Anna Coesters
Anna Coesters (gestorben 6. Juni 1581 in Dortmund) arbeitete vermutlich als Hebamme, bis sie als erste Person in Dortmund der Hexenverfolgung zum Opfer fiel.
Anklage
BearbeitenAnna Coesters war die erste Person, die in Dortmund der Hexerei angeklagt wurde. Vermutlich arbeitete Anna Coesters als Hebamme. Sie wurde 1581 von einer Frau beschuldigt, bei der Geburt ihres Kindes es im Mutterleib verhext zu haben und somit dafür verantwortlich gewesen zu sein, dass das Kind tot zur Welt gekommen war. Dies stritt Anna Coesters ab und die Mutter erstattete Anzeige. Dieser Anzeige ging der Dortmunder Rat nach und Anna Coesters wurde am 16. April 1581 vor das Gericht geladen. Da sie keinen Bürgen stellen konnte, um ihre Unschuld zu bestätigen, wurde sie verhaftet und im Katharinenturm, einem Turm an der nördlichen Stadtbefestigung gelegen, eingesperrt. An dieser Stelle befindet sich heute die Katharinentreppe, gegenüber des Dortmunder Hauptbahnhofs.[1]
Wasserprobe
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Am 5. Juni 1581 wurde sie im Kuckelkemühlenteich, einem Teich vor dem Kuckelketor, östlich des Katharinenturms gelegen, der Wasserprobe unterworfen. Sie wurde in den Teich geworfen, dabei waren ihre Daumen und die Zehen vor dem Bauch zusammengebunden. Der Teich nahm auch das Abwasser der Stadt wie Fäkalien und das Schmutzwasser der Handwerksbetriebe auf, und nur wenn sie unterging, wäre bewiesen, dass sie keine Hexe wäre, doch Anna Coesters ging nicht unter. Sie wurde dreimal ins Wasser geworfen, doch sie blieb jedes Mal über Wasser. Dies lag vermutlich an der Körperhaltung, die durch die gebundenen Hände und Füße wie eine Art Schiffchen wirkte. Anna Coesters hatte selbst um die Wasserprobe gebeten. Für ihre Richter war so bewiesen, dass sie eine Hexe wäre. Sie wäre vom Teufel über Wasser gehalten worden.[1]
Folter und Verurteilung
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Am nächsten Tag, dem 6. Juni 1581 folgte im Keller des Rathauses am Markt das peinliche Verhör. Um ein Geständnis zu erlangen, wurde sie gefoltert. In den Quellen wurde vom Chronisten Detmar Mulher festgehalten, dass ihr Daumenschrauben angelegt worden waren. Diese wurden langsam zugedreht, um möglichst großen Schmerz zu verursachen, und unter der Folter gestand Anna Coesters, was ihr vorgeworfen wurde. Es ist nicht bekannt, ob es weitere Foltermethoden gab, jedoch starb Anna Coesters kurz nach ihrem Geständnis, noch in Anwesenheit der Offiziellen, die das Verhör geleitet hatten, vermutlich an den Folgen der Folter. Dazu hält Mulher fest, dass „Der Teufel ihr den Hals umgedreht und sie erstickt habe“.[1]
Ihr Tod unter der Folter war für den Dortmunder Rat ein unangenehmer Vorfall, denn per Gesetz war geregelt, dass ein Verfahren eine ordentliche Verurteilung und eine Bestrafung der „Hexe“ haben musste. So wurde dann vom Rat ihre Leiche vor Gericht gestellt. Der Prozess fand am 7. Juni statt und die Leiche von Anna Coesters wurde vermutlich in einem einfachen Sarg auf dem Stadtkarren vor das Gericht gebracht. Dort wurde sie zum „Brand“ verurteilt, wie der Chronist Mulher festhielt. Nach dem Prozess ging es in einer Prozession zum Hinrichtungsplatz vor dem Westentor. Dort hatte der Henker bereits einen Scheiterhaufen aufgebaut.[1]
Rehabilitation
BearbeitenAnna Coesters war die erste Person, die in Dortmund in einem Hexenprozess angeklagt worden war. Der letzte Prozess fand in Dortmund 1656 statt. Es wurden neben Anna Coesters 32 weitere Frauen und 5 Männer getötet, denen Hexerei vorgeworfen worden war.[1]
Auf Antrag des Heimatmuseums Lütgendortmund wurde zugunsten von Anna Coesters wie auch weiteren Personen durch den Rat der Stadt Dortmund am 2. Oktober 2014 ein Beschluss zur sozialethisch-moralischen Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse gefasst.[2][3]
Einzelnachweise
Bearbeiten- 1 2 3 4 5 Nicola Schubert, Thomas Thiel: Gefoltert im Rathaus, verbrannt am Westentor: Anna Coesters, Dortmunds erste verurteilte Hexe. In: ruhrnachrichten.de. 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Hellweger Anzeiger vom 7. Oktober 2014, S. 28, und Ruhrnachrichten Dortmund 7. Oktober 2014
- ↑ Antrag des Heimatmuseums Lütgendortmund (PDF), abgerufen am 26. Juli 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Coesters, Anna |
| KURZBESCHREIBUNG | Hebamme, die der Hexenverfolgung zum Opfer fiel |
| GEBURTSDATUM | 16. Jahrhundert |
| GEBURTSORT | Dortmund |
| STERBEDATUM | 6. Juni 1581 |
| STERBEORT | Dortmund |