Angelo Rotta

italienischer Apostolischer Nuntius in Budapest am Ende des Zweiten Weltkriegs

Angelo Rotta (* 9. August 1872 in Mailand; † 1. Februar 1965 im Vatikan) war zum Ende des Zweiten Weltkriegs der apostolische Nuntius in Budapest.

Erinnerungsplakette in Budapest

Leben und Wirken

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1895 wurde Rotta zum römisch-katholischen Priester geweiht. Während seiner frühen diplomatischen Aktivitäten in Bulgarien rettete er bulgarischen Juden durch die Ausgabe von Taufzertifikaten und Reisegenehmigungen nach Palästina das Leben. Im Oktober 1922 wurde er Titularerzbischof von Thebae. Im Februar 1930 wurde er vom Heiligen Stuhl von Rom zum Leiter der ungarischen Nuntiatur ernannt, im Mai 1930 trat er seine neue Aufgabe in Budapest an, die er bis zu seiner Ausweisung im April 1945 ausführte.[1] Er schrieb insgesamt 168 Berichte nach Rom, 74 davon befassten sich mit der Judenfrage. Sie enthielten Kritik an den verabschiedeten Judengesetzen Ungarns, seine Proteste gegen Deportationen und beschrieben auch Aktionen von der ungarischen katholischen Kirche und ihm zugunsten der verfolgten Juden.[2]

In den Jahren 1944 bis 1945 trug er wesentlich zur Rettungsaktion der neutralen Staaten (Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz und Vatikanstadt) sowie des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Budapest bei. Initiiert und angeführt wurden diese Aktionen von Carl Lutz, Giorgio Perlasca, Friedrich Born, Raoul Wallenberg, Angel Sanz Briz und weiteren Personen. Zusammen mit seinem Sekretär Gennaro Verolino stellte er mehr als 15.000 Schutzbriefe und Taufzertifikate, die er teilweise von Nuntius Angelo Giuseppe Roncalli aus Istanbul erhielt, an ungarische Juden aus. Als Doyen des Diplomatischen Korps protestierte er mehrmals vehement bei der ungarischen Regierung gegen die Deportation der Juden.[3]

Zwischen dem 14. Mai und dem 8. Juli wurden 437.400 ungarische Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert, etwa 90 % wurden unmittelbar im Vernichtungslager ermordet. Danach warteten nur noch die 230.000 Juden Budapests auf den Abtransport. Erst am 16. Januar 1945 konnten die sowjetischen Truppen Budapest befreien. Dank Einsatz mutiger Diplomaten der neutralen Staaten und weiteren Personen überlebten ungefähr 120.000 jüdische Bewohner der Stadt[4] den zu Ende gegangenen Terror der deutschen Besetzer und der ungarischen Pfeilkreuzler.[5]

Im April 1945, nach einer Anweisung durch russische Truppen[6] verließ er Budapest und kehrte über Rumänien und die Türkei nach Rom zurück. Eigentlich plante er, nach Budapest zurückzukommen, aber die kommunistische Machtübernahme ließ dies dann nicht mehr zu.[7]

Im Jahr 1957 zog Rotta sich aus der Diplomatie zurück, und am 1. Februar 1965 starb er.[8]

Ehrungen

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Im Jahr 1997 wurde er von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt.[9][10]

Siehe auch

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Angehörige der

Literatur

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  • Aus den politischen Berichten des Nuntius Angelo Rotta 1930-1939, 1938-1945, Magyarország Barátai Alapítvány (MOBA).
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Einzelnachweise

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  1. Rotta, Angelo, Website raoul-wallenberg.eu (2022, englisch, abgerufen am 2. Mai 2026)
  2. Päpstlicher Gesandter und Helfer der Juden: Angelo Rotta wurde vor 151 Jahren geboren, Website ungarnheute.hu (9. August 2023, abgerufen am 2. Mai 2026)
  3. Arno Lustiger: Rettungswiderstand – Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit. Wallstein 2011, ISBN 978-3-8353-0990-6, S. 338.
  4. 2004: Gennaro Verolino, Website levandehistoria.se (englisch, abgerufen am 3. Mai 2026)
  5. Chronology of Rescue by Monsignor Angelo Rotta and Father Gennaro Verolino, Vatican, Website holocaustrescue.org (29. Oktober 2017, englisch, abgerufen am 2. Mai 2026)
  6. Rotta, Angelo, Website raoul-wallenberg.eu (2022, englisch, abgerufen am 2. Mai 2026)
  7. Päpstlicher Gesandter und Helfer der Juden: Angelo Rotta wurde vor 151 Jahren geboren, Website ungarnheute.hu (9. August 2023, abgerufen am 2. Mai 2026)
  8. Rotta, Angelo, Website raoul-wallenberg.eu (2022, englisch, abgerufen am 2. Mai 2026)
  9. The Righteous Among Nations. Diplomats (mit Links)
  10. Righteous Among the Nations Recognized by Yad Vashem as of 1 January 2008 – Italy (Memento vom 6. Dezember 2008 im Internet Archive) (PDF; 133 kB)