Belletruche
Belletruche ist ein Herrensitz und Weingut (Maison de maître) in der Gemeinde Mont-sur-Rolle in der La Côte im Kanton Waadt. Die Häusergruppe ist ein Kulturgut von regionaler Bedeutung[1], steht unter kantonalem Denkmalschutz[2], ist eingetragen im ISOS[3] und liegt im Perimeter der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.[4] Der Garten ist in der Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz der ICOMOS eingetragen.[5]



Geschichte
BearbeitenDie Klöster Romainmôtier, Bonmont und Joux waren spätestens ab dem 13. Jahrhundert durch entsprechende Schenkungen in Germagny in der Herrschaft Mont begütert.[6] Davon zeugen die in der Gemeinde Mont-sur-Rolle überlieferten Flurnamen wie «Clos de Jérusalem», «Montbenoît» (Montbenay), «L'Abbaye», «En Couvent» und «Joux». Jean-François de Gingins, Freiherr zu La Sarraz, verkaufte 1558 ein Haus in Germagny, samt Rebbergen in Mont, Rupalet und Perroy an Pierre Gacon aus Rolle.[7] Bei dem Haus könnte es sich um das heutige Haus Belletruche handeln.[8]
Ursule de Cerjat (1615–1701), Tochter des Philippe de Cerjat und der Jacqueline de Joffrey, Nichte der Françoise de Gingins, hatte möglicherweise bereits Grundstücke in der Herrschaft Mont geerbt und kaufte ab 1669 weitere hinzu. Ihren Besitz vererbte sie an ihre beiden Töchter Ursula Esther und Rosina, aus ihrer zweiten Ehe mit Franz Ludwig von Graffenried (1600–1661). Die «Maison située en Germagny» (heute Belletruche) ging zunächst an Rosina von Graffenried[9] und die Besitzung En Crochet ging 1701 an ihre Tochter Ursula Esther von Graffenried, verheiratet mit Hans Rudolf von Luternau.[10] Ursula Esther wiederum vererbte ihre Besitzungen an ihre Tochter Anna Ursula von Luternau, verheiratet mit Hans Franz Nägeli (VIII.) (1661–1724). Nach dem Tod von Anna Ursula ging der Besitz an ihren Sohn Hans Rudolf Nägeli (1698–1741).[11] Von Nägeli gingen En Crochet und die Maison en Germagny käuflich an den Artillerieoffizier Johann Rudolf Wurstemberger (1679–1748). Sein Grossvater, der Venner und Welschseckelmeister Hans Rudolf Wurstemberger (III.) (1608–1693) besass bereits Rebland in Mont, welches mehrere Generationen vorher bereits vermehren konnten.
Johann Rudolf Wurstemberger verkaufte 1746 seine «Batiments de Germagny» samt Rebbergen an Bartlome May (1705–1760), Landvogt zu Nyon und zu Oberhofen.[12] May kaufte zwei Jahre später weitere Parzellen hinzu.[13] Ab 1754 wird das Gut in einem Kaufbrief erstmals «Belletruche» genannt.[14] Die Benennung dürfte im Andenken an das Haus Belles-Truches in Vevey der Familie de Joffrey erfolgt sein.[15]
Mays Sohn Johann Carl May erbte 1760 Belletruche und vererbte 1824 es seinem einzigen Sohn Carl Rudolf May (1787–1843), der es testamentarisch seiner Witwe Julie von May (1789–1873) vermachte. Ihre Tochter Julie von May, verheiratet mit Friedrich Amadeus Sigmund von May[16], und ihr Enkel Alfred von May (1833–1883) erbten Belletruche gemeinsam. Deren Tochter Esther von May heiratete 1861 Hans von Hallwyl, Besitzer des Schlosses Hallwyl. Erbin war deren Tochter Esther Johanna Irmengard von Hallwyl, die mit dem Historiker Wolfgang Friedrich von Mülinen verheiratet war. Deren Tochter Johanna Ines Barbara von Mülinen wiederum heiratete 1915 den Ingenieur Alfred von Erlach (1886–1971), sodass nach ihr das Gut 1953 an ihre Söhne Harald von Erlach (1919–1988) und Thüring von Erlach (1933–2025), und damit an die Familie von Erlach (Zweig Hindelbank) kam.
Rebsorten und Weine
BearbeitenDas Weingut produzierte bis 2022 vier Weine: Den Domaine de Belletruche (Chasselas), den Clos de Jérusalem (Chasselas, à la lie), L'Hirondelle (Chasselas, Schaumwein) und die Cuvée du Chevalier (rot). Zudem wurde ein Eau de vie de Lie hergestellt.
