeneigenen Filmverleih Studiocanal und dessen Tochtergesellschaften, darunter die Studiocanal GmbH in Berlin, an der Distribution, dem Handel und der Koproduktion von Kinofilmen.[1] Die Canal-Plus-Gruppe gehört zum Medienkonzern Vivendi Universal.
Geschichte
Bearbeiten1984 lancierte die Groupe Canal+ den auf analog terrestrischer Grundlage arbeitenden Pay-TV-Sender Canal+, der damit einer der ältesten Bezahlfernsehsender in Europa ist. Im Jahre 2007 zählte der zusammen mit seinem auf digitaler Grundlage arbeitenden Ableger Canal+ Le Bouquet rund 4,5 Mio. Abonnenten für alle Übertragungswege (terrestrisch, Kabel, Satellit und Internet).[2] Charakteristisch ist, dass das Hauptprogramm nahezu landesweit über die normale Hausantenne zu empfangen war.
Mitte 1988 ist Canal+ in Frankreich mit rund zwei Millionen Abonnenten der größte Pay-TV-Anbieter und finanziert sich überwiegend aus den Abonnenten-Gebühren (Preis 1988: monatlich rund 44,50 DM). Rund 25 Prozent der Einnahmen musste Canal+ zugunsten französischer Filmproduktionen ausgeben (Senderechte oder als Mitproduzent). Im Gegenzug durfte Canal+ Kinofilme vor allen anderen Fernsehsendern ausstrahlen.
Seit Mitte der 1990er Jahre betreibt Canal+ das digitale Bouquet CanalSat. Die damals neue digitale Technik brachte Canal+ auch erstmals einen Bezahlfernseh-Konkurrenten, die Plattform TPS, Télévision par Satellite (deutsch „Fernsehen über Satellit“).
Im Jahr 1991 war Canal+, zusammen mit Bertelsmann, Initiator des aus dem Kanal Teleclub hervorgegangenen Senders Premiere. Der von der Premiere AG verwendete analoge Dekoder, ein F Sagem Syster G1 Decoder aus dieser Zeit war mit dem von Canal+ identisch, auffallend war der „weiße Schlüssel“, den man in den Dekoder stecken musste, um das Programm zu dekodieren.
Schon vorher hatte Canal+ begonnen zu expandieren: Aus FilmNet wurde Canal+ Benelux und Canal+ Skandinavien, es entstanden Canal+-Kanäle in Spanien und Belgien (in Spanien und im französischsprachigen Teil Belgiens ebenfalls über Hausantenne). In Polen werden die Canal+-Sender durch die Platforma Canal+ (nc+ von 21. März 2013 bis 3. September 2019) verbreitet.
Viele dieser Kanäle sind inzwischen weiterverkauft und oftmals umbenannt: Canal+ Benelux heißt nun PRIME in Flandern bzw. Be TV in der Wallonie und in Luxemburg, in den Niederlanden heißen die Kanäle nun FILM 1 und SPORT 1, und in Spanien hat der analoge Free-TV-Sender Cuatro das terrestrische Programm ersetzt.
Von Anfang an über Antenne ausgestrahlt, bis zur Analogabschaltung in Frankreich in SECAM, danach innerhalb der digitalen TNT, dort auf Kanal 4, hat Canal+ die terrestrische Verbreitung in Frankreich am 6. Juni 2025 beendet,[3] nachdem die Lizenz mit dem 5. Juni abgelaufen war und Canal+ auf eine Verlängerung verzichtet hatte.[4] Es ist fortan nur noch über Satellit, die in Frankreich übliche Box internet und Streaming empfangbar.
Kritik
BearbeitenIn heftige Kritik geriet der Kanal, als er am 6. November 2005 Videoaufnahmen der Pariser Krawalle 2005 verfälschte. Randalierer, offenbar nordafrikanischer Herkunft, riefen vernehmlich „Sarkozy, sale juif“ („Sarkozy, dreckiger Jude“), dies gaben Untertitel als „Sarkozy fasciste“ wieder. Canal+ wurde Rücksichtnahme auf eine durch die Regierung gedeckte antisemitische Haltung breiter Bevölkerungsschichten, insbesondere der französischen Muslime, vorgeworfen.[5][6][7]
Weblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- ↑ über STUDIOCANAL. Studiocanal, abgerufen am 5. Juni 2012.
- ↑ Entscheidung der Europäischen Kommission in der Sache COMP/M.4504 – SFR/Télé 2 France (PDF; 238 kB)
- ↑ Séverine Fauchille: Canal+ quitte la TNT le 6 juin 2025 : ce qu’il faut savoir. In: Lettre Résiliation. 6. Juni 2025, abgerufen am 26. Juli 2026 (französisch).
- ↑ Consultation publique sur l'usage des ressources radioélectriques affectées à la diffusion en métropole de services de télévision par voie hertzienne terrestre. In: Arcom.fr. 30. April 2025, abgerufen am 26. Juli 2026 (französisch).
- ↑ Méfiez-vous des sous-titres! Appel à témoins ( vom 18. Juni 2006 im Internet Archive), Media-Ratings, 12. April 2006.
- ↑ Incitation à la haine ( vom 10. Juli 2006 im Internet Archive), Union des patrons et des professionnels juifs de France (UPJF), 15. November 2005.
- ↑ Propos de certains émeutiers: une vidéo inquiétante ( vom 16. Februar 2006 im Internet Archive), Videoaufnahme bei UPJF (WMV-Datei; 2,6 MB)