Seit 2023 sind der Domaine de Belletruche und der Belletruche rouge über den Weinhandel zu beziehen.[17]
Quellen
Bearbeiten- Familienarchiv von Erlach (von Hindelbank), Privatbesitz
- Teilungsvertrag der Hinterlassenschaft der Ursula Willading geb. Cerjat, der Gemahlin des Christian Willading, 1701, Mss.h.h.XLI.5 (12) im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern[18]
- Belletruche, Erbteilungsinventare, 1946–1951, FA von Mülinen 1085 im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern
- Mont-sur-Rolle, Belletruche, maison de maître et vigneronne, 2004.11.01-2004.11.30, SB 278/1/334/13 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
- Mont-sur-Rolle, Belletruche, route de Germagny 4, maison vigneronne, 2003.03.10-2003.06.24, SB 278/5/334/20 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
- Mont-sur-Rolle, Belletruche, route de Germagny 4, maison vigneronne, 2004.01.01-2004.12.31, SB 278/5/334/19 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
- Mont-sur-Rolle, Belletruche, maison de maître et vigneronne , 2004.11.01-2004.11.30, SB 278/2/334/13 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
Literatur
Bearbeiten- Paul Bissegger: Rolle et son district. Les monuments d'art et d'histoire du Canton de Vaud t. 7, Berne 2012, S. 204–209. online
- Paul Bissegger: Variations sur Wein, Weib und Gesang. Grandes demeures vigneronnes. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunst+Architektur in der Schweiz = Art+Architecture en Suisse = Arte+Architettura in Svizzera. Band 65, Nr. 3. Bern 2014, doi:10.5169/seals-685726.
- Manuel Kehrli: «Je la trouvay à mon goût». Die bernischen Schlösser und ihre Interieurs im 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 72 (2015), S. 273–284. doi:10.5169/seals-632560
- Wolf Maync: Bernische Patriziersitze in welschen Landen, Bern 1985.
- Jürg Rettenmund: Auf den Spuren nobler Berner Winzer in der Waadt. Patrizierfamilien am Léman. In: Berner Zeitung. 5. Januar 2022 (bernerzeitung.ch [abgerufen am 18. Juli 2026]).
- Cour de cassation pénale, séance du 15 avril 1874. In: Journal des tribunaux vaudois. revue de jurisprudence de la Suisse romande. Band XXII, Nr. 1. Lausanne 1874, S. 297–301 (französisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 24. Juli 2026]).
Einzelnachweise
Bearbeiten- ↑ KGS-Nr. 14677.
- ↑ Objektblatt auf recensementarchitectural.vd.ch.
- ↑ ISOS, Mont-sur-Rolle, Nr. E 0.4.
- ↑ Nr. 1201
- ↑ Gartenliste auf icomos-jardins.ch.
- ↑ Jean de Monz, donzel, fils de feu Nicolas, chevalier, reconnaît tenir en fief du couvent de Romainmôtier, au terroir et finage de Germagny une vigne touchant la grande Estra qui va au moulin de Ruisso et la terre de Waucher de Duluz; une autre vigne touchant la grande Etra de Mont, 1284, C VII a 181 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
- ↑ Jean-François de Gingins La Sarraz vend à Pierre Gacon une maison à Germagny, des vignes à Mont, Ruppalex et Perroy, 1558.01.01-1558.12.31, P Château de La Sarraz C 205 im Katalog der Archives cantonales vaudoises.
- ↑ Die Darstellung der frühen Besitzergeschichte durch Wolf Maync, siehe Wolf Maync: Bernische Patriziersitze in welschen Landen, Bern 1985, ist nicht zutreffend. In der Waadt besass Hans Franz Nägeli gemäss seiner Erbteilung und den bernischen Ratsmanualen Rebland in Treytorrens, das Haus und den Clos de Montbenay, ein Haus in Bursins, einen Trüel in Bougy, Rebland bei Lausanne und bei Cully sowie eine Besitzung in Aigle, siehe: Rudolf von Sinner: Hans Franz Nägeli. Ein biographischer Versuch. In: Berner Taschenbuch 1873, S. 1–114, doi:10.5169/seals-123632.
- ↑ Rosinas Tochter Sedide Azabe von Graffenried (1674–1752) war verheiratet mit dem englischen Diplomaten Philibert d’Herwarth.
- ↑ Teilungsvertrag der Hinterlassenschaft der Ursula Willading geb. Cerjat, der Gemahlin des Christian Willading, 1701, Mss.h.h.XLI.5 (12) im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern
- ↑ Familienarchiv von Erlach (von Hindelbank).
- ↑ Familienarchiv von Erlach (von Hindelbank), Kaufbrief Domaine de Germagny, 1746.
- ↑ Familienarchiv von Erlach (von Hindelbank).
- ↑ Familienarchiv von Erlach (von Hindelbank), Kaufbrief Bugnaux, 1754.
- ↑ Bartlome May (1615–1664), Mitherr zu Rued, war mit Salome Joffrey verheiratet (kinderlos). Die Familie de Belletruche ist im 14.–15. Jahrhundert in Chambéry und Vevey nachweisbar, s. www.davel.vd.ch
- ↑ Sohn des Carl Friedrich Rudolf May, Besitzer von Schloss Rued und der Campagne Rörswil.
- ↑ Belletruche auf riemdaepp.ch
- ↑ Familienarchiv von Luternau.
Weblinks
Bearbeiten- Belletruche auf riemdaepp.ch
- Belletruche auf terravin.swiss
Koordinaten: 46° 28′ 12″ N, 6° 19′ 59,8″ O; CH1903: 515103 / 147118